Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1936)
- Date
- 1936-01-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Feuilleton-- Beilage Nummer 1 1936 ^ölaubefV Von Alice Landsberg in Wiesbaden, Die Zeit, ja die Zeit hatte ihnen alles geöomnieri: Sicherheit des- Heimes, Aussichten auf Gegenwart und Zukunft", alles Dinge van schwerwiegender Bedeutung.1 Eine Hoffnung hatte sie " noch aufrecht gehalten, an sie klammerte .man sich, doch brach, als-sei alles andere noch' zu wenig gewesen, ajuch. dieses Einzige noch zusammen. Was hätten sie getan, wenn Edith nicht gewesen wäre. :Ueberall brachte* sie Hoffinungsfreu de hin, zum Vater, der wie gebrochen dasaß und sich fragte, 'für was "er1 sriun ein Lebeir lang fleißig und aristänidigtebte; um nun als Jude verdammt und vom Unglück verfolgt zu .werden — die Mutter,i'-die',:sicih' unsirgendwelchen Grün- "denlieihbilde1fe, an älem schuld zu sein; bei ihr . . •1naife', Editfi^fcesoiiders' 'viel'" Mühe; um Trost anzubringen. Blieb noch der Bruder übrig, der in einem Winkel hockte und schwankte, ob es nicht besser sei . . . Edith störte ihn auf in diesen Gedanken, indem sie sich neben ihn setzte und ihn fragte: - . „Na und ich, muß ich nicht noch - mehr auf-, geben? Mach' ich ein Gesicht,-als wenn ich .jeden; Augenblick sterben mußte?■■■Wer sich, gehen, läßt,- verdient nicht, kämpfenzu dürfen . . .'!. _t - Dies und noch mehr sagte sie ihm, sie wußte nicht, fielen ihre Worte auf fruchtbaren Boden oder aber besann sich der junge Mann selbst auf seine Pflichten dem Leben; gegenüber, jedenfalls, hatte sie Erfolg mit ihrem vielseitigenpTrost >in* schwerer Zeit gehabt. Nur sich s:elbst vermochte sie nicht zu .helfen. Denn sie wartete, seit Tagen5 auf ein Lebenszeichen von 'jenem, >der sie^ Yoj dem Zusammenbruch des materiellen Glückesi anscheinend liebte und zur Frau begehrte. Felix war am Abend vorher noch ^bei ihr gewesen, sie hatten Pläne geschmiedet und waren leidlich froh geschieden. Ein Gespräch' über die : Stärke ndes jüdischen Menschen seinem Schicksal .gegenüber hatte sie kaum diese Nacht schlafen lassen. Dann •kam. die Bestätigung am ••'anderen' Tag, t.daß. sie - arm waren, daß zu seelischer Armut auch noch die materielle getreten war. Seit der : Stunde blieb Felix fern. Zwei -Tage vergingen, an diesem dritten' Tag, das fühlte sie, entschied sich ihr Geschick. Zuweilen - lehnte sie an der Wand, als habe sie nicht länger die iKraft, sich aufrecht zu 'halten, denn in ihr tobte und wütete; es,,und gar nicht so freundlich, wie ihr Gesicht aussah,.war es' in' ihrem Innern,- Getäuscht, verraten .um; scHnödes Geldr ktfeisohteiidi erinnere' Stimme -■- weil er zu" feige-»ist, ein.arjmes Leben neu ,mH Äi1 aufzubauen!' Sie,- die Trost für : jeden fiand, hatte keinen für sich;-Verachtung war -in ihr, \fäg:voiM&rv^^ mittag dieses verhänghisvolfe'n Wartens allein und mit sich kämpfend in ihrem Stübchen saß, malten sich ihr in. der irühen Dämmerung Bilder vor Augen, denen sie sich nicht zu verschließen (:^t£^ Manjti, r»ir/-4if,..ten,•"••wie» si(>- ilim " "crvrntf '™r-\i ' \t}Vt.dn"^ d&wrühht sie 4fc 'Skfpv »#JWW*l«n»t«*^ «-„->■?.' i < t, sehen sprachen; - - ■ ^>4^S^S«SJ!?*5*«j>j;jtsj|ij.t „Im Glaufee^i [isa^:e:.]eri'^ei dieser Gelegeji-, { ' Selbstbehauptiurtg, Wpr^riir.iißi';'£:6n^ntt ^därdjif an, welcher?Artv der. .Glaube ist . . ^^^^'^^^^^p^^'^fsa^l, ■ als in seinem sonstigen Leben. Denn in der Religion den festen Glauben an irgend etwas gewinnen, das fällt den meisten Menschen, gleich welcher Rasse, nicht so schwer, als gerade in menschlichster- Beziehung seine Glaubenskräft zu bewähren, und wenn es sich um das Kleinlichste dabei handelt!" Er schaute sie lächelnd an, denn er wußte, daß sie solche Wortfechtereien gern hatte. Wenn er ihr auch sonst gern recht gab, hier ließ er ihr nicht den Willen. „Ich spreche vom Juden," sagte er ernst, „nur vom Juden. Gewiß, andere Menschen anderen Glaubens vermögen genau so ,viel Kraft zum beharrlichen Glauben an irgend etwas zu bewahren; aber der Jude ist nicht so glücklich wie sie, denn im steten Kampf um sein Dasein, seine Existenzberechtigung, — seine Entrechtung selbst erschwert ihm den Weg und mindert ihm naturgemäß die seelische Kraft. Um'wie viel bewundernswerter" ist es, daß gerade bei den Juden so viel Glaubenskraft sowohl in religiöser wie auch, rein menschlicher. Beziehung zu finden ist. Es liegt eben im Juden, bedingungslos zu glauben und bei dem zu beharren, was er für sich von G';tt geschickt erachtet . . ." Sie preßte' die. Hände zu Fäusten. Das hätte er ihr gesagt, es ausgelegt und in ihr die unendliche Freude an seiner Anwesenheit geweckt, die ihr nur Glück und Freude brachte — um nun feige sich aus ihrem Leben zu stehlen! Sie zuckte plötzlich zusammen. ■ ' '"' „Glaube ist ein unbedingter Gehorsam, der nicht zu deuteln und zu zweifeln berechtigt ist." Sie stand auf, es litt sie nicht länger im Sessel. Wie konnte sie glauben, daß 'er nicht doch feige War? Weshalb kam er nicht, weshalb blieb er gerade jetzt fern, da sie arm war? Sie stand am . Fenster und schaute auf den vefrinnenden Tag. Es würde immer dunkler, immer mehr Schatten ' krochen hinzu, bald würde es ganz Nacht' sein. Wenn Felix , bei ihr gewesen wäre, er hätte die passenden Worte gefunden: Was ' nützte ■ alles menschliche Sein, wenn der Glaube nicht-^vorfanden wäre. Müßte man doch, wenn er nicht im Menschen läge, verzweifeln angesichts des verschwindenden Tages. Denn, sagt einem der Glaube denn nicht: Morgen, ja morgen kommt ein neuer Tag, eine Nacht wird folgen, aber G'tt sqhickt Leid und Freud in stetem -Wechsel, Tag und Nacht, gerecht und weise ..." Sie schlug die Hände vors Gesicht. :Nein, wer so zu sprechen vermochte, wer so dachte, war kein schlechter Mensch. Nur sie selbst war abtrünnig, indem sie verdächtigte, was gewiß 'keines Verdachtes würdig war. " Was der geliebte Mann von ihr erwarten dürfte, war doch der Glaube an ihn. Oder War sie eine so schlechte Jüdin, daß sie weder 'zum religiösen noch zum irdischen Glauben Vertrauen hätte. Als ihr die Arme wieder schlaff zur Seite fielen,; hatte sie überwunden. Sie wollte aft Felix glauben* ihm vertrauen . ."': Es war ihr, als wenn draußen erregte Stimmen laut würden*-. Eine Unruhe erfaßte? sie, die sie aus dem stillen' Zimmerchen in den Flur trieb. Sie fand; bei Mutter stehend, die Haushälterin Felix', idre alte Betmann, mit verweintem Gesicht, an das sie das Schnupftuch drückte. Halb erleichtert, halb erstickt hörte-sich ihre Stimme an, als sie nun auch Edith die schlimme Geschichte erzählte von" ihrem jrangen , Herrn, der leioÄWinnigerweise' mitdeinem Anfänger ,^utp "jgefafifreirr 1 war,: '❖eruä&lückte* und nun: rfanf^hem gebrochenen Fdß^herumdoktern mußte,-' i^acride|a er z^e'i'Ta'^e De^rnnun^o's inr Krankenhaus^gef&^en )habef' Nun ^öhimp'fö ^er sieiiioch sie vor der beglückenden Nachricht die Kraft des jüdischen Menschen in sich gefunden hatte, zu glauben an das, was gut im Menschen war. Nun dünkte sie alles Kommende, noch so Schwere und Lastende leicht und überwindbar, denn die Zukunft war belichtet mit diesem kleinen unscheinbaren Erlebnis, das sie zum wahren jüdischen Menschen stempelte, der alle Kraft zum irdischen Dasein aus seinem unbedingten Glaubem an G'tt und seinen Willen schöpft ... .fühlte.' sich nun'''tiitehidliicli gluckHtth/- hieihfc: weil ihr der'Geliebte wjfederge^feben war; sondern, daß. Israelitische Urgeschichte und alte Funde. Von San.-Rat Dr. A. Stern in Frankfurt a. M. Die Bibelkritik hat den Grundsatz aufgestellt, daß nur diejenigen historischen Berichte der Bi bei Vertrauen verdienen, welche durch andere zeitgenössische Dokumente, gestützt und glaubhaft, gemacht werden. Sie muß wohl öfter nach Prüfung der auf dem Boden der biblischen Geschichte;,gehobenen-archäologischen Funde Veranlassung gehabt haben, heute das anzuerkennen, was sie. gestern abgelehnt hat. Man'ihat von jeher unsre Ahnen zu den Nora a d e n gerechnet und gerne den heutigen wilden Wüstenbeduinen gleichgeordnet. Aber man darf Nomadentum nicht mit Halb nomadentum verwechseln. Halbnomaden aber waren unsre Ahnenstämme, wie auch alle anderen vorderasiatischen Völker nach Kittel (Gießen) nomadische Züge aufweisen. Halbnomaden haben feste Siedlungen. Sie treiben allerdings unter dem Zwange des Charakters von Landschaft und Klima ihr Vieh in der Zeit zwischen. Saat und Ernte oder nach, der/Ernte auf nahe oder entfernte brachliegende Futterplätze. So sehen wir ja auch Jakobs Söhne ihre, Herden auf den ihrer Siedlung in . Hebron (fernen nördlichen Bergtriften; von Sichern weiden. Im UebrjLgen war in jenen Zeiten in ganz Vorderasien ein ewiges Schieben der einzelnen Völkerschaften gegen- und untereinander, teils bedingt durch den Charakter des Landes, teils durch. das Vordringen europäischer und ägäisoher Völker von Westen her, von Völkern aus den Steppen Südrußlands und dem Waldgebirge Armeniens von Norden her und von Völkern aus der arabischen und Sinaihalbinsel von Süden her verursacht. Die Bibel berichtet, wie sich ein Stamm unter Abrahams Führung gegen 2300—2000 — zu einer Zeit, die heute im Lichte der Geschichte steht, — aus der mit alter Kultur gesättigten babylonischen Völkerfamilie losläßt, wie dieser Abraham sich von götzendienerischen Anschauungen : des Landes, sogar seines Katers. Terach und seiner eigenen Jugend: befreit, wie er — naoh Ansicht der Weisen — durch, eine begnadete Begabung für philosophische Naturbetrachtung und durch Forschen nach, , der Wahrheit sich eine 1 ethisch monotheistischie Weltanschauung aufbaut und hierfür eine religiöse ,(jrefplgs,chaft gewinnt. ' Sie erzählt*, wie dieser Sektierer Abraham, das iStadtkind aus. der. jetzt aus dem Schutt der Jahrtausende erstandenen Hauptstadt Ur in Chäldäa, in dem nördlicheren mesopötamischen, Haran seine Jugend verlebt, nach Kanaan auswandert, in ein; Land, .das,;nach zeitgenössischen Berichten!zu schließen,; .schon, damals eine, .überfeinerte Kultur aufwies und wie er dort sein 'Mannesälter verbringt. , -^.ls höchstes. ., Ziel ' menschlicher < Wünsche wjrd ihm (Jftjt, ,%bse^haftigfe'eif 'zugesichert.; Erpsejß|iaftigkeit, aber (ist,, kein Nöinädenideal. r.In Hebron, erwirbt er Grundbesitz. Isaak wohnt, als,JjJaoier,im s,äd^oh^eä:Beeir. Schefe^, während;: Jajkob auf seines. Großvaters Stammgüt. in Hebron siedelt, wo sein Sohn Josef von GeYreidegarfeen träumt. Getreidebau aber ist wiederum