Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1936)
- Date
- 1936-01-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 4 Der Israelit 23. Januar 1936 Ich gebe diese Erklärung an dieser heiligen Stätte nicht nur als religiöses Oberhaupt der Wiener jüdischen Gemeinde ab, sondern ich fühle mich verpflichtet, die ungerechten Beschuldigungen', welche die gesamte Judenheit und na/mentich die Palästina bauenden Juden, die Blut und Schweiß für den heiligen Baden und die menschliche Zivilisation opfern, treffen sollten, zurückzuweisen." (Siehe auch Wochenrundschau.) Polen. Tagung des Verbandes der jüdischen Gemeinden in Pommereilen. Warschau, 17. Jan. In T h o r n wurde der zweite Verbandstag der jüdischen Gemeinden Pommerellems. abgehalten. Die Tagung wurde von dem Verbandsvorsitzenden, Rabbiner Dr. Glycenstein, mit einer längeren Ansprache eröffnet, in der er die besondere Bedeutung des Verbandes in einer Zeit, in der es den einzelnen Kleingemeinden vielfach nicht möglich ist, selbst für ihren Schutz zu sorgen, hervorhob. Nachdem Delegierte der verschiedenen Gemeinden die Auswirkung der judenfeindlichen Aktionen eingehend geschildert hatten, wurde auf Antrag des stellvertretenden Vorsitzenden der Gemeinde Thorn, H. Rosenberg, eine ständige Kommission eingesetzt, die bei den zuständigen Ministerien die erforderlichen Schritte unternehmen soll, sobald die Situation in einzelnen Gemeinden dies erfordert. Nach Annahme einer Reihe weiterer Beschlüsse wurde die Tagung geschlossen. Tschechoslowakei. Die „Trumas Chower"-Aktion in der Tschechoslovakei. Bratislava, 18. Jan. Wie bereits bekanntgegeben, hat die Agudas Jisroel-Jugendorganisation die „Trumas Chower'-Aktion eingeleitet. Diese Aktion will erstreben, daß je mehr religiöse Personen, die bis nun der Agudo-Idee fernstanden, daher als Teile des jüdisch-religiösen Geintkörpers vereinzelt ihre Kräfte nicht zur richti- £3n Entfaltung bringen konnten und so dem Judentum viel Nutzen entzogen, durch Agudas Jisroel erfaßt werden. Die vereinte Macht, die gestärkte Hand kann sodann auf allen Tätigkeitsgebieten der Agudas Jisroel, ob sie jüdisch-kulturell, ob sie sozial-wirtschaftlich oder sozial-fürsorglich ist, bedeutend Größeres leisten, als die vereinzelt dastehenden Kräfte. Will man daher das Durchdringen dieses schönsten jüdischen Ideals verwirklichen, so äst die® der erste Schritt zur Gesamtorganisation der Agudas Jisroel. Der „Trumas Chower", der seinem Besitzer das Recht gibt, innerhalb des großen Kreises der Arbeitswilligen mitzuwirken, ist bereits bei allen Gruppen und Vertrauensleuten der Agudas Jisroel erhältlich. Jeder religiöse Jude erkenne die Notwendigkeit der einheitlichen Kraft und deren Wirkung! Er wird seine Pflicht erkennen und den „Trumas Chower"-Schein einlösen! Rumänien. Das Attentat au! den rumänischen Oberrabbiner Dr. Niemirower. Bukarest, 16. Jan. Die eingeleitete Untersuchung nach dem mißglückten Attentat auf den Oberrabbiner von Bukarest und Vertreter der jüdischen Glaubensgemeinschaft im rumänischen Senat, Dr. I. Niemirower, wird von der Oeffentlichkeit mit größter Spannung verfolgt. Die fortschrittliche Presse protestiert gegen die Verdunkelumgsversuche amtlicher Stellen, die in dem Bestreben, die politischen 'Hintergründe des Attentats unaufgedeckt zu lassen, ohne die Ergebnisse der gerichtlichen Untersuchung abzuwarten, schon jetzt erklären, es handele sich um die vereinzelte Tat eines Wahnsinnigen. In den 'betreffenden Communiques wird gar nicht erwähnt, .daß der Attentäter Dr. Niemirower schon seit 5 Uhr morgensi auflauerte, daß er von zwei Personen begleitet war, die ihm Dr. Niemirower zeigten, daß in seiner Tasche eine Banknote i von 1000 Lei gefunden wunde und daß die Herkunft der Waffe und der Munition wohl Hinweise auf die genaueren Zusammenhänge ergeben wind. Bemerkenswert ist auch, daß ein Sonnabend für die Ausführung des Attentats gewählt wurde, der einzige Tag, an dem Dr. Niemirower sich zu Fuß zur Synagoge begibt, während er an den Wochentagen ein Automobil benutzt. Die Vorsätzlichkeit und Planmäßigkeit des Attentats liegt somit auf der Hand. Inzwischen haben sich die führenden Staatsmänner und Politiker beeilt, Dr. Niemirower ihr Mitgefühl auszudrücken und die Verurteilung der Tat auszusprechen. Der Außenminister Rumäniens, Nicolae Titulescu, hat aus St. Moritz folgendes Telegramm an Oberrabbiner Dr. Niemirower gerichtet: „Tieferschüttert von dem verabscheuungswürdigen Attentat, dessen Opfer Sie geworden sind, spreche ich Ihnen die wärmsten Wünsche für Ihre schnelle Wiederherstellung aus." Der Kultusminister Alexander Lapedatu, der selbst durch Krankheit ans Bett gefesselt ist, hat Dr. Niemirower ein sehr herzlich gehaltenes Schreiben geschickt, in dem er seiner Freude darüber Ausdruck gibt, daß der Oberrabbiner dank G'ttes Schutz unverletzt geblieben ist. Die beiden großen «jüdisch-politischen Verbände Rumäniens, die „Union der rumänischen Juden" und die „Jüdische Partei", haben an den Ministerpräsidenten Gheorghe Tatarescu gemeinsam ein Telegramm gerichtet, in welchem gegen die antisemitische Propaganda protestiert wird, durch die jene Atmosphäre geschaffen wurde, in der es zu dem kommen konnte. England. Flora Sassoon n"3? L o n d o n , 17. Jan. Eine nach vielen Richtungen bedeutende und einzigartige Persönlichkeit ist in Frau Flora Sassoon diese Woche im Alter von 79 Jahren nach längerer Krankheit dahingegangen. In Bagdad geboren, auch mütterlicherseits der Familie Sassoon angehörig, hatte sie ihren Vetter Solomon David Sassoon geheiratet; jung verwitwet zog sie dann mit ihren drei Kindern nach London, wo ihr Haus der Mittelpunkt der ganzen sf ardisch-orientalischem Welt, wie eines regen jüdisch-geistigen Lebens überhaupt wurde. Sie beherrschte die arabische wie die hebräische Sprache ebenso vollendet wie die westeuropäischen Idiome und hatte sich darüber hinaus ein umfassendes' talmudisches und philologisches Wissen erworben. Ihre größte Freude waren Diskussionen über talmudischwissenschaftliche Gegenstände und über Themata der talmudisohen Archäologie. Noch in guter Erinnerung ist in weitem Kreise die bemerkenswerte öffentliche Ansprache, die sie vor mehr als 10 Jahren in dem englischen Rabbinerseminar, Jewish College, ah die Studenten hielt und in der sie mit beredten Worten die Größe und das Glück des Thoralernens als etwas Selbstempfundenes schilderte. Neben ihren wissenschaftlichen Interessen kamen diejenigen an der Entwicklung der jüdischen Allgemeinheit, am allen philantropischen und sozialen Bestrebungen nicht zu kurz. In ihrem Hause herrschte der Geist de® streng orthodoxen Judentums unter liebevollster Bewahrung der besonderen sfardi'schen Tradition und Sitte. Ihr einziger Sohn, Mr. David S. Sassoon, den es ihr gelang, ganz im Geiiste ihrer Ahnen zu einer echten, g'ttesfürchtigen, jüdischem Persönlichkeit zu erziehen, ist in weitesten Kreisen als bedeutender jüdischer Gelehrter und Bibliophile bekannt, der eine der reichhaltigsten einzigartigen Hebraica-Bibliotheken sein eigen nennt. So durfte die Heimgegangene in dem Bewußtsein scheiden, daß die Tradition ihresi Hauses auch in London vom Sohn und Sohnesfrau, einer Tochter des Hauses Prüms in Amsterdam, in getreuer Pietät lebendig erhalten bleiben wird. Die Bestattung fand am Donnerstaig auf dem ispamisch-portugiesisehen Friedhof in Goldens-Greem statt. Die Trauer um Georg V. unter den Juden Englands. London, 21. Jan. Das Ableben Köng Georg V. von England hat unter den Juden Londons und ganz Englands tiefste Bestürzung hervorgerufen. Die Trauerkumdgeburiigen ■der zionistischen Instanzen ehren das Andenken' des „Cyrus unserer Zeit, dem das jüdische Volk zu ewiger Dankbarkeit verpflichtet sei." In einem Nachrufe des Vorsitzenden des Board o f "D e p u t i e s, Neville Lasiki, heißt es: „Unsere Dankbarkeit für König Georg V. ist 'Unsterblich. Sein Andenken wird von uns Juden immer hoch 'gehalten." Aehnlich lautet die Erklärung des Vorsitzenden des Anglo Jewish Association. In sämtlichen Synagogen des* Landes sind große Trauerfeierlichkeiten angesagt. Auch die aus den Dominions und aus Palästina eintreffenden Nichrichten spiegeln die tiefe Erschütterung der.dortigen Judenheit wieder. Bekanntlich wurde im Mai 1934 aus Anlaß des 25jährigen Regierungsjubiläumsi des Königs von der_ englischen Judenheit die Pflanzung eines König Georg -Waldes in Palästina beschlossen, für den der König selbst eine Cypresse aus dem Schloßpark von Windsor spendete. Erst bei dem jüngsten großen Treffen der jüdischem Frontkämpfer in der letzten Ghanukahwoche wurde ein überaus herzliches Begrüßungstelegramm des Königs verlesen, das den Höhepunkt der Veranstaltung bildete.5" Palästina. Trauer in Palästina, Jerusalem, 21. Jan. Ehrliche, tiefe Trauer herrscht in Palästina. Auf allen öffentlichen Gebäuden der staatlichen und städ- „ tischen Verwaltung wie der jüdischen Körperschaften weht die englische bezw. zionistische Fahne auf Halbmast. Auch sämtliche Konsulate haben Halbmast geflaggt. Sämtliche Instanzen, die zionistischen sowohl wie die Agudas Jisroel, das Ob errabbinat der Knesses Israel und das orthodoxe O b e r r a b b i n a t, sowie unzählige Verbände und Institutionen haben an den High Commissioner Trauer- und Beileidstelegramme gerichtet. Die hebräischen Morgenzeitungen von Dienstag bringen schwarzumrandete Leitartikel, in denen sie die Persönlichkeit Georg V. feiern und den Aufbau Palästinas unter seiner Regierungszeit einer Betrachtung unterziehen. In den Synagogen haben bereits am Mittwoch Trauerg'ttesdienste stattgefunden, weitere Feierlichkeiten sind angekündigt. Verringerung des palästinensischen Imports infolge der Sanktionen gegen Italien. Jerusalem, 8. Jan. Der palästinensische Import hat in den letzten. Monaten einen Rückgang zu verzeichnen, der zu einem bedeutenden Teil direkt oder indirekt auf die Sanktionen gegen Italien zurückgeführt wird. Die Einfuhr aus Italien ist infolge der Sanktionen vollständig eingestellt worden. Aber auch idie Einfuhr aus Oesterreich und Ungarn ist sehr stark gesunken, weil diese beiden Länder, 'die sich den Sanktionen gegen Italien nicht angeschlossen haben, ihre Lieferungen nach Italien auf Kosten des Exports nach anderen Ländern, darunter auch nach Palästina, stark gesteigert haben. Insgesamt ist der Wert der Ein-, fuhr pro Monat um rund 70.000 Pfund gesunken. Diese Erscheinung wirkt gleichzeitig als Ansporn für die einheimische Produktion. So hat die Zementfabrik Nesher bei Haifa ihre Produktion bedeutend erhöht, so daß ausländischer Zement von dem Baumaterialienmarkt Palästinas fast völlig verschwunden ist. Dazu hat auch die Verringerung der Bautätigkeit, .die insbesondere in Tel Awiiw und Haifa st«rk ins Gewicht fällt, beigetragen. Das Anschaffen von (Herrengarderobe ist wegen des zu beachtenden Kaschrusgesetzes in den letzten Jahren für den Mittelstand izu einier schweren Sorge geworden. Daher ist es sehr amizuerkennen, daß Isiehe Inserat} Herr Diplom-Schneidermeister A, J. N e u g e b a u e r, Uhlamdstr. 57, das Seine dazu beiträgt, 'diese Schwierigkeit zu beheben. Es hat sieh durch seine große Gewissenhaftigkeit in der HM- Verarbeitumg schon häufig ergeben, daß man ihm in ZweifeMällen zu Rate zog. Angefertigt werden genau so preiswert Mäntel und Anzüge, aller Art. Ueber die Qualität der Arbeit sind erstklassige Referenzen vorhanden.'