Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1936)
- Date
- 1936-01-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Israelit J loxe Judentum / Begründet xpn Dr. Lehmann in Mains M MS Bmi iam\ Frankfurt a. M. 16. Januar 1936 21. Tebet 5696 Nummer 3 Neuregelung der Palästina - Einwanderung? Jerusalem, 12. Jan. Von zuverlässiger Seite wird mitgeteilt, daß die Palästina-Regierung einschneidende Aende rangen der Eimwanderungsvorschriften durchzuführen beabsichtigt. Es soll der für die Einwanderung in der Kategorie A bisher für Eigenkapitalisten geforderte Mindestfoetrag von 1000 auf 2000 Pfund erhöht werden. Gleichzeitig wird die Erhöhung der von- Touristen verlangten Kaution von 60 auf 80 Pfund erwogen, außerdem wird erwartet, daß durch die neuen Vorschriften auch die Möglichkeit der Ausnutzung vom Einwanderungszertifikaten zeitlich begrenzt werden wird, und zwar sollen Zertifikate von Einwanderern europäischer Länder drei Monate nach ihrer Ausgabe, Zertifikate für Amerikaner nach vier Monaten und solche für Bewohner der fernöstlichen Länder nach fünf Monaten ihre Gültigkeit verlieren. Jerusalem, 14, Januar. Die gesamte hebräische Presse Palästinas nimmt in ausführlichen Leitartikeln zu den Absichten der Regierung, die Einwandermgsvürsohriften für Kapitalisten zu ändern, Stellung- Gegen diese Pläne, die dahin gehen sollen, daß das 'erforderliche Mindestkapital für Einwanderer der Kapitalistenkategorie von 1000 auf 2000 Pfund erhöht, die Einwanderung von Angehörigen palästinensischer Bürger eingeschränkt und die von Touristen zu erlegende Kaution von 60 auf 80 Pfund erhöht werden soll, wird von den Zeitungen schärfster Protest erhoben. Die Blätter zitieren die auf die beabsichtigten Aenderungen bezügliche Meldung der ITA. und fügen hinzu, daß Anzeichen vorhanden seien, die die Richtigkeit dieser .Meldung bestätigen. Im Jahre 1936 werden nar fünfzig Aerzte Praxiserläiibiiis in Palästina erhalten. Jerusalem, 9. Januar, Die Palästina-Regierung hat offiziell mitgeteilt, daß im Jahre 1936 nur fünfzig Aerzten die Erlaubnis für die Ausübung der ärztlichen Praxis in Palästina erteilt werden wird. Diese Regelung ist auf der Grundlage der Medical Prac'tioners' (Amendment) Ordinance vom 31. Oktober 1935 getroffen worden. Durch diese Verordnung wurde der High Commissioner ermächtigt, eine Quote für die Zulassung von Aerzten zur Praxis festzusetzen. Die Judenfrage an der Saar. Berlin, 14. Januar. In einer Großkundgebung anläßlich der Wiederkehr des Abstimmungstages an der Saar sprach in Saarbrücken Gauleiter und Reichs-' kommissar für die Rückgliederung des Saargebietes Bürckel. Wie der „Völkische Beobachter" berichtet, wandte sich der Gauleiter im Verlaufe seiner Rede an die ausländischen Pressevertreter und behandelte einige Fragen, die von ihnen vor einem Jahre an ihn gestellt wurden: „Was geschieht den Juden? . . ." „Die Juden, so führte er aus, sind wohl ausnahmslos zugleich unter dem bekannten Kontingent des Status quo. Sie genießen den Schutz des Römischen Abkommens gleich doppelt: als Juden und als Status quo-Wähler. Bis zum 1, März werden wohl mehr als 95 v. H. aller Juden unter gründlichster Ausnützung aller durch das Römische Abkommen gesicherten finanziellen und vermögensrechtMcheri: Möglichkeiten das Saargebiet verlassen haben. Die noch hier bleiben, werden nach den bereits geltenden Gesetzen behandelt," (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Revolver-Attentat auf den Bukarester Oberrabbiner Dr. Niemirower . . Seite 2 Klagemauer-Judentum........Seite 3 Ein neuer Vorschlag zur Frage des Gesetzgebenden Rates in Palästina . . Seite 3 Um das Auswanderungsproblem . . Seite 4 Zur Jahrzeit S. R. Hirschs......Seite 4 Vom Noar Agudati.........Seite 5 Der Keren Hathora der Agudas Jisroel Seite 6 Ausscheidende jüdische Lehrkräfte . Seite 7 Die Zertifikat, nverteilung......Seite 8 Wirtschaftsbericht und Nachrichten aus Erez Israel ...... Seite 8 u- 10 Was ist mit dem Ecuador? . . . . Seite 10 London - und die LondonerTagung Von Wolf S. Jacobson. Im Februar 1920 richtete Jacob Rosenheim „ein ernstes Wort an die Orthodoxie Englands", unter dem Druck der Valutanot wunde es gesprochen. Der Aufruf schloß mit den Worten: „Das Valuta-Elend allein ist ein Fingerzeig, der uns die Sammelstelle für die halben Schekolim des Klall Jisroel nach jenem Lande verlegen heißt, wo sich in den~letzten Jahrzehnten doch wahrlich ein reicher Schatz wahrhafter Thorakultur, Jeschiwoth und Bothe Midrasch, Männer des Geistes und der Tat, der Prinzipientreue und der praktischen Einsicht gesammelt haben, und wo es nur der Arbeit einiger weniger entschlossener und begeisterter Gleichgesinnter bedürfte, um ein wirkliches Zentrum zu schaffen: „Es ist eine Zeit für G'tt zu wirken — Sie haben Deine Thora aufgehoben." — — Es hat lange gedauert, so lange, wie es bei uns Orthodoxen leider immer dauert, es hat größeren Leids als der Valutanot bedurft, bis dies Wort an die Orthodoxie Englands sich erfüllt hat, sich zü erfüllen scheint. Wohl war immer Einer da und stand auf der Wache — und tat alles, was man von ihm verlangte und mehr als dies und wurde so der Exponent des agudistischen Gedankens, der Vertreter der agudistischen Organisation und trug so alle Last — und auch alle Verkennung — aber „ein Agudist macht noch kein wirkliches Zentrum"! — Nun aber ist zu diesem Einen — zu diesem „guten Mann" an dem bis jetzt für unser agudistisches Wollen so wenig guten und aufnahmebereiten Orte — der "ütfn *TfTK" getreten, der Mann selber, der 1920 den Weckruf an Englands Orthodoxie richtete und nun soll „der Schreiber dieses Briefes auch sein Ueberbringer sein"! Es ist so gekommen, daß Jacob Rosenheim seinen Wohnsitz nach London verlegt hat und damit London zum Hauptquartier der Agudas Jisroel geworden ist. Ob die englische Orthodoxie bereit ist, nun in ihrer breiten Masse — oder doch wenigstens in ihren verständigen und maßgebenden Persönlichkeiten — das Zentrum zu werden, von dem Leben strömt nach allen Richtungen? Wir hoffen und glauben es! Und Hoffnung und Glaube kommen nicht nur aus billigem Optimismus — unser Optimismus wird uns übrigens immer sehr teuer gemacht — sie stützen sich auf die Beobachtungen, die wir in diesen Tagen — während der Zusammenkunft des G. A. der Agudas Jisroel mit den Vertretern der westeuropäischen Landesorganisationen — an Ort und Stelle machen konnten. (Fortsetzung siehe Seite 3,}