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Der Israelit · 1936-01-23 · Heft 4 (23.1.1936) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 4 (23.1.1936)
Date
1936-01-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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23, Januar 1936 Der Israelit Nr. 4 Seite 5 Ein Spiel mit Worten, oder mehr als das? Von einer durchaus verläßlichen Seite in Ungarn wird ums geschrieben: Seit einigen Wochen sprechen alle ungarischjüdischen Zeitungen von der Gründung einer A g u;d as Jisroel -Gruppe innerhalb der orthodoxen Gemeinde dn Budapest. Schreiber dieses hat -schon seit Jahren, ja Jahrzehnten Gelegenheit, die uugarlänidische Orthodoxie 3.1s das klassischste Moment der Sterilität, des TIVWT\ 2Er-Pirinzipes, zu 'bewundern. Seitdem es ihr 'mit g'ttlicfhem 'Beistände gelungen war, ihre autonome Lanidesofganisiemng sich zu erringen,, glaubt sie »mit dieser igewiß bedeutenden Errungenschaft ihr Alles, ihr Alpha und Omega erreicht zu haben und bedenkt nicht, daß eine solche administrative Schutzmauer erst dann ihre historische Aufgabe erfüllt, wenn sie ein reichlich pulsierendes inneres autonomes religiöses Leben umhegt. Sind doch selbst die vor dem Weltkriege zur Neufoelebung und Befestigung des religiösen Lebens innerhalb der orthodoxen Kreise gegründeten und in schönstem Aufblühen gewesenen Mac hsike Hadath -Ver eine seit dem Weltkriege total verschwunden. Nun horclhen ialle, die durch solche trüben Erfahrungen Skeptiker geworden sind, auf: „Wie, sollte eine neue Stadt an e i n e m Tage gebaut werden?! Und wenn auch eine Schwalbe — eine einzige A. J.-Gruppe — noch keinen Frühling bringt, aber es wäre doch eine Schwalbe, der andere nachkommen!" Nun, die frohen Hoffnungen schienen sich zu refüllen: Die Ghanukäh-Nunimer des offiziösen orthodoxen Wochenblattes „Zsido Ujsag" brachte einen begeisterten Bericht über die Gründung der als Pioniergruppe gedachten Aguda-Gruppe in Budapest. Die prominentesten Führer der Pester Orthodoxie nahmen Teil an der Gründungssitizung, die auf direkte Initiative des O b e r r a b!b i n e r s D u s c h. i n s k i in Jerusalem und mit rückhaltloser Zustimmung des ersten Rabbinatsverwesers der Pest er orthodoxen Gemeinde, Rabb. S ü ß m a n n , 'einberufen worden war. Auch wurde zugleich der Beschluß zur Einberufung einer großzügigen öffentlichen Volksversammlung zugunsten der Agudas Jisroel-Propaganda gefaßt. Und iauch die in derselben Numimer im Namen der Orthodoxen Zentralkanzlei abgegebene Erklärung besagt mit aller Deutlichkeit, daß sie nur, soweit es zur Wahrung der vollkommenen Einlheit der ungarischen Orthodoxie nötig ist, ihren reservierten Standpunkt einnimmt, aber gegen die Gründung von Ortsgruppen, wie die in Budapest, nichts einzuwenden 'habe. Und so schien schon alles in bester Ordnung. Der Tief erblickende sah aber sohon damals manches Wölkchen heraufziehen. Einige Tage vor der Gründungssitzung war der iM u n k ia c z e r Raw aus Anlaß eines Familienfestes in Budapest und benutzte die Gelegeraheit, um mit seinem bekannten Temperament gegen alles und jedes, was nicht in seinen politischen Rahmen hineinpaßt, loszuziehen. Und bekanntlich — dies müssen wir bei aller Anerkennung des m^*n dieses ^VH konstatieren — paßt alles, was außerhalb seiner eigenen Klaus liegt, nicht in den-politischen Rahmen dieses bedeutenden Raws 'hinein. Gelten doch alle '^lTH der Gegenwart und der jüngsten Vergangenheit für ihn nichts. So kam es, daß der orthodoxe Rosch-Hakohel von Budapest, Herr von Freudiger, nachträglich in „Zsido Ujsag" öffentlich gegen die Ausführungen des Munkaezer Raws protestieren mußte. Bekanntlich ist aber der erwähnte Raw keineswegs von den „Stillen im Lande", idie so leicht locker lassen, um so weniger, als er in dem zweiten orthodoxen Rabbinatsverweser in Budapest, R. Jonathan Steif, eine feste Stütze fand. Und so versteht man es, daß der eben jetzt in der letzten Nummer des „Zsido Ujsag" erschienene Bericht über die am 29. Dezember v. J. stattgefundene Sitzung der Orthodoxen Zentralkomimission unseren alten Skeptizismus rechtfertigt. Vor allem wurde jene in der Chanukah-Nummer feierlichst abgegebene Erklärung der orthodoxen Landeskanzlei von der Zentralkommission' einfach desavouiert, ja gerade in das Gegenteil umgebogen. Während die erwähnte Erklärung in der Chanukah - Nummer den einzig richtigen Standpunkt einnahm, daß die Orthodoxe Landeskanzlei, aus Rücksicht auf die verschiedenartigen Einstellungen innerhalb der ungarischen Orthodoxie, sich versagen muß, ihrerseits aus ihrer Reserve, etwa zur Einleitung einer Landesaktion für die Agudas Jisroel, herauszutreten, gegen die Gründung von Lokalgruppen der A. J. aber nichts einzuwenden hat, spricht die Z. K,, d. h. das ihr beigesetzte Rabbinerkollegium, das Gegenteil aus: „Die ungarische Orthodoxie schließt sich wohl ko operativ der Agudas ihren feinsten Nuancen mächtig. Von ihm sagt daher G'tt: Reden, reden wird er . . . (Kap. 4, 14.) Eine Bestätigung für diese Deutung des Ausdruckes 133 "Wb finden wir in Jecheskel 3, 5. und 6: „Denn, nicht zu einem Volke, dessen Sprache unbekannt ist und dessen Aussprache unverständlich ist (.]Vffb wirst du gesandt, (sondern) zum Hause Israels. Nacht zu vielen Völkern, deren Sprache unbekannt ist und denen Aussprache unverständlich ist (jwV ""1331)/ daß du deren Worte nicht verstehen würdest." S. Sp. Kleines Feuilleton. Archäologisches Museum Palästinas wir$ im Frühjahr eröffnet, : Im kommenden Frühjahr wird. das Archäologische Mussum Palästinas, dessen Errichtung mit Hilfe einer Sp^Äde John iR o c k e f e 11 e r jun. in Höh'e von zwei Millionen Dollar ermöglicht wurde, eröffnet wenden. T^jf Zeit werden die AussAeUungsigegenstände in das ffleue Museum gebracht und für. die künftige Aufstellung gruppiert. Das Museum wind fast nur in Palästina selbst gefundene Altertümer enthalten. Nur in^'AustniahmiefäMen wird sich idas Museum auch für Altertümer und archäologische. Forschungen ia> den Nachbärlä^ern '-iad-^xte^eresL... Der wnsisenischaiftliche Stab _des. palästinensischen archäologischen Musieiums 'arbeitet fetzt daran, Reproduktionen derjenigen in Palästina gefundenen Altertümer herzustellen, die sich in ausländischen Museen befinden. Die Originialgegensibänide wurden durchweg erst in der Zeit nach dem 'Kriege von verschiedenen archäologischen Expeditionen aufgefunden. Auch sie stellen aber nur einen Teil dieser Funde dar, da auch in dieser Zeit viele Altertümer außer Landes gebracht worden sind. Es wind auch eine Bibliothek von Werken über Palästina-Archäologie und allgemeine Archäologie in allen Sprachen angelegt. Mr. -Rockeleller hat für diesen Zweck außer seiner Zwei-Miilionen-Spende einen besonderen Betnag zur Verfügung gestellt. Für die Bibliothek ist ein großer Saal in dem neuen Gebäude reserviert. Zwei Spezialisten aus England und sechs Fachleute aus Aegypten sind mit der Präparierung der Museumsstücke beschäftigt. Das Inventar wurde in England bestellt. Das Museum wind auch eine Reihe von Laboratorien, ein mit den modernsten Mitteln ausgestattetes Photostudio und andere technische Einrichtungen besitzen. Von der Zwei-Millionen-Stiftunig Rockefeller® wurde eine Million für den Bau und die Einrichtung verwendet, die zweite stellt einen Fonds zur Erhaltung des Museums dar. Der übersetzte Talmud komplett« Vom Jüdischen Verlag, Berlin, wird die vollständige deutsche Ueb ertragung des Babylonischen Talmuds von Lazarust Goldschmidt angekündigt. Soeben gelangte der 11. Band des Werkes zur Ausgabe. Er enthält die Traktate Chulin, Bechoroth und Arac/hin. Der 12. (Schluß-)Rand, mit dem diese erste und einzig^, vollständige Uebers«tzung des Babylonischen Talmud in eine europäische Sprache zum Abschluß gelangt, erscheint voraussichtlich schon im Frühjahr 193 6. Jisroel an, aber die Gründung von Lokalgruppen kann nicht gestattet werden." Ja, so und nicht anders lautet der letzte Spruch der Z. K. Wer löst uns diesen Zwiespalt der Natur?! Und doch ist die Lösung gar nicht sq schwierig. Die unter Munkaezer Oberhoheit stehende extrem-chassidische Richtung verschmäht seit jeher jede positive Tätigkeit, ob sie Agudismus oder wie immer heiße. Sie verharrt bei ihrer negativen ntpyn Vxi ntP-Politik! Von den Früchten, die diese Politik im Laufe des letzten halben Jahrhunderts für die ungarische Gesamtorthedoxie gezeitigt hat, ließe sich so manches erzählen. Wir wollen nur ein einziges Beispiel anführen: Die Heranbildung von Schullehrern auch für orthodoxe Gemeinden liegt in Ungarn in der Hand von notorischen D"H51> Doch wollen wir das Recht der Herren in ihrem eigenen Hause nicht bestreiten. Wenn sie durchaus ihre Kinder zu D^EHS oder in die staatlichen Simultanschulen schickem wollen, es sei ihnen gewährt! Will der Munkaezer Raw neun Zehntel seiner Gemeindejugend durch das dortige „Zionistisch^Hebräisohe Gymnasium" ausbilden lassen, indem er .die Gründung einer orthodoxen, mit Talmud Tihora verbundenen Mittelschule nicht zuläßt, so ist es sein gutes Recht, in seiner eigenen Gemeinde nach seiner 'besten Einsicht zu handeln. Will man es nicht zulassen, daß die Orthodoxe Landeskanizlei eine Landesa k t i o n zugunsten der Agudas Jisroel einleitet, auch dieses mag man hinnehmen. Aber mit welchem g'ttlichen oder menschlichen Recht können die - zwei bis drei Herren in der Zentralkommission einen Beschluß gegen eine frühere eindeutige Erklärung der Orthodoxen Landeskanzlei fassen, wonach es für autonome Gemeinden, wie die P e s t e r orthodoxe Gemeinde, ein TiO,>Ksei, eine Lokalgruppe der Agudas Jisroel zu gründen — nachdem diese Gemeinden endlich eingesehen haben, daß es an der Zeit sei, die ungarische Orthodoxie aus ihrer Isolierung herauszureißen, daß es höchste Zeit sei, schon um der Jugend willen, die sonst ins Lager derZionistenundMisrachistenhinüb.ersegelt, sich in die große Front der Thoratreuenf wie sie die Aguda bildet, einzureihen? Mit demselben Rechte könnten diese Herreh fordern, daß die Pester und andere orthodoxe Gemeinden ihre mit Talmud-Thora verbundenen Mittelschulen, die schon so viel Segen gestiftet na'ben, sofort schließen sollen, da doch, in Munkaoz und Umgebung solche nicht geduldet werden. Wir haben beim Erscheinen der früheren Bände der Uebersetzung eingehende Artikel gewidmet und haben auch heute zu den damals, bei aller Bewunderung für den Autor und die verlegerische Leistung, geäußerten Bedenken nichts hinzuzufügen. Sie gehen von der Tatsache aus, daß den Kreisen, die unseren Talmud mißverstehen und mißverstehen wollen, auch mit der Lazarus Goldschmidt'schen Uebersetzung wenig gedient sein wird. (Max Brods Reubeni als Schauspiel des Jüdischen Kulturbundes.) Auf der Suche nach bühnensicheren Stoffen des jüdischen Raumes hat sich der Kulturbund Rhein-Ruhr des Brod'schen Messiasromanes „Reubeni" bemächtigt, den er durch Gerh. Walter- Rose n b a u m dramatisieren ließ. Die Bearbeitung, ■die sich eng an den Rahmen anlehnt, kann in den beiden ersten Bildern (von elf) naturgemäß nicht allzuviel vom Leben im Präger Ghetto einfangen, das bei Brod etwa die Hälfte seines Buches anfüllt. Um so reicher schwingt dann später da® Spiel aus und gibt Karl Bruck Gelegenheit, in die Rolle des Sar Dawid Reubeni aus dem sagenhaft fernen jüdischen Königreich Chabor gigantisch hmeinzuwachsen. Die Kölner Uraufführung gestaltete sich zu einem vollen Erfolg für alle Beteiligten. Aus dem vorzüglich eingespielten Ensemble, das keine Fehlbesetzung aufwies, seien nächst Bruck mit besonderem Lobe genannt, Ben Spanier in der eindrucksvollen Maske' des Gerson, Feldheini, Koninski, Fraenkel, Friedeberg, Licht enstein, Fink und Berliner. Die Kostüme von Mallä Ha in bürg er verrieten, wie stets, Können Und ge* diegenen Geschmack. ( Dr. B.

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