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Der Israelit · 1936-01-09 · Heft 2 (9.1.1936) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 2 (9.1.1936)
Date
1936-01-09
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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gung der Minoritäten sind. Die Minoritäten haben niemals einen treueren Verteidiger ihrer Rechte gehabt, als mich . . ." Und trotzdem folgender Bericht der Tageszeitung „Dimineatä": „In der rumänischen Hauptstadt wiederholen sich Tag für Tag die antijüdischen Ausschreitungen. Passanten werden überfallen, gepeinigt und häufig beraubt. Nicht nur organisierte? Prügeleien spielen sich auf den Straßen ab, sondern auch organisierter Raub und dies alles vor den Augen der Polizei. Die Polizei assistiert tatenlos. Der Minister des Innern trifft keine ernsten Verfügungen. Angeblich hat man Beobachter entsendet. Bei dieser Lage wären aber nicht beobachtende Polizisten nötig, die der Barbarei zuschauen, sondern die tatsächliche Verteidigung der Bürger und absichreckende Bestrafung der Täter ist notwendig. Wir wissen nicht, wohin die Regierung laviert. Ist sie nicht guten Willens, oder unfähig, die Ordnung zu erhalten?" Eine andere Tageszeitung, die „Lupta", veröffentlicht folgende Einzelheiten: „Vierzig Huligans sind auf dem Eisplatze erschienen und haben mit Stöcken die dort befindlichen Juden geschlagen. Der Angriff erforderte 13 Opfer. Die Läden in der Baratei-Straße wurden nochmals überfallen, die Schaufenster demoliert. Den Besitzer des Warenhauses Columbia hat man in bewußtlosem Zustande aufgefunden. Polizei war unsichtbar." Wie der orthodoxe „Hoemesz" erfährt, haben sich die politischen und wirtschaftlichen Führer der Bukarester Juden zu einer Beratung zusammengefun den. Es wurde die bereits genannte Erklärung des Außenministers Titulescu überbracht, wonach die Regierung mit allen Mitteln die Ordnung und die Rechtsgleichheit der Bürger wahren will. Es wurde eine einheitliche Organisation aller Juden in Rumänien vorgeschlagen und der Wunsch ausgesprochen, die Juden mögen den Besuch öffentlicher Lokale meiden. Es wird auch eine Audienz beim König geplant. Großes Aufseben erregt, daß der bekannte Antisemitenführer, Prof. Cnza, vom König empfangen wurde. Auf diese Audienz hat Cuza seit vierzig Jahren gewartet. Nun ist er hoffähig geworden. Palästina. Jerusalemer Brief. Jerusalem, 3. Jan. Neue Fabriken. — Benachteiligung jüdischer Schulen. — Chanukahfeiern. — Aguda und orthodoxe Gemeinde gratulieren dem High Commissioner. — Verschönerung des Stadtbildes in Jerusalem. Eine Gruppe von Juden aus Saloniki eröffnete in Tel Awiw eine große Zigarre n-fabrik nach neuestem griechischem System. Auf der anderen Seite ist leider zu registrieren, daß ein geplantes großes Unternehmen deutscher Juden zur Herstellung von Baumaterial, auf das man schon große Hoffnungen setzte, noch in letzter Stunde gescheitert ist, obwohl alle Maschinen herbeigeschafft und alle Vorbereitungen getroffen waren. Zur gleichen Zeit, da die Regierung immer neue arabische Schulen ,;n den Dörfern eröffnet, muß bedauerlicherweise das minimale Verständnis der Regierung für die jüdischen Schulen registriert werden, worunter natürlich in erster Reihe die gesetzestreuen Schulen zu leiden haben. Hat der Waad haleumi Grund, über Benachteiligung seine® Schulwerkes zu klagen, so können wir hinsichtlich der thoratreuen Schulen von einer völligen Entrechtung sprechen. Die Regierung wünscht als Entgelt für ihre Subventionen Einflußnahme auf das Schulprogramm, was in den jüdischen Schulen und erst recht in den gesetzestreuen Schulen nicht gut angängig ist. Aber auf der anderen Seit« zahlen die Juden ihre Schulsteurn in vollem Maße und haben Anrecht auf Berücksichtigung und Unterstützung ihres Schulwesens. Es wird darüber noch viel zu reden sein. Die Chanukahwoche brachte im gesetzestreuen Kreise viele Festlichkeiten und Veranstaltungen, die dem jüdischen Leben neuen Auftrieb gaben. Als besonders gelungen darf die Chanukahveranstaltung der Chinuch - Zentrale „Beth Jaakow" im Meah Shearim zu Jerusalem bezeichnet werden, der alle führenden Persönlichkeiten des orthodoxen Jischuw beiwohnten. Die Verlängerung der Amtszeit des High Commissi oners Sir Arthur Wauchope hat in der gesamten jüdischen Bevölkerung Freude ausgelöst. Bei allen Klagen, die gegen die Palästina Regierung und die Mandatarmacht laut werden, ist man 'doch dem High Commissioner dankbar, daß gerade in seine Amtsperiode die Blüte- und Aufbau zeit Palästinas fällt,, und daß er stets auf einen Ausgleich zwischen den Interessen der Juden und der Araber bedacht ist. Die Zentrale der Agudas Jisroel, ebenso die Cha r e d im gemein de mit Oberrabbiner Dus^hinski an der Spitze, richteten an den High Commissioner aus diesem Anlaß ein herzliches Glückwunschschreiben. Daß die Stadt Jerusalem in ihrer Entwicklung bis zur modernen Höhe von Tel Awiw gelangen kann, ist eine Tatsache, die Sachkenner oft betonen. Freilich ist der Ausbau der Stadt Jerusalem an Traditionen gebunden, die Tel Awiw nicht kennt. Man weiß aber, daß Jerusalem hinsichtlich des Klimas und anderer Vorteile vieles vor Tel Awiw voraus hat! abgesehen von dem Zauber und der Weihe, die über die alten Gassen ausgegossen sind. Es ist auch in letzterer Zeit viel für die moderne Ausgestaltung der Stadt getan worden. Viele Straßen und Zuführwege sind neu ausgebaut worden, mehrere Badeanstalten und Heilinstitute sind im Entstehen. In der Irijah wird über die Namengebung für viele neue Straßen beraten, auch Hausnummern sollen eingeführt werden. Es ist auch geplant, baufällige Gebäude, die das Bild der modernen Straßenzüge verunstalten, abzureißen und neue Bauten aufzuführen. Freilich ist das ein Unternehmen auf lange Sicht, aber man sieht aus allem, daß zur Verschönerung der Stadt und zur Verbesserung der Wohnmöglichkeiten in Jerusalem allerlei geschieht. Mn. G.-P. Wahl von zwei Vizebürgermeistern in Tel Awiw. Tel Awiw, 6. Jan. In der letzten Sitzung des Stadtrats von Tel Awiw wurde die Wahl von zwei Vizebürgermeistern vorgenommen. Zu diesem Amt wurden der frühere Vizebürgermeister und Vertreter des rechten Flügels im Stadtrat, Ing. R o k e a c h, und der Vertreter der Histadruth, Dov Hos, Generalsekretär der Arbeitergewerkschaft, berufen. Beide Vizebürgermeister werden in der Führung der städtischen rwaliung gleichberechtigt sein. Zum Bürgermeister von Tel Awiw ist bekanntlich Meir Dizengoff, der Gründer und erste Bürgermeister von Tel Awiw, wiedergewählt worden. Die Wahl Dizengoffs wurde von der Palästina-Regierung bereits bestätigt. (ITA,) Personalien, Dr, Deutschländer-Gedenkfeier in Kowno. Kowno, 3. Jan. Der Tod Dr. Deutschländers hat bei uns tiefe Trauer hervorgerufen. War doch Dr. D. hier lange tätig und in allen Kreisen der Gesellschaft beliebt. Besonders weint die orthodoxe Erziehungsgesellschaft „Jawne" um Deutschländer, der einer ihrer Gründer und Mitarbeiter bis zu seinem Tode war. Auf Initiative des „Jawne" fand eine große Trauerfeier im vollgefüllten Saale des „Ose" statt. Zuerst sprach Herr Kopelovitsch. Er sagte u. a.: „Wir haben den .Gedenkabend weder bei Erhalt der Nachricht, noch im Trauermonat veranstaltet, denn der Verlust ist ein solcher, der je später desto tiefer und stärker empfunden wird." Darauf ergriff der Janower Raw das Wort. An Hand von V"rn 'las» betont er, wie wichtig es sei, die Sorge um die Erziehung des jüdischen Kindes in den Vordergrund des gesellschaftlichen Wirkens zu stellen. In diesem Sinne hat Dr. Deutschländer während der Okkupation, trotz aller ökonomischen Nöte gewirkt, er hatte die Sorge tun die jüdische Erziehung ins Zentrum gestellt und im Jüdischen" Nationalrat wie im Jüdischen Ministerium seine Ideen durchgesetzt gegen alle, die die jüdische Erziehung säkularisieren wollten. Rabbi Krön erzählt, mit welcher Hingabe Dr. Deutschländer für Thoraerziehung gearbeitet hat und in welcher feiner und subtiler Weise er die Fernstehenden in die Welt des nun einführte. Und groß war Dr. Deutschländer darin, daß er nicht nur vor- Postscheck - Konto: Ffm. 66600 Jüdische Winterhilfe # n züglicher Lehrer, sondern auch S c h ü 1 e r war. Hier im Osten war Dr. D. in allen Dingen bestrebt, die Meinung der Thoragrößen zu hören; und viel hat er hier gelernt und in Vielem sich umgestellt. Herr Schmuilowitz schilderte den glänzenden Lehrer und großen Aestheten, der Schüler bezauberte. Er, der sich der Ruhe und des Ruhmes hätte erfreuen können, wählte ein Wanderleben — dem jüdischen Kinde in der Welt zuliebe. Im Schlußwort forderte Herr Kopelowitz alle Mitarbeiter, Schüler und Freunde, auf, seinen letzten Wunsch zu erfüllen und eine intensive Arbeit für mmn pp, für die Erziehung der heranwachsenden Generation zur Thora zu entfalten. Mit wurde die Versammlung geschlossen. Altenmuhr, 2. Jan. Am 31. Dezember verschied nach kurzem Leiden im Alter von nur 53 Jahren die Gattin unseres Parnes, Frau Thekla R i c ih a r d. Eine brave, 'fromme Frau ist unserer kleinen Kehilloh entrissen worden. Ihr Haus war stets der Mittelpunkt der jüdischen Gemeinde, ja bis vor kurzem der Mittelpunkt des ganzen Ortes, Hier fand man sich zusammen, wenn man Rat und Hilfe brauchte, hier fanden die Armen und Dürftigen freundliche Aufnahme und reichliche Unterstützung, hier wurde in vornehmer und vorbildlicher Weise wahre jüdische Zedokoh geübt. So . war sie in allen Kreisen der Bevölkerung, in jüdischer und nichtjüdischer, geschätzt und geehrt. Ihr Haus; machte sie zu einem Heiligtum^ in dem sie als Priesterin in selbstloser und bescheidener Weise ihres Amtes waltete. Ihrem Gatten schenkte sie die denkbar schönste Ehe und ihren drei Söhnen, die sie in G'ttesfurcht und Menschenliebe erzog, war sie die vorbildlichste, besorgteste Mutter. So hatte sie das große Glück, ihre Kinder zu treuen, frommen Juden, voll tiefen jüdischen Wissens und zu angesehenen Menschen heranreifen zu sehen. Vor dem Trauerhause gab Herr Bezirksrabbiner Dr. Münk, Ansbach, der allgemeinen Trauer beredten Ausdruck. Am Grabe 'zeichnete Herr Hauptlehrer Adler, München, ein früherer Lehrer unserer Gemeinde, und ein treuer Freund der Familie Richard, ein Bild der Heimgegangenen. •rr'axjn Vermischtes. Mannheim, 3, Jan, Am 30, November und 1, Dezember 1935 fand in Mannheim »die (diesjährige P e - g i s c h a des religiösen Chaluzbundesi „Brith Chaluzim Dathiim" (süddeutscher Galil) statt, zu der aus allen Teilen Süd- und Westdeutschlands Chawerim und Chawerot des Bundesi herbeieilten. Folgende Aufgaben pflegen im Mittelpunkt der Pegischot zu stehen: Rechenschaft über geleistete Arbeit abzulegen, die Ideologie des Bundes aufs Neue zu fundieren und neu aufgetauchte Probleme gemeinsam zu beraten und Wege zu deren Lösung zu finden. Einen besonders! starken Raum beanspruchten auf der diesjährigen Pegischa. die Fragen der Jugend, d. h. der Jugendalijah und der MittlerenhachschaTah. Aufgrund der erschwerten Möglichkeiten der beruflichen und geistigen Ausbildung der Jugend entsteht die Notwendigkeit, frühzeitig umzuschichten, bezw. die Hachschara bereits in Erez Israel durchzuführen. Den ständig wachsenden Anforderungen, die durch den ungeheuren Zustrom einer großen Zahl Jugendlicher an den Bund gestellt werden, gilt es gerecht zu werden und Möglichkeiten einer Ausbildung zu schaffen. Chawer Alfred Möller, der Leiter der religiösen Jugendalijah in Deutschland, führte diese Gedanken in seinem Referat aus und machte praktische Vorschläge zur Lösung dieses zur Zeit wichtigsten Problems. Zur Ideologie des Bundes sprach Rabbiner Dr. Roth, Manheim, in seinem Referat „Unsere Stellung im Zionismus". Der Referent versuchte den Unterschied zwischen der Agudas Jisroel und der des Misrachi zu, dem jüdischen Aufbauwerk im Lande aufzuzeigen und bemühte sich, die psychologischen Gründe für derartige verschiedene Haltungen innerhalb der Orthodoxie darzustellen. Ueber grundsätzliche Fragen des Bachad referierte Rudi Herz (Berlin.) in seinen Ausführungen über religiöse Erziehung. Die Lage der religiösen Arbeiterschaft in Erez Jisroel, des Hapoel ha Misrachi und seiner Nachwuchsbewegung, des Bachad, behandelten Arieh Händler (Ffm.) in seinem eingehenden Referat über die Läge im Bund und Rudi Herz; der über die gewerkschaftliche Situation im Lande berichtete. Am Sgnntag referierte Herr Rabbiner Dr. Hoffmann (Ffm.) über seine Verhandlungen auf dem Luzerner Kongreß. W—si. Tel Awiw, 1. Jan. Die Handefsauskunitei und ■■■■ Annoncenexpedition von Gershon ben — The Rudolf Mosse Agency — Tel Awiw, Achad Haam. St. 30, POB. 1094 gibt Interessenten kostenlose Beratung in allen Palästina-Angelegenheiten. Anfragen ist ein internationaler Antwortschein beizulegen. \

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