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Der Israelit · 1936-01-16 · Heft 3 (16.1.1936) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 3 (16.1.1936)
Date
1936-01-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 3 Der Israelit 16. Januar 1936 Plötzensee. Weiterhin sind 6 Notare (diese Zahl be trifft nur außerhalb Preußens tätig gewesene Notare, denen Gebühren nicht zufließen), 3 Gerichtassessoren und 5 Mitglieder des Reichspatentamtes in den Ruhestand getreten. Es sind somit 216 Beamte aus der Reichsjustiz Verwaltung ausgeschieden. Verteilung des neuen Einwanderungsschedule. Berlin, 10. Jan. Das Palastina-Amt Berlin teilt mit: Das Einwanderungs - Department der Jewish Agency hat dem Palästdna-Amt telegraphisch mitgeteilt, daß von dem Winter- Schedule 1935/36 an Arbeiter-Zertifikaten der Kategorie C insgesamt 950 "Zertifikate, d. h. 32 Proz. des Gesaimt-Schedules an das Palästina-Amt Berlin zugeteilt worden sind. Von diesen 950 Zertifikaten sind 160 für Juden aus Deutschland, die sich in europäischen Ländern aufhalten, bestimmt. Der Vorschuß, den das Palästina- Amt vor etwa zwei Monaten erhalten hat, betrug 500 Zertifikate, die von den 950 Zertifikaten abzuziehen sind. 50 Zertifikate vom Vorschuß wurden den Emigrationsländerin zugeteilt, die restlichen entfielen auf Einwohner Deutschlands. Demnach stehen für Deutschland noch 340 Zertifikate und 110 Flüchtlings Zertifikate zur Verfügung. Der Vorschuß ist restlos verteilt. Mit der Verteilung des Hauptschedules wird unmittelbar nach Eingang der Zertifikate, die das Palästina-Amt noch im Laufe des Monats Januar erwartet, begonnen werden. Ueber die Einteilung der Zertifikate nach Berufskategorien, nach Geschlecht und Alter, sowie nach Familienstand ist bisher nichts bekannt. Die Quote von 500 EinwanderunigserlaubniiSsen der Kategorie A 1 (1000 Pfund-Kapitalisten), welche von der Palästina-Regierung dm Herbst 1935 für solche Einwanderer zur Verfügung gestellt wurde, denen die Reichsbank die erforderlichen Devisen noch nicht zugeteilt hatte, für deren alsbaldige Einwanderung jedoch zwingende Gründe vorlagen, ist, wie die britische Paßstelle -mitteilt, in diesen Tagen restlos verteilt worden. Eine besondere Prüfungskonimission, die sich aus Vertretern der zuständigen Palästina-Aemter und Hilfskomitees zusammensetzte, prüfte in Warschau und Lodz 150 deutsche, in Polen befindliche jüdische Auswanderer auf ihre Eignung für eine Auswanderung nach Palästina. In sechzig Fällen wurde die Zustimmung zur Auswanderung erteilt. Für diese Kandidaten sollen von der Jewish Agency in London Zertifikate angefordert werden. Die Judenfrage in der Wirtschaft. Köln, 9. Jan. Die „Kölnische Zeitung" berichtet über die Ausführungen von Oberpräsident T e r b o v e n zur J udenfrage in der Wdrtschaft, daß sie ohne grundsätzliche Konzessionen zu machen, sehr realpolitisch eingestellt gewesen seien und in der These gipfelten, daß jeder wirtschaftliche Rückschlag, der bei der heutigen schwierigen Wirtschaftslage Auswirkungen auf die Aufbauarbeit haben könnte, zu vermeiden sei. Er unterstrich bei dieser Gelegenheit die außerordentliche Bedeutung des Exports, der auf jeden Fall sichergestellt werden müsse. Er stellte weiter fest, daß jegliche Tarnung und damit Unmoral in der Wirtschaft vermieden werden müsse. Staatssekretär Posse schloß sich den Auffassungen des Oberpräsidenten an und erklärte, daß sich der Führer und Reichskanzler eine Erweiterung der Nürnberger Gesetze auf .das wirtschaftliche Gebiet vorbehalten habe und daß, solange idie Entscheidung nicht gefallen sei, Eingriffe nicht gestattet seien. Aus Mecklenburg. Rostock, 15. Jan. Am Sonntag, den 12. Januar, fand hier eine außerordentliche Tagung der Landesvensammlung der Israelitischen Gemeinden Mecklenburgs statt. Hauptpunkt der Tagesordnung war der Anschluß der Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. (Nach Palnews.) Jerusalem. Unter den Mitgliedern des Standing Committee for Commerce and Industry haben sich kürzlich scharfe Meinungsverschiedenheiten in der Frage des Systems der Einfuhrlizenzen bei Getreide und Mehl ergeben. In der Absicht, die Interessen des palästinensischen Getreidebaus zu schützen und den Rückgang der Getreidepreise unter ein bestimmtes Niveau zu verhindern, hat die Regierung Mindestpreise von ungefähr LP 9,— pro Tonne Weizen und LP 12—13 pro Tonne Weizenmehl normiert. Zür Sicherung dieser Mindestpreise wurden zwei Maßnahmen getroffen: 1. Einführung eines Gleitzolltarif es, der sich den Weltmarktpreisen anpaßt. Bei einem Rückgang der Weltmarktpreise wird der Zoll erhöht, bei Preissteigerungen auf dem Weltmarkt gesenkt, so daß der importierte Weizen bezw. Weizenmehl nicht unter den lokalen Preis sinken und diesen herabdrücken kann. 2. Einführung von Einfuhrlizenzen für Weizen und Weizenmehl, ohne die der Import nicht gestattet ist. Das Lizenzsystem wurde von der Regierung als Schutz gegen einen zu starken, unregulierten Import in Kraft gesetzt, von dem die Regierung befürchtete, daß er zu einem Preisrückgang führen und die Interessen der getreidebauenden Landwirtschaft schädigen würde. Kairo. Der ägyptische Generalkonsul in Belgien hat die Aufmerksamkeit des Außenministeriums auf die Tatsache gerichtet, daß durch den Ausfall der italienischen Citruislieferungen infolge der Sanktionen für Aegypten starke Exportmöglichkeiten nach Belgien entstanden sind. J e r u - s a 1 e m. Die Regderungseinnahmen belaufen sich im Oktober 1935 auf LP 473.624. von denen mehr als die Hälfte auf die Zölle entfällt. Die Ausgaben betragen LP 399.491, so daß im Oktober ein Budgetüberschuß von LP 74.133 entstanden ist. Die Ausgaben für außerordentliche öffentliche Arbeiten sind auf LP 78.582 erhöht worden, einschließlich .der laufenden öffentlichen Arbeiten in Höhe von LP 22.781 machen die öffentlichen Arbeiten mehr als 25 Proz. der gesamten Ausgaben aus. Der Budgetüberschuß per 31. 10. 1935 hat die Grenze von LP 6 Millionen überschritten und stellt sich per 31. 10. 1935 auf LP 6.051.371. Jerusalem. Bei der Central Bank of Cooperative Institutions in Palestiiie Ltd. ist eine Kapitalerhöhung von LE 100.200 auf LE 150.200 registriert worden. Es sind .50.000 Shares zu LE 1.— emittiert worden. Das Kapital der Nir Limited ist durch Ausgabe von 30.000 Ördinary Shares und 40.000 Preference Share® zu je LP 1.— von LP 75.000 auf LP 145.000 erhöht worden. J e r u s ä 1 e m. Im palästinensischen Handelsregister sind der Lloyd Triestino Flotte Riunite Maritima Italiana E „Sitmar" und die Societe Misr Airworks als ausländische Gesellschaften registriert worden. Rechob o t h. Die städtischen Einnahmen werden für das Finanzjahr 1935/36 auf LP 19.830 geschätzt. Die Einnabmen der Stadtverwaltung •Rechoboth erhöhen sich damit im Laufe von zwei Jahren auf das 2%—3fache. Im Jahre 1935/36 kommt das Erziehungswesen mit LP 2508 als neue Einnahme hinzu, auch die anderen Einnahmequellen haben sich sehr stark erhöht. Die Ausgabenerhöhungen betreffen vor allem das Gesundheits¬ und Erziehungswesen. Für außerordentliche öffentliche Arbeiten sind mit LP 6462 (gegenüber LP 5398 und 1075 in den beiden Vorjahren} ein Drittel der gesamten Ausgaben vorgesehen. Ordentliche und außerordentliche öffentliche Arbeiten machen ca. 40 Proz. der gesamten Ausgaben aus. Jaffa. Die Svenska Orient Linien, die dem Palästinahandel bekanntlich besondere Aufmerksamkeit zuwendet, hat für Messesendungen ihre Tarife ermäßigt.. Kleine Sendungen werden frachtfrei befördert. Jerusalem. Nach den in der Palestine Gazette vom 28. 11. 1935 veröffentlichten Animal Quarantine (Poultry) Rules, die am -15. .Februar 1936 in Kraft treten, darf nach Palästina kein Geflügel per Schiff, Bahn oder Kraftwagen importiert werden, ohne daß leiinie Genehmigung des Chief Veteri- .nary. Offteer beim Department of Agricul-. ture and Forests vorliegt. Landesgemeinde an den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden, wozu Herr Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, Berlin, als Gast referierte. So wurde denn am Tage des zehnjährigen Bestehens der Landesgemeinde der Anschluß an den Preußenverband Vollzogen. Der An- Schluß tritt vertraglich' am 1. Februar in Kraft. Oesterreich. Keine Staatssubventionen für den jüdischen Kultus in Oesterreich. Wien, 10. Jan. ~ Während das Bundesfinanizgesetz für das Jahr 1936 eine Beihilfe von 15.412.200 Schilling für den katholischen und von 497.900 Schilling für den evangelischen Kultus vorsieht, geht der jüdische Kultus vollkommen leer aus, obwohl idie Gleichberechtigung aller Bürger in der Verfassung verankert ist und die Wiener jüdische Gamein de durch Erhaltung eines eigenen Krankenhauses, eines eigenen Altersheimes und durch ausgedehnte . Fürsorgetätigkeit den Staat1 und die Gemeinde Wien entlastet. „Die Stimme" schreibt dazu: „Die Juden Oesterreichs verlangen als Bürger und Steuerzahler eine entsprechende Dotierung des jüdischen Kultus. Dieser gerechten, im Gesetz begründeten Forderung muß zum Durchbruch verholten werden. Die Gleichberechtigung der Juden muß in den Ausgabeziffern des Kultusbudgets Ausdruck finden." Winterhilfe der Wiener Kultusgemeinde. Wien, 8. Jan. Seit dem 15. Dezember ist 'die von der Wiener Kultusgemeinde für die Winterperiode 1935/36 beschlossene außerordentliche Hilfsaktion im Gange. En acht Küchen werden über tausend Personen täglich gespeist. Demnächst werden zwei weitere Küchen eröffnet werden, um die Speisung von zweitausend Personen täglich zu ermöglichen. Familien, die an den Speisungen nicht teilnehmen können, werden mit Lebensmittelpaketen bedacht. Es wird ferner eine Aktion zur Versorgung mit Kohle und Koks, sowie eine Bekleidungsaktion durchgeführt. In diesem Jahre wurde auch eine neue Tagesheimstäfte eröffnet, in der die schulpflichtigen Kinder in geheizten Räumen ihre Schularbeiten unter Beaufsichtigung machen können. Den Kindern wird Mittagbrot und Nachmittagskaffee verabfolgt. Im Rahmen der WinterhUfsaktion werden außerdem der Betrieb von . Wärmehällen/ sowie eine Reihe von Vereinseinrichtungen gefördert, wie 'die Abendspeisung des „Jüdischen Witwen- und Waisenhilfsfonds-Ausspeisevereins im IX. Wiener Bezirk" usw. Neben 'diesen Sondeirhilfsaktionen wenden die im ordentlichen Budget der Kultusgemeinde «berücksichtigten Fürsorgemaßnahmen in vollem Umfange durchgeführt. Holland. Rituelle Küche der Amsterdamer städtischen Winterhilfe. Amsterdam, 8. Jan. Die Stadtgemeinde Amsterdam verabfolgt, wie in vergangenen Jahren so auch in diesem Winter, vom Januar an warme Mahlzeiten an Bedürftige zu dem niedrigen Preis von 5 Cents. Zu diesem Zweck wurden in mehreren Schulen Volksküchen eingerichtet. In einer dieser Küchen, die im alten Judenviertel gelegen ist, werden a u s s c h 1 i e ß 1 i c h rituell zubereitete Speisen abgegeben. Polen. Vom Lodzer Kehillarat. L o d z , 13. Jan. Die letzte Budgetsitzung war von der Tatsache bestimmt, daß gut ein. Drittel der jüdischen Bevölkerung auf öffentliche Unterstützung angewiesen ist, so muß dann der Löwenanteil des Etats auf die Wohlfahrtseinrichtungen entfallen. Zu den ' Fragen, die den .Kehillaräten am meisten Sorge ma- ' chen, gehört auch die der Schechita. Außerdem hat Lodz eine R a b b i n e r f r a g e , die von ganz aktueller Bedeutung ist.

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