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Der Israelit · 1936-01-09 · Heft 2 (9.1.1936) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 2 (9.1.1936)
Date
1936-01-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 2 D Israelit 9. Januar 1936 net ist, heute nicht mehr uneingeschränkt realisierbar sei, so müsse nach neuen Inhalten gesucht werden, welche eine echtjüdische Gedankenwelt zu gestalten fähig wären. Es wurden nach dieser Richtung verschiedene Wege aufgezeigt. Während von mancher Seite die gedankliche Auswertung der Halacha als neue Möglichkeit herausgestellt wurde, glaubten andere auf das Studium des T'nach, gestützt auf Midrasch und Erklärer, mithin Agada im weitesten Sinne des Wortes, als stärker zu beachtende Erkenntnisquelle hinweisen zu sollen. Es fehlte freilich auch nicht an Stimmen, die das intensive „Lernen" als völlig ausreichend für die Gewährleistung der jüdischen Geistigkeit erachteten, und es fand andererseits der Hinweis auf die in der Kabbala verborgenen Schätze des jüdischen Geistes und Gemütes, worüber in einer Arbeitsgemeinschaft für die älteren Führer gesprochen wurde, starke Beachtung. Im vollen Bewußtsein der Unmöglichkeit, den Bund auf eine dieser Möglichkeiten festzulegen, beschränkte sich der B. T. darauf, diese geistige Situation der Gegenwart herauszuarbeiten, um seinen Beitrag für eine allgemeine künftige Ausrichtung zu leisten. In Bezug auf den zweiten Punkt bestand die Hauptfrage darin, inwieweit der Bund, der bisher wesentlich Erziehungsbund war und sein wollte, sich als Chaluzim-Bund umstellen solle. Die Preisgabe des klaren und unwandelbaren Er ziebuingsideals, der Haschlama-Azmith (jüdische Seilbstvei-vollkommniung) wurde zurückgewiesen und ein harmonisches Nebeneinander des chaluzischen mit dem rein erzieherischen Prinzip gesucht. Eine solche Verbindung oder Doppelaufgabe erscheint um so leichter durchführbar, als eine Gegensätzlichkeit zwischen diesen beiden Zielen nicht besteht und andererseits ein immerhin noch erheblicher Teil der Jugend vorerst für die Chaluziuth nicht in Frage kommt. Sie wird zudem durch die Unterteilung des Bundes in die Chaluzimgruppe des Noar Agudati und die Erziehungsgruppen des Esra-PAJ. und A. J.- Jugendgruppen erleichtert. Außer dieser grundsätzlichen Frage fanden gründliche Beratungen über eine Fülle von praktischen Fragen statt. Hierzu gehören die Fragen der Ausgestaltung und Entwicklung der Hachschara-Zentren, der Förderung der Znifarbeit, des Führernachwuchses, der Lerntätigkeit und der geistigen Hachschara, sowie der Jugendalijah. Die Berichterstattung über die Einzelheiten dieser mit größtem Ernst und Verantwortungsbewußtsein geführten Beratungen muß leider mit Rücksicht auf den engen zur Verfügung stehenden Raum an dieser Stelle unterbleiben. Nach diesen eingehenden Vorarbeiten wandte sich der B. T. am letzten Tag schließlich dem Verhältnis zu den noch fernstehenden, aber gesinnungsverwandten Kreisen zu, und suchte in Referaten und Debatten nach geeigneten Mitteln zur Heranziehung und Gewinnung dieser Kreise. Diese Aussprachen, die lediglich vom Bewußtsein der in heutiger Zeit wesentlich gesteigerten jüdischen Arewuth-Pflicht diktiert waren, brachten eine Reihe wertvollster Anregungen sowohl zur grundsätzlichen Einstellung als auch für die lokale und individuelle praktische Arbeit. Die Notwendigkeit, aber auch die Grenzen des „Kiruw Harechokim" .wurden in vollster Klarheit erkannt. Gleichzeitig gab der jB. T. Gelegenheit, die eigene Verantwortung gegenüber dem Klall Jisroel erneut zu bekennen. Es galt hierbei ohne Weiteres als Voraussetzung; claß sich der Bund sowohl organisatorisch als ideologisch auf den Boden der Agudas Jisroel stellt, Eben so wenig brauchten über die positive Einstellung des Bundes zu Erez Jisroel irgendwelche Debatten geführt zu werden, während die Gestaltung des Verhältnisses von Jungen und Mädchen innerhalb des Bundes noch weiterer Klärung bedurfte. Neben diesen wichtigsten Beratungsgegenständen fanden eine Anzahl von Lern- und Arbeitsgemeinschaften statt, darunter eine auf Iwrith geführte (von Pinchas Wollmann, Frankfurt a. M.), sowie zwei ihalachische Derachoth und ein Mussar - Vortrag (K. Kaihan, Fulda, Matzner und Abr. Wolf, Berlin). Für die glückliche Durchführung dieses ebenso äußerlich eindrucksvollen als geistig anregenden Bundestages gebührt den Jugendführem (Abr.. Wolf, Berlin, Fredi Lustig, Frankfurt a. M., K. Kahan, Fulda) Dank und Anerkennung. v Gesinnung und Leistung. Von Rabbiner Dr. Michalski in Karlsruhe. Zwei Teilfaktoren sind es, die sich gegenseitig bedingen und ergänzen: Gesinnung und Leistung. Die beste Gesinnung ist wirkungslos, wenn sie nicht zur Leistung reift. Die Leistung ist unvollkommen, wenn sie nicht lauterer Gesinnung entspringt. Beide sind unzertrennlich auf einander angewiesen. Unvollständig, aber nicht ganz wertlos ist die eine ohne die andere. Der Leistung gebührt der Vorrang. Leistung ohne Gesinnung führt zur gesinnungerfüllten Leistung, UKW1? K3l TVlWb *6tP Tina» Nur, wenn G'ttes prüfendes Auge die Unmöglichkeit 'zur Leistung erkennt, läßt er die Gesinnung gelten. Leichter ist der Mensch geneigt, Gesinnung für Leistung zu halten, „Das iBildungsproblem der jüdischen Schule", unter dieser Ueberscbrift behandelt Dr. H. Stern im Leitartikel der Nr. 50 vom 12. 12. 1935 der C. V.-Zeitung eine dringende Frage unserer Zeit. Schöne Worte findet er für die Gesinnung. ,.Horchen wir unsere Geschichte ab, was sie uns über unser Wesen zu sagen hat, so hören wir immer wieder die Worte vom Sinai und die Worte der Propheten. Das will sagen, daß wir das Volk der Religion sind. Den Ruf und die Antwort muß man klar und deutlich vernommen haben, wenn man die Juden judaisieren will." Nach diesen Sätzen glaubt man, die Worte vom Sinai und die Worte der Propheten sollen auch ferner nicht verhallen, sollen in Gesinnung und Leistung Widerhall finden. Doch wie wird man enttäuscht, wenn man gleich darauf als Fortsetzung dieser Sätze liest: „Man verstehe uns nun aber nicht falsch. Wir denken als Pädagogen nun nicht daran,-uns nun plötzlich unter das „Gesetz" zu flüchten ..." Warum dürfen jüdische Pädagogen nicht daran denken, ihre Zöglinge für das Gesetz zu erziehen, daß sie in ihm Halt und Zuflucht finden? Sind die Worte vom Sinai nicht das Gesetz? Ist es 'nicht das Gesetz, das uns in den Worten vom Sinai Alles über unser Wesen und über unser Sollen sagt, wie wir es unserer Geschichte abhorchen? Was ist für Dr. Stern Religion ohne Gesetz anderes als Gesinnung ohne Leistung? Nach einigen Sätzen schreibt er dann: „Aber wir wollen erkennen und danach handeln, daß im Zentrum einer jüdischen und hebräischen Bildung die Religion stehen muß. Denn die Religion ist (von ihm gesperrt gedruckt) unsere einzige Seeschiffahrt und Fremdenverkehr in Italien. Der Fremdenverkehr in Italien hat in keiner Weise durch die wirtschaftlichen Sanktionen, welche der Völkerbund über dieses Land verhängt hat, gelitten. In voller Ruhe und Sicherheit besuchen und bereisen fremde Gäste das Land. Der Beginn der Wintersaison hat einen normalen Verlauf und schon füllen sich .die sonnigen Küsten von LiiJiunien, Süditalien und Sizilien mit ausländischen Besuchern. Auch die Alpenregionen in Piemont, im Trentino und in den Dolomiten haben mit dem ersten Schneefall zahlreiche lustige Scharen von Skiläufern, darunter ein großer Prozentsatz Ausländer, zum schönen Sportleben gelockt. Der Verkehr der Handelsschiffahrt setzt seine planmäßigen Fahrten auf allen Linien fort, nach Nord-, Süd- und Zentralamerika, nach Indien, China, Australien, Südafrika, Aegypten und dem östlichen Mittelmeer. Bis jetzt ist keine Verminderung der Passagiere eingetreten, abgesehen vom allgemeinen ^bfall derselben, der seit Jahren .die Handekschiffahrt der ganzen Welt getroffen hat. Die italienische Seeschiffahrt ist nicht nur in voller Kraft aufrechterhalten, sondern bietet für Reisende jeder Nationalität die größte Sicherheit. Dies zeigte sich klar im folgenden Falle: als der Geschäftsträger Abessiniens* in Rom von seiner Regierung abberufen wurde, wählte er für seine Heimfahrt nach Afrika einen italienischen Dampfer und schiffte sich auf dem Motorschiff „Victoria" in Neapel in. originale Schöpfung, die Bibel unsere klassische Literatur.'' Hier scheiden sich die Geister. Hier gähnt die Kluft. Ist die Religion unsere Schöpfung oder die Schöpfung G'ttes? Sind wir nicht vielmehr die Schöpfung der Religion und damit die Schöpfung G'ttes? Sind uns die Worte der Bibel und damit die Worte vom Sinai nur klassische Literatur oder sind sie uns Gesetz? Das ist im Grunde das 'Bildungsproiblem der jüdischen Schule! Haben idie Worte der Propheten nur für „unsere Schöpfung" Propaganda gemacht, um zur klassischen Literatur gezählt zu werden? Ist Religion uns Literaturgeschichte oder — Schöpfungsgeschichte? I „Wir denken als Pädagogen nun nicht daran," schreibt Dr. Stern, in dem erwähnten Satz, „uns nun plötzlich unter das „Gesetz" zu flüchten .. ." Verstößt dies gegen die Forderungen der Pädagogik? Würde ein Pädagoge im Hinblick auf das Staatsgesetz Solches zu sagen wagen dürfen?! Ist es .unpädagogisch, die Worte vom Sinai als Gesetz zu nehmen? Ist aber nur das plötzliche Flüchten unpädagogisch, dürfen aber Pädagogen daran denken, sich allmählich unter das „Gesetz" zu flüchten, so darf die. Religion nicht mehr unsere Schöpfung sein, sondern Gesetz unsres G'ttes. Pädagogen sollten doch Gesinnung und Leistung zu werten und gegen einander abzuwägen wissen! Erfüllung des Gesetzes, Beobachtung der G'ttesgebote, ist eine Leistung, zu der viele sich nicht aufschwingen können. Im Zentrum unserer jüdischen Bildung steht das Gesetz, daß wir danach handeln und es erkennen. Erst geben z. B. die "fVöD am Arm unserem Handeln die Worte vom Sinai als Diktat des Gesetzes, dann erst verleiht der Schmuck am Haupt unserem Erkennen die Fähigkeit, „den Ruf und die Antwort" klar und deutlich zu vernehmen. Mit dieser Leistung verbindet der zuvor gesprochene Segensspruch die Gesinnung, Er bezeichnet die Religion als Schöpfung G'ttes, die uns heiligen will durch Sein Gesetz. Diese Gesinnung und diese Leistung vermag die Juden zu judaisieren, vermag sie „erfahren zu lassen, was der Jude in seinem Wesen ist." Während 'die Eillinien nach Aegypten, Griechenland, nach dem aegäischen Meer, nach Istanbul, Gy- 'pern und Palästina ihren regelmäßigen Fahrplan beibehalten, werden im Dezember außerdem (drei der größten und elegantesten Schiffe nach Nordamerika, weitere drei nach Südamerika, eines nach Zentralamerika und dem Stillen 0\zean, eines nach Indien und China, eines nach Südafrika und eines , nach Australien auslaufen. Man ersieht aus diesem Programm, daß nichts sich in .der Abwicklung der.titalienischen Seeschiffahrt geändert hat. Es werden sogar Verbesserungen vorgenommen und einige der großen Schiffe vollkommen renoviert, im technischen und dekorativen Sinne. Der Fremde kann infolgedessen mit voller Ruhe nach Italien kommen: es. werden ihm nicht nur Achtung und Liebenswürdigkeit entgegengebracht, er wird auch in Reise und Aufenthalt jede Begünstigung genießen, da die Regierung eine Reihe von Ermäßigungen für .ausländische Reisende bestimmt hat, die sich auf Eisenbahn, Hotels, Benzinbezug und weitere Pireisverbdlligungen beziehen, wodurch der Aufenthalt in Italien sich derß Fremden bequem, angenehm und 'billig gestalten wird. Kein Jude darf notleiden Die Jüdische Winterhilfe muD helfen!

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