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Der Israelit · 1936-01-09 · Heft 2 (9.1.1936) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 2 (9.1.1936)
Date
1936-01-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 2 Der Israelit 9. Januar 1936 Jaakobs Tod. Von Karl Darmstädter. Da die letzte Nacht sanft an Jaakob rührte, Rief seine Söhne zu sich her der Greis —; O, Wunder! Der viel litt, der G'tterkürte, Schaut in die Zeiten, kündet Sein Geheiß. Darf dies geschehen? Wird nicht mit schweren Siegeln Den Mund der Tod verschließen, der schon nah? Noch nicht. Noch ist im Aug' ein Spiegeln Verborgener Dinge, die kein Irdischer sah. Leis hebt er an. Dann strömt es von den Lippen: Vieldeutiger Segen, Verheißung, Fluch und Lohn — Es trägt empor, läßt jubeln, wirft auf Klippen Und stellt Begnadete vor G'ttes Thron. Sie trinken gierig Ton und Laut, und Geste Kaum sichtbar, prägen sie sich ewig ein, Sie, dieses letzten Vätermahles Gäste, Beseelt von einem: nochmals um ihn sein. Dann kommt die Stille. Die verstörten Blicke Wenden sich langsam nun einander zu, Als suchten sie zum künftigen Weg die Brücke, Als suchten sie jeder im andern Ruh. Doch ist ein Fremdsein da, ein irres Tasten Nach jenen Strahlen seines hellen Lichts, Nach dunklen Worten, die sie nicht erfaßten — So stehen sie da, als stünden sie im Nichts . . . Sie rufen an, beschwören ihn und meinen, Er gäbe Antwort — nur dies eine Mal . . . Da sehen sie ihn: entrückt ins Ferne, fahl — Sie reichen sich die Hände, und sie weinen, Einsame Brüder, ratlos, voller Qual. Israelitische Urgeschichte und alte Funde. Von San.-Rat Dr. A. Stern in Frankfurt a. M. (Schluß.) Der große Zustrom aus Palästina und sonstigen westsemitischen Bezirken nach Mesopotamien befruchtete die alte Kultur der Sumerer, vor allem mit einem Geist sozialer Gerechtigkeit und brachte gegen 2500 (nach Delitzsch) eine palästinensische Dynastie ans Ruder, welche in Ur Kasdim residierte und deren sechster König gegen 2200 Amurabi, Amrophel, der Zeitgenosse Abrahams war. Amurabi einigte die zersplitterten Einzelstaaten Mesopotamiens unter seinem Szepter und führte Babylonien zur Blüte und Gesetzlichkeit, welch letztere in dem in Susa ausgegrabenen berühmten Gesetzes-Kodex des Amurabi ihren Niederschlag gefunden hat. In diesem Kulturkreis ist Abraham aufgewachsen. Er hat seinen Weg wieder in das Herkunftsland seiner Väter, Kanaan, gefunden und traf dort überraschender Weise auf ein Vorwiegen der Kanaanäerbevölkerung, wo er eine hebräische Bruderbevölkerung erwartet hatte. Daher betont die Bibel wiederholt: pK2 TK 'JSMDni der Kanaanäer war damals im Lande. Aber auch in Babylonien, auf dem ursemitischen Boden, haben die aus Palästina zurückgewanderten Hebräer teilweise ihre alte Tradition bis zu Moses Zeiten aufrecht erhalten. Wir erinnern an Bilcam, den sich der Moabiterkönig bei den Vorgefechten vor dem Einzug Israels nach Palästina in Transjordanien aus Peor am Euphrat hatte kommen lassen, am Israel zu fluchen. Er erscheint als ein Prophet und ein Vertreter monotheistischer Gedanken, welche allerdings durch 'heidnisches Wesen getrübt und durch das Abweichen von reiner Ethik, wie sie untrennbar zum jüdischen Monotheismus gehört, verdunkelt waren. Sonst hatte auch im Euphratgebiet die G'ttesanschauung den nach biblischer Auffassung gewöhnlichen Entwicklungsgang genommen: Nach ihr ist ja das urmenschlich Erste der Monotheismus, wie er uns bei Adam, Noach usw, begegnet, und erst in der späteren Menschheitsentwicklung ist er zum Polytheismus entartet, atus dem erst der Ba bylonier Abraham wieder zum reinen Monotheismus zurückgefunden hat. Diesen Entwicklungs gang aus der Richtung von dem monotheistisch ethischen zu dem polytheistisch unethischen Be griffe hin mag die Gegenüberstellung eines urbabylonischen Hymnus an den Mondg'tt Sin und des viel späteren Codex Amurabi beleuchten. Der uralte Hymnus lautet: „Herr, Herrscher unter den Göttern, Der irn Himmel und auf Erden allein groß ist, Der zum Königtum beruft, das Szepter verleiht, Der das Schicksal auf ferne Tage voraus bestimmt. Dein, Dein Wort läßt Wahrheit und Gerechtigkeit entstehen, So daß die Menschen die Wahrheit reden." Der Codex Amurabi ruft in seiner Einleitung eine große Anzahl von Göttern an. Wir kehren noch einmal zu Abraham zurück, folgen ihm nach Palästina und hören von seiner und seiner Familie Flucht vor der Hungersnot nach Aegypten. Sie hat eine Parallele gefunden, in der ägyptischen Darstellung eines Karawanenzuges von Semiten nach Aegypten aus Abrahams Zeit auf einem ägyptischen Wandgemälde. Man hat das Bild scherzhaft geradezu als ..Abrahams Zug" bezeichnet. Sein Erlebnis mit Pharao wegen seiner Frau Sara, die er für seine Schwester ausgibt, erscheint uns weniger auffällig, wenn wir auf eine Grabschrift hinweisen, in welcher ein ägyptischer Priester seinem Pharao verspricht, daß er aucli vom Jenseits aus palästinensische Semiten töten und ihre Frauen dem Harem Pharaos einverleiben wird. An Jakcb erinnernd erwähnen wir der Aehnlichkeit wegen eine inschriftltche Meldung ägyptischer Grenzbeamten an den Pharao Sethos (um 1250), welche lautet: „Wir sind fertig geworden mit dem Passierenlassen der Beduinenstämme von Edom über die Manephtafestung von Sukkos nach den Teichen von Brochaus (brkt), um sich und ihr Vieh zu ernähren auf dem großen Weideland des Pharao, der schönen Sonne aller Länder". Aegyptische Bilder stellen die in der Bibel erwähnte Bereitung von Ziegeln und Bauarbeiten unter Aufsicht des Fronvogts vor Augen. Auch das Vorratshaus Pithom, das Schwesterhaus von Ramses, ist ausgegraben. Das Herzstück unsrer Geschichte aber ist der Auszug aus Mizraim, Die geschichtliche Tatsächlichkeit der ganzen ägyptischen Epoche ist bestritten worden. Es ist auch nicht zu erwarten, daß hierüber die ägyptischen Urkunden große Aufschlüsse bringen werden, da ja diese ganze Periode für die ruhmredigen Pharaonen kein Ruhmesblatt darstellt. Es mögen in diesem Zusammenhang nur zwei berühmt gewordene ägyptische Funde genannt werden, und zwar: die Israel-Stelle des Pharao Manephta (ca. 1230) und die Tel Amarnabriefe. Auf der Israel-Sieges-Säule wird zum ersten Male deutlich der Name „Israel" erwähnt. In den Tel Amarnabriefen, mehr als 300 Tontafelbfiefen, mit Keilschrift aus dem Archiv des Pharao Amonophus IV (um 1500—1400), teilweise von ägyptischen Statthaltern ■ aus Palästina an den Pharao gerichtet, findet sich' ein Brief mit einem Hilferuf eines solchen Statthalters an Pharao wegen der Bedrohung durch ,,Chabiru"-stämme. Man glaubt, unter diesen ,,Chabiru" „Hebräer" verstehen zu sollen. Der Zusammenhang zwischen -diesen Dokumenten und der ägyptischen und nachägyptischen Epoche israelitischer Geschichte ist bis jetzt nicht eindeutig aufgeklärt. Nur ein kleiner Bruchteil der ausgegrabenen Dokumente ist entziffert, einige bedeutungsvolle konnten erwähnt werden. Unabsohätzbar ist die Zahl derer, die noch heute unter dem Schutt der Jahrtausende ruhen. Vermischtes. Berlin, 3. Jan. Der Kindergarten der Agudas Jisroel-Frauengruppe Berlin hatte die Eltern .der betreuten Kinder zu einer kleinen Chanukahfeier gebeten. Die Kinder hatten zu diesem Zwecke nichts besonderes eingeübt,- damit die Eltern einen Einblick in die tägliche Arbeit des Kindergartens bekämen. Frau Dr. Seckbach begrüßte die Eltern namens, der Frauengruppe und wies auf die Schwierigkeiten hin, unter denen es der Frauengruppe in kurzer Zeit gelungen ist, einen echt jüdischen Kinderspielkreis zu schaffen, der 30 Kinder betreut. Dank der vorzüglichen Leitung von Frl. Blumenfeld und ihren Helferinnen können trotz der Schwere der Zeiten unsere Kinder eine fröhliche und jüdische Jugend verleben. Spielend werden sie an die täglichen Mizwaus gewöhnt, so daß sie die Simcho schel Mizwo kennen lernsn. Die Eltern konnten sich an den Liedern und Spielen der Kleinen erfreuen und feststellen, daß hier inr*Kleinen ein großes Werk jüdischer Erziehungsarbeit geleistet wird. Wir wünschen dem Agudokindergarten weiter recht guten Erfolg. Berlin, 5. Jan. Der Noar Agudati hat mit Unterstützung der Frauengruppe der Agudas Jisiroel in Berlin ein Mädchenseminar eröffnet, in dem die Chawerot des Noar Agudati die vom Pa-läsiina- Amt geforderte hauswirtschaftliche Hachscharah und gleichzeitig die vom Bund verlangte Hachscharah ruchanit absolvieren. Den Vormittag verbringen die Mädels im Haushalt, während die Nachmittage, teilweise auch Abende für die geistige Arbeit frei gehalten sind. Bei der Auswahl der Unterrichtsfächer wurde großer Wert auf eine gute allseitige Vorbildung für Erez Jisrael gelegt. Der Unterricht umfaßt u. a. Chumisch, Dinim, Iwrith, Palästimakunde, Englisch, Haushaltungskunde, und wird ausschließlich von bewährten Kräften erteilt Da die Aufnahme noch nicht restlos abgeschlossen ist, können noch einige Mädels im Laufe dieses Monats aufgenommen werden. Umgehende Anmeldungen sind erbeten an Max Haas, Berlin NW. 87, Tile Wardenbergstr. 15. Düsseldorf, 3. Jan. Am 28. Dezember 1935 beging der E s r a P A J im hiesigen Gemeindehause seine Chanukahfeier. Neben den bei solcher Gelegenheit üblichen Darbietungen fielen zwei aktuelle Sketche auf, betitelt Keren Hajischuw und Jischuw Hathora, die in charakteristischen Ausschnitten das Leben auf der Jeschiwa und Hachscharah und schließlich im Kibbuz in E. J. zeigten. Deutlich war den Spielern anzumerken, daß der Inhalt sie begeisterte. Vor allem packte der Sprechchor, dieses propagandistisch wirkungsvollste Mittel. Die den Raum bis auf den letzten Platz füllenden Zuschauer gingen interessiert mit und sparten nicht mit Beifall. Zwischendurch hatten schon die Jargonstücke mit ihrem unbezahlbaren Humor gewirkt. Frohes Gelächter war immer wieder zu hören. So vergingen die drei Stunden rasch und voll Stimmung. Namen hervorzuheben ist unnötig, denn alle haben sich nach bestem Können verdient gemacht. Marburg, 2. Jan. Eine der wichtigsten Anstalten besonders in der heutigen schweren Zeit besitzt das deutsche Judentum mit dem Israelitischen H e i 1 e r z i e h <u n g s h e i m in M a r b u r g a. d. Lahn. Die jüdische Kulturaufgabe, die dieses Heim zu erfüllen hat, ist seit Jahrzehnten, seit seiner Begründung durch Prof. Hermann Cohen und den unvergeß* liehen Marburger Rabbinar Dr. Münk "3r bekannt. Was aber jene Männer nicht voraussehen konnten, ist, daß das Heim einmal zu einer wahren Rettung werden könnte für jüdische Landkinder, denen im Elternhause und in der Dorfgemeinde jede Voraussetzung einer Erziehung genommen wird. Unter der fachmännischen und aufopfernden Leitung von Herrn Lehrer Höxter und Frau genießen zur Zeit 35 Knaben eine Betreuung, eine geistige und persönliche Pflege im Heime, wie ihnen diese kein Elternhaus und kein Pensionat besser zu bieten vermöchte. Es könnte nach den Umständen und. Bedürfnissen die dreifache Zahl sein, wenn das Heim nicht heute schwer um seine Existenz zu ringen hätte. Man darf - hoffen, daß das deutsche Judentum diesem Heime, in dem junge Menschenpflanzen fürs Judentum und die menschliche Gesellschaft gewonnen werden, größtes Interesse zuwendet und ihm die Möglichkeit gibt,; sfeh nicht nur zu erhallten, sondern auch seine Räume 1 zu erweitern und das Programm auszubauen. Bocholt, 6. Jan. Am 12. Januar tagt die Arbeitsgemeinschaft jüdischer Lehrer des Niederrheins im Gemeindehause zu Mülheim. Beginn 16 Uhr. Budapest, 3. Jan. „Die Budapester orthodoxe Obsrrabbinerstelle". Wir brachten vor kurzem unter Werbeteil die Nachricht des „Szombat", wonach die , Stelle des Budapester orthodoxen Oberrabbinates demnächst mit dem ehrw. Preßburger Öberrabbiner besetzt werden sollte. Das genannte Blatt sprach so- , gar im Zusammenhang mit dieser Kombination, als , „Besetzung des (gar nicht existierenden) ungarischen - orthodoxen Landesrabbinerpostens." Wi e d as o;f Hziöse Budapester orthodoxe Organ „Zsido Uysäg" mitteilt, entbehrt die 3 a n z e M e 1 d u n g j e d w e d e r ernster Grundlage:

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