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Der Israelit · 1936-01-09 · Heft 2 (9.1.1936) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 2 (9.1.1936)
Date
1936-01-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 2 Der Israelit 9. Januar 1936 und den neuen Judengesetzan die Auswirkungen der Mendelssohn'sehen Aiifklärangsbewegung restlos liquidiert wurden, der wird auch heute nicht im Stande sein, Moses Mendelssohn anders .zu sehen als damals: also in falschem Lichte. In falschem Lichte sehen wirklich iheute noch Mendelssohn alle diejenigen, die ihn partout als Kronzeugen für ihre Ideologie bemühen möchten. Es mutet schon geradezu komisch an, wenn ein führendes zionistisches Blatt diese Woche Mendelssohn nicht nur in eine enge Parallele mit Herzl bringt, sondern sogar in Beziehung zur Balfour-Deklaration, ja beinahe ihn zum inneren Initiator des Nationalheimes stempelt, zu dessen offizieller Verkündigung oder Errichtung ihm nur die Kraft gefehlt hätte. Es handelt sich um einen Brief eines „Mannes von Stand", der Mendelssohn in die Hand gespielt wurde, und der ,,ein großes Projekt" und ein „kühnes Unternehmen" zur „Vereinigung seiner so sehr zerstreuten Nation" enthielt. Freilich .haben auch die eifrigsten Mendelssohn-Forscher bis jetzt nicht feststellen können, wer „der Mann von Stand" war und was das ganze Projekt und das kühne Unternehmen im Einzelnen betraf. Bekannt sei nur die Antwort auf diesen Entwurf, aus der, richtig gelesen, sich etwas für das Nationalheim herausholen lasse. Es soll ein politisches Projekt, eine große Idee gewesen sein, vom Eifer für die Toleranz eingegeben, die die Zukunft der Juden von Grund auf hätte ändern können. Zu seiner Verwirklichung war der nationale Trieb zur Freiheit und Tatkraft erforderlich. Der Geist der Vereinigung erforderte natürlich auoh große finanzielle Opferbereitschaft. Mendelssohn mußte den Plan für sich ablehnen, weil er sich und seinesgleichen die Verwirklichung nicht zutraute; aus einer Schwäche, die im Charakter seiner Nation begründet sei. Sie war nicht vorbereitet genug dazu, irgend etwas Großes zu unternehmen. Der Druck, unter welchem das jüdische Volk seit so vielen Jahrhunderten lebe, habe seinem Geiste alle Kraft genommen. So weit ungefähr das Blatt. Das Ganze ist reichlich mystisch, so lange man nicht weiß, wer der Mann von Stand war und worauf sich sein Plan bezieht. Daß es sich dabei nur um die Gründung des Judenstaates handelte, ist überaus unwahrscheinlich. Wenn man aus jenem mysteriösen Briefwechsel so viel von „Toleranz", „nationalem Triebe zur Freiheit", „Geist der Vereinigung" hört, so muß man schon eher auf kulturelle Bestrebungen nach der Richtung der Gleichheit und Angleichung schließen, die dem Wesen und Wirken Mendelssohns und dem Geiste der Zeit viel näher lagen als große internationale Pläne. Die Korrespondenz, wenn sie .authentisch ist, scheint ganz auf dem Ideengeleise zu liegen, auf dem sich früher oder später (es ist kein Datum angegeben) die Auseinandersetzung zwischen Mendelssohn und L a v a t e r bewegte, Mendelssohn als Prophet und Künder des Nationalheimes in Palästina! Nein. Mendelssohn, der Regenerator oder richtiger der Germanisator des deutschen Judentums, hatte andere Sorgen und Pläne. Daß Generationen von deutschen Assimilationsjudeii den Dessauer Sofersohn als ihren Apostel und Herold feierten, war gewiß nicht seine Schuld. Er war im Alltag Jude des Gesetzes. Aber er zeigte nicht den Weg von der Aufklärung zum jüdischen Hause, vom Judesein zum Mensohsein. Was Wunder, daß die Nachfahren, die das helle Licht der Aufklärung lockte, die Brücke nicht fanden und den Sprung über die gähnende Kluft zum jüdischen Hause nicht wagen konnten noch wollten. Ein Prophet, der spätere Entwicklungen voraussah und voraussagte?! Nein, gerade das war Moses Mendelssohn nicht. Denn ihm fehlte die Schau für die Entwicklung seiner Bewegung schon bis zur zweiten Generation. Zum schweizerisch-palästinensischen Wirtschaftsabkommen. Die Schweiz hat Ende November mit Palästina ein Wirtschaftsabkommen getroffen, das nicht nur für die Belebung der Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern von Bedeutung ist, sondern darüber hinaus als vorbildlich gelten kann für die Weiterentwicklung der palästinensischen Handelspolitik und für die Einstellung der zahlreichen Staaten zu Palästina, die in größtem Maße dorthin exportieren, ohne entsprechende Mengen von palästinensischen Waren abzunehmen. Es ist eine alte Klage, daß unter diesem Mißverhältnis die palästinensische Wirtschaft in unerträglicher Weise leidet, ohne daß es angesichts der Fesseln, die dem Mandatland Palästina auferlegt sind, bisher möglich gewesen wäre, hierin Wandel zu schaffen. Die Schweiz hat sich nun mit Palästina dahin geeinigt, darum bemüht zu sein, daß das Verhältnis zwischen dem Schweizer Export nach Palästina und dem Import von Palästina nach der Schweiz wie 1 zu 3 zu Gunsten der Schweiz sein solle. Das bedeutet, daß der Wert des palästinensischen Exports nach der Schweiz fortan mindestens ein Drittel des Schweizer Imports nach Palästina auszumachen hätte. Dies gilt für das Jahr 1936. Für die weiteren Jahre wird am. Anfang jedes Jahres von beiden Partnern das Verhältnis zwischen Export und Import für das Jahr festgelegt. Auf Grund des Abkommens hat der Schweizer Bundesrat Zollermäßigungen für palästinensische Grapefrucht und Orangen beschlossen und auch eine Erhöhung des Iniports einer Reihe anderer palästinensischer Produkte nach der Schweiz in Aussicht genommen. Man .sollte erwarten, daß das Vorgehen der schweizerischen Handelspolitiker auch bei anderen Staaten Verständnis und Nachahmung finden müßte. Es ist klar, daß ein Land, das wünscht, daß man bei ihm kauft, auch etwas, dafür tun muß, daß der Käufer zahlen kann und das ist nur denkbar, wenn diesem auch Exporte ermöglicht werden. Zweifellos wird auch die indirekte Wirkung des Abkommens auf die ganze Stimmung/ der kaufenden palästinensischen Bevölkerung der Schweiz zugute kommen. Auch dies ist ein Moment, das andere Regierungen ebenfalls an ihrer Wirtschaftspolitik gegenüber Palästina beachten müssen. Eine Enttäuschung in Zahlen. Die Bekanntmachung der E i n w a n d e - rungsquote in Palästina für das Halbjahr Oktober—April hat nicht die Aufregung hervorgerufen, wie man sie von früher her gewohnt war — nicht etwa weil die Enttäuschung kleiner war, sondern weil die Bekanntmachung in der hochgehenden Welle der Erregung über die Einsetzung der Gesetzgebenden Körperschaft ganz ertrank. Der Schmerz ob dieser spärlichen Zertifikatenzahl ist indes nicht weniger groß. 1-1 O'OO Zertifikate wurden für das Halbjahr von der Jewish Agency verlangt, noch keine 5000 wurden bewilligt. Nach Abzug der 1000 Vorschußzertifikate und weiterer 1200 für die „nachträglichen Aufenthaltsgenehmigungen" bleiben im Ganzen 2150 Eintrittskarten für die nach vielen Tausenden zählenden Palästinaanwärter aus den Kreisen der jüdischen Arbeiter und Ghaluzim in Polen, den anderen Ostländern, wie in Deutschland, die ihre einzige Rettung in. Palästina sehen. Also ein Blatt mehr im Kapitel der an Entrechtung grenzenden Benachteiligung" der jüdischen Interessen. Palästinas Juden erreichen zur gleichen Zeit genau das- Gegenteil von dem, was sie wünschen. Sie sind einmütig und mit guten Gründen gegen den Legislative Council in' diesem Zeitpunkt und dieser wird verkündet. Sie wünschen, gemäß dem Judenelend in der Welt und dem Arbeiterbedarf in Palästina, eine größere Ali- Sidra-Anleitung für die Esra-Pirche Agudas Jisroel. Wajechi. Erfüllt Jakob wirklich das, was er in K. 49, 1 verheißt? Sind die nachfolgenden Sätze eine Weissagung für die Söhne oder enthalten sie ihre Charakterisierung, oder sind säe beides zugleich, Charakterisierung und Verkündigung der Zukunft? InraD'noa'Oö »-» steht zu 49, 1: •ni'3»n uan np^flwi ]»a*n yp vaa^ mbib ap?> »p'a 'Vfi p psia» vk Ebenso in Raschi zur Stelle. Was bedeutet own n'iriK? Hirsch erklärt n'-inK im Gegensatz zu pp. dem absoluten Ende, als eine neue Periode, 'die nach Abschluß einer alten kommt, nö'ön min weist auf die Stellen im Tnach hin, in denen D»»'n f)'"inK in der Bedeutung von rp»»n mm vorkommt (Jeschaj. 2, 2 — Jechesk. 38, 16 — Hoschea 3, 5 — Micha 4, 1 — Daniel 10, 14). Versuche die Söhne Jakobs an Hand von Hirsch zu charakterisieren. Reuten: Die Darstellung Rubens durch Jakob Ast eine Begründung dafür, daß Reuben nicht die 'ihm eigentlich zustehende Führung des jüdischen Volkes erhält. Schimon und L e v i : Wie Hirsch erklärt, bedeutet das Wörtchen n»n» einen Vorzug. Sie hätten durch ihr unselbstisches Zusammenhalten die Möglichkeit der Führung gehabt. Ihre Handlungsweise widerspricht jedoch dem jüdischen Geist. J e h u d a : Juda, als Verkörperung der von Geist gelenkten Macht, ist würdig, das jüdische Volk zu führen. Hier ist eine deutliche Weissagung von D'tt'fl /i'irot Jisroels völkermessianische Aufgabe wird von Jakob verkündet. Sebulun und Issachar: Nachdem Jakob von der politischen Führung des jüdischen Volkes gesprochen ihat, geht er auf das Wirtschaftliche ein. Seinem Wesen entsprechend ist- Sebulun durch Seehandel und Jissachar idurch Landwirtschaft dafür bestimmt, für das Volk zu sorgen. Erzähle den Midrasch von dem Pakte zwischen Sebulun und Issachar, wonach der eine für 'die Ernährung sorgen und der .andere lernen sollte. Dan: Bei Dan, dem ersten Sohne einer Magd, muß Jakob betonen "> 'tsaw nn«a. Dan verkörpert die listige Klugheit. S. 18 bedeutet vielleicht, daß Dan nicht allzusehr" auf seine Schlauheit bauen soll. Gad: Gad ist der Gegensatz in der Methode der Bekämpfung der Feinde zu Dan, da er offen und mutig zurückschlägt, wenn er angegriffen wird. Beide sind gekenzeichnet in ihrer Stellung zur Umwelt. Ascher: Ascher ist der Typ des sich durch seine Erzeugnisse gut ernährenden Bürgers. Naptht'ali: Ebenso wie Ascher ist Naphtali durch seine Tätigkeit nach Innen charakterisiert. Er führt die Aufträge und Ideen der Anderen "gut und sicher durch. Josef: Nachdem die vier Söhne der Mägde kurz gekennzeichnet sind, verweilt Jakob länger bei Josef. Sein Wesen ist charakterisiert als Sohn Raheis, der Lieblingsfrau Jakobs. Die Besonderheit seiner Geburt und seiner Art trägt ihm Bitternis und Anfeindung ein. Sichert ihm allerdings auch* eine große Zukunft zu. Josef ist die Verkörperung des jüdischen Volkes. Benjamin: Bezeichnend ist, daß der schwächste und jüngste Bruder als der Befreier vom Erbfeinde erklärt wird. Vergleiche mit dieser Charakierisäeninig an Wajechi die von Wesaus Habrocho, ebenfalls an Hand von Hirsch. Bemerkung zu rw*m. (Kap. 46, Vers 29.) Joseph spannte seinen Wagen an und zog hinauf nach Goschen, seinem Vater entgegen. Als er von ihm gesehen wurde, fiel er ihm um den Hals und weinte an seinem Halse lange. Die Worte "]y>l j^B'n bezieht Raschi. auf Joseph. Dieser fiel seinem Vater um den Hals und weinte. Ti? ist mach dieser Deutung im Sinne von lange, anhaltend aufzufassen. Die Worte i'i>K i^fn scheinen jedoch überflüssig; selbstverstänidlich mußte Joseph seinen Vater gesehen haben, als er ihm um den. Hals fiel. iRambam erklärt daher den Vers auf folgende Weise: Als Joseph, mit dem königlichen Gewand und der Königskrone bekleidet, seinem Vater entgegenging, erkannte dieser ahn nicht. Die Augen. Israels waren dunkel vor Alter, er konnte nicht sehen, (fl'mna 48, 10j 'V« kti Da Joseph :von seinem Vater schließlich gesehen wurde, d. h. Jakob ihn erkannte, fiel er seinem Sohn um den Hals und weinte an seinem Hals noch. Während der 22 Jahre der Trennung hatte Jakob geweint, (Jwma 37, 35) jetzt,

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