Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1936)
- Date
- 1936-01-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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6 Nr. 2 Der Israelit -9. Januar 1936 mit der übrigen jüdischen Bevölkerung Palästinas sich der Einführung des Legislative Council zu widersetzen, so ist dies nur ein Beweis dafür, wie groß die Befürchtungen sind, die alle Teile des jüdischen Volkes erfüllt haben, als es davon hörte, daß die Einsetzung einer Gesetzgebenden Versammlung in Palästina in dieser Stunde und in dieser Form vorgeschlagen werde, Wir haben das feste Vertrauen," so schloß Jacob Rosenheim, „daß durch ausdauernde Bemühungen noch eine Kooperation des arabischen und des jüdischen Volkes zum Wohl ihrer gemeinsamen Heimat Palästina zustande kommen kann." Ausgedehnte Verhandlungen galten der Zertifikatfrage. Der Waad hapoel beschloß, mit aller Entschiedenheit die Forderung an die Jewish Agency zu richten, der Agudas Jisroel im Minimum 10 Proz. der jeweils verfügbaren Zertifikate auszufolgen; auch dieser Prozentsatz entspreche nicht der Stärke der agudistischen Anhängerschaft und noch weniger der moralischen Rolle, die die religiöse Judenheit bei dem Aufbau Palästinas zu spielen habe. Keinesfalls aber könne sich die Agudas Jisroel künftighin mit nur 6 Proz. der ^Zertifikate" begnügen. Der weitaus größte Teil ^der Verhandlungen galt der Neuorganisation und der Propaganda des K e r e n Hajischuw, Die Verwaltung des Keren Hajischuw wird künftig völlig zentralisiert. Die oberste Leitung liegt in der Hand eines in London gebildeten Zentral dir ektoriums, das über sämtliche Eingänge des Keren Hajischuw in den einzelnen Ländern im Einvernehmen mit den Palästina-Zentralen, jedoch den Ländern gegenüber selbständig, zu verfügen hat. Die Direktorien und Vertrauensmänner des Keren Hajischuw in den einzelnen Landesorganisationen unterstehen unmittelbar dem Londoner Direktorium und sind diesem für die Ablieferung der eingegangenen Gelder verantwortlich. Die Zusammensetzung des Zentraldireiktoriums wird demnächst bekannt gegeben. Die Propaganda für den Keren Hajischuw in sämtlichen Ländern wind nach einem detaillierten Plan, der von der Tagung genehmigt wurde, mit größter Energie in Angriff genommen und der Eingang der * präliminierten Summen ist die Vorbedingung für den Zusammentritt der Kenessio Gedaulo. Weitere Gegenstände der Beratung und Beschlußfassung bildeten die Angelegenheiten der Poale Agudas Jisroel und der K i b b u - z i m in Erez Jisroel, in deren Ausbau und Förderung die Agudo-Exekutive die bedeutungsvollste Aufgabe' der Erez Jisroel-Tätigkeit erblickt, ferner palästinensische Organisationsfrazu dem Leo Baek ein Geleitwort geschrieben hat. Seit dem bekannten Werk von Abraham Berliner über die Juden in Rom haben wir wenig Geschichtliches aus dem römischen Ghetto zu hören bekommen. Die Schilderungen, Angaben und Dokumente reichen hier bis 1855. Daß der .Verfasser seine eigene Schreibart hat, zeigt schon der Titel, in dem dem Ghetto, für uns von jeher ein Neutrum, mit dem Artikel männlicher Charakter verliehen wird. Die K i n d e r beschenkt der ' Schocken-Verlag mit einem B i 1 d e r b ü c fr von Hermann f e c h e n - b ä c h. 22 farbenreiche Bilder sollen den ABC-Schützen die Buchstaben dies Olefbeth sinnfällig nahe, bringen.. Ein .vortreffliches Hilfsmittel für den Ansc'hauungsunterricht im Hebräischen für'die Anfänger/ Dem Buche'sind auch Tafeln1 beigegeben, die den 'Kindern: Gelegenheit 'zukn Nachzeichneil bieten.<>i, » Ausführliche Besprechungen behalten wir uns vor. Die Jiddische Literatur in Sowjetrußland.. . . , ■■■■ ■Einer im „Börsenblatt fu*i:4ea •de&ts.phea Buchhandel" veröffentlichten Abban|dlung üjjer. <Las; Y^r-' lagswesen der außerrussischen Völker der Sowjetunion ist zu entnehmen, daß im Jahre 1832 721 Druckschriften in jiddischer Sprache''gegenüber-38 im Jahre 1913 und 223 1927 im Bereiche: der Sowjetunion herausgegeben wurden. Einen Rückschluß auf den Niedergang der religiösen umd natdonaljüdischen Literatur lassen die unter „Tote Sprachen" (Griechisch, Alfjüdisch, KirchensJawischJi veröffentlichten Zahlen zu. Während für 1913 223 Druckeinheiten angezeigt wurden, sind es 1932 nur 12. , gen sowie 'die Weiterentwicklung von Mach a n e Jisroel und „Olam und Madhar". Zu den Keren Hathora - Angelegenheiten erstattete der neue Direktor des Keren Hathora, Rabbiner W. S. Jacobson aus Kopenhagen, eingehenden Bericht, woran sich eine ausgedehnte Debatte schloß. Hierüber bleibt Referat vorbehalten, ebenso über die Beratungen und Beschlüsse zur Frage der Rußland hilfe und in Angelegenheiten der Auswanderung und Ansiedlung deutscher Juden. Der Präsident des Board of Deputies über die Agudazertifikate. London, 4. Januar. Anläßlich der Tagung der Zentralexekutive der Agudas Jisroel in London veranstaltete die Agudas Jisroel-Organisation Eng 1 a n d s zu Ehren der ausländischen Delegierten einen Empfang. Den Vorsitz führte der politische Ehrensekretär der Weltorganisation, H. A. Goodman. Er stellte der Versammlung die Delegierten vor und wies auf ihre Verdienste um die Propagierung des agudistischen Gedankens hin. Der Präsident der Organisation, Jacob Rosenheim, habe schon im Februar 1920 in prophetischer Vision vorausgesehen, daß die Agudas Jisroel-Organisation einst von London aus geleitet werden würde. Dies sei nunmehr nach Verlegung der Leitung nach London der Fall. Jacob Rosenheim sprach zunächst Worte der Huldigung für England, das den Schwachen und Unterdrückten Gastfreundschaft gewähre, und fuhr dann fort: ,,Es ist; die Aufgabe; der Agudo, die gesamte Judenheit der heiligen Tradition unserer Vorfahren wiederzugewinnen. Diese Ueberlieferungen sind in den glücklichen Tagen der Emanzipation vernachlässigt worden. Aber die bedeutsamste und wichtigste Aufgabe unserer Zeit, der Aufbau Palästinas, kann nur durch Hingabe an unsere Tradition richtig bewältigt werden. Darum haben wir einen Weltkongreß für das nächste jüdische Jahr nach Palästina einberufen." Der Präsident des Board of Deputies of British Jews, Neville Laski, brachte zum Ausdruck, wie sehr die englische Judenheit der agudistischen Bewegung zu Dank verpflichtet sei. ,,Ich bin Jude genug,", sagte er, „um zu erkennen, wie sehr wir alle in der Schuld der agudistischen Bewegung stehen. Wenn manchmal die Agudo als intransigent hingestellt wird, dann denke ich immer an die große geistige Leistung dieser Bewegung. Wir in England waren bei der Erhaltung der tieferen Dinge des jüdischen Leibens mehr und mehr auf uns selbst gestellt, und wir verdanken es den polnischen Einwanderern, denen wenige englische Juden sehr fern stehen, daß wir darin überhaupt Erfolg hatten." Neville Laski wies sodann auf die drei Millionen Juden in. Rußland hin, 'die'" dem religiösen1 Judentum verloren gegangen sind, ^enii auch die Synagp-.; gen dort noch besucht werden,;:.so sehe marlon ihnen doch nur alte Menschen,; nicht aber dif Jugend,: Ein helles Bildbiete: Palästina. i „Es,, isT'züm Besteh Palästinas,"; erklärte iiMr.i Ilaski, ',Vdaß:,die Agüdö-Bey^egung gestärkt-wird} idenn ihre Bestrebungen sind 'durchaus gesund!. Sie\ ' meine Herren, baben Anspruch auf diese Zertifikate und ich hoffe, Sie werden den Ihnen zukommenden Anteil auch wirklich erlangen. Die Zertifikate solltennicht,, so' jfuhr Neville Laski fort, auf; einer .vpari^ijis^benL, B/asis: ge^eb-en ,werden, sonderndh gleicher. Weise; allen Mitgliedei-n der G'emeirischa^'ubiid es würde nicht im Interesse 7,der.: Judenheit in Palästina liegen' wenn Ihre Bewegung nicht e,ine entsprechende Menge von Zertifikaten erlangt." ,, ,. Der sephardische1 Oberrabbiner, Dr. M. G a.s - t 'er, wies auf die Leiden der Juden in den Ländern der Zerstreuung'" im.,und.. -Betonte die Notwendigkeit, die Kenntnis der jüdischen . Ge- * schichte zu verbreiten) aus der zu sehen sei, wie in der Vergangenheit Zeiten der Not durch die; messianische Hoffnung überwunden wurden. Die jüdischen ' Anstrengungen in Palästina müßten vervielfacht werden!: in einem Monat würden in der Welt mehr Juden geboren, als Palästina in einem Jahr aufnimmt. Getrennte Anstrengungen in verschiedenen Körperschaften sollten durch Kooperation ersetzt werden. ,,Wir müssen," sagte Dr. Gaster, „in Palästina ein politisches Zentrum schaffen, das sich gleich jeder anderen unabhängigen Nation an jedes Land, wo eine Judenfrage besteht, mit dem Ziele. soll wenden können, die Lösung dieser Frage 'herbeizuführen." Weitere Ansprachen hielten M. Müller, Paris, I. M. Lewin, Warschau, Dr. I. Breuer und Rabbiner W. I. Jacobson, Kopenhagen. In allen Reden wurde zum Ausdruck gebracht, welche Bedeutung der Agudo bei der Abwehr judenfeindlicher Tendenzen zufalle. IL Der Delegiertentag der deutschen Landesorganisation in Frankfurt a. M. Der diesjährige Delegiertentag der Landesorganisation der Agudas Jisroel hat die Erwartungen in vielen Beziehungen übertroffen. Nicht nur die stattliche Zahl der Delegierten, die die Voraussagen um ein Doppeltes überstieg, viel mehr der Arbeitswille, der sich in jedem Einzelnen kundtat, seine volle Bereitschaft, für Agudas Jisroel zu kämpfen, dies alles zeigte mit Evidenz, daß unsere Organisation jünger, lebensmutiger geworden, daß sie mit jugendlichen Kräften im Anstieg begriffen ist. Ein Kampfeswille nach, außen*; aberauch ein.: -Ringen; im Innern, das den Grabesfrieden der letzten Tagung zum Segen des Organismus, zur Erhaltung und Mehrung seiner Lebenskraft ablöste. Aus dem Willen zur Arbeit ergibt sich das Bemühen, den rechten Wegzu finden. Der Jude in Deutschland sucht. Seine Selbstsicherheit, die kritiklose Ueberzeugtheit von der Richtigkeit seines Weges ist dahin. Es entstand eine Problematik auch im* orthodoxen Lager. Man mag sie schelten, man mag der thoratreuen Judenheit Deutschlands tausendmal zurufen, sie habe keinen Grund zur- Umkehr, die Aufrüttelung ist -da, sie kann nicht wegdisputiert weiden. Ob mit Recht, ob zu Unrecht, das waren Fragestellungen, die den geistigen Inhalt der Tagung erfüllten. Die Jugend drängte auf Diskussion über *]*T7 DST ÜYin und die ältere Generation legte die Gegensätzlichkeit zweier Standpunkte bloß, ein Suchen, wie dies, früher , kaum denkbar war. Das Problem hat eine Aktualität und Kompliziertheit erhalten wie nie zuvor,. "»"8 harrt der Lösung einer Erziehungsäufgabe, die mit den Erfahrungen anderer Länder in Vergangenheit und Gegenwart keinen Vergleich zuläßt. Mit eindringlichen Worten wies Dr. Is. Breuer auf die Notwendigkeit hin, gebildete Arbeiterführer heranzuziehen, die ihrer Gefolgschaft die Begriffe ihrer Gegner auseinanderzusetzen 'und zu ^widerlegen vermögen. Aber in ebenso-' wirkungsvoll ör Wie : über z eugender Art gäbrder Vertreter des^ Raibbiniscnen Rates, Rabbiner' 4C u'rf's' t a' d t, seinenernsten jßefürchtun- '^eri■ Anäd^ückj es tc'6üki&: 4ick"iV*ft:.".,de'rdeutsche ^jguäEsti'sche'^^'ia'n''' ''in,;**K-fvon'-der Weisung der dortigen O^VTa entfernen, was <javrwie-allseitig betontwurdeiontemals^,;^^ weil es mit der Idee der Agudas Jisroel unvereinbar wäre. Ein Ringen um den Weg, ein Kämpfen um die altbewährte Fahne des deutschen. Judentums im Rahmen der ewig festgelegten. Verfassung der Thora/idasi'war Sinn und fZie! ..d^r .auf...hohem •Niveau stehenden ^Kulturdebatte" unserer Ta- ■•■ •-- :- ■■:;o;iT -kü; Mit ihr in Zusammenhang gebracht wurde die von dem Vorsitzenden der ' Landesopga^isation gegründete Thora- und Mussar-Institution,; die — weit entfernt, im Gegensatzizu^K *]T7 Dtt n*VHV zu stehen—die große, auf ganz anderem Gebiet liegende Aufgabe hat, "die-, Forderung der ßelbsterziehung r in den Mittelpunkt jüdischer Lebensauffassung zu . stellen und sie zum stärk-