Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1936)
- Date
- 1936-01-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2450909-2450912--81847-2539746- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
wahren. Er hat durch mangelnden Ernst das Heiligtum verkürzt und Verminderung de« eigenen Lebensglücks verwirkt, die er bei der Rückgabe des Entfremdeten zuzüglich eines Fünftels durch ein QPs zu sühnen hat.00;) nann rmsv ovx „Schuldopfer der angetrauten Magd". Wer, selbst ,udbewußt,60a) auf eigenen Genuß bedacht, Recht und Ehre eines Untergebenen an eine Untergebene gering geachtet, an einer Magd sich vergangen hat, der bereits so nahe die Freiheit bevorsteht, daß ein anderer sie sich angetraut hat, * hat Freude und Glück verwirkt, hat durch Reue und Sühne im DPK sie sich neu zu erringen."1) TU QtfrK „Schuldopfer des Nasirs". Wer, selbst zu geistiger und sittlicher Selbstprüfung, die Rücksichtnahme auf den Nächsten vermissen läßt, sich von den Mitmenschen zurückzieht und abschließt, um sich durch ein Nasirgelübde ganz in den Gedanken an G'tt zu vertiefen, erstrebt eigene Vervollkommnung, trotzdem er seinen Nächsten nicht den letzten Liebesdienst erweisen,, darf. Wenn er dann bewußt oder selbst unbewußt, die Verunreinigung durch einen Toten nicht vermeiden kann, so ist die Gleichgültigkeit gegen die Mitwelt eine umberechtigte Teilnahmslosigkeit an döm Geschick der Mitmenschen. Von den zwei Turteltauben oder jungen Tauben bringt er die eine als riKori/ die andere als Tbty' und ein Lamm als Diese® will die verwirkte Gleichgültigkeit gegen eigenes Lebensgeschick sühnen. Als einfaches Lamm irisier Reihe der anderen, ohne eine Ausnahme sein zt? wollen, will er sich von dem himmlischen Hirten führen und weiden lassen.82) rmn dwk „Schuldopfer des Aussätzigen". Wer durch soziale Vergehen Freude und Glück des Nebenmenschen rücksichtslos untergräbt und mit dem Aussatz, mit der „Berührung" des strafenden G'ttesfingers gezeichnet, von der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen wird, bringt, wenn er geheilt, ein Schaf als rison, ein Lamm alsi n^iy und ein Lamm als dwh. Er hat sein Lebensglück verwirkt, wenn er nicht im Opfer zum Ausdruck bringt, daßer, frei von Selbstsucht».-und Gehässigkeit, sich nur in Gemeinsamkeit mit den anderen Nahrung zuweisen lassen will.03) 'l5>fl DBS „Schuldopfer des Sündenzweifels". Wer Lebensbetätigung und Lebensglück erstrebt, ohne sicher und gewiß zu' sein, daß die -Mittel der Tat und des Genussesi einwandfrei religionsgesetzlich gestattet sind, wenngleich die Möglichkeit der Zulässigkeit nicht ausgeschlossen ist, wer sich im Zweifel •beruhigt, ohne sich vorher Gewißheit zu verschaffen, dessen Gewissenhaftigkeit ist einer Gleichgültigkeit gewichen, der das Streben nach Lebensfreude oberstes Ziel ist, das «ich über Bedenken und Zweifel hinwegsetzt. Er hat eine strafende Verminderung seiner Lebensfreude verwirkt und im uv& zu sühnen.04) Außer den beiden zuvor erwähnten, TT3 dbw und yiisa qvk, ist jedes avs ein t»K. ein Widder.61a.) Er will dem Gelöbnis Ausdruck geben, Lebensglück nur unter sorgfältigster Rücksichtnahme auf die von G'tt gezogenen Grenzen der religiösen und sozialen, Sphären in vorbildlich voranleuchtender, führender Weise zu erstreben. Alle rrmvi* sind owip wip, wollen die Taten heiligend beeinflussen,p3X3 JntJTiPdie Selbstsucht überwinden, jisxs n*w 'i>a3 ]ül J>l3j?1 den Pulsschlag des Lebens in Uebereinstimmung bringen mit dem der Gesamtheit der G'ttesdiener. TW ]iyt3 Jan ya*i.< ]T\v nuna Zusammenfassend werden alle Seiten menschlichen Sehnens erfaßt und vereint in dem Wunsch nach Aufstieg zur Höhe selbstloser Heiligung. n'j?S>pn |a a^isb j'tajut (Nach Absonderung der Nieren und Fetteile, die dem Altarfeuer übergeben werden, werden die Teile des Opfertieres „innerhalb der Umhänge", angesichts des •Heiligtums, mirta naib „von den Männlichen der Priesterschaft" als Fortsetzung des Opferdienstes, den sie vollziehen,05) b^&n toa „in jeder Genußform" gegessen, aber nur nV^l Dl'V mxn 17 „einen Tag und die Nacht bis Mitternacht",1 Die unmittelbare räumliche und zeitliche Verbindung mit der Opferung des Tieres hält diese dem Bewußtsein und der Erinnerung gegenwärtig und sichert dem Genuß die Vermittlung der Erkenntnis ..wahren Lebensglücks. Wenn diese Erkenntnis, wahren Lebensglücks dem Menschen zum Bewußtsein gekommen, wenn er jedoch sie sich sichern und'erhalten will, wenn köin Schuldbewußtsein ihn drückt, so bedarf es nicht der 'onp ü'snpv um seinen Taten Heiligung zum Ziel zu setzen, es genügen a^j? wvipr leichtere Heiligungsmittel, die sein Geschick und seinen Besitz der Heiligung zu erhalten bestimmt sind. (Fortsetzung folgt.) 00) III. B\ M. 5, 15. °"a) '-'i'ivn 'a "lflnvma 'ob "»y 01) III. B. M. 19, 21. 6S> IV.. B. M. 6, 12. o:!) III. B. M. 14, 12. ~ 04) III. B. M. 5, 17—19.! a4a) Vielleicht ist die Reihenfolge der Aufzählung hierdurch erklärbar. - jr^isa ovk ist vielleicht, am Schluß der mini mar« weil "iTinV «a vgl. hierzu o'riar '&a atroi n-tin •»üb- 65) .'i 'ivm "i "id wbpv 'o» ">y Aktuelle Schulprobleme* Von Lippmann Kurzweil in Kopenhagen. Im Herbst und .Winter tagen — wie üblich — die verschiedenen Lehrervereine. Man wird gut daran tun, ein festes Programm aufzustellen, damit die Arbeiitsteilnehmer Vorbereitungen treffen können. Sehwinkel. Dem jüdischen Schulwesen in der Diaspora, insbesondere in Deutschland, erwächst die eigentümliche Aufgabe, Schüler für das-Leiben und Wirken in Palästina auszubilden. Diese; fast unüberwindliche Schwierigkeit macht sich schon in der Tatsache bemerkbar, daß im Galuth keine palästinensischen Lehrer, die gründlich Volk, Land und Sprache studiert haben, unterrichten. Dazu kommt noch das Fehlen der palästinensischen Umwelt, die man nicht mit Theorie herbeizaubern kann. Dieses Problem bildet wohl den Mittelpunkt, um welchen sich die andern gruppieren. Wie jedes Problem hat auch dieses ein Doppel gesicht. Entweder stellt man sich die Aufgabe, im Ausland für Erez zu erziehen, was sich meistens mit dem Erlernen eines dürftigen Hebräisch erschöpft, oder man schult die Zöglinge schlechthin für das Judentum; und dann müßte die Erziehung erst recht für Erez fruchtbar sein. Dies ist von der Ideologie, oder korrekter gesagt, von der Wahrheit abhängig, ob Erez Jisroel ein Land unter Ländern, mit allen politischen Anschauungen durchwoben, oder das Land des G'ttesgesetzes ist. Diese Auffassung würde keinen wesentlichen Umbruch in der jüdischen Diasporaschule hervorrufen, Jene hingegen käme einem Vegetieren im Vakuum gleich. Taurohunterricht. Allgemeines: Früher lautete die Frage, ob man mit der Uebersetzung "Von Rip'i oder jverjna beginnen solle, späterhin rwR-u oder kti - und schließlich im heutigen Palästina Kautzsich oder 'ar6 die G'tteslehre. Streng genommen liegen diese drei Stadien nicht zeitlich voneinander. Die Moralisten fordern, das Reine (Kind) solle sich mit dem Reinen (m?1!) beschäftigen, die Arbeitsschule zieht das Erzählende vor, das im Fassungsbereich des Kindes liegt, und schließlich die marxistische Arbeiterbewegung in Palästina und Rußland die Verwerfung des g'ttlichen Gesetzes. Das letzte hat aktuelles Interesse: Womit wir auch den Täurohunterricht beginnen, eins steht fest, die G'ttesfurcht und der Respekt vor mipfl 1Jn*iv> muß der I n h a 11 die s e r D i B> - \ z i p 1 i n w e r d e n f Das Uebersetzen. und „den tieferen Sinn erfassen"-kommt erst in zweiter Linie. Die Vorbereitung des . Lehrers für den |?entateuchunterricht besteht somit in der Durcharbeitung eines der vielen *ioia »ISO Kapitel rurf». Dieser 'Begriff ist eine Seltenheit in der heühebräischen Literatur, während er in der althebräischen das Alpha .und das Omega ausmachte. , Spezielles: Die ohaluzische Linke arbeitet weni ger mit der hypothetischen Bibelkritik, als mit dem Nachweis eines primitiven und zweifelhaften Soziälrechts der Tauroh. Insbesondere wird die Stellung des jüdischen und . heidnischen „Sklaven" mißbilligt Schon die Tatsache, daß die Tauroh die' Existenz eines solchen als Möglichkeit hinstellt, sei unverzeih lieh. Das muß auch der Strenggläubige zugeben, allein ist der Taurohübersetzer eines Fehlers zu zeihen, indem 11V fälschlicherweise mit Sklave, wiedergegeben wird. Im Dekalog müßte demzufolge die Uebersetzung lauten: „sechs Tage sollst du als Sklave dienen .-..!" Diesen und ähnlichen gehässigen Auslegungen sozialistischer Besserwisser beigegnet die jüdische Schule durch eingehende Besprechung der sozial-jüdischen Gesetze. In der Oberstufe kann man auf die geläufigsten Fehlauslegungen aufmerksam machen und Vergleiche mit den sozialen Gesetzen der Völker anstellen. Die T au r o h g e s e t z e für P-a 1 äs> t i n a. Wir haben bekanntlich eine Reihe yon Vorschriften, die nur in Erez Jjisroel angängig sind. Wie. stellt sich unisre Schule zu diesen? Können wir hierin unsren Zöglinigen genau so sicheren Bescheid geben, wie über die Satzungen des jüdischen Jahres? Welche Werke sind für diese Erez-Pflichten maßgebend? Dieserhalb habe ich mich sowohl schriftlich als auch mündlich mit kompetenten Persönlichkeiten in Verbindung gesetzt und komme zusammenfassend zu folgendem Resultat. Wir können unsrer Sc hu 1jugend nur dentheore tischen Teil dieser Gesetze zugänglich machen. Ein Mitglied des orthodoxen Rabbinerverbandes schreibt mir u. a.: „Die 'praktische' Handhabung; besonders von n*r>2V hat schon in den vergangenen rftyri zwischen den ßpVm zu -Auseinandersetzungen j ^geführt.. Einfe ITfftt naVn getragen von einer einheitlichen Stelliihg!- nahmerder heutigen -rnn $ro in"fn$ t\m fw'''ttörä unmöglich zu erzielen sein. Notwendig 'wäre:';es; ''dazu ist aber die Zerrissenheit zu .großi':'!r!.-)?;: [ Ein weiteres Problem>!das in F^ezpraktische..^Bedeutung hatv-wiewohl es,; auch in der Gaulo. besteht, ist das" Werkverbot, amtr'i tav _ und die Landwirtschaft. Darunter gehör¥ beispielsweise - das Melkeii. Es wird mir authentisch mitgeteilt, daß Oberrabbine* Kuk Vst in einem vorliegenden Falle gegen das Melken auf n^ai« Stellung genommen hat, trotzdem der zuständige Rabbiner dies bereits erlaubt hatte. Auch hierüber herrschen mehr ader< minder, .willkürliche ^Entscheidungen", die sich mit den ö'^nä 'poa schwerlich decken. Es resultiert hieraus, daß der Lehrer die Pflicht hat, den Schülern einzuprägen, sie %mögen sich in Erez von ihrem zuständigen orthodoxen Lehre r b e i e h r e n i;l:a s s;e h, wie sie sich in di e s en. s t rd 11 i g^e n Angelegenheiten z u v e r h a 11 e n h a b e'n. Also fordert die Tauroh: „Nach dem Ausspruch des Wortes, das sie dir . . . sagen werden; auf den Ausspruch der Lehre, die sie dich lehren" usw. d"' D'-m). Dieses .offene Bekennen zur Lage des pos kann sich nur eine starke Orthodoxie leisten. Wir haben eben in der Erez-Frage schon lange keine praktische Erfahrung mehr, um sie schulchanorachmäßig registrieren zu können. Verschiedenes. Die jüdische Pädagogik kennt nicht den Verkehr zwischen Lehrer und Schüler auf Freundesbasis. Der jüdische Lehrer ist eine Autorität, die nan STta D'aw k-iimfordert. So etwas, wie freie Schule,: kennt das jüdische Schulgesetz nicht. Auch Anhänger der Arbeitsschule haben schon längst die Zügel straffer gezogen, da Arbeit allzuleicht in Spiel überging;'Die jüdische Schule verlangt ein ernstes und zielbewußtes Arbeiten. (n*m — a^ai ''0 n»T mv) Ein unbebautes Gebiet stellt 'die jüdische Psychologie (insbesondere Sozialpsychologie) der Schuljugend im Zeichen des jüdischen Nationalismus und in dem der Rassentheorie dar. Hierüber müßten Erfahrungsberichte gesammelt und den Interessenten zugänglich gemacht werden. Es ist zu warnen, die Schüler unserer Schulen nur in die sefardische (palästinensische) Aussprache des Hebräischen einzuführen. T'nach, T'filo und Talmud sollten nach wie vor das. Privileg der aschkenasischen Aussprache genießen. Dieser Statue quo kann vielleicht auch einmal zum Rettungsanker des binb enp )>3 nbian werden. An einen derartigen Dualismus sind wir schon von altersher gewohnt: (rbp '^irti tös»^ D'»sn tos?;» min ]wb „die Taurohsprache ist eine andere und die Gelehrtensprache ist eine andere." Schließlich ist mit dem heutigen Palästina noch lange nicht das Judenproblem gelöst, als daß wir uns nur nach diesem Lande orientieren lassen. Diese Auslese von Problemen kann für den tau- . rohtreuen Lehrer nur eine Mahnung sein, nicht überstürzt zu handeln, aber dennoch umsichtig genug zu sein, um für das stets bedrohte Taurohtum den rechten Weg zu finden, •.(!"3 rnaia) «man rp3^ ■po'in ^»3 ioaa>» w^nan Bücherbesprechungen. Die Fibel „So geht's schnell!** Im; Auftrage des Jüdischen Lehrerverbandes in Deutschland bearbeitet von GilE M a r x. Bilder von Otto Schloß und Walter Herzberg. L ei p zi g. 19 3 6. Verlag Rudolf. S ch i c k u. C o. Preis! Mk. 2.—. Die Frage nach dem neuen Sohulbuche in der Jüdischen Volksschule wird immer dringlicher,., und die Notwendigkeit der Neubeschaffungen wird immer zwingender. Wer aus einer besonderen Einstellung heraus den Gebrauch von Fibeln nicht überhaupt ablehnt, wird gerne nach der von Cilli Marx bearbeiteten Fibel greifen. Man merkt dem vorliegenden Büchlein an, daß die. Verfasserin Erfahrung auf diesem Gebiete durch ihre frühere Tätigkeit hat, und daß sie die Schwierigkeiten des Anfangsunterrichtes kennt. Die Bilder lassen zu wünschen übrig; man hätte mehr Strichfiguren verwenden dürfen, Doch darf man auch in 'dieser Beziehung nicht zu anspruchsvoll sein, und. muß an manche Grenzen denken, die unserer Ausdrucksmöglichkeit gesetzt sind. Die Fibel enthält drei Teile, Zuerst werden lautreine Wörter gebracht; die Buchstaben sind nach Laut- und Schreibschwierigkeiten geordnet; der Gebrauch der Großschrift wird in entzückender, der kindlichen Auffassung entsprechender Weise dargestellt, Klein- und Großdruck werden eingeführt. Der zweite Teil gibt Schärfung und Dehnung, Doppel- und seltene Laute. Der dritte Teil bringt weiteren Lesestoff. .;«!■ . •;,.■»■ . \ ,-r. , Die Fibel ist prinzipiell nach phonetischen Grundsätzen aufgebaut, der" Text geht' vom Erlebniskreis des Kindes aus und erfaßt geschickt alles, - was. das jüdische Kind aus dem Elternhaus und seiner engen Umwelt mitbringt. Gleich am Anfang findet das Kind gute Bekannte unter den Namen und wer weiß, wie froh der Schulneuling dabei wird, wird auch hier . Grund finden, das Buch zu bejahen,- ..... Den Gebratich des Buches verhindern wird an vielen Schulen. der zu hohe Preis. Der ist für die Eltern;der; Großstadtschulen bestimmt unerschwinglich. Dem Verlag muß man' darüm drin'genid-rateny: in dieser 'Beziehüri|' den Entschluß, die-1 Fibel einzuführen, zu erleichtern.^ < - irD/tt.;Frieda F/ach^. Ernst Lewy: Genealogisches zurriHeilp^da^gik, S.,jA.- ijJüdische; Familienfqr<sch;un'g!', gfatip'r an Infer-. essenten, Auszug aus einer größeren Arbeit'1 des . ■Verfassers.. . -, "r" Verfolgt .den Zwecke „ die Heilpädaigogen auf die Bedeutung - familieaikundlicher 4 yntersuchunj^en 'Vax D i a ig'n'os-ti k und Th era p.i e jugendlicher Ääo- , malien hinzulenken."