Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1936)
- Date
- 1936-01-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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7s5^Egp^^i$W!^ W$^>ar;^£>f;-J 16. Januar 1936 D i t Nr. 3 Seite 9 Die z i o n i s t d s che und völkische Fraktion teilte schriftlich mit, daß sie sich an der Budgetsitzung nicht beteiligen werden. Erstere weil keine Subvention für den Keren Hajes, so d bewilligt , werde und letztere, weil ein neues Mitglied des Rabbinates angestellt wunde. Der Präses Mi uzb e >r g schlägt vor, sich dem Protest Gesamti s r a e 1 & g e g e n 'den Legislative Council in Erez Israel anzuschließen und findet damit die •Zustimmung der ganzen Versammlung. Außerdem wind auf Vorschlag von Ratmann F r i e d e n s s o h n ein Protest gegen die antisemitischen Aktionen in Polen angenommen. Ueber die besondere Bedeutung des diesjährigen Budget spricht noch Präses Minzberg einige aufklärende Worte und bedauert die Abwesenheit der Opposition. Die Gründe ihrer Abwesenheit, seien nicht stichhaltig, keinesfalls von der Mehrheit und -Leitung des Rates verschuldet. Eine Subvention des Keren Hajessod könne nicht ehe<r bewilligt werden, als bis der K. H. seine Stellung zu den religiösen Dingen ändert, daß' ferner die Volkisten kein Interesse an einem nst'rt mm» haben, könne kein Grund sein, ganze Stadtviertel ohne religiöse Belehrung und Unterweisung zu lassen. Das Schechitabudget kompliziert sich durch das neue Gesetz, das ohne Rücksicht auf die Kultusbedürfnisse der Juden die Gebühren und die Fleischpreise reguliert. In der Provinz könnte dieses Gesetz vn den Untergang der Gemeinden bedeuten, da das ganze Gemeindebudget auf den Schechitaeinnahmen ruht. Auch in Lodz und anderen Großstädten stellen die neuen Verordnungen die Gemeinde vor schwere Aufgaben, deren Lösung nur dann möglich wäre, wenn die Proteste der Gemeinden gegen das neue Gesetz erhört werden. Präses Minzberg bedauert, daß es noch nicht,gelungen sei, das Lodzer Rabbinat auf die gewünschte Höhe zu bringen. Gewünscht wird eine anerkannte Kapazität an der Spitze des Lodzer Rabbinats. Alle Punkte des Budgets entfachen eine ausgiebige Diskussion und die Verwaltung wird betraut, besonders die Rabbinerfrage einer endgültigen Lösung entgegenzuführen. Das Budget wird in allen drei Lesungen spät nach Mitternacht einstimmig angenommen. Auch die Mdsrachifraktion stimmt für das Budget. Es balanciert mit einer Summe von 451.994 ZJoty. Plenarsitzung der Hauptleitung der Zeürei Agudas Jisroel in Polen. Warschau, 13, Jan. Die erste Plenarsitzung der Zeürei Agudas Jdsroel in Polen fand unter starker Beteiligung am letzten Sonntag statt. Der Vorsitzende, Rabbi Hirschhorn, bespricht in einer Eröffnungsrede alle Punkte der Tagesordnung, worauf A. M. Kron- . g r a d ein Referat über die Lage der Bewegung hält. Der Bericht entwirft ein Bild reicher aktiver Arbeit auf dem Gebiete der Erziehung und der Fortbildung, wie auch auf dem der Organisation. Für Erez Israel wurde das Möglichste getan. Er schildert auch die. schweren Kämpfe in-Sachen der Ali j ah, die die polnischen Zeidrim auszufechten haben. Es gehe nicht an, daß die chaluzische Jugend-Organisation keinen Einfluß auf die Verteilung der chaluzischen Zertifikate ausüben soll. Dawid Schaff an berichtet über seine Reise nach Erez Israel und über seine Erfahrungen mit den Aguda-Olim. Der Agudagedanke habe in Erez Israel eine große Zukunft, vorausgesetzt, daß man dort mit Arbeiten in die Oeffentlichkeit tritt. Zeiirei und Poale Agudas Jisroel müssen sich dort vereinigen und eine größere Unterstützung von Seiten der Agudas Jisroel-Weltorganisation erhalten. Es sprachen-noch viele andere prominente Persönlichkeiten, u. i. der. Sanoker Raw Rabbi Tuwjah Horowitz. Von den angenommenen Resolutionen sei die über die Zertifikätvertedlung erwähnt. Die Leitung der Zeiirei Agudas Jisroel wünscht, daß sämtliche Zertifikate an Aguda, Zedirim und Poalim nach 'ihrem Prozentsatz auf den Hachscharoth verteilt werden. Die Jugendzertifikate werden der Zentrale der Zeürei Agudas Jisroel zur Verfügung gestellt, welche sie dann an .die Chaluzim nach der Reihenfolge hrer Anmeldung weitergibt. Die Woche. Berlin. Am Sonntag, den 12. Januar, - wurde im Jüdischen Museum in Berln eine Ausstellung von Bildern des Malers Henry Happ und von Plastiken des Bildhauers Peter Fngesten eröffnet. Die Ausstellung „Altes- Kultgerät aus Privatbesitz" bleibt noch weiterhin bestehen. Stuttgart. Die jüdischen Gemeinden Stuttgart und Cannstatt sind mit Wirkung vom 1. Januar zu einer Gemeinde zusammengeschlossen worden. Anläßlich der Vereinigung fand in Stuttgart eine Festsitzung des Oberrats der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs und der Israelitischen Gemeindevorsteheramts Groß-Stuttgart statt. München, Nach einer Bekanntmachung des „Völkischen Beobachters" wurde ein Antrag Würzburger Bürger, den „Judenbühlweg", „Judenhof" und „Judenplan" in Würzburg umzubenennen, abgelehnt, da diese Namen historischen Hintergrund hätten. Umbenannt werden lediglich nach Nichtariern benannte Straßen. Hannover, In der Repräsentantenversammlung der Synagogengemeinde Hannover wurde einem Vorschlage zugestimmt, die weiblichen Angestellten in den gemeindlichen und behördlichen Büros mit männlichen zu ersetzen, um auf diese Weise erstere für den Haushaltungsberuf freizumachen. Wien. In der Wiener Hauptsynagoge in der Seitenstettengasse fand am vergangenen Sabbat die Barmizwa-Feier Albert Rothschilds, des Sohnes, von Baron Dr. Alfons Rothschild und Clarissa Rothschild, geb. Montefiore, statt. — Der bisherige Vizepräsident der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Löwenherz, ist zurückgetreten. An seiner Stelle wurde der Führer der Judenstaatspartei in Oesterreich, Oberbaurat Ing. Robert Stricker, zum stellvertretenden Vorsitzenden der Gemeinde gewählt. Warschau. Unerkannt gebliebene Huligans haben in der Nacht die alte, historisch denkwürdige Synagoge von Grodno in Brand gesetzt. Da' das Feuer rechtzeitig bemerkt wurde, ist ein größerer Schaden nicht entstanden. — Das Warschauer Appellationsgericht hat die Strafen der wegen der pogromartigen Ausischredtungen im Warschauer Powonski-Viertel Verurteilten wesentlich herabgesetzt. — Nach den Ergebnissen der letzten Volkszählung leben in Warschau 352.659 Juden; von ihnen haben 333.554 als Muttersprache Jiddisch, etwa 19.000 Polnisch angegeben. Kowno. Der in der italienischen Marine- Akademie ausgebildete jüdische Schiffskapitän M. Scheffer, der als erster litauischer. Bürger 'ein Diplom als Kapitän eines Handelsdampfers erhalten hat, wurde von der Regierung auf einen B e a m t e n p o s- - t e n i m Hafen von M e <m e 1 berufen. Prag. Wie der ITA. mitgeteilt wird, ist mit Rücksicht auf den Ausbau der Handelsbeziehungen der Tschechoslovakei zu Palästina das bisherige Vizekonsulat in Tel Awdw zum Konsulat erhoben worden. Konsul ist der Advokat Dr. Victor Grünbaum. London. Es erregt Aufsehen in den offiziellen Kreisen, .daß der frühere Kolonienminister Amery in einem Artikel in der „Times" für die vollkommene Gleichstellung von Juden und Arabern in Palästina eintritt. Konstantinopel, Die türkische Judenheit steht vor der Notwendigkeit der Wahl eines neuen 0 b e r r a b b i n e r s. Nach den türkischen Gesetzen muß er aber seinen Wohnsitz schon früher in der Türkei gehabt haben, wodurch eine große Schwierigkeit entsteht, da in der Türkei selbst sich kaum eine geeignete Persönlichkeit für diesen Posten finden wird. Jerusalem. Der Waad leumi hat eine Kulturabteilung geschaffen zur Verbreitung der hebräischen Sprache unter den in letzterer Zeit in Palästina eingewanderten Juden. — Offiziell wird bekanntgegeben, daß der Verwaltungsiüberschuß der Palästinaregierung' am 30. November 1935 über 6.155.000 Pfund betragen hat, — Vor kurzem fand im großen Physiksaal der Universität Jerusalem die konstituierende Versammlung der Botanischen Gesellschaft für Erez I s1 r a e 1 statt. Ueber hundert Botaniker und an der Botanik Interessierte aus allen Teilen des Landes hatten sich eingefunden. Eine weitere Resolution betrifft die Hachse h a r a h Ruchanith (geistige Hachscharah). Es soll ein einheitlicher Lehrplan für die „Kleinen Jeschiwoth" entworfen werden und nach Einholung von Gutachten bei den führenden Thoragelehrten überall eingeführt werden. Im Einvernehmen mit den Thora-' führern sollen überall „Jeschiwoth ktanoth" gegründet werden, die alle in einer Zentrale unter Leitung der Zeiirei Agudas Jisroel vereinigt werden. Alle Chawerim sollen sich einer religiösen Führung befleißigen, die allen Anderen zum Muster dient. Die weiteren Beschlüsse beziehen sich auf Erez Israel, Hachscharah; Organisation und Presse. Lösung der Judenfrage in Polen. Rede des Abgeordneten Minzberg, Warschau, 12. Jan. in der Budgetkommission des polnischen Sejm hielt der Aguda-Abgeordnete Minzberg, Vorsitzender der Lodzer Jüdischen Gemeinde, eine Rede, in der er die Verzweiflung der jüdischen Bevölkerung über die gegen sie gerichtete Hetzpolitik zum Ausdruck brachte und an den an der Sitzung teilnehmenden Unterstaatssekretär im Ministerratspräsidium Grybowsky zur Weiterleitung an den Ministerpräsidenten Koszialkowski den Appell richtete, die aligemeinen politischen Verhältnisse ßo zu gestalten, daß die jüdische Bevölkerung ihrer Lebensmöglichkeit nicht beraubt werde. Es sei unverständlich, daß gerade in einer Zeit, in der ein Mann von freiheitlicher Gesinnung wie Koszialkowski an der Spitze der Regierung steht, ununterbrochen Exzesse gegen die jüdische Minderheit verübt werden. Man könne zwar nicht sagen, fuhr der Abgeordnete fort, daß die Sicherheitsorgane sich gegenüber judenfeindlichen Ausschreitungen vollkommen passiv verhalten. Aber es sei die Regel, daß die Polizei auf dem Schauplatz solcher Ereignisse um eine Minute zu spät eintrifft. Zum Schluß betonte der Redner, daß es nicht möglich sein werde, gegenüber einer Bevölkerung von 3l/> Millionen Bürgern eine Haßpolitik durchzuführen. Es sei daher notwendig, daß die Regierung sich ernsthaft mit der Judenfrage befasse und sie einer Lösung im Sinne der Verfassung, der wahren Staatsinteressen und der Menschlichkeit zuführe. Er appelliere an den Ministerpräsidenten, die gequälte jüdische Bevölkerung und damit auch den guten Ruf und die geschichtlichen Ueberlieferungen Polens zu schützen. In dem Schlußwort zu der Debatte ging Unterstaatssekretär Grybowski auch auf die Ausführungen des Abgeordneten Minzberg ein. Er müsse die Darlegungen des Abgeordneten selbstverständlich zur Kenntnis nehmen. Sollte es sich herausstellen, daß die antisemitische Propaganda von einzelnen behördlichen Stellen tatsächlich Förderung erfahren habe, so wäre dies außerordentlich zu bedauern. ' Fahnenweihe polnisch-jüdischer Freiheitskämpier in Anwesenheit des Vizeinnenministers. Warschau, 7. Jan. Anläßlich des in Warschau tagenden Landeskongresses der jüdischen Frontkämpfer fand im Rahmen eines Festg'ttesdienstes in der Warschauer Großen Synagoge die feierliche Uebergabe einer von der jüdischen Bevölkerung Warschaus gestifteten Fahne an die jüdischen Frontkämpfer statt. Der Feder wohnten die höchsten Spitzen der militärischen und Regierungsbehörden bei. Abordnungen miltärischer Verbände waren mit ihren Fahnen erschienen. In geschlossener Formation zogen die Frontkämpfer auf den Synagogenhof, wo die Zeremonie de® Einschlägens von Nägeln dn die Fahnenstange vollzogen wurde. Frankreich. Erleichterung der Lage von Staatenlosen in Frankreich. Paris, 12. Jan. Durch ein Rundschreiben wurde angeordnet, daß Staatenlos e in Zukunft nicht durch einfache Verfügung der zuständigen Verwaltungsbehörden ausgewiesen werden dürfen, sondern daß jeder Ausweisungsantrag dein Innenminister vorgelegt werden muß. Ein Staatenloser darf nur ausgewiesen werden, wenn