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Der Israelit · 1936-01-23 · Heft 4 (23.1.1936) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 4 (23.1.1936)
Date
1936-01-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 4 Der Israelit 23. Januar 1936 Oder aber ist der Beitritt zur Aguda und die Bildung von Lokalgmppen ein solches Vergehen, daß zu seiner Verhütung alle Rücksichten des mw-Systems zu schwinden haben? 'Sind denn all die D^HA' die die Aguda gründeten oder am ihrer Spitze stehen, und die — wie auch Raw' Duschinski in Jerusalem — die e i n zige Rettung der orthodoxen Zukunft in ihrer Entfaltung und Erstarkung erblicken, gelten diese Männer gar nichts in ihren Augen? Und was soll die schöne Phrase bedeuten: „Die ungarische Orthodoxie, schließt sich wohl kooperativ der Agaida an, aber die Gründung von Lokalgruppen ist untersagt?" Ist man mit solcher Sympathiekundgebung dem Klall gegenüber schon XX"p' ohne sich im übrigen zu etwas verpflichtet zu fühlen? Denkt man nicht dabei an die Thoraworte: nvnbnb 1K13,> DDTW.T ,,Eure Brüder ziehen in den Kampf, Ihr aber bleibt mit in den Schoß gelegten Händen zu Hause?" Die Brüder und Gesinnungsgenossen kämpfen in allen Ländern, auch in den Nachfolgestaaten, in Slcvensko und Transsylvanien, in Jugcslavien und Oesterreich, in geschlossenen Reihen innerhalb der1' Agudas Jisroel für eine geistige und materielle Renaissance der Orthc doxie und die ungarische Orthodoxie verschafft sich einen Freibrief zu ihrer Isolierung? Doch nicht ganz. Es wird großmütig gestattet, daß sich „ausnah im sweise" in Budapest, aber nur in Budapest, eine Vereinigung zur Förderung von ^inw Y")Ü 2W> und nur unter diesem Namen — nur ja nicht unter dem Titel der Agudas Jisroel — bilde. Es ist dies ein Spiel mit Worten! Oder vielleicht doch mehr als das? Die blasse Angst davor, daß durch das Wort Agudas Jisroel aus dem Anschlüsse an den Weltklall das belebende Fluidum allmählich auch in den in lauter Administration und Bürokratismus erstarrten Organismus der ungarischen Orthodoxie hineinströmen könnte? Nun, wohlan denn: '3ö3nfl .,a,lKö'I! „Und von reinen Feinden lasse mic h., Weis h e i t lernen!" Dieser Sängerspruch ist so zu verstehen, daß wenn unser Tun mit lautem Jubel von unseren Feinden begrüßt wird,;;so wird uns klar, daß wir einen großen Fehler begehen, denn warum sollten sie sonst so laut jubeln? Und dann lassen wir von unserem Vorhaben ab und werden weiser durch unsere Feinde! ... Nun muß man sehen, mit welch frenetischem Jubel die Zionisten und Misrachisten konstatieren: „Die Aguda hat innerhalb der ungarischen Orthodoxie wieder eine' Schlappe erlitten!" Sie fühlen es mit sicherem Instinkte heraus, daß die von der Betätigung im Dienste großer allgemeiner Ideale im Rahmen ihres orthodoxen Milieus abgedrängte tatendurstige Jugend früher oder später den Weg zu ihnen finden wird, wie ihn viele Jugendliche bereits gefunden haben! . . . Dann wird sich herausstellen, daß „das Spiel mit dem Worte" e i n S p i e 1 m i t demFeuer w a r. Korrespondenzen, Deutsches Reich. Gefängnis wegen versuchter Erpressung. Frankfurt a. M., 17. Jan. Vor dem Schöffengericht in Gießen hatte sich, wie die „Frankfurter Zeitung" berichtet, ein 25jäbriger Angeklagter wegen versuchter Erpressung einer jüdischen Angestellten zu verantworten. Vor Gericht gestand der Angeklagte alles ein und suchte sich damit zu rechtfertigen, daß er die Juden in Deutsch- Neueste Wirlschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. (Nach Palnews.) -- Tel Awiw. Der Abschluß des Jahres 1935 gibt der Palnews-Redaktion Veranlassung, die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas im Jahre 1935 einem zusammenfas- _ senden Ueberblick zu unterziehen, der die Fülle der Einzeltatsachen, über die im Laufe des Jahres berichtet wurde, zu einem Gesamtbild verbindet. Was den grundlegenden Konjunkturfaktor, die Einwanderung, anbetrifft, so ist die Vorjahreseinwanderung im Jahre 1935 erheblich überschritten worden. In den ersten 10 Monaten dieses Jahres, sind 54.830 Personen eingewandert gegenüber 34.830 in der entsprechenden Zeit deso vorigen Jahres. Die vergrößerte Einwanderung hat in erster Linie bis zum Herbst zu einer wesentlichen Steigerung der Bautätigkeit über das Vorjahresniveau hinaus geführt. In den ersten 8 Monaten dieses Jahres ist die Baumaterialeinfuhr auf LP 1,50 Millionen gegenüber LP 1,03 Millionen im Vorjahr gestiegen. Die Erhöhung macht ca. 50 Proz. aus. In den letzten Monaten bat die Bautätigkeit allerdings einen starken Rückschlag erfahren, der einsr Neubelebung Platz machen dürfte, aobald die Einwanderung das Wohnungsangeb ot absorbiert hat. Der verstärkte Warenbedarf auf fast allen Gebieten drückt sich im Import stark aus, der in den ersten 8 Monaten dieses Jahres von LP 9,57 Millionen im Vorjahre auf LP 11,92 Millionen gestiegen ist. Besonders stark hat sich auch der Lebensmittelimport (Schlachtvieh, Butter} erhöht. Der Orangenexport wird infolge der Hamsinschäden im Frühjahr den Export der Saison 1934 35 mit ca. 71/3 Millionen Kisten wahrscheinlich nicht überschreiten. Absatzschwierigkeiten sind nicht zu erwarten, die Preise entwickeln sich verhältnismäßig günstig, .allerdings sind die Grapefruitpreise sehr schlecht. Dem wachsenden Außenhandels-. voIumen entsprechend hat sich die in Jaffa und Haifa ankommende Dampertonnage in den ersten drei Quartalen dieses Jahres auf'-| 3,56 Millionen Tonnen gegenüber 4,34 Millionen Tonnen in den ersten drei Quartalen - 1934 gesteigert, der Güterumschlag stieg von . 0,95 auf 1,12 Millionen Tonnen. Auf in- . dustrieJlem Gebiet sind 1935 zahlreiche Projekte und Gründungen zur Ausführung gebracht worden, die im vorigen Jahre entstanden sind. Es handelt sich hierbei vor allem um die Palestine Foundries u. Metal Works, die „Phoenicia" Window Glass Works Ltd., die Palestine Brewery Ltd., Atta Textile Works in Kfar Atta, ferner neu Silikatziegel-, Seifen- und zahlreiche andere Fabrikationsunternehmen mittleren und kleineren Umfanges. Hingegen ist fest- . zustellen, daß es im Jahre 1935 kaum zu größeren industriellen Neuprojektierungen, die zur Realisierung gebracht werden, gekommen ist, nachdem die Durchführung des Zementprojektes und der chemieiindustriellen Gründungen sehr in Frage gestellt ist. In dieser Beziehung ist die Entwicklung im Jahre 1935 zweifellos zu einem gewissen Stillstand gekommen. Andererseits sind im Verlaufe dieses Jahres die Schwierigkeiten offen zutage getreten, di,e sich für die Industrie aus dem unzureichenden Zollschutz gegenüber der Dumpingkonkurrenz einer Reihe von Exportländern ergeben. Diese Schwierigkeiten haben zu einer Schließung verschiedener Industriebetriebe geführt. Die neue Industriezoll-Ordinance der Regierung, die für eine Reihe von Industrien einen erhöhten Zollsohutz bringen soll, ist bis zum Ende des Jahres noch nicht erschienen. Die weitere industrielle Entwicklung des Landes hängt von der Bereitschaft der Regierung ab, die Industrie zollpolitisch ausreichend zu schützen, wie das in allen sich selbst verwaltenden Ländern eine Selbstverständlichkeit ist. Palästina hat sich geradezu zu einem Eldorado des internationaler. Dumpings entwickelt, gegen das in keinem Land eine Industrie schutzlos sich erhalten könnte. Von der Regierung muß mit allem Nachdruck gefordert werden, daß sie in ihrer Zollpolitik den Bedürfnissen der Industrie Rechnung trägt. Die billigsten Preise nutzen einer Bevölkerung nichts, wenn sie nicht produzieren, verdienen und kaufen kann. Die landwirtschaftliche Produktion ist in den beiden letzten Jahren-' durch bessere Ernten nadh' den beiden Miß-;; erntejahren 1932 und 1933 begünstigt worden. land für vogelfrei gehalten halbe. Der Staatsanwalt beantragte zwei Monate Gefängnis wegen versuchter Erpressung. Er sagte, es müsse energisch der Meinung entgegengetreten werden, daß die Juden in Deutschland nicht genügend geschützt seien. Sie genössen denselben Schutz wie die übrigen deutschen Bürger. Solchen verwerflichen Einzelaktionen, die geeignet seien, das deutsche Ansiehen im Auslande aufs schwerste zu schädigen, müsse mit aller Schärfe entgegengewirkt werden. Das Gericht verurteilte den Angeklagten antragsgemäß. In der Begründung des Urteils, die der Begründung des Staatsanwalts! folgte, wunde gleichzeitig zum Ausdruck gebracht, daß das Gericht eine höhere Strafe ausgesprochen hätte, wenn sie vom Staatsanwalt beantragt worden wäre. Keine Juden als Steuerberater. Berlin, 17. Jan. Der Reichsminister der Finanzen bestimmt in einer Verordnung zur Durchführung des § 107a der Reichsabgabenordnung, daß Juden die Erlaubnis zur Beratung in Steuersachen nicht erteilt. werde. Zur geschäftsmäßigen Hilfeleistung in denjenigen Steuersachen, die Steuern betreffen, die von einer jüdischen Religionsgesellschaft oder für deren Rechnung erhoben werden, bedürfen Juden eän«r Erlaubnis nicht. Nach einem Gesetz über die Zulassung von Steuerberatern vom Mai 1933 war bisher schon ausgeschlossen, daß nichtarische Steuerberater allgemein zugelassen werden. Ausscheiden von Juden aus öffentlichen Aemtern. Berlin, 17. Jan. In der „Deutschen Justiz" wird ein Runderlaß des Reichs- und Preußischen Minister des Innern vom 21. Dezember 1935 veröffentlicht, der Richtlinien für das Ausscheiden von Juden aus öffentlichen Aemtern gibt. In diesem Erlaß heißt es: 1. Nach § 4 Ab.s 1 der'Ersten Verordnung' zum Reichsbürgergesetz vom 14. 11, 1935 kann ein Jude (§ 5 dieser Verordnung) ein öffentliches Amt nicht bekleiden. Die Verordnung ist am 14. 11. 1935 verkündet und damit am 15. 11, 1935 in Kraft getreten. Jüdische Träger eines öffentlichen Amtes sind somit am 15; 11. 1935 kraft'Gesetzes aus ihren Aemtern ausgeschieden, abgesehen von den Beamten, .für die § 4 Abs. 2 Satz 1 der erwähnten Verordnung1 eine Sonderregelung trifft. '! 2. Für den Fall, daß entsprechende Anweisungen bisher noch nicht ergangen sein sollten, ersuche ichr umgehend Bestimmung zu treffen, daß -jüdische Träger eines öffentlichen Amtes ihre Tätigkeit sofort einstellen. 3. Träger eines öffentlichen Amtes im Sinne dieser Bestimmung sind außer den Beamten, für die eine Sonderregelung getroffen ist, die Personen, die dazu bestellt sind, obrigkeitliche oder 'hoheitliche Aufgaben zu erfüllen,- wie z. B. Schiedsmänner, Fleischbeschauer, Stempel Verteiler. 4. Bestehen Zweifel darüber, ob esi sich um ein öffentliches Amt im Sinne dieser Bestimmung handelt, so ist unverzüglich die Entscheidung der vorgesetzten Dienstbehörde einzuholen. Pensionierung von Beamten in der Justizverwaltung. Berlin, 17. Jan. Außer den 216 jüdischen Beamten im Sinne der Ersten Durchführungsverordnung zum Reichsbürgergesetz, die aus der Reichsijustizverwaltung ausgeschieden sind, sind, wie in der „Deutschen Justiz" bekannt gegeben wird, noch-2 Oberlandesigerichtsräte, 1 Landgeriohtsdirektor, 2 Landgerichtsräte, 7 Amtsgerichtsräte und 1 beim Amtsgericht beschäftigter Kämmergenichtsrat mit Ablauf des 31. Dezember 1935 inj den Ruhestand getreten. Beruiswettkampf der jüdischen Jugend, Lei p zig , 15. Jan. Das Sozialamt hatte zu Ghanukah 5696 (1935) einer Anregung seiner technischen Berater,.;der Herren Dr. Wartenberg und Dipl,rIng.,,;Z im in e t folgend, unter der im Handwerk -tätigen jüdischen Jugend einen

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