Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1936)
- Date
- 1936-01-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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3. - Januar 1936 Der Israelit Nr. 1 Seite 11 -durchgeführt werden. Der Monat Schwat wird als Werbemonat für die LttibHnier Jeschiwa proklamiert. .Ein Appell wird an die Judenheit der Welt erlassen werden. Bei- Rat spricht der bisherigen Leitung der Jeschiwa wie auch der technischen Verwaltung Dank und Anerkennung aus. Einschreiten der polnischen Regierung zugunsten polnisch-jüdischer Hausierer in Belgien. Warschau, 26. Dez. Vor einigen Wochen wurde der Verein der jüdischen Kaufleute in Warschau durch die Nachricht , alarmiert, daß die belgische Regierung etwa 500 jüdischen Hausierern und Marktfahrern, die polnische .Staatsangehörige sind, das Recht zur weiteren Ausrübung ihres Gewerbes entzogen habe. Die Betroffejien seien samt ihren Familien durch diese Verfügung -Hunger und Elend ausgeliefert. Der Zentralverband vder jüdischen Kaufleute ersuchte daraufhin durch Vermittlung des Außenmimisteriums den polnischen .Konsul in Antwerpen um Intervention zugunsten der polnisch-jüdischen Hausierer. Wie dem Verband nunmehr vom Außenminisifcerium mitgeteilt wird, hatte .die Intervention des Konsuls Erfolg. Allen 500 Hausierern wurden neue Gewerbescheine ausgestellt. Der Warschauer Stadtrat hat einstimmig einen an ihn von antisemitischer Seite herangetragenen Vorschlag, ein Schächtverbot zu erlassen, abgelehnt. Dagegen :hat der Stadtrat beschlossen, für die Verbilligung von Koscherfleisch Sorge zu tragen, sowie dafür, daß nur eine dem Bedarf der jüdischen Bevölkerung entsprechende Menge von Schiachtvieh geschachtet werde. Dieser Beschluß, der auf Grund eines Kpmj)iomissesNder interessierten Kreise zustande gekommen ist, stellt imerhin eine schwere Beeinträchtigung .des jüdischen Fleischhandels dar. Man .erwartet, daß eine der Folgen des Beschlusses eine Preiserhöhung Jiichtrituell geschlachteten Fleisches sein werde. Der letzte Palästina-Auswanderertransport aus Polen in diesem Jahr. Warschau, 27. Dez. Vierhundert Palästinaauswanderer sind von Polen als letzter Tranisport des Jahres 1935 abgefertigt "worden. Der größte Teil der Reisenden bestand aus Auswanderern mit eigenem Kapital und nur ganz wenige reisten .auf Grund der letzten Arbeiter-Ein- "wanderungszertifikate. Den Auswanderern hat sich auch eine kleine Gruppe von Touristen angeschlossen. Das Warschauer Palästina-Amt hat von der Je- "wish Agency in Jerusalem die Weisung erhalten, vom 1. März 1936 an nur solchen Auswanderern Zertifikate zuzuteilen, die durch eine Prüfung 'die Beherrschung der hebräischen Sprache in Wort und Schrift nachweisen. Von dieser Prüfung sind nur Auswanderer der Kapitalistenkategorie, Touristen und von Palästinateinwohnern angeforderte Angehörige befreit. England. Lord Reading gestorben. London, 30. Dez. In seiner Londoner Wohnung ist Lord R e a di n'g am 30, Dezember, 4 Uhr nachmittags, im 76. Lebensjahr gestorben. Der Marquis of Reading, der ursprünglich R u f u s D a n i e 1,1 s a a c « hieß, war einer der bedeutendsten Juristen Englands und hat als Politiker und Staatsmann eine Laufbahn von seltenem Glanz vollendet.-1904 wurde er als liberaler Abgeordneter in das Parlament gewählt, 1910 wurde er Solicitor-General, 1910 bis 1913. war er Generalstaatsanwalt und erhielt 1912 als erster in dieser Eigenschaft einen Sitz im Kabinett, 1913 bis 1921 bekleidete er das. Amt des Lord-Oberrichters von England. 1914 erhielt er die Peerswürde mit dem Titel Lord Reading, 1916 den Titel eines Viscount, 1926, nach seiner Rückkehr aus Indien, wo er seit 1921 Vizekönig und Generalgouverneur war, wurde er zum Marquis ernannt. Als V i z e k ö n i g von Indien hat er unter außergewöhnlichen Schwierigkeiten den Reformplan für die Selbstverwaltung Indiens durchgeführt, der von seinem Vorgänger Lord Chelmsford und dem Staatssekretär für-Indien, Edwin S. Montagu, der ebenfalls Jude war, ausgearbeitet worden war. Im vergangenen Jahre wunde dem Marquis of Reading, der kurze Zeit auch das Portefeuille für auswärtige Angelegenheiten innehatte, die Würde eines „Lord-Hafenmeisters der fünf Häfen" verliehen. Während des Krieges war er als außerordentlicher englischer Botschafter in besonderer Mission nach den Vereinigten Staaten entsandt worden. Die Woche. Köln. Den hebräischen Sprachunterricht an dem Kölner jüdischen Reform-Realgymnasium Jawne hat D. S. Makhub, ein Jemenite aus Jerusalem, übernommen. Der neue Lehrer ist wohl der erste in Deutschland, der diesem Zweig der Judenheit entstammt. Er hat sechs Jahre an den Universitäten Jerusalem und London studiert. Amsterdam. Die Amsterdamer Aschkenasimgemeinde führte jetzt aus Anlaß ihres dreihundertjährigen Jubiläums zum ersten Male Jugend g'ttesdienste im den Gemeindesynagogen ein. An den ersten G'ttasdiensten nahmen 3000 Jugendliche teil. Warschau. Der Stadtrat von Tomasz o w nahm auf Antrag des jüdischen Stadtverordneten Landsberg eine Entschließung an, in der einmütig ige gen die judenfeindlichen Ausschreitungen im Lande protestiert wird. Dagegen wird bekanntgegeben, daß ein Beschluß des Stadtrates von K i e 1 c e zur Einführung des Arierparagraphen in der Kommunalverwaltung vom Wojwoden des Kreises als verfassungswidrig a u f g e h o b e n wurde. — Die nationaldemokratische Partei in Polnisch- Oberschlesien ist samt ihren Zweigorgani- sationen behördlich aufgelöst worden, da sie für die jüngsten judenfeindlichen Ausschreitungen in diesem Gebiet verantwortlich gemacht wird. Kowno. Der Minister des Innern, der Finanzminister und der Bürgermeister von Kowno veröffentlichen eine gemeinsame Erklärung, in der die von der antisemitischen Vereinigung litauischer Kaufleute „Verslininki" getriebene chauvinistische judenfeindliche Propaganda verurteilt wird. In der Erklärung wird darauf hingewiesen, daß die Politik der litauischen Regierung auf Toleranz und Rechtsgleich- B heit aller Bürger gerichtet sei. Lodz. Auf dem jüdischen Friedhofe von Lodz wurden von bübischer Hand mehrere Gräber ge- - schändet. Die Täter blieben unbekannt. London. König Georg V. hat an die jüdischen Kriegsteilnehmer, die in London unter dem Vorsitz von Neville Laski zu einem Chanukah-Bankett vereinigt waren, ein in herzlichen Worten gehaltenes Begrüßungstelegramm gerichtet. Paris. Am 22. Dezember fand in Paris eine von der Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus! veranstaltete Kundgebung gegen die judenfeindlichen Ausschreitungen in Polen und Rumänien statt. Saloniki. Die Führer der Venize- 1 o s - P a r t e i veröffentlichten eine Erklärung, in der sie den Gerüchten entgegentreten, als erstrebte sie die Wiedererrichtung desgetrennten jüdischen Wahlkatasters. Sie wolle mit allen, auch mit den Juden, in Frieden leben. Jerusalem. Zum musikalischen Leiter des palästinensischen Rundfunkes wurde Kurt S a I o m o n , ein aus Deutschland eingewanderter Jude, ernannt. Zum Leiter der „Hebräischen Stunde" des Rundfunks wurde der frühere Regisseur der Berliner Volksbühne, Elieser Lubrani, ernannt. — In der Kolonie R a ananah veranstalteten die jüdischen Arbeiter einen achtundvierzigstündigen Streik als Demonstration gegen die Beschäftigung von nichtjüdischen Arbeitern durch jüdische Landwirte. — Die Histadruth plant die Errichtung einer neuen Wohnsiedlung für Arbeiter in der Nähe von Jerusalem. Tel Awiw. An dem traditionellen Chanukaf ackelzug nahmen 8000 Kinder teil. Vom Turm der Irijah leuchteten die Chanukahlichter in die Straßen. New York. Nach längerer Krankheit ist in New York der bekannte jüdische Philanthrop Lewis S t r a a s im Alter von 66 Jahren gestorben. Straus gründete das Hospital for Joint Diseases in New York und war Leiter des Newarker jüdischen Waisenhauses. — Zum Chanukahfest verbreiteten die New York Broadcasting Corporation als Hörspiel eine dramatisierte Fassung der Makkabäer-Geschichte. Lord Reading entstammte einer alten sephardischen Familie. Seine Erziehung genoß er in Brüssel und Hannover und betätigte sich, nachdem er zwei Jahre lang als Schiffsjunge auf einem Handelsschiff Reisen durch die ganze Welt gemacht und hierauf Studien an der Pariser Universität absolviert hatte, im Geschäft seines Vaters. Später wandte er sich dem Bankwesen zu. Nach Beendigung seiner Universitätsstudien erhielt er eine untergeordnete Stellung am Londoner Polizeigericht, aus der er sich in gemeinsamer Arbeit mit dem. Rechtsanwalt und Führer der Ulsterleute Carson bald zu einem der angesehensten Juristen emporarbeitete. Im jüdischen öffentlichen Leben hat Lord Reading, der zwar bei jeder Gelegenheit seine Zugehörigkeit zum Judentum mit Stolz hervorhob, aber leider nicht zum Judentum von Thora und Gesetz hielt, ebenfalls eine bedeutende Rolle gespielt. Bis 1921 war er Vizepräsident der Anglo Jewish Associaton. 1926 wurde er Vorsitzender des Direktoriums der Palestine Electric Corporation. Die Notwendigkeit der Neugestaltung der Äuswandererfürsorge. London, 29. Dez. Der Völkerbundsoberkommissar für Auswandererfürsorge, James G. M a c D o n a l d , der sich vor kurzem in 'die Vereinigten Staaten zurückbegeben hat, begründet in einem vom 27. Dezember datierten Schreiben an den Generalsekretär des Völkerbundes seinen Rücktritt. Dieses Schreiben, dem eine umfassende Darstellung der die Auswanderung von Juden aus Deutschland bedingenden Verhältnisse angefügt ist, erschien soeben als ein 44 Folioseiten umfassendes Memorandum im Druck. Nach einem Hinweis auf die gesetzlichen und verwaltungsmäßigen Maßnahmen in Deutschland und auf die Grundsätze des Minderheitenschutzes wird zusammenfassend erklärt, daß alle Bemühungen privater Organisationen und einer Auswandererhilfsorganisation des Völkerbundes das immer schwerer und komplizierter werdende Problem bloß mildern könnten. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen in der Weit haben die europäischen Länder und sogar die überseeischen Länder nur eine begrenzte Aufnahmefähigkeit für Einwanderer. Wenn eine Katastrophe verhütet werden soll, dann müßten Völkerbundsrat und Völkerbundsversammlung, die nach dem Völkerbundspakt befugt seien, sich mit allen im Tätigkeitsbereich des Völkerbundes liegenden oder den Weltfrieden berührenden Angelegenheiten zu befassen, an die Wurzel des Problems herangehen. Der Palästina-Aufbau und Englands Machtposition im vorderen Orient. — Eine Ansprache Lord Strabolgis. Lqndon, 25. Dez. Bei dem Bankett, das aus Anlaß der Eröffnung der Dr. Schönfeld'schen orthodoxen höheren Mädchenschule letzten Montag veranstaltet wurde und zu dessen Ehrengästen Lord Strabolgi zählte, hielt dieser bekannte Parlamentarier ein Ansprache, in der er darauf aufmerksam machte, daß England es der Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina zu verdanken habe, wenn es heute in Haifa einen sicheren Stützpunkt für seine Flotte besitze. Der Redner wies auf die Angriffe hin, die in früherer Zeit von sehr einflußreicher Seite gegen das Palästinamandat gerichtet worden waren. Diese Angriffe, erklärte er, wurden abgewehrt und das Aufbauwerk in Palästina ging ununterbrochen weiter. Jeder Jude kann angesichts der dort vollbrachten großartigen Leistung stolz sein Haupt erheben. Lord Strabolgi wies sodann auf die kritische Situation im Mittelmeer hin. Wenn auch keiner seiner Freunde von der Flotte beunruhigt sei über einen etwaigen italienischen Angriff, so könnte doch Malta bei einem solchen Angriff gefährdet werden. Die Hauptkräfte der englischen Kriegsflotte seien nach dem östlichen Mittelmeer abgegangen. Aegypten sei in Aufruhr. So sei Haifa die wichtigste Flottenbasis im Mittelmeer geworden, (geschützt von einer von Zionisten aufgebauten 'großen Stadt. Palästina sei nunmehr der Schlüssel des Mittelmeers, und wenn es zu Wirren käme, würden es die Erbauer Haifas