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Der Israelit · 1936-01-09 · Heft 2 (9.1.1936) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 2 (9.1.1936)
Date
1936-01-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Nr. 2 : 9. Januar 1936 tengesetzgebung sind. Dieser Zuschuß wird .nach einheitlichen Richtlinien bewilligt werden. Gesuche wer den zu gegebener, Zeit bei 'den Landgerichtspräsi denten einzureichen und an den Reich&minister de Justiz zu richten sein. •, Der „neutrale" jüdische Jugendverband1 gibt seine Neutralität auf. ' 'Berlin, 6.1 Jan. In Berlin, fand eine Sitzung des Vedbarides der. Jüdischen JugeMvereine Deutschlands (Brit Jfehu dim Zeirim) statt, an der die Verbandsleitüng, die Vorsitzenden 'der Landesverbände, Vertreter der Bünde und Mitglieder des Beirats teilnahmen. Auf der Sitzung wurde eine Entschließung angenommen wonach der Verband sich zum Zionism us. bekennt. Die Grundhaltung des Verbandes erhält damit eine andere Richtung. Die Jüdische Winterhilfe betreut über 75,000 Menschen. Berlin,,?. Jan. Die jüdische Winterhilfe hat im gesamten Deut sehen Reich etwa 75.000 Personen zu betreuen. Un^f: ter den Unterstützter^ befinden sich nicht nur Glau-«' bensjuden; bei Mischehen wind die ganze Familie^ von der jüdischen Winterhilfe betreut, wenn der Haushaltungsvorstand jüdisch ist; ebenso erhalten aus-; ländische Juden von der jüdischen Winterhilfe Un^ terstützungen. Die Zahl der in Berlin Betreuten beträgt 25.258 Personen. Auf Grund der Volkszählung von 1933 würden damit fast 16 Proz. der Berliner Juden Unterstützung empfangen. Bei. Berechnung dieser Zahj ist der oben angegebene Umfang der zu Betreuenden zu berücksichtigen, andererseits aber wiederum in Betracht zu ziehen, daß seit, der Volkszählung vom 16. Juli 1933 zahlreiche Personen abgewandert sind. Es darf daher davon ausgegangen wenden, daß für eine bloße Uebersicht der Zugang durch 'die Erweiterung der zu Betreuenden über den Kreis der Glaubensjuden hinaus, sich mit dem Abgang durch die Wanderungsbewegung innerhalb der Juden in Deutschland ausgleicht. Die Zahl' der Unterstützungsempfänger in Breslau mit 4001 würde demnach fast 20 Proz. der dortigen Juden betragen. In Frankfurt a. M. erhalten 3409 Personen Unterstützung, d. h. über 13 Proz. der dortigen jüdischen Bevölkerung. Für Köln beträgt die Zahl 1859 oder rund 12,5 Proz. In Leipzig werden 1653 Personen unterstützt, in Hamburg 2604, in Stettin 467 oder fast 20 Proz, der dort lebenden Juden. Ausreise der ersten Familien für die ICA- Siedlung in Argentinien. B-erlin, 7. Jan. Am 14. und 27, Dezember 1935 sind 19 jüdische Familien aus Deutschland nach Argentinien abgereist, um dort auf dem Boden der ICÄ (Jewish Colonisation Association) angesiedelt zu werden. Die Auswahl dieser Familien geschah'durch die ICA in Zusammenarbeit mit der R'eichsvertretung der Juden ih Deutschland und dem Hilfsverein der Juden in Deutschland. Die mit der Beförderung "dieser Familien zusammenhängenden Angelegenheiten, wie Ver- ' handiungen mit ..den Konsulaten, Besorgung der Schiffskarten, Begleitung nach Hamburg und Verbringung auf das Schrff ' wurden ' vom Hilfsverein durch seine Organe in 'Berlin und Hamburg durchgeführt. Bei den Auswanderern handelt es sich durchweg um mindestens fünfköpfige Familien, von denen ein bis zwei .Mitglieder sich 'einer kurzen landwirtschaftlichen Schulung im Landwerk Nauendorf unterzogen haben. Die" Mehrzahl dieser Familien verfügte bereits über landwirtschaftliche Kenntnisse. Von den! Siealerfamilien stammen vier - aus Berlin, fünf aus jdör Provinz Hessen-Nassau, eine aus Baden, zwei aus dpr Pfalz, drei aus dem Bezirk Kassel, drei aus der Provinz Hannover und eine aus der Stadt Hannovej. Die Ansiedlung dieser Familien wird durch die ICA auf deren' Böden in" Argentinien in Form von einzelnen Fämiliensiedlunigen auf eingezäuntem Areal' erfolgen. ""■ ' - " . " Vermeidung eines Wahlkampfes in der Gemeinde Dresden. Dresden^ 3. Jan, i I.' ■- ■ f .:.•■■■*' •'. ' In einer kürzlich stattgefunderien Gemeinderatssitzung der Israelirischen Religions^emeinde Dresden wurde einstimmig ein Beschluß angenommen, in depi zur Vermeidung eines Wahlkampfes 'die Reichsvertretung^- gebeten -wird, die auf * Grund^. ihre^s.Schjjdepspruches vom 3. April 1934 bis zum 31. Dezember 1935 geschaffene Regelung in der Verwaltung der Gemeinde um „ein J-ahr tzu verlängern.; Innerhalb dieses Jahres soll .durch Verhandlungen zwischen sämtlichen im Gemeinderat vertretenen Gruppen eine" dauernde Regelung auf Grund einer neuzufassenden Gemeindesatzung herbeigeführt werden. Dieser Ordnung der Wahlangelegenheit haben sämtliche Richtungen, die ', in dem .damaligen . Schiedsspruch der Reichsvertretüng aufgeführt sind, züge stimmt. . Die Reichs Vertretung hat daraufhin mitgeteilt, daß sie die durch den Schiedsspruch getroffene Regelung-bis zum 31. Dezember 1936 verlängere. Für; die Zeit danach hat die Neubesetzung der Gemeindekörperschaften auf Grund der Gemeindesatzung stat/tzü finden. ■ _ V Ferner wurde in der Gemeinderatssitzunig der Haushaltsplan für da® Jahr 1936 einstimmig ange nommen. Die Einnahmen und Ausgaben .balanzieren mit 254.789,11 RM. Durch Gemeindesteuern .sollen 187.512 RM. aufgebracht werden. Der Geineihderat hat der Erhebung von zwei Vorauszahlungen für-die' Gemeindesteuern 1936^ mit je 40 Proz. der Gemeinde steuern 1935 am 10. Februar und 10. Juli 1936 zu gestimmt. Die Auflösung von Kleingemeinden. '.:: K a r 1s r uh e j .5. Jan. Der Oberrat der Israeliten Badens gibt bekannt, daß mit Genehmigung des Staatsministeriums undf des Synodalausschusses die israelitischen Gemeinden! Michelfeld und Richen aufgelöst worden sind. Gleichzeitig wird bekannt gegeben, daß aus den Beständen aufgelöster Gemeinden vom Oberrat Thorarollen verwahrt werden, die anderen Gemeinden überlassen werden können. Der Oberrat bittet weiterhin bei der Auflösung von Gemeinden und bei der: Abwanderung jüdischer Familien =zu berücksichtigen^ daß jüdische und hebräische Bücher, dievon den Betreffenden nicht weiter verwendet werden können, wertvolle Dienste in Schulen, Bünden usw. leisten können. Der Oberrat hat in Karlsruhe eine Büchersammelstelle eingerichtet, die die Sichtung und die Weitergabe solcher Bücher vornehmen soll. Ungarn. Das ungarische Kultusministerium verhindert die Schließung von Jeschiwoih und Talmud-Thora- Schulen. Budapest, 5. Jan. Der Verwaltungsausschuß des> Rumpfkomitats Szatmarhat dieser Tage einen die Autonomie des ortho^ doxen' Judentumsi verletzenden.Beschluß:;gefaßt; wo-" nach' wegen' angeblicher '•' 'rechtlicher und'' sanitärer Mängel drei,Jeschiwoth j^aln^1iä^öbns(^iäe3l), |» und: sieben r Talmud-Thora-Schulen -(religiöse Volksschulen) als „Winkelschulen'-' -.zu schließen seien. 4 Wie) „ßgyehlöseg"' 'meldet, ist;' es: der Invention der Of- ^odöxe^:'L'^de«^n^lei beim'Kultus- und Unterrid|tsministerium gelungen,, diesen Anschlag gegen die jreligiöse Autonomie zu vereiteln; das Ministerium hat sofort telegraphisch der Komitatsverwaltung die Durchführung des Beschlusses untersagt. Brief aus Ungarn. '' Budapest.. 1. Jan.- » Wie bereits berichtet, agitiert die Dachorganisa-! tiön der ungarischen Studentenverbindungen „furul" für den Boykott der Juden im Wirtschaftsleben. Nun . ging sie in der letzten Zeit, um einen "bedeutenden- -'Schritt weiter, indem sie in ihrem Örgan „Bajtärs" für die''Abs c h a f f un g e r Gl ^i c h>' b e re c h ti gu n g der Juden eintritt. Sie beging ' d&^^d£e^*lft^]«teht^^ größere Vermögen und Einkommen Stimmung zu mä'-,; - chen Und Vierriet damit ' ihre letzten- Wünsche und Tendenzen, .die' vom Bolschewismus ausgehen. Dies stellt der /fester Lloyd", das offiziöse Regierungsorgan, 'fest und fügt hinzu, daß der Vorsohlaig/ den Juden Ungarns 'die Gleichberechtigung : zu nehmen, eine wüste Demagogie sei, -gegen die die verantwortungsbewußte Presse mit aller Energie Protest erheben muß. Diese energische Abkanzelung ist um . so bemerkenswerter:, weil, der Land.es-Pberfiihref des „Turul", Dr. Josef Yegliväry, als^ Abgeordneter Mitglied . der Regierungsp ar fcei ist. In der utigamchen Pro Palästina-Organisation mächen sich tiefe Spuren der Zerrüttung bemerkbar, als Folgen der unüberlegten völkischen. Agitation der •Zionisten bei den Wahlen der Pester Israelitischen neologen Kultusgemeinde, Oberregierungsrat Ignatz Fri edmann ist vom, Präsidium des Pro Palästina- Komitees, seine Frau vom Präsidium der WIZO zurückgetreten. Auch Baron Bartholomäus Hätvany, das ungarische Mitglied des Jewish Agency, erklärt, da^ß seine Wege, sich von denen der Zionisteh scheiden. Die «zionistische „Zsido Stzemle" meint, , es* liege kein Grund zum Austritt der Herren vor, denn man habe ja niemals von ihnen verlangt, .daß/sie .ihre Mentalität ändern, sondern daß sie" materielle Opfer für den Aufbau Palästinas' bringen, ohne die Zionisten, -über die Ideologie der Palästinaärbeit und /über - die Art der zionistischen Tätigkeit belehren zu wollen. 'Dieser Ton 'dürfte •vkäüan -zur' 'Einrenkung 'des Friedens beitragen. " ■ i -. Die Verwalturigskömnussion des Kömitä'tesi Szat-. mar hat drei Jeschiwoth 'und sieben Ghedarim als „Winkelschulen" deklariert und ihre sofortige Auflösung und Sperre angeordnet. Die Begründung dieser Maßregel ist verschieden ausgefallen. Man berief sich . Jin etilem Fallaüf' jüridisöhe, in einem 'anderen auf sanitäre Grunde'. Beide wärenr* nicht 'Stichhaltig, und außerdem wäre, in erster Reihe'^die zuständige 'orthodoxe Israelitische Kültüsgeiheihde zwe'cks ' Behebung der Mängel anzurufen gewesen. Auf Intervention d er ' Zetiirälkänzleä d er '~ Ortho doxen Israeli tischen Kultusgemelndeir; hat der''Kültusoninister telegraphisch die Durchführung des Beschlusses sisti ert. Die endgültige 'Entöcheiduhg in'dieser Angelegenheit steht einstweilen noch aus. ' (Ist inzwischen zugunsten der Juden' erfolgt. Siehe obige Korrespondenz.) - In Raab" (Gyöf) fand die fünfzehnte Generalversammlung des „Toniche Jeschiwoth"-Vefeins statt» AU9 dem Bericht 'geht herVör, daß der Verein seit seinem Besfehen mehr als 3Ö0.000 'Pengö an verschiedene Jeschiwoth verteilt hat. "Die Einnahmen des Vereins, wie auch der Besuch der Jeschiwoth zeigten leider im verflossenen Jahre einenstarken Rückgang. Man verspricht sich aber trotz der ungünstigen wirtschaftlichen Lage von der erhöhten Propaganda —' jeder 'Rabbiner soll zukünftig-jährlich Propagandareisen von einigen Tagen zu Gunsten des 'Vereins unternehmen — größere Einkünfte und größere Tätigkeitsmöglichkeiten. In B u d a p e s t ist eine a g u d i s tisch« Ortsgruppe gegründet 'worden. Die Gründüngsversämmlung wurde vom Präsidenten der Schaß-Chewräh, Herrn : Märküs K l e in, einberufen und 'es "nähmen daran - mehrere prominente ' PersotiEchfeeiten der hauptstädrisdhem Orthodoxie 'teil. In der Eröffnungsrede teilte, der Präsident "ihit, >cföß sowohl Rabbiner S u ß'im a h ic, ' feixfäpe&i'f'WS '■ ^^^be1'MWtö^l(e^r, *'! SD u - sc'h'insky, Jerusalem' wiederholt'°.clie' Notwendigkeit der agudistischen Organisation m'Ühgarh betonten und daß eine''"derartige Organisation viel zur Gesundung der Gemeindeverhältnisse und der Jugenderziehung beitr-ageii_ .'-wind. Für Organisationszwecke wurden sofort 1000 Pengö aufgebracht, und" es wurde der Beschluß gefaßt, " nach - Ghanukah vor die größere-OejffentKchkeit zu treten. In der Städt-Sz o 1 n o k wurdeMderi.jüiddsche Kaufmähn I^naz!W e i;ß; auf -der c-hris tlich -so zia - 1 e n Liste' izüni*' "Stadtverordneten'gewählt. Der Fall erregt allgemeines" Aufsehen und.JJerr ' Weifi:r;beeilte sich; zu erklärendaß die Antisemitendie Partei Ül&ht unter der Leitung' dies: > Antisemiten*: Karl i;Wolff — wohl Zwischen 'den'' Juden des .ungarischen^Tieflandes ' seiriesgleichen^ und : jenen« , aus- Gälizien.:. ünters'che'ideri-'können'.'5 Er'hät also bereits'-die antisemir^clie-'Phraseölbgie cirlerntv?^ •<?: Wü-r* -.-f.-^tv*

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