Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1936)
- Date
- 1936-01-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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9. Januar 1936 Der Israelit Nr. 2 Seite 7 sten Binde-Element jüdischer Gemeinschaftsbildung zu machen. Es war hierbei außerordentlich interessant, Bedenken zu hören aus dem Munde gerade der jungen Rabbiner, die den Mussar in seiner Heimatstätte gesehen, Bedenken, die sich selbstverständlich nicht 'gegen den Mussar selbst richten, den -. sie als integrierenden Bestandteil einer jüdischen "Weltanschauung ansehen, auch nicht gegen die Erhebung der Forderung für die Gegenwart,, die ihn mehr als eine andere Zeit braucht. Dfe' Angst vor einer Profanierung, vor einem Hinaustragen des /heiligen Kleinods in die Welt des Scheines, die nur das Aeußere, aber nicht den Kern, den Sinn seiner Aufgaben be greift. Von Mund zu Mund, von Lehrer zu Schüler, in kleinsten Zellen jüdischer Gemeinschaft, soll der Mussar gepflegt werden. Die ernste Warnung wird nicht ungehört verhallen. G. s. D. der Streit um Paragraphen scheint vorbei zu sein, lieber die Paragraphen sind wir ekiig, um Höheres, um Letztes, um den rechten Weg zu 'n und zu Seiner nilfi geht der Streit. Diese 0"pnni> fi31& bw npVn»' sie gibt der Agudas Jisroel ewige Jugendkraft. Die erste Nachmittagssitzung begann mit weiteren Ausführungen des Herrn Dr. Ehrmann über Aus- und Eingänge der Palästina-Zentrale. Die Palästina^Zentrale hat auf Grund des Transferabkommens die Möglichkeit, eine größere feste Summe monatlich nach Palästina auszuführen. Außerdem können für die Ausbildung jugendlicher Auswanderer noch Gelder zugelassen werden. .Ferner besteht die Möglichkeit zu Kompensationsgeschäften-, Gebrauchsgegenstände für die aguidistischen Kibbuzim hier einzukaufen. Es geschieht dies in Zusammenarbeit mit der Paltreu. 19 Landesorganisationen der Agudas Jisroel arbeiten für den Keren Hajischuw. Die Propaganda muß — leider — für alle Länder außer Polen von Frankfurt aus erfolgen, was für das hiesige Büro eine gewaltige Belastung bedeutet. Das Berliner Büro behandelt in der Hauptsache Zertifikatsangelegenheiten. Zu dem RjF-Abkommen äußerte sich Herr Dr. Ehrmann sehr ausführlich, da entsprechende Anträge zur Debatte standen. Der RjF. ist keine Organisation mit einer festgelegten religiösen Weltanschauung, sondern ein Zweckverband, weshalb halachische Bedenken nicht bestünden, 'wie der daruni befragte Rabbinische Rat der Agudas Jisroel entschied. Es ist statutenmäßig bestimmt, daß die Gelder einzig und allein von ' der Leitung des Keren Hajischuw verwaltet werden: "„Warum sollen wir Menschen zurückweisen, die am religiösen Aufbauwerk Palästinas mitsohaffen wollen"? Die Diskussion ergab das allseitige Interesse an dem Arbeitsgebiet der .Palästina-Zentrale. Die Anträge der Palästina-Zentrale wurden mit einer Abänderung angenommen..Per,..erweiterte Landesv.Qgstand;stellt den ,Beirat/vdes-Keren Ha-' jisohuw ^Ti-^i^r^M^ß^^^^y^l^nunterrichtet den L'an^esivorstand) j üjbjer, aslle^^uis-l und ..Bmimi^mi-j^i^ißrlL ihn .in-, gemeinsamen. Sijt- .zungen \VQ.n ay£eit-..zu Zeit r#per^ f j&ej?,.^!?^8sMn lYofgäng^ > v- .. -: ■<;■- v^rnu; K^Tt-, M BeWg iauf ''das^'RjP-'Abkömmen)'wenden die diesbezüglichen Anträge, die es bekämpfen, abgelehnt, und allseits dem Wunsche Ausdruck gegeben, in solchen grundsätzlichen' Entscheidungen Ansichten der Landesorganisation und ihrer größeföh 'Gruppen zü hören. Die^'Kulturdebatte l/vmfde -eingeleitet*' '-mit. längeren" Ausführungen-, über Thora und Mussar, die den praktischen Weg 'zeigen all denen, die;von der Sehnsucht zum,: -Judentumerfüllt sind; Wir brauchen den Mussar, da von unserer Selbsterziehung auch unsere •Arbeit abhängig ist.; _ Es wurde a u s'd r ü c k 1 i c h 'festgestellt, 'daß ein Gegensatz zwischen Tauroh und Mussar und äeni. Prinzip' von! Tauroh dnr Dere6h ]Erez nicht besteht, da diese Grundsätze ganz verschiedene Wirkungsgebiete haben; das Problem des Chinnuch der deutschen Jugend in Erez Jisroel wurde in seiner ganzen Schwere aufgerollt. Allseitig fand die Feststellung Anerkennung, daß ohne die Zustimmung der dortigen Gedaulim kein religiöser Chinnuch aufgebaut werden kann. lieber die Verhandlungen am zweiten Tage ist noch folgendes zu berichten: Montag Früh wurden die Referate von Pels, Ehrentreu und Abraham Wolf sowie das von Rabb. Dr Elie Münk über die Blankeneser Tagung erstattet Montag nachmittag wurde die Debatte über Thora und Mussar fortgesetzt und vor allem auf die Schwie rigkeit hingewiesen, den Mussar einer großen Orga nisation anzuvertrauen, wo er doch bisher immer nur im intimen Kreis von Mensch zu Mensch, wie Lehrer zu Schüler sich verbreitete. Es wurde einstimmig ein Entschluß folgenden Wortlauts angenommen: „Der Delegiertenitag begrüßt dankbar die Bestrebungen des Frankfurter Raw zur Verbreitung der von ihm eingeleiteten Thora- und Mussar-Bewegung, von der er eine Stärkung des religiösen Leben® und des Klall-Bewußtseins erwartet." Es folgen die Wahlen, deren Resultat bereits mit geteilt wurde. Ferner wurde der Anstellung eines hauptamtlichen Sekretärs zugestimmt. Der Vorortsvorstand tritt mindestens vierwöchentlich, der Landesvorstand viermal im Jahre unter Hinzuziehung der deutschen G. A.¬ Mitglieder zusammen. Die vorliegenden Anträge über weitgehende Zu sammenarbeit mit K. H., Palästinazentrale und Jugendorganisa tion> ferner zum weiteren Ausbau der sozialen Tätigkeit der Agudas Jisroel auf dem Gebiete der Landkinderhilfe sowie über die Schmiras Schabbos zu ergreifenden Maßnahmen, schließlich über die Durchführung der religiösen Ajuswandererberatung mit der Zentralstelle in Frankfurt;a. M. 'wurde dem neuen Landesvorstand zur Bearbeitung übergeben. Aus dem Berichte des Herrn Ehrentreu. Der Referent wies zunächst auf den organisatorischen Fehler hin, der darin bestand, der Landesorganisation die nun praktischen Aufgaben, die Arbeitsgebiete des Keren Hathora und der Palästinazentrale zu nehmen und so einen fast leeren Organisationsrahmen zu schaffen, der zwar auch noch gewisse Aufgaben hat, aber sie wesentlich leichter erfüllen könnte, wenn sie mit der praktischen Arbeit verbunden wären. Aufgabe dieser Tagung ist es, diese Verbindung der Organisation mit ihren Unterabteilungen, auch mit der Jugendorganisation, soweit möglich, wieder. herzustellen. Das Berichtsjahr kann als das Jahr des Beginnens erneuter Tätigkeit angesehen werden, nachdem leider in den vergangenen Jahren der Organismus fast völlig stagnierte. Wir haben heute wieder eine stattliche Anzahl von Ortsgruppen, in denen fast überall —: der Wille zur Arbeit besteht, in vielen auch schon wieder eine rege Tätigkeit entfaltet wird. Ein Mangel an Führern macht sich, wie überall, 'bemerkbar, aber m. G. H. wird es gelingen, jdie richtige Persönlichkeit zu' finden,, die hauptamtlich für die Organisationen tätig sein wird,, dann w£rdf daran zweifelt niemand, bald wieder agudistisohes Leben auch in die weniger regen Ortsgruppen einziehen. Es wurde auf die Wichtigkeit hingewiesen, omipw in den Mittelpunkt der Ortsgruppenarbeit zu stellen, wie es in Frankfurt in .Thora- und Mussargruppe geschehen ist.- Die Zusammenarbeit mit gleichgerichteten,,Organkationien wie, Freie Vereinigung sei von beiden Gremien ■ beschlossen worden, zunächst für einige Teilgebiete ' sozialer -'Tätigkeit. Es wurden sodann Maßnähmen getroffen, die organisatorischen' Aufgaben zur.rieg^ln/-' :ju ,{•.. ~ .' Einen-großen'Raum nahm die Behandlung des sozialen Bfliehtenkfeisender Landesp^anisation ein. Es imuß^heute.. cmeha-, (jdenn^ jei soziale Arbeit *. geleistet werden. *'DieXaii^e^>ir^aiiasaiiÖn hat in 'Frankfurt die Üandkihderhilfe eingerichtet. Kinder vom Lande werden hier einige Wochen in frommen Familien untergebracht und lernen-jüdisches Kehilloleben, und die Atmosphäre einer jüdischem .Schule kennen. i Ein weit erer. .Schritt... in . dieser Richtung war die Errichtung des, Beth Neorim, Schülerheim. Hier; werderi;'j£naben/ dWv.e&^'-^tt^che 'Schule besuchenwol-. ien>'vä®ä^n.- v^&fäitt^ti'geringes Einigelt in einem, unter pädagogischer Leitung Stehenden; Internat untergebracht Zum; L. Januar werden 12 Kinder, bis •TOB; voraussichtlich etwa 25, Aüfriahme finden. Jede ' größere Ortsgruppe müßte — eine dringende Forderung der Zeit — ein" solches Heim schaffen. Ferner ist'i im Zusammenhang; mit Schemiras Schabbos der Landesorgianisation wie den einzelnen Ortsgruppen ein reiches Betätigungsfeld gegeben, besonders was die Ärbeitsvermittlüng betrifft.' ' Ein weiteres Gebiet, da® schon begönnen, aber noch weiter ausgestaltet werden muß, ist die religiöse Au s w a n d e r e r b er a t u n g für Erwachsene, Familien und sogenannte Adoptionskinder. Der Referent wies mit besonderem Nachdruck daraufhin, daß uns zahlreiche mttBW verloren gehen, weil wir sie nicht rechtzeitig beraten, nicht rechtzeitig darauf hingeiwesen haben, daß am Ziel ihrer Reise die zum jüdischen Leben notwendigen Institutionen nicht vorhanden sind. Wir müssen ihnen mit, Rat und Tat beistehen, nach Ländern zu gelangen, wo sie jüdisches Leben, wo sie Freunde unserer Bewegung finden, die ihnen zur Seite stehen. Ueber '"Nt hat die Palästinazentrale referiert. Sache der Ortsgruppe ist es, die '"X-Komitees in ihren Schichten zu bilden, dafür Sorge zu tragen, daß jeder Einzelne erfaßt ist von der Liebe zum Lande, daß er die Notwendigkeit erkennt, unserer Jugend Boden zu beschaffen. Auf den Namen des Präsidenten der Agudas Jisroel, Jacob Rosenheim, soll neuer Boden erworben werden. Der Name sei uns Programm und Ansporn, die letzten Kräfte für dieses große Werk des thoratreuen Aufbaus von '"s zu geben. Ueber das Keren Hatorah-Ref erat wird in nächster Nummer ausführlich berichtet. III. Der Bundestag der Agudajugend in Blankenese. Zum ersten Male seit dem Umbruch versammelte sich die vereinigte Aguda-Jugend zu einem allgemeinen Treffen, das vom 25. bis 29. Dezember in Blankenese (Wilhelminenhöhe) stattfand. Es waren annähernd 250 Jugendliche aus allen, Teilen des Reiches erschienen. Das äußere buntbewegte Bild war überaus eindrucksvoll. Die Gesamtorganisation, die in Verbindung mit den rührigen Hamburger Freunden Adolf Kohn, Nürnberg in Händen hatte, war mustergültig. Und um gleich das Wichtigste vorwegzunehmen: der B. T. hat entscheidend dazu beigetragen, die innere Konsolidierung des Bundes zu stärken, die gegenseitige Annäherung der verschiedenen in ihm vereinigten Gruppen zu fördern und das jüdische Solidaritätsbewußtsein innerhalb der Jugend zu steigern. Die Einsatzbereitschaft für die von der Aguda-Jugend vertretenen Ziele und Ideale hat durch den Bundestag einen neuen, starken Antrieb erhalten. Die schlichte Eröffnungsfeier am ersten Vormittag bot der Aguda-Jugend Gelegenheit, sich erstmalig der Oeffentlichkeit zu repräsentieren und ihr die eigenen Ziele und Bestrebungen klarzulegen. Namens der Jugend sprachen hierzu Her-mann Auerbach und Josef Strauß, Hamburg, Rabb. Abr. Wolf als Bundesleiter, Rabb. K. Kahan, Fulda (in Iwrith), sowie Rabb. Elie Münk, Ansbach, der als Vertreter der Landesorganisaticn der ganzen Tagung beiwohnte. Mit"warmen " Worten der Begrüßung erfreuten Rechtsanwalt David als Vertreter der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg und Dr. Julius Möller als Vertreter der Hochdeutschen Israelitischen Gemeinde Altona und der dortigen Agudas Jisroel- Gruppen, die Versammlung. Die sehr würdige Feier war von Gesängen und Liedern der Jugend umrahmt. Die Tagung bot insof ern ein -getreues Spiegelbild der ^Gegenwart, als die dref Hauptprobleme, die sie bewegten, zugleich die aktuellen Grundfragen td'er«- gegenwärtigen Situation schlechthih^darstellen.' Das sind die Fragen, die mit;, der gei&tijgjen Neuorientierung, zusammenhängen,, mit der chaluzischen -Ausbildung der Jugend und mit^dem Verhältnis zu den anders eingestellten Kreisen. Hierbei kam es weniger darauf an, zu festen und endgültigen Beschlüssen zu gelangen, als vielmehr die Grundrichtung des Bundes zu klären.; Zum ersten diefser Punkte* 'wliifde':"in>^zahlrei- ©hen=Aussprachen und Referaten das starke Bedürfnis festgestellt, die -das jüdische Volk seit je: charakterisierende Geistigkeit unter keinen Umständen, unter den sozialen und materiellen Sorgen der Gegenwart leiden: zu ilassen. Selbst der Anspruch' auf Chaluzimarbeit könne diese oberste Aufgabe nicht in den Hintergrund drängen. Wenn allerdings die bis vor kurzem, typische Haltung des deutschen Judentums, die: mit dem Programm: Thora-im-Derech-Erez gekennzeich-