Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1936)
- Date
- 1936-01-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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9. Januar "1936 Der Israelit Nr. 2 Seite 5 jah und erhalten ein paar tausend Zertifikate, die schon beinahe wie ein Hohn anmuten im Vergleich zu den Wünschen und der wahren Sachlage. Das ibdttere Gefühl steigert sich ins. Unermeßliche, wenn man. aus den überzeugenden Ausführungen im Warschauer „Togblatt" erfährt, daß die jüdischen Instanzen selbst, vor allem die Jewish Agency, durch Lässigkeit und Gleichgültigkeit diesen Zustand verschuldet haben. Es wurden von ihr zwar 11 000 Zertifikate verlangt, aber man merkte nicht die geringste Anstrengung ihrerseits, diesen Wunsch durchzusetzen,» so daß man von vornherein an dem Ernst ihres Verlangens zweifeite. Und dabei spiele nicht allein „der traditionelle Takt" der Jewish Agency auf Kosten des jüdischen Volkes mit, sondern, wie das Blatt nachweist, auch eine gewisse Rücksicht auf die Histadruth, die heute tonangebend in der gesamten jüdischen Palästinapolitik ist. Diese Histadruth .— sie hat es oft und offen genug in ihrer Presse ausgesprochen — möchte keineswegs die Aufnahmefähigkeit des Landes übertreiben. Es gibt Lohnkämpfe, es gibt Sonderinteressen, es gibt eine Parteipolitik, lauter Dinge, die der Arbeiterpartei viel wichtiger sind als die große Galuthnot in der Welt, und ein Wunsch der Histadruth ist den Spitzen der zionistischen Organisation heute Befehl. Hat Erez Jisroel, so fragt das Warschauer Blatt, heute ganz allein unter allen Ländern der Welt Anspruch auf höchste Prosperität und darf es, in der Befürchtung, die Hochkonjunktur könnte unter der Einwanderung weiterer Arbeits kräfte ein wenig leiden, seine Tore denen, die aus tausend Nöten in idie Heimat gejagt werden, schließen? Noch ist GsD. die Krise in Erez Jisroel nicht so groß, daß man zu solchen Schutzmitteln greifen müßte. Ein vorübergehender Rückschlag, mehr durch die äußere Weltpolitik herbeigeführt als in den inneren Verhältnissen begründet, ist schon wieder so gut wie behoben. Die geringe Arbeitslosigkeit nimmt wieder ab. Aber selbst wenn dem nicht so wäre, hätten wir dann das Recht, Brüdern den Zutritt zu Brot und Boden zu verwehren, weil unsere eigene Brotration dadurch vielleicht vorübergehend ein klein wenig geschmälert werden könnte? Im übrigen hat doch die Entwicklung in Erez Israel gezeigt, daß Krisenzustande nie durch Ueberfüllung, sondern durohMangelan Menschen und Arbeitskräften kamen. Letzten Endes 'dienen solche Einwanderungsbesohtänkungen für Juden ja nur den arabischen Interessen und gehen ndthin auf Kosten der A w o d a h Iwrith, die doch ein nachdem er ihn wiedersah, "i i»""'"irix "p'v weint er immernoch. Es ist auch einleuchtender, daß ein greiser Vater, der seinen totgeglaubten Sohn wiedersieht, weint, als der Herrscher eines Landes. S. Sp. Kleines Feuilleton, Mendele Mocher Seforim. (Zu seinem 100. Geburtstage.) Schalom Jakob Abramowitsch, in der jiddischen Literatur „Mendele Mocher Seforim" oder ./der Seide" (Großvater) genannt, wurde im Dezember 1835 in Podolien geboren und starb, 82jährig, am 18. Dezember 1917 in Odessa. Die jiddische und auch die Jüdische Literatur hat allen Grund, seinen hundertsten Geburtstag zu feiern. Gilt er doch wirklich als der Großvater der neuen literarischen Richtung im jüdischen Osten, (die dann durch seine „Enkel", vorab „Scholen! Alechem" und I. L. Perez ausgebaut und zur höchsten Entfaltung gebracht würde. Als die Has- Ttalah im Osten begann, hatte die schöne Literatur kaum einen Platz im neuen jüdischen Kulturbereiche, und wenn Skizzen und Novellen geschrieben wurden, <sp dienten sie samt und sonders der Polemik gegen die alterabbkusche Schule. So die scharfen Werke von Perez Smolenskdn, und zum guten Teile sogar auch die für die damalige Zeit künstlerisch vollendete Lyrik von J. L. Gordon. Abraham Mapu schenkte der jüdischen Welt einen biblischen Roman unter dem Titel TP* nans. dann aber wiederum Werke, dlie in ihrem poetischen Gehalte so. Dogma der Histadruth-Ideologie ist. Wie Will die Arbeiterpartei aus diesem1 Dilemma herauskommen? Es soll damit natürlich nicht gesagt werden, daß die Histadruth und die Jewish Agency, die heute ihre Exekutive ist, diese geringe Zahl, von Zertifikaten ausdrücklich gewünscht hätten und daß sie heute diese Reduzierung mit Freuden begrüßten. Es ist doch aber so, daß man den Maximalwünschen keinen Nachdruck verliehen | wenig boten, wie sich ihre kämpferische Tendenz aufdringlich hervortat. S. J. Abramowitsch war ein Künstler von großem europäischen Format, und darin war er ein neuer Stern in der jüdischen Literatur. Seine zwei großen Werke „Die Klatsche" und „Fisch'ke der Krumme" sind zwar auch nicht frei von politischer Tendenz, aber sie sind Kunstwerke ersten Ranges, 'die als erste 'den Stoff aus dem jüdischen Leben der kleinen jüdischen Welt schöpfen und in jüdische originale Form gießen. Seme Werke wurden in vielen europäischen Sprachen auch den Juden und Nachtjuden anderer Länder zugänglich gemacht. Dieser Mendele, der mit seinen Typen der Vorläufer jenes genialen Gestalters von „Tewje der Milchiger" war, soll, wie seine Biographen erzählen, bis zum gewissen Grade sieh viel Liebe für das alte Judentum, besonders aber für alles, was mit der Bibel zusammenhängt, bewahrt haben, und diese Einstellung brachte ihn in den letzten Jahren sogar in eine Oppositionsisteillung gegen Ach ad iHaam. Neue Schocken-Bücher. Zum bürgerlichen Jahreswechsel reicht uns der ungemein produktive Sc hocken-V erlag wieder eine ganze Anzahl von neuen. Ausgaben. . In Fortsetzung der Martin Buber'schen Bibelübersetzung ist „Das Buch der Preisungen" (Tehillim) erschienen. Das Buch bietet in der bekannten Ausstattung auf 276 Seiten sämtliche 150 Psalmen in der Verdeutschung von Martin Buber. Es teilt sich in fünf Bücher, .deren jedes 25—35 Psalmen umfaßt. In ähnlicher Ausführung präsentiert uns der Verlag eine neue Ausgabe von „Die Sagen der Juden" von Micha Josef Bin Gorion. Das umhat und daß man gegen die paar zugeworfenen Brocken keinen energischen und überzeugenden Protest erhebt. Und die jüdische Oeffentlichkeit ist im Momente durch die drohende Gefahr des Parlamentes von der Sache abgelenkt, obwohl sie an der Möglichkeit der Alijah unmittelbarer interessiert ist, als an der Gesetzgebenden Körperschaft, deren Tragweite für die Schicksale Erez Israels natürlich nicht übersehen werden soll. fangreiche Werk hat 787 Seiten und umfaßt die Zeit von der Schöpfung Iiis zur Rückkehr aus dem babylonischen Exil. Daß es die biblischen Berichte als „Mythen und Legenden" rubriziert, ist für unser Urteil über den jüdischen Wert, richtiger: Unwert des Buches bestimmend. „Das .siebenfache Licht" ist ein Lesebuch, da« Gestalten und Stoff des Judentums aus der deutschen Dichtung wiedergibt. Es hat Emanuel Bin Gorion zum Verfasser. Ein stattlicher Band von 390 Seiten. Der lyrische Teil umfaßt 8 „Reihen", wie es in der Sprache des Verfassers heißt. Der prosaische Teil bringt biblische Geschichten, Legenden und Anekdoten, 'einiges aus Schrifttum und Sprache, über Feste und Bräuche. So ziemlich alle Klassiker, die über biblische und jüdische Motive schrieben, sind im Buche vertreten. „Die Makkabaer", 'eine Darstellung ihrer Geschichte von Elias B i c k e r m a n n , die bis zum gewissen Grade auch eine Verteidigung der hellenistischen Kultur ist, rechtfertigt eine eingehende Besprechung, idie demnächst folgen soll. „Wege nach Z i o n " nennen sich die von Kurt Wilhelm zusammengestellten Reiseberichte und Briefe aus Erez Jisroel in drei Jahhunderten. Neben großen Juden, wie Dawid Dei Rossi (1535), Chajim Mosche Misrachi (1742), u. a. sind auch führende Karäer vertreten. Die Briefe sind gut übersetzt und übersichtlich geordnet, und es ist in mancher Beziehung nützlich, Erez Israel auch im Spiegel einer Zeit zu sehen, in der die Liebe zum heiligen Lande alle Gefahren des Weges über Wüsten und Meere überwinden Meß. Von gleichem Formate und gleichem Umfange (90 Seiten) ist das Werkchen „Der Ghetto und die Juden in R o m " von Ferdinand Gregorovius, Agudistische Tagungen, I. Die Tagung der Zentralratsexekutive der Agudas Jisroel in London. Ueber die Beratungen der Zentralexekutive der Weltorganisation Agudas Jisroel, an der sich Vertreter"aus England, Belgien, Frankreich,' Holland, Litauen, Oesterreich, Polen, Deutschland und der Schweiz (beteiligten, wird noch folgendes berichtet: Die Tagung beschäftigte, sich zunächst mit den durch die Verlegung der Zentrale der Agudas Jisroel-Weltorganisation nach London neu zu regelnden organisatorischen Fragen und nahm einen Voranschlag zur Finanzierung des Zentralbüros an, der im wesentlichen durch die Umlagen der Landesorganisationen gedeckt werden soll. Nach eingehenden Beratungen wurde beschlossen, die dritte Kenessio Gedaulo auf den Beginn des Jahres 5697 nach Jerusalem einzuberufen und diese Kenessio Gedaulo auszugestalten zu einer großen Bekenn t n i s t ia t der weitesten jüdischen Kreise, die an der Aktualität der Thora für das gesamte Leben des jüdischen Volkes und insbesondere an dem Aufbau des heiligen Landes festhalten. Jeder Jude, der sich zu diesem Gedanken bekennt und dem Bekenntnis durch Zahlung des Kenessio Gedaulo-Sela (1 sh) Ausdruck verleiht, soll Wahlrecht zur Kenessio Gedaulo besitzen. Für den Monat A w ist eine entweder nach B r a t i s 1 a v a öder nach Antwerpen einzuberufende S o n d e r k o n f e r e n z in Form einer erweiterten Zentralratssitzung in Aussicht genommen, in der die letzten Vorbereitungen für die Kenessio Gedaulo getroffen werden sollen. Zur Frage der Einsetzung des Legislat i v e Council für Palästina bekräftigte Herr Jacob Rosenheim die von dem Leiter der aguddstischen Organisation in Jerusalem vor dem High Commissioner abgegebene Erklärung, die sich gegen die Einsetzung eines Legislative Council im gegenwärtigen Augenblick ausspricht und in der die Weltorganisation Agudas Jisroel in Uebereinstimmung mit der allgemeinen jüdischen Auffassung darauf hinweist, daß ein solcher Schritt mit Gefahren verbunden wäre. Jacob Rosenheim führte zu diesem Punkte, nach einem Berichte der ITA. noch folgendes aus: „Obwohl wir die Bedeutung der Gewährung von Selbstverwaltung an uis Einwohner des Landes nicht unterschätzen — die Befragung der öffentlichen Meinung wurde von der jüdischen U eberlief erung stets als höchst bedeutsam angesehen —, sind wir auf Grund reiflicher Ueberlegung doch zu der Ansicht gekommen, daß in Palästina der Augenblick für eine derartige Verfassungsreform noch nicht reif ist. Zu unserem tiefen Bedauern ist es den Bemühungen der Regierung und der Juden noch nicht gelungen, unsere arabischen Nachbarn von den Vorteilen zu überzeugen, die die jüdische Ansiedlung dem ganzen Lande Palästina gebracht hat. Die Saat des Hasses unter ihnen hat auch jetzt noch nicht aufgehört; er dürfte in der letzten Zeit sogar künstlich vermehrt worden sein und es ist kaum daran zu zweifeln, daß die Früchte sich in dem Beratungszimmer des geplanten Legislative Council zeigen werden. Statt für das Gesamtwohl des Landes zu arbeiten, wird die Mehrheit der gewählten Mitglieder um die Einführung von Gesetzen kämpfen, die den Fortschritt der jüdischen Bemühungen hemmen und Hindernisse in1 den Weg des jüdischen Wiederaufbaus legen — eine Tendenz, die zweifellos den Wünschen der Regierung widerspricht. Ihren religiösen Auffassungen gemäß," fuhr der Präsident fort, „hat idie Agudas Jisroel den Willen der Regierungen, unter deren Schutz die Juden leben, stets respektiert. Wenn sie sich trotzdem jetzt genötigt sieht, gemeinsam