Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1936)
- Date
- 1936-01-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 4 D 1 s r a-e 1 ,i t Wochenrundschau, Zum Ableben von König Georg V. Das Ableben des Königs von England hat, wie in" der ganzen Welt, so auch besonders in den jüdischen Kreisen aller Länder tiefste Trauer ausgelöst. In seine Regierungsizeit fällt der weit historische Akt der Verkündiuing der B a 1 f o u r- Deklaration, und so wird der Name Georg V. mit dem jüdischen Nationalheim ewig verknüpft bleiben. Wer aber weiß, welch gewaltigen Einfluß der König von England innerhalb der ihm von der Verfassung gezogenen Grenzen auf die Geschicke seines Landes ausübte, und von welchem Geiste der Versöhnung dieser Monaroh getragen war, wird nicht daran zweifeln, daß er an der mit dem Balfour-Mandat eingetretenen Wandlung in der jüdischen Geschichte auch tätig mitgewirkt hat. Die englischen Juden, die amter der Sonne der englischen Könige und Königinnen, auch unter der von Georg V., ihre ganze Kraft und Begabung für das englische Empire entfalten konnten, haben ihren vollen Anteil an der Trauer der englischen Nation» Aber nicht minder trauern die Juden Palästinas, die ebenfalls in Georg V. ihren Landesvater erblickten und für ihre trotz mancher Enttäuschung auf England gesetzten Hoffiniungen in der Loyalität des weisen und guten Königs eine Stütze wußten. Die ganze Liebe der englischen und palästinensischen Juden für das englische Königshaus zeigte sich in den Tagen der koirizen schweren Erkrankung König Georgs V. In London wie in allen Gemeinden des Landes wurden Bittg'ttesdienste für seine Genesung abgehalten. In Jerusalem und in den anderen Städten Palästinas, wie an der Westmauer, beteten alte und jüngere Juden aus allen' Schichten der Bevölkerung für das Lehen des Königs. Nun verwandeln sich die Bittg'ttesdienste in Trauerfeierlichkeiten. Möge unter dem neuen Regenten, von ^d&m bekannt ist, daß er ganz vom Geiste des Vaters beseelt ist und dessen Traditionen fortzusetzen gedenkt, das Heil für Israel in Erez Israel erblühen. David wird getanzt... Aus Anlaß einer Esther-Aufführung auf einer großstädtischen Bühne leistete sich vor einigen Jahren der bekannte Kulturhistoriker und Kriti ker D i e b o 1 d den Spaß, die Grillparzer-Verse über das Hofgelage im ersten Kapitel dein Wort laute der Bibel gegenüberzustellen, und er bemerkte: „Hier —-, im Original — die wogende und tobende See, dort, in der Nachdichtung, auf Flaschen abgezogenes Seewasser, das' sich für das Meer ausgibt." Ein ähnliches .Gefühl wird man nie los, wenn mian die biblischen Dichtun» gen liest oder von der Bühne aus auf sich ein wirken läßt und hintennach sich in den biblischen Text im Original vertieft. Immerhin: Man möchte die Nachbildungen und Nachdichtungen von Herder, Hebbel, von Stefan Zweig und Beer-Hofmann in dem Blumengarten der früheren und späteren Poesie nicht missen. Sie sind Zeugnisse dafür, wie große dichterische Naturen intuitiv die Bibel erlebt haben und tragen auch einiges zum Verständnis der biblischen Menschen und Geschehnisse bei. Weniger Freuide bereitet uns aber die Botschaft, daß in London ein D a v i d ib a 11 e t zum Ergötzen eines großen Publikums über die Bühne geht, das in sechs Episoden markante Sizenen aus dem Leben Davids und der Geschichte seiner Zeit tänzerisch vorführt. Die zionistischen Blätter auch Deutschlands besingen in allen Tönen die „von stärkster Dramatik erfüllten Tänze und -Pantomimen", die dazugehörige Begleitmusik, wie die Tanz- und iBühnenikünstler, und selbstverständlich soll der „Davidstanz" auch bald in Palästina, in Jerusalem und Tel Awiw, wo die Ha'bimah schon seit mehreren Jahren ein Davidstüök unter dem Titel „Kether David" aufführt, seinen Einzug halten. Daß wir diesen Jubel nicht restlos teilen, wird man uns glauben. Wenn wir, wie schon gesagt, auch eine Interpretation der /Bibel durch die Kunst, durch die Kraft des Wortes und der Töne, bis zum gewissen Grade gelten lassen, so können wir nicht umhin, in diesen spielerischen und tänzerischen Versuchen, biblische Themen zu verdeutlichen und verdolmetschen, eine Profanierung unserer heiligsten Urkunden zu sehen, eine Verlegung höchsten jüdischen Erlebens aus den geistigen Bezirken in die Hallen der leicht geschürzten Kunst. Was das bessere und tiefere Verständnis der biblischen Menschen und Vorgänge betrifft, so wird dieses immer noch eine Sache des Kopfes bleiben und nicht der r \ y . ■.; , ^3, Januar 19^36 Beine. Gewiß, David, der Hirtenknabe, der zum Königsthrone fhinaufwächst, zeigt in seinem Leben und seinem Aufstiege genug der dramatischen Momente. Er ist auch nicht frei von Schuld und Fehl, was die Schrift nicht verschweigt, und er selbst zum Anlaß nimmt, zu zeigen, wie der Mensch durch schweres inneres Ringen doch stets den Weg aus der Tiefe zur Höhe findet. Das alles müssen wir lesen, lernen, erleben —_ nicht im Parkett, mit dem Auge nach den Brettern, wo getanzt und gemimt wird, sondern im stillen Kämmerlein, das Auge, auch das innere und geistige, auf das Buch; der Bücher, auf die iBibel und die Psalmen gerichtet. Die Propagierung 'eines David-Ballets für Palästina halten wir für eine der schwersten Verirrungen des in seiner alten Form eigentlich überlebten iKultürzionismus. Wir wollen nicht David tanzen, sondern David singen, — wie es unsere Alten seit Jahrtausenden tun: T e h i 11 i m sagen und sin - gen. Wieder die „katholischen Rechte" in Palästina. Die „Reichspost", das der Regierung nahestehende Zentralorgan des Katholizismus in Oesterreich, kündigte für Donnerstag, den 16. Januar, eine 'Massenversammlung an, in der Kardinal Ionitzer und der frühere Unterrichtsminister C z e r m a Ik , der Verf asser des bekannten Buches „Ordnung in der Judenfrage",, über die Lage der Katholiken imHeiligen Land sprechen sollten. . 3 Die Versammlung hat inzwischen stattgefunden, und, wie zu erwarten war, hat der Kardiinalr dessen gerechte Denkart allbekannt ist, bei dieser Gelegenheit nichts gesagt, was über den berechtigten Anspruch auf Schutz der katholischen Interessen in Palästina hinausgeht. Die „Reichspost" erhebt aber in diesem Zusammenhang neuerdings gegen die Juden Palästinas die- Beschuldigung, daß sie die Rechte der Katholiken verletzten. Nunmehr fordern Vertreter der Wiener Israelitischen Kultuisgemeinde . die- „Reichspost" auf, den Nachweis .dafür zu erbringen, daß e s auch nur i n" e iie m e i n z i - e n Fall izu einer Verletzung katholischer Rechte durch die Juden in Palästina gekommen sei. Diesen Nachweis zu erbringen, .dürfte der Reichspost" nicht leidht fallen. Sidra-Anleitung für die Esra-Pirche Agudas Jisroel. Die zehn Plagen. (Siehe hierzu die Einleitung von Hirsch, Wolf und „Die ägyptischen Plagen" von Prof. D. Hoffmann, Jeschurun 1917, S. 373.3; Einheitlich ist bei allen Mephorschim die Einteilung, die, wie aus (der Haggadah schel Pesasch bekannt, von R. Jehudah gemacht wurde: ansa >v-iv /-pn- Die zehnte Plage ist nicht dabei, da die ersten neun nur Vorbereitung für die zehnte sind. Die 1., 4., 7. Plage werden Pharao am Morgen verkündet, während er seiner Gewohnheit gemäß zum Nil hinausgeht. Die 2., 5., 8. Plage sollen dem König in seinem Hause angedroht werden und sind daher mit 83 jw-ia eingeleitet. Die 3., 6., 9. Plage werden, ohne vorhergehende Ankündigung gesandt. Die ersten drei werden von Ahron mit seinem Stabe, die letzten drei von Moses mit seinem Stabe ausgeführt. Die mittleren 'drei Plagen werden ohne Mitwirkung des Stabes ausgeführt und zwar die eedhsie von Moscheh und Ahron zusammen (9, 8). Zu Beginn jeder der Dreigruppen wird dem Pharao verkündet: Die Wundertaten bezwecken, dir die wahre Ctteserkenntnis beizubringen. Abainbanel und ähnlich Malbim überschreiben die Gruppen folgendermaßen: Die erste Gruppe zeigt die Existenz G'tt es (7, 17); die zweite Gruppe zeigt die gütliche Vorsehung (8, 18} und die dritte Gruppe zeigt Pharao die Allmacht G'ttesi (9, 14) (Hoffmann). Hirsch stellt die Gruppen der Plagen in Beziehung zu den drei Seiten des ägyptischen Golns: >i:s .nnas >rn->a. Nach dem g'ttlichen Prinzip von ms n» mnsoll den Aegypten* Gleiches mit Gleichem vergolten werden. Durch die jeweils ersten Plagen der drei Gruppen "na »ans ,m sollten sie erfahren, wie es denen zumute ist, 'die als Fremde rechtlos" gemacht sind. Durch die zweiten Plagen der drei Gruppen nais ,-ot .stisx sollten sie für das Jisroel angetane nnnr. und durch ',pni? .D">3D für durch persönliche Qualen gestraft werden. Mit IST wird Wasser und Land, mit wiv werden die Bewohner und mit ansa wird die Atmosphäre getroffen. Die Chartuniim, deren Erscheinung nur gegen Mosöbeh und Ahron wirken soll, treten nur bei der ersten Gruppe auf. Nach den Plagen, denen eine Warnung vorausgeht 713-ik /na-.ans? .imbs ersucht Pharao Moscheh, daß er durch sein Gebet das Aufhören der Plage bewirke. Die ersten beiden Plagen jeder Gruppe sind belehrend, daher Warnung, die dritte erst äst Strafe, daher nicht angekündigt. Obwohl nur bei (10, 23) "\vn> (9, 26) *na, (9, 4) "vn. (8, 18) any besonders hervorgehoben wiid, daß Jisroel von den Plagen verschont blieb, kann man daraus, daß bei dem Sterben der Erstgeborenen 'dies nicht besonders ausgedrückt wird, schließen, daß sie auch bei den anderen verschont 'blieben. Denn «s sollte ja dem Pharao an der Unterscheidung izvnsphexii Jdsroel und den Aegyptern das Walten der ig'ttlichien Gerechtigkeit gezeigt werden. Erzähl« in diesem Zusammenhang bis ivn den . Midlrastch, daß mit Rücksieht auf die Umwelt in den drei Tagen der Finsternis die _D»yan ihre Strafe erhielten. Versuche an Hand diesier aus den Mephorschim zusammengestellten Charakterisierung der Plagen jede Einzelne zu behandeln. ' Bemerkung zum Thoraabschnitte. Kap. 3, V. 11. •D'isaa bmw >aa m s»sis »si „Werde ich denn 'die Söhne IsraeLsi aus Mizraim führen?" Sogar wenn ich würd&g wäre, zum Könige zu gehen, (siehe Raschis Erklärung zum ersten Teil von V. 11 u. 12) welchen ahm einleiuchtenidenj Grund könnte ich dafür angeben, daß er das Volk entlasse? Wird denn Pharao töricht sieiin, eiwiem großen Volk die Freiheit izu geben? G'tt erwidert Mosche: •ntn *inn ^>y a->pbxn n* jrawi o-nsaa byn n« -[«rsina „Wenn du das Volk aus Mizraim tfüliirst, sollt ihr G'tt dienen an diesem Berg (V. 12)i." Ich befehle dem Volk, mir bei seinem Auszug aus Aegypten zu dienen und Opfer darzubringen. Dieses sollst du Pharao mitteilen, und er wird Israel izäeihen lassien. Vgl. 3, 18. (tratm) Kap. 4, V. 10. pvb naai na *tm »3« „Denn schweren Mundes und schwerer Zunge 'bin ich." Aus diesen Worten müssen wir nicht unbedingt entnehmen, daß Mosche stotterte. Vielmehr will 'dieser Ausdruck folgendse besagen. Da. Mosche in früher Jugend bereits Mizraiini verlassen hatte, beherrschte er die ägyptische Sprache nicht mehr in .all ihren Feinheiten; er fühlte sdöh idiaher nacht geeignet, mit Pharao zu verhandeln. Anders Aron. Er war in Aegypten geblieben und infoligedetsisen der Landessprache in