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Der Israelit · 1936-01-23 · Heft 4 (23.1.1936) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 4 (23.1.1936)
Date
1936-01-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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* **??!!H**«W!»! Frankfurt a. M, Der Israelit J Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz mJ^K M 23. Januar 1936 28. Tebet 5696 I Nummer 4 Frage der Auswanderungsfürsorge vor dem Völkerbundsrate in Genf. Genf, 21. Januar. In der ersten Satzung am 20. Januar vormittags gab der Vertreter von Ecuador als Rappörteur einen Ueberblidk über den Bericht der Expertenkommission und legte dem Rat gleichzeiig das R ü c k tr i 11 s s c h r e i b e n James MacDonalds, sowie das Material vor, das MacDonald zur Begründung seines Rücktritts zusammengestellt hat. Dabei fand er lobende Worte der Anerkennung für die Tätigkeit des bisherigen Obenkommissars. Im Anschluß an seinen Bericht beantragte der Vertreter Ecuadors, eine K ommission einzusetzen, die zu den Vorschlägen der Expertenkommission entsprechende R e s o 1 u t d o n e n für den Völkerbundsrat ausarbeiten soll. Ferner erbat er die Benennung von Persönlichkeiten für die Leitung des Natt s e n - A m t e s und die provisorische Führung der Angeleig^lmten. der Auswanderer aus Deutschland. Die Wahl der von dem Rapporteur vorgeschlagenen Kommission, der die Vertreter Englands, Frankreichs, Polens, der USSR., Dänemarks und Ecuadors angehören sollen, wird in einer der nächsten Sitzungen. vorgenommen werden. Es wird erwartet, daß Ende der Woche eine Debatte über die grundsätzliche Seite des Auswandererprablems stattfinden wird. Am 21. Januar wurde wegen des Todes König Georgs von England eine Verhandlungspause eingeschaltet. Nach Wiederaufnahme seiner Arbeiten am Mittwoch, den 22. Januar, nachmittag, wird der Rat .zur Wahl der Unterkommission schreiten, die die Resolutionen zur Frage der Neuregelung der Auswandererfürsorge ausarbeiten Soll. Außer den Vertretern von England, Frankreich, USSR., Polen, Dänemark und Ecuador wird diese Unterkommission voraussichtlich auch der Vertreter Italiens angehören. Der Vertreter Ecuadors sitzt in der Kommission in seiner Eigenschaft als Berichterstatter des Rates für Auswandererfragen. Die Beratungen der Kommission sind vertraulich. Neben der Ausarbeitung der Resolutionen ist der Kommission auch die Aufgabe gestellt, Vorschläge über die Person des neuen.O b er kommissairs für die Auswanderer aus Deutschland zu machen, falls bis Freitag oder Sonnabend ein geeigneter Kandidat, der zur Uebernahme dieses. Amtes bereit ist, bereits gefunden sein sollte. Irgendwelche endgültigen Maßnahmen des Völkerbundsrates in der Auswand er erfra'ge können daher bestenfalls erst Ende dieser Woche getroffen werden. £ur_ Orientierung über den derzeitigen Stand der Aüswändererangelegenheit verweisen wir noch einmal auf unseren Artikel „Um das A u s w ah derungsprobl e m " auf Seite 4 unserer jüngsten Ausgabe. Eine Kundgebung der englischen London, 19. Januar. Die Exekutive der englischen V ö 1 k e r b u n d s 1 d g a hat nach Prüfung des Berichtes der Expertenkommission des Völkerbundes für die Neuregelung der Auswandererhilfe eine Entschließung angenommen, die nach sorgfältiger Prüfung des von der Völkenbundskommission für internationale Auswandererhilfe veröffentlichten Berichtes den Vorschlag, daß eine unter Völkerbundsauf sieht stehende internationale Behörde zur Förderung der Hilfsanbeit für Auswanderer aus Deutschland und deren Seßhaftmachung bestehen bleiben soll, begrüßt; bedauert wird jedoch, daß eine solche Vorkehrung nicht für die noch größere Zahl russischer (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aas dem Inhalt: Die Antwort der Araber zum Legislative Council .............Seite 2 Das Flaggenrecht der Handelsschiffe jüdischer Eigentümer.......... Seite 2 Lehrlingsausbildung in jüdischen Betrieben Seite 2 Zum Ableben von König Georg V. Seite 4 und 8 Wieder die „katholischen Rechte in Palästina" Seite 4 und 7 Ein Spiel mit Worten oder mehr als das 7 Seite 5 Wirtschaitsnachrichten aus Erez Israel und Palästinabericht .....Seite 6 und 8 Ausscheiden von Juden aus öffentlichen Aemtern .........Seite 6 Organisation der jüdischen Erfiiaderarbeit Seite 7 Das Attentat auf den rumänischen Oberrabbiner Dr. Nienürower .....Seite 8 Jerusalemer MoSaik ........Seite 10 Kinderecke ..... ......Seite 10 StellungundLeistungdergesetzestreuen Rabbiner in Deutschland. Von Dr. Joseph Carlebach. Das Bewußtsein, daß unser Volk eine geistige Gemeinschaft ist, die in der Bibel und in der lebendigen Ueb er lieferung des g'ttlichen Wortes ihre Das einsauf gäbe und weige Daseinsberechtigung besitzt, fand seit Urzeit ihren Ausdruck in dem Amt und der Person des Rabbiners. Indem jede Gemeinde mindestens einen der Lehre Beilissenen, eine Autorität des Wissens in ihrer Mitte hatte, hatte auch sie ihrerseits Anteil ah der Lehre, fühlte auch sie sich durchflössen von dem lebendigen Strom ewig-jungen geistigen Ringens um Sinn, Gehalt und Anwendungsbereich der Thora. Durch den Rabbiner als den Weiser und Erforscher des jüdischen Traditionsgutes war ihr die Kontinuität ihrer inneren Gestaltung, ihrer Geistigkeit und all ihrer praktischen Maßnahmen mit der geweihten, jüdischen Vergangenheit und Zukunft gewährleistet. Die Ueberlegenhieit seines geistigen Könnens, die ihm allüberall im Judentum x die Anerkennung verschafft hätte, sowie die Integrität seiner sittlichen Persönlichkeit, in welcher Leben und Lehre eins waren, sicherten ihm einen solchen- Rang innerhalb seines ./Kreises, daß sowohl in den privaten wie in den öffentlichen Angelegenheiten seine Weisung ernst genommen, sein Lob freudig, sein Tadel tief schmerzlich empfunden, wurde. Der Rabbiner präsentierte allen Kindern seiner Gemeinde das Ideal ihres Lebens. Dabei .hatte er nichts Klerikales an sich. In Lebensführung war er das Vorbild der Schlichtheit und Einfachheit, und selbst wo er bezahlt wurde, war er von dem Gefühl getragen, in völliger Freiheit seines Amtes zu walten, nicht als Vertreter eines Standes, nicht als beamteter Funktionär, sondern lediglich und allein, in Vollmacht seiner geistigen Aufgabe, der Sachwalter einer höheren Lebensbestimiimtng zu sein. Nur seinem eigenen Gewissen verantwortlich, konnte er das Gewissen der Gesamtheit sein; nur besorgt, in seinen Entscheidungen und Lehren vor dem Areopag der mitlebenden und vergangenen Großen in Israel bestehen izu können, konnte er in innerlich völliger Unabhängigkeit von Wünschen und Neigungen seiner Umgebung lehren und handeln. Er war ein Mannaus d e m V o 1 k e, wollte nicht äußerlich und sozial von der breiten Masse geschieden sein; nur die innere Autorität seines Thorawissens sollte ihn von den Anderen scheiden. So adelte er durch das Gewicht seiner Persönlichkeit selbst den engsten und ärmlichsten Kreis um sich herum. In seiner Gemeinschaft fühlten sich alle die Beladenen des Lebens zu einem höheren Sein emporgerissen und spürten den Pulsschlag jener reinen Welt, in welcher die Meister der Bibel und des Talmud wie schlichte Endenmenschen wandelten. (Fortsetzung siehe Seite 3.)

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