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Der Israelit · 1936-01-16 · Heft 3 (16.1.1936) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 3 (16.1.1936)
Date
1936-01-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Erziehung und Lehre Pädagogische Beilage zum „Israelit" Organ des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands inani t—< irwii i—h iiöraroif^ifoi^föir Verantwortliche Schiiftleituag: L. Kaufmann, Sprendlingen (Kreis Ottenbach) 1)10 10 X 7 X 3. Von N. Berlinger in Buttenhausen. (Lehrprobe aus ' dein' Mussarunterricht.) (Schluß.) Aber wenn Jakob gefehlt, warum mußte Joseph 22 Jahre unter der Entfernung von Vater und Brüdern leiden? Weil JoSeph in frevelnder Gesinnung »ich über ■Sein Vaterhaus überhob damals schön, als Jakob den i'7Jährigen frug, ob wohl der Vater, die Mutter und seine Brüder sich vor ihm bücken sollten und Joseph nicht schamrot widersprach,34) sondern im voraus in dem stolzen Gedanken einstiger Erfüllung schwelgte. Und.-noch am Ende seiner Prüfungszeit hörte er, mit Befriedigung seiner -Träume gedenkend,35) 11 mal aus der jBrüder ,und ebenso oft aus desi Dolmetschers Munde, daß sein Vater (5, bezw. 10 XJP6) und seine Brüder (6, bezw. 12 X) als Sklaven Aegyptens im Gegenwärt der offiziellen Vertreter der Aegypter37) bezeichnet würden, ohne daß er bei der ersten Gelegenheit38) widersprach. Leiteten hierausi die Aegypter 70 Jahre später das formale Recht zur Herrschaft über den Stamm der Hebräer ab, da nsnna npvw ist? Erst die Tränen am Halse Benjamins und des greisen Vaters3') spülten den letzten Rest von 22 Jahre altem Stolz aus dem Herzen Josephs. 21 Jahre blieb Jakob im Geiste freiwillig dem Vaterhaus« fem, 21 Jahre des rvna 40); 21 mal Heß Joseph sein Vaterhaus und, damit sich selbst in Gegenwart der Aegypter unwidersprochen deren Sklaven nennen, obwohl „ein Bund mit den. Lippen ge- -scHosseri ist." Entsprechen diesen Verfehlunigen die 10 X 21 210 Jahre .des ägyptischen Golus, und diese wiederum einem dreimaligen Durchschnittsalter der Menschen von je 70 Jahren,41) oder den drei Geschlechtern,42) 'die im Brith ben Habetharim als Dauer des Exil® 'genannt werden? Die Zahl 10 drückt die Erziehung zu höchster Vervollkommnung43*) und damit die ^segensreiche g'ttliche Walking durch den „Läuterungstiegel" Aegyptens aus. 2X7 Jahre 14 Jahre 2 volle maas? dauerte der «gänzlich .freiwillige. Sklavendienst Jakobs. Hängen damit 'die ip>Cl4 140 Jahre nnay vom Tode Josephs -an zusammen,44) als mit dem Regierungswechsel einschneidende Regierunigsmaßnahmen .platzgriffen? ' 34) Hat I3in law i*am (I, 37, 11) gar den Nebensinn: der Vater hütete das Wort, (das ihm im Tadel entschlüpfen wolltej)i? Man hätte vm seine, Josephs, Worte erwartet. ») ■ ff, 42,-9). 30) Die späteren Selbstvorwürfe darüber schwächten Josephs Lebenskraft um 10 Jahre. 'p*iö) (angeführt in na'an min I 50, Anm. 22.) Er spricht kurz vor dem Tode von seinen rriasy (I, 50, 25) (r-jeno 13a) d. h. im Sinn von Ps. 51, 10 und 102, 4, von seinem schmerzgequälten inneren „Wesen". ~m»s» — von DStf Wesen. *7) Das erstemal, als die Brüder den hebräischen Namen für Sklaven gebrauchten (I, 43, 28j)i konnte Joseph keine Einsprache .erheben, weil er sich damit seinen Brüdern verraten hätte. Als aber der Dolmetscher übersetzte, hätte er sagen müssen: Euer Vater ist mein Sklave nicht und auch ihr seid freie Leute, 21 mal konnten die Aegypter das verhängnisvolle Wort „Sklave" verstehen. 38) Satz I, 42, 11 kommt deswegen nicht in Rechnung. 3D) Heißt viris bv in übertragenem Sinne „seiner hochmütigen Gedanken wegen"? 40) I, 32, 5 >»irw* pV ovr '. 41) Ps. 90,v 10; .'am heißt ^durchschnittlich", s. . Marcus, Jüd. Chronologie-, 42) Levi, Kehat und Amram, von deren längeren Lebensdauer iiona nur der Durchschnitt berechnet wurde. 5 , , . -43) Vergl Sprüche d. Väter V, auch Ehe Münk, Welt der Gebete. S. 104, auch 10. nva^a J~n ma« ,pa Kap. 32—36. 44) Von 2308 bis 2448. Kein Jude darf notleiden Die Jüdische Winterhilfe muH helfen! Sind unsere Ausführungen keine Auswüchse suchender Phantasie, sondern steckte ein Körnchen Wahrheit darin, 'dann ist am Anfang der Wanderung Israels riesengroß, mahnend und warnend, aber auch voll Verheißung mit .unauslöschlichen Lettern in die Voiksigeschichte eingegraben das schwerste alier Gebote, das Gebot 'der E lt e r n eh ru ng. Bei ihm kommt es auf die reinste Gesinnung an. Ausnahmsweise ist bei ihm nicht nur npyaa — nnwnn sondern der Gedanke steht über der Tat und gibt allein den Ausschlag.45) 'po und ito'"}«46) hängen davon ab. Das Sehnen nach der Ferne, die Ueberschätzung fremder Sitten, fremder trama. die Sucht nach Angledchung, verbunden mit 'der Unterschätzung der heimischen Güter und elterlicher Kultur haben schon unendlich viel Elend über Israel gebracht, von Vater Jakob an, dessen Tage dauernd o'VTi ö»a47j). wurden, bis auf den heutigen Tag. Hämmern wir es uns ins Herz: ian mi i'3K m taa An Höf! 1MR aW aber erfüllt sich das Wort »npK ">3nj?a Nur mit Mühe kann man in ihrem langen Leben einen einzigen Verstoß finden, den Millionen nicht beachten würden und den die Großen sich doch nicht verzeihen mochten. An ihrem Streben nach Heiligkeit kann man die Größe dessen ahnen, aber nicht erfassen, von dem die Engel erschaudernd verkünden: 'p> wnp Und wie ist's mit uns? Versteht Ihr jetzt die Gleichung von der großen Heiligkeit des Weltenlenkers?48) Dem logischen Aufbau nach stellt I, 29, 21 nicht den Beginn, sondern den Schluß eines Gespräches zwischen Laban und Jakob dar. Der geizige, eigensüchtige Laban (s. Tg. Jonatan) will die ,;Kost" für etwaige Enkel sparen und die Heirat hinausschieben mit dem zynischen Hinweis, daß er ge<gen die Fortdauer des 7jährigen kinderlosen Verhältnisses nichtseinzuwenden habe. Aeußerlich beherrscht, (s. ruhige mraj' vergl. dagegen, wie Balak und Bileam in IV 22, 37 und 38, sich gegenseitig anschreien) aber innerlich bebend vor Entrüstung stößt er die wenigen Worte versteckter Wut i n d e r Sprach e L a b an si hervor (s. Raschi I, 29, 12) der einzigen, die dieser versteht, worauf er reagiert und woraus er die grimmige Entschlossenheit des unter Umständen zu fürchtenden riesenstarken Neffen erkennt. Gerade 'die elementare Wucht der krassen Wahrheit ist heute — ein Ehrenmal für Jakob und Rachel. Schon von der dreijährigen Rifkah erwähnt I 24, 16 rühmend ihre Unberührtheit. Welchen Preis verj dient dann die 22jährige Rachel, die als *isn r-iö» ' und als Hirtin von ihrem gewissenlosen Vater allen Gefahren des unsittlichen Landes ausgesetzt war und ■die sich trotzdem ' rein erhielt, und welchen Jakob, der urkräftige, gesundheit- und schönheitstrotzende49) Mann, der der siebenjährigen Versuchung — je höher die ruPinp; desto stärker der snn ->2t> — stand hielt? Ihr Lohn waren Kinder gleich ihnen: die Labansenkel pnw «jot» und nrssn kpswir ,K-r»on jia»aa- Wes Geistes dgaegen Laban war, beweist die nicht zu überbietende Gemeinheit, mit der er im letzten Abschiedswort, «sehr vorsichtshalber unter vier Augen in heuchlerischer Sorge tun das Wohlergehen seiner so igeÜebten (!) (s. I 31, 14) Töchter seinen Schwiegersohn Jakob in I 31, 50 als einen sadistischen Wüstling hinstellt, den man durch höchste Schwüre •binden müsse. Und Labans Lohn? Ein andrer Enkel gleich ihm : ein hochbegabter, habgieriger, unsittlicher Schurke — Bileam. Das sind auch Zusammenhänge.' 45) Kidduschin 31b und in Raschi; Jor. Dea 240, 4. 46) V 5, 16. 47j Man beachte den Gegensatz zu na» jvpntt- 48) Ein Wort nebenher über die verwunderliche, anscheinend unpassende, derbe, eindeutige Ausdrucksweise, deren sich'Jakob in dem Satze "»nw« nan bedient (unbeschadet anderweitiger Erklärungen). 49J 'jwtnn min kidw fsa« Die Mischnah als Lehrstoff im Religionsunterricht, Von Rabbiner Dr. Michalski in Karlsruhe. (Fortsetzung.) ♦'n nwa Kin nrx p^id Eine Verbindung der Opfervorschriften, die für mon und n^w geboten sind, zeigen mawRi Tiax vä'pv 'nar „Gesamtheits-Friedensopfer und^Schuldopfer'', Die einzigen liax irbv .Friedensopfer ^ter Gesamtheit, die dargebracht werden, sind die msy >Eraa die beiden Schafe, die am myup-Feste als Ergänzung zum n^ij? und nxen hinzutreten.56) Am Fest der Gesetzgebung bringt das jüdische Volk als die Erstlinge der Weizenernte zwei Brote ins Heiligtum. Auf der Grundlage des Gesetzes findet es Nahrung und Bestand. Zum n^is? bringt es hierbei sieben Schafe, Aufwärtsstreben gelobend dem, der am 7. Tag die Schöpfung vollendet. Ein Ziegenbock als xiRon verspricht Widerstandswillen gegen Sündenlockung. Zwei einjährige Schafe a">nbv mtb als Friedensmahlopfer des Volkes bilden den Abschluß. Auf dem Boden des Gesetzes findet die Gesamtheit in der treuen Erfüllung der Gebote — n^w — -und der sorgfältigen Beobachtung der Verbote — nson — nicht nur Nährung, sondern auch höchstes innigstes Friedens- und Lebensglück, das Gegensätze überwindet, indem es die Lebenstat heiligt. Es sind daher 'die nas ">nbv 'nar auch »anj? wvip, sie wollen die Widerstände des Materialismus ausschalten — lisxa jntJTW, — in den zwei zusammenfassenden Sprengungen des n^w den Aufstieg erstreben lassen und als 'nar als Mahl in der priesterlichen Reinheit der n:ina '"»fr der Männlichen der Priesterschaft genossen, im geweihten Genuß, wie beim nKon» irdische Blüte erblicken lassen. Erstrebt, noch nicht erreicht, wie bei den TU' »öbtf/ dem Friedensopfer des Einzelnen, ist dieses Friedensglück bei der Gesamtheit, nur der Genuß durch Priester vermag, ihm gerecht zu werden. Verbunden sind die Opferbestimmungen von n^iy und Jikbiv Aufstiegswille und Genussesheiligung, bei maars den Schuldop fem. Das erstrebenswerte Ideal dieser Verbindung, das die nas irbv 'Hat der Gesamtheit vor Augen führen, lassen die WB»k in besonderen Fällen in verstärktem Mäße dem Einzelnen vorschweben. Sie wollen ihm zum Bewußtsein bringen, daß er eine Verödung, nnatf» in Friedensglück und Lebensfreude durch sein Verschulden verdient und deren Beseitigung zu ersehnen und erwirken habe. Da die *nas ">nbv 'nat nur für einen Fall geboten sind, kommt eine Aufzählung hur für die niaw« in Frage. mawK jn iVk „dies sind Schuldopfer", irbii nwx „Beraubungsschuldöpfer". Minderung der eigenen Lebensfreude hat der verdient, der ihre Vermehrung erstrebt, indem er das Lebensglück des Nebenmenschen zu verkürzen sucht. Wer rücksichtslos an fremdem Eigentum sich vergreift, die Forderung des Nebenmenschen auf das ihm Zustehende ableugnet und diese Leugnung mit Falscheid 'beschwört, hat Verödung verwirkt. Diese hat er nach Rückgabe des Vorenthaltenen, zuzüglich eines Fünftels im owr zu sühnen. Seine Raubhandlung ist 'na rtoai5?) annn -»a vsi eine Veruntreuung gegen G'tt, dessen Anruf Redlichkeit verbürgt. Jedes Unrecht gegen den Nebenmenschen ist zugleich ein Vergehen gegen G'tt, der Rechtsvorschriften geboten für die in Seinem Ebenbild Erschaffenen. Sei es, daß er «einem Nächsten ein anvertrautes Gut oder ein Darlehen oder einen Raub abgeleugnet oder ihm etwas vorenthalten hat, selbst nur das ihm verloren Gegangene,58) es ist zugleich eine Gleichgültigkeit, eine Treulosigkeit gegen G'tt, den unsichtbaren Zeugen jeder Unredlichkeit, dessen Rechtsvorschrift dem Eigentum des Nächsten heiligende Unantastbarkeit zusichert, es zu einem Heiligtum gestaltet, m^'yn avs „Schuldopfer der Veruntreuungen". Wer sich gedankenlos an irgend einem G'tt geweihten Gegenstand''9) vergreift, ist zu gleichgültig gewesen, um ihn durch vorsorgliche Unterscheidung davor zu be- ™) III. B. M. 23, 18—19. 57,) III. B. M. 5, 21—26. IV. B. M. 5, 7. 5S) Die Pluralform in Tvtoa dpr dürfte. die verschiedenen Möglichkeiten der Veranlassung andeuten. 59) Daher wohl auch die Pluralform in nii"»a otPR*

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