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Der Israelit · 1936-01-16 · Heft 3 (16.1.1936) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 3 (16.1.1936)
Date
1936-01-16
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 3 Der Israelit 16. Januar 1936; Mädchen sah nicht auf und traf ihren Besucher mit keinem Blick. Endlich stellte das iMädchen die Frage: „Glauben Sie auch, daß die Ehen im Himmel geschlossen werden?" „Gewiß! Und mir ist noch etwas Besonderes geschehen. Sie wissen, daß nach einer talmudischen Sage bei der Geburt eines Kindes im Himmel ausgerufen wird: dieser Jüngling erhält einst jenes Mädchen. Wie ich geboren ward, wurde auch mir meine Frau bestimmt — aber ein Engel fügte gleich hinzu: sie wird leider G'ttes einen Buckel haben, einen schrecklichen. Lieber G'tt, hab' ich da gesagt: ein Mädchen, das verwachsen ist, wird gar leicht bitter und hart; ein Mädchen soll schön sein. Lieber G'ttf gib mir den Buckel und Laß das Mädchen schön und wohlgefällig sein." Kaum hatte Moses Mendelssohn das gesagt, als ihm das Mädchen die Hand bot. Und sie ward seine Frau, und sie wurden glücklich miteinander und hatten schöne und kluge Kinder, deren Nachkommen noch leben bis auf den heutigen Tag. (Auerbach.) Bücher von Stephan Zweig. „Jeremias", die bekannte dramatische Dichtung in neun Bildern von Stefan Zweig ist in neuer Auflage bei Herbert Reichner, Wien-Leipzig-Zürich erschienen. (Preis geb. Mk. 3.—) Die Dichtung ist, besonders auch durch die Aufführungen in den jüdischen Kulturbünden allgemein bekannt, so daß sich eine ausführliche Besprechung, die wir schon bei früherem Anlaß brachtem, jetzt erübrigt. Bemerkt sei nur, daß .der Dichter energsche Kürzungen vornahm, ohne daß eine Veränderung in Form oder Sinn des Werkes dabei eingetreten ist. Machte sich doch bei den erwähnten Aufführungen die Notwendigkeit einer1- Straffung im Interesse der Gesamtwirkung sehr bemerkbar, und es ist gut, daß der Dichter diese Operation nicht den Regisseuren überlassen, hat, sondern sie selber vornahm. Wir allerdings sind heute noch der Meinung, daß die Lektüre (dieses Buches in stiller Sammlung viel mehr bietet, als im Rampenlicht der großen Bühne, wo manche leise Schwingung in den Symphonien der Töne und Farben untergeht. Zur gleichen Zeit geht uns von Stefan Zweig ein Gedenkbuch der Liebe und Verehrung für den großen Musiker Arturo Toscanini zu (gleicher Verlag), das als Geleitwort zu dem Buch Paul Stefans über den großen Tonkünstler erschienen ist. Kinderecke, Eine Mutter erzählt ihren Kindern die Bibel. Von Alice Oppenheimer. Es war an einem Samstag Nachmittag, da klopfte Ben an die Türe. Ich rief „Herein". Auf der Schwelle standen Ben und seine Schwester. „Mutter, was haben wir eben so fein gespielt; rat einmal, was!" Ich rate: Lotto, Blindekuh. „Nein, falsch, ganz falsch, rate weiter!" „Ich kann nicht!" „Soll ich es Dir sagen?" fragt Schwesterchen. „Bitte, ja, ich komme nicht drauf, sagt es schon," „Wir spielten „Joseph und seine Brüder". Ben war Joseph, ich Benjamin, unsere Puppen waren die übrigen Brüder und der tiefe Sessel die Grube; es war wunderbar! Mutter, kennst Du noch mehr von diesen Geschichten, so erzähle doch weiter!" So sitze ich denn bei meinen zwei Kindern und erzähle ihnen die Geschichte des II. Buches Mosis, I. Die Geburt des Moses. Es waren die 12 Söhne Jakobs mit ihren Frauen und Kindern nun schon viele Jahre in Aegypten. Sie wohnten noch immer in Goschen. Da starb der König von Aegypten, ein neuer Pharao wurde gewählt, der wollte aber nichts von den Juden wissen. Er mochte sie nicht leiden, denn sie hielten andere Gesetze wie die Aegypter, sie glaubten an einen G'tt, wie Jacobes sie gelehrt hatte. Die Aegypter hatten Götzen, Bilder und Denkmäler, die sie verehrten. Auch schenkte G'tt den Juden viele Kinder, sie wurden zahlreich, sie bildeten ein Volk, Vor dieser Menge fremder Menschen wurde Pharao bange. Er überlegte Tag und Nacht, wie er das Volk der 'Juden, das auch Israel genannt wurde, am besten ärgern könne. Er heckte die tollsten Pläne aus, um dem Volke Israel zu schaden. Den schlimmsten Plan, den er faßte, war, alle neugeborenen Judenknaben töten zu lassen. Die Juden bebten und zitterten vor Furcht, wenn ein Kind ihnen geboren wurde, sie flehten G'tt an, ihnen keine Kinder mehr zu geben. Mirjam, die Urenkelin Jacobs, hörte gar oft die Reden der Eltern, die sich nach Kinder sehnten, sich aber fürchteten, an G'tt die Bitte um Kinder zu richten. ' Eines Tages lief Mirjam zu Vater und Mutter und sprach: „Vater, Mutter, sagt doch, warum habe ich nur einen einzigen Bruder, den Aron? Betet doch zu G'tt, er möge uns noch mehr Kinder schicken." „Aber Mirjam," meinte die Mutter, „Du, die doch schon so vernünftig bist, wünschst Dir noch' Geschwister? Wenn es ein Junge wäre, was soll aus ihm werden? Ganz vor kurzem erst gab Pharao die Anordnung heraus, daß alle Juderikhaben, 'die geboren werden, ins Wasser zu werfen seien, 'daß sie elendiglich ertränken-" „Ja, Mutter, das weiß ich, aber, wenn wir durch G'ttes Fügung ein Mädchen bekämen?" Da wußten Vater und Mutter keine Antwort. Von dem Tage an beteten sie tun ein Kind. G'tt hörte ihr Gebet, aber anstelle eines Mädchens kam ein kräftiger Junge zur Welt. Mutter Jochebed konnte sich nicht entschließen, den Jungen ins Wasser zu werfen, sie schloß ihn in eine Kammer ein und Mirjam mußte auf ihn acht haben. Eigenartig war es, daß das Kind' die ersten drei Monate nicht schrie noch weinte, so konnte es unbemerkt im Hause seiner Eltern bleiben, keiner ahnte, daß in der Wohnung ein neugeborenes Judenkind in der Wiege lag. Aber als das Kind kräftiger wurde und sein Sümmchen durch die Räume scholl, konnte, wer vorübergind, merken, daß in (diesem Hause ein Säugling war. Tag und Nacht überlegten die Eltern, wie sie den Kleinen vor dem Wassiertode retten könnten. Auf einmal kam ihnen ein wundervoller Einfall. Sie flochten ein Körbchen aus Schilf, bestrichen es von außen mit Pech und legten das Kleine hinein. Mirjam, die große Schwester, nahm das Körbchen mit dem Kind, trug es an den Fluß hin zu einer Stelle, die dicht mit Schilf bewachsen war. Dort stellte sie es ab; sie selbst versteckte sich nicht weit davon, säe mußte schauen, was mit dem Brüderchen 'geschah. Eine kleine Weile später kam die Königstochter an den Fluß, um ihr Morgenbad zu nehmen. Sie sah das Körbchen, hörte eine kleine weinende Stimme daraus hervordringen. Sie klatschte in 'die Hände, rief nach 'ihren Mägden. Behende sprang eine ins Wasser, zog das Körbchen ans Ufer und gab es der Königstochter. ,fEin Kind der Hebräer ist es," sagte die Königstochter, „armer kleiner Mann, weine nicht. Du solsst am Leben bleiben, ich will dafür sorgen. Wenn ich ihm nur idine gute jüdische Mutter wüßte!" Mirjam, die unbeobachtet stand, sprang hinzu, verneigte sich und sprach: „Prinzessin, Tochter des großen Pharao, ich weiß eine brave gute Frau, sie wird sich des Kindes annehmen, <es pflegen und hegen!" So kam das kleine Kind wieder zu seiner Mutter, durfte da bleiben, bis es groß war, dann brachte Mutter Jochebed den Jungen zur Königstochter. Die nahm ihn zu sich ins Königsschloß, gab ihm den Namen Moses, in Erinnerung daran, daß sie ihn aus dem Wasser gezogen hatte. n. Moses im Königspalast. Moses lebte nun im Königsschlosse, als Sohn der Königstochter, die ihm zugetan war, wie eine Mutter. Er hatte es herrlich, aber die Sehnsucht nach seinem Volke trieb ihn immer wieder zu den Juden. Sowie Mostes es einrichten konnte, ging er hinaus zu seinen Brüdern, sah, was sie zu leiden hatten, wie schwer die Arbeit war, die sie zu leisten hatten für König Pharao.' Riesengroße Steine mußten sie tragen, die ihnen den Atem raubten, Häuser mußten sie bauen in größter Sonnenhitze, da half kein Hebekran ihnen die Arbeit erleichtern, da gab es keine Holzgerüste, die das Klettern fast zum Vergnügen machen. Die ägyptische Sonne schien heiß und je heißer es war, desto schlimmer trieben die ägyptischen Aufseher die Juden zur Arbeit an. Wer ausruhen mußte, weil er vor Erschöpfung nicht mehr konnte, bekam Peitschenhiebe, daß es nur so knallte, mit Fußtritten wurde nicht gespart. Arme Juden! Einst erschlug ein ägyptischer Aufseher einen Juden, Moses sprang hinzu, um dem Juden" zu helfen, tötete dabei den Aegypter und vergrub ihn im Sande. Er sah sich nach allen Seiten um, niemand war weit und breit, keiner konnte seine Tat gesehen haben. So ging er zurück in das Königsschloß. . Am nächsten Tage ging Moses wieder hinaus zu seinen armen gequälten Brüdern, 'den Juden, da sah er zwei Juden, die sich schlugen. „Hört doch auf, streitet Euch doch nicht, Ihr Söhne eines Volkes!" „Bäh, bäh, Patzigmacher, willst wohl Richter über uns sein, oder gar uns erschlagen, wie Du den Aegypter gestern erschlugst?" Als Moses 'diese Worte hörte, packte ihn die Fucrht. Ins Königsschloß zurückgehen wollte er nicht, er wußte, daß Pharao ihn nicht gut leiden mochte, wenn nun der König hören sollte vom Tode siednes ägyptischen Untertans, dann hatte Moses Schlimmes im Königsschlosse zu erwarten. So ließ er lieber alles im Stich, lief, was ihn seine Füße tragen konnten, fort aus dem Aogypterländ. Er kam tief in die Wüste zu einem Manne, namens Jithro, der viele Schafherden hielt. Bei 'diesem Manne blieb Moses. Er verstand es, überall zuzugreifen, wo Hilfe nötig war. So machte ihn Jithro zum Hüter seiner Schafe, Tagelang zog Moses mit seinen Herden 'draußen im Freien hernim, istei-s bedacht auf »eine Schafe, ihnen gute Weideplätze zu sfinden. Einst verirrte sich' ein kleines Lämmchen. Mösles hörte von weitem ein trauriges Blöken, das immer'schwächer und schwächer wurde. Moses eilte dem Rufe nach und fand eines seiner jüngsten Schäfchen ganz abseits ermattet liegen. Behutsam nahm Mose® das Tierchen auf seinen Arm, trug es zurück zu seiner Herde, gab ihm zu trinken und sorgte sich um das Lämmchen, wie eine Mutter um ihr 'Kind. Als G'tt die liebevolle Fürsorge sah, die Moses den Tieren angedeihen ließ/ sagte er: „Wenn Moses den Tieren mit solcher Fürsorge begegnet, wieviel Liebe und Güte wird er dann für Menschen haben, die er betreuen und führen soll!" Auch Jithro, der reiche Herdenibesitzer, fand Gefallen an Moses, er gab ihm seine Tochter Zipora zur Frau und somit wurde er Jithros Schwiegersohn. III. Der brennende Dornbusch. „Sag doch, sag doch, Mutter, was geschah mit Moses weiter? Kehrte er nie mehr nach Aegypten zurück?" „Doch, Ben, aber das geht alle® nicht so schnell, wie Du denkst, Ben, sei nicht so voreilig!" „Mutter, erzähle weiter, quängelt Schwesterchen, hör nicht auf Ben, erzähle doch" und ganz böse stapft sie mit dem Fuße auf. „Still Kinder, kommt, ich erzähle ja schon." Täglich zog Moses mit den Schafen Jithros hinaus auf die Weide. Als er wieder draußen mit den Schafen weilte, gesellte sich zu ihm ein Wolf. Die Schafe drängten sich (dicht zusammen, blökten und ihre Leiber zitterten, denn sie wußten, daß der Wolf ihr Feind war. „Wolf, was willst Du bei mei- - nen Herden?" rief furchtlos Moses den Wolf an. „Eines Deiner Schafe," heult der Wolf. „Ich kann Dir keine® geben, Wolf," sagte Moses, „ehe ich Jithro um Erlaubnis gebeten habe, versprich mir, kein Schaf zu stehlen, so will ich zu meinem Herrn laufen, ihn fragen, welches er 'Dir gibt." „Es ist recht," sprach der Wolf. Moses sprang fort, auf seinem Wege aber begegnete 4hm etwas Außergewöhnliches, Er sah einen Strauch, einen Dornbusch im Feuer stehen. Flammen schlugen aus dem Busch, aber der Dombusch verbrannte nicht. Moseis, neugierig geworden, wollte sehen, was das sei und eilte ■hin. Da ertönte eine Stimme aus der Flamme: „Ziehe Deine Schule aus, ehe Du nähertrittst, denn heilig ist der Boden, auf dem Du stehst. Ich bin der G'tt Deiner Väter, der G'tt Abrahams, Isaacs und Jacobs, Ich höre das Volk der Juden, ich höre Israel weinen und klagen, bis zu mir in den Himmel ist ihr Leid gekommen, ich habe mein Volk nicht vergessen, ich will es aus der Hand der Aegypter befreien und es in ein Land bringen, das schön ist, reich an Früchten, in dem es Herr und nicht Geknechtete äst. Siehe Moses", rief die Stimme G'ttes weiter, „Dich habe ich dazu ausersehen, das Volk Israel vom bösen König Pharao hin wegzuführen." „Mich," sprach Moses, „mich hast Du ausierseihen dazu? Wende ich das können, ich, der ich seit Jahren nur Härte bin und mich aufs reden schlecht verstehe! Weder Pharao noch das Volk Israel wird meinen Worten glauben!" ,JJoch," erwiderte G'tt, „wirst Du es können. Aron, Dein Bruder, wird Dir helfen, Du wirst ihn vor den Toren Aegyptens treffen." „Aber," sprach Moses, „wenn Pharao uns beide nicht anhört, was soll ich tun?" „Ich werde Dir Wunder geben. Was hast Du in Deiner Hand?" „Einen Stab," antwortete Moses. „Wirf ihn hin." Moses tat so. Da wurde aus dem Stab eine Schlange. Moses fürchtete sich und sprang davon. G'tt aber sagte: „Nimm 'die Schlange am schwänze!" Moses faßte zu, da wunde die Schlange zum Stab. „Noch ein Wunder will ich Dir geben, stecke Deine Hand in Deinen Rock, wenn Du sie herausziehst, ist sie voll schrecklicher Pocken." Moses gehorchte. Seine Hand sah furchtbar aus. Dann legte' er sie' wieder in seinen Rock, beim Herausziehen war sie wie limmer, wieder .ganz gesund. „Nicht nur zu Pharao sollst Du reden," sagte G'tt, „auch mein Volk, die Juden, sollst Du auf ihre große Befreiung vorbereiten. Sage ihnen, diaß Pharao sich weigern wird, mein Volk ziehen zu lassen .und daß ich dann fürchterliche Strafenüber . die A?gypter schicken werde." . .. t= Moses ging zu Jithro und erzählte, ihm sein Erlebnis. Jithro sprach: „Ziehe nach, .dem Aegypterland. wie G'tt es Dir befahl." ■ Moses kehrte nun nach Aegypten . zurück. Auf dem Wege traf er, so wie G'tt es ihm gesagt; hatte, seinen Bruder Aaron. Beide wanderten zusammen

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