Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1936)
- Date
- 1936-01-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450909-2450912--81837-2539736- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 Nr. 3 Der Israelit 16. Januar 1936. Im neuesten Heft von „Wirtschaft und Statistik" sind die Ergebnisse der Bevölkerungszählung im Saargebiet dargestellt. Am 25. Juni 1935 gab es im Saargebiet 3117 Personen jüdischen Glaubens. Auf Hundert der Bevölkerung kamen damit nur 0,38 Glaubensjuden, während im übrigen Reich bei der Volkszählung von 1933 von Bukarest, 12. Januar. Auf den Vertreter der jüdischen Glaubensgemeinschaft im rumänischen Senat, Oberrabbiner Dr. Jacob Niemirower, wurden am Samstag, als er sich zum G'ttesdienst in der Synagoge begeben wollte, von einem Studenten namens Aurel Jonesou vier Revolverschüsse abgegeben. Wie durch ein Wunder blieb Oberrabbiner Niemirower unverletzt, obwohl eine Kugel den Aermel seines Mantels durchbohrte.. Passanten eilten Dr. Niemirower zu Hilfe und nahmen mit großer Mühe den verzweifelten Widerstand leistenden Attentäter fest. Seitens der Polizei wird mitgeteilt, daß der Attentäter bereits einige Male wegen Geistesstörung interniert war. Trotzdem steht außer Zweifel, daß die ungezügelte antisemitische Propaganda, die trotz Belagerungszustand und Zensur vielfach unter stillschweigender Duldung der Behörden vor sich geht und zum Teil auch von Kopenhagen, 13. Januar. Fast die gesamte dänische Presse hat eine durch die offizielle dänische Nachrichten-Agentur Ritzau^Büro verbreitete Kundgebung veröffentlicht, die der Bischof von Kopenhagen, Fubelsang-Damgaard, sowie die Professoren der Kopenhagener Universität Aage Bentzon, Johannes Pedersen, Frederik Torrn und Dozent F1 e m m i n g H v i d b e r g gegen die in letzter Zeit verstärkte judenfeindliche Propaganda einer kleinen antisemitischen Gruppe und der von ihr herausgegebenen Kampfblätter erlassen haben. In der Kundgebung wird festgestellt, daß die in diesen Blättern und in den massenhaft unentgeltlich verteilten Flugschriften gegen die Juden erhobenen Beschuldigungen vollkommen falsch sind. Weiterhin wird dagegen protestiert, daß London, 15. Januar. Auf einem Presseempfang setzten die Vertreter der jüdischen Organisation ihre Gründe für die Ablehnung des Legislative Council auseinander. Prof. Brodetzky betonte die Einmütigkeit in der negativen Haltung der gesamten Judenheit in dieser Frage, die Ablehnung gelte nicht der Selbstverwaltung in Palästina an sich, sondern richte sich gegen die Einberufung des Parlamentes in einem Zeitpunkte, in dem sie ein schweres Hindernis bei der Durchführung des Palästinamandates bilden müßte. Brodetziky sprach dann eingehend über die Verpflichtung der Mandatarmacht gegenüber London, 15. Januar, Die als gut informiert geltende Zeitung „The Scotsman" führt aus, der High Commissioner Sir Arthur Wauchope habe sich bei seiner Aktion zur Errichtung des Legislative Council in Ihundert Personen 0,77 Juden waren. Seit dem angegebenen Tage der Zählung ist ein erheblicher Teil der jüdischen Bevölkerung aus dem Saarland abgewandert. Man schätzt, daß die Zahl der Juden im Saargebiet nur noch einige Hundert beträgt. kirchlichen Kreisen gefördert wird, den krankhaft veranlagten Attentäter zu dem verbrecherischen Anschlag auf den 64jährigen Oberrabbiner veranlaßt hat. Vor einiger Zeit war Oberrabbiner Niemirower bekanntlich, in Czernowitz, wohin er sich .zur Teilnahme der Amtseinführung des neuen Metropoliten begeben hatte, von dem cuszistisohen Abgeordneten Nichifor Robu attackiert und am Betreten des Fürsterzibischöfliohen Palastes verhindert worden. Während der Metropolit seine; Empörung über die seinem Gast angetane Unbill öffentlich aussprach und dem Angreifer gegenüber, der dem Kirchenrat in der Bukowina angehört, entsprechende Konsequenzen zog, wurde die Hetze gegen den Oberrabbiner in der antisemitischen Presse unvermindert fortgesetzt. Dieser von den Behörden geduldeten Hetze wird allgemein die eigentliche Schuld an dem neuerlichen Attentat auf den offiziellen Repräsentanten der jüdischen Glaubensgemeinschaft Rumäniens zugeschrieben. eine derartige Propaganda, die Haß gegen einen Teil der dänischen Bevölkerung verbreitet, geduldet wird. Die Regierung wird aufgefordert, Maßnahmen zoir Verhinderung der Verbreitung derartiger Veröffentlichungen zu treffen. Gleichzeitig veröffentlichen die dänischen Zeitungen ein Interview mit Prof. T o rm, der als einer der besten Kenner jüdischer Angelegenheiten nud Verhältnisse in Dänemark gilt. In diesem Interview entlarvt Prof. Torrn die von der antisemitischen Gruppe Dänemarks in ihrer Propaganda angewandten Methoden der Verbreitung unwahrer Behauptungen und der Benutzung gefälschter Dokumente und erklärt, es sei eine Schande, daß derartige Dinge in dänischer Sprache veröffentlicht werden. Haß gegen wehrlose Bürger widerspreche dem dänischen Geist. den Juden. Es gehe nicht um die Juden Palästinas, die nur einen kleinen Bruchteil des jüdischen Volkes bilden, sondern um die jüdische Gemeinschaft in der Welt. Ref. Perl zweig ergänzte die Ausführungen Brcdetzkys, und zum Schluß gab der Vorsitzende der Konferenz, Paul Goodman, ebenfalls einen zusammenfassenden Ueberblick über die Stellungnahme der Juden zu dem Plan, der die jüdischen Hoffnungen auf Palästina und die Mandatarmacht für absehbare Zeit durchkreuzen würde. Das Resultat der Aussprache zeigt sich bereits in den Aeußerungen der englischen Tagespresse. Palästina .die volle Zustimmung der Londoner Regierung gesichert. Die Regierung hoffte, daß die Zusammenarbeit von Juden und Arabern in den Stadtverwaltungen den Weg bereiten werde für eine Zusammenarbeit im Legislative Council; diese Erwartung habe" sich bis heute nicht erfüllt. Heute betrachtet es die Regierung als ihre Aufgabe, den Legislative Council — falls nicht anders möglich, auch ohne jüdische Repräsentanz — in Funktion treten zu lassen; bis zur Herbeiführung einer Mitarbeit der Juden werden die für die Juden bestimmten Mandate durch vom High Commissi oncr ernannte Regierungsbeamte besetzt werden. Bekommt G. MacDonald einen Nachfolger? Genf, 13; Januar,. Vön: djen verantwortliehen Völkerbundskreisen wird der angesehene englische Wirts.chaftspolitiker Sir Arthur James Salier für die Leitung des -Oberkommissariats für Auswandererfürsorge in Aussicht genommen. Dem „Geneya Press Service" wird mitgeteilt, daß der Völkerbund bereits den Kontakt mit Salter aufgenommen hat. . James Arthur Salter wurde am 15. .März 1881 in Oxford geboren. Nach Vollendung seiner Studien trat er in den staatlichen Verwaltungsdienst ein. Während des Krieges spielte er eine führende Rolle bei der Regelung der Nahrungsmittelversorgung in England. Nach dem Kriege wunde er Direktor der Wirtschafts- und Finanzabteilung des Völkeribundes und war von 1920 bis 1922 Generalsekretär der Reparationskommission. In Anerkennung seiner verdienstvollen Tätigkeit wurde er 1922 geadelt. 1927 war er leitender Experte des Völkerbundes auf der Weltwirtsehaftskonferenz in Lausanne. Am 18. und 21. September 1931 gab er als englischer Delegierter bei der Finanizdebatte in der Völkerbundsversammlung bedeutsame Erklärungen über die Weltwirtschaftslage ab. Um jüdische Siedlung in Transjordanien. Jerusalem, 12. Jan. Arabischen Pressemeldungen zufolge ist zwischen dem englischen Vertreter in Amman, Oberstleutnamt Charles H, F, Cox, und dem Premierminister von Transjordanien, Ibrahem Pascha Haschern, ein ernster Konflikt wegen des Problems der A n s i e d 1 u n g von Juden in Trans Jordanien ausgebrochen. Die arabischen Zeitungen erklären, die Transjordanier seien für die Zulassung jüdischer Ansiedlurig in Transjordanien, während der englische Vertreter sich dem energisch widersetzt und erklärt, er braucht keine „neuen Kopfschmerzen". _ (ITA.) Palästina wird die gegenwärtigen Schwierigkeiten überwinden. Jerusalem, 8. Jan. Bei der diesjährigen Jahresversammlung der palästinensischen Handelskammer erklärte der Vorsitzende der Kammer, Generaldirektor Hoofien von der Anglo-Palestine-Bank, das Land sei heute unvergleichlich reicher als vor fünf Jahren und der wirschaftliche Aufbau des Landes gehe in lebhaftem Tempo weiter. Dennoch sei es unmöglich vorauszusagen, was , die Zukunft im Hinblick auf die äußere und innere politische Lage des Landes bringen werde. Immerhin bestehe jeder Grund zu der Annahme, daß das Land ohne, ernsten Schaden die gegenwärtigen Schwierigkeiten überwinden werde. Die jüdische Einwanderung, so führte Direktor Hoofien weiter aus, habe den Boden Palästinas fruchtbar gemacht und die gesamte Landesbevölkerung bereichert. Der Handel Palästinas entwickele sich gut und finde wohlwollende Förderung durch den High Cornrnissipner, obwohl dessen jetziges Vorgehen unrichtig sei. Pie innere Geschlossenheit der Juden sei ^die einzige Gewähr dafür, daß Palästina alle Krisen überwinden werde. Revolver-Attentat auf den Bukarester Oberrabbiner Dr. Niemirower. Eine Kundgebung gegen den Antisemitismus in Dänemark. Erklärungen zum Legislative Council, Regierungsbeamte anstelle der Juden im Legislative Council?