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Der Israelit · 1936-01-03 · Heft 1 (3.1.1936) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 1 (3.1.1936)
Date
1936-01-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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3. Januar 1936 Der Israelit Nr. 1 Seite 9 den. Man zeige nicht auf den Osten, denn auch dort sei nicht alles so in Ordnung, Redner erinnert zu letzt noch einmal daran, daß die Agudas Jisroel in Deutschland entstanden sei und daß zu ihrer Ver breätung heute mehr denn je Menschen notwendig seien, die durch die Schule von Rabb. S. R. Hirsch gegangen sind. Aus dem Palästinareferate des Herrn Dr. S. Ehrmann, Herr Dr. S. E h r m a n n führte im Wesentlichen -folgendes aus: Die Palästinaarbeit der Aguda sei unabhängig von günstigen oder ungünstigen Zeiten. Die Aguda habe seit ihrem Bestehen stetig ohne Rücksicht auf Konjunktur das eine Ziel im Auge gehabt, in Erez Jisroel 'das Abbild der jüdischen Gemeinschaft, beherrscht von der Thora, aufzubauen. Redner gibt einen kurzen Ueberblick über die Haupttätigkeit in Erez Jisroel. ' Die Stellung der Aguda zum Legislative Council zeige mit 'der Rede von Mosche Blau und Erklärung der Aguda beim allgemeinen Empfang beim High Commissioner zwargemeinsame jüdische Front, aber keineswegs Anschluß an die Luzerner Erklärung, sondern eigene Note. In der Zertifikats-Angelegenheit sei Agudas Jisroel bereit, in die Jewish Agency einzu treten, wenn kein areligiöser Ghinnuch und keine . Religions-Verletzungen im Wirtschaftlichen durch Mittel der Jewish Agency gefördert werden. Da dieses nicht akzeptiert wurde, blieb man draußen, was aber keineswegs Verzicht auf Zertifikate bedeutete. Die Regelung erfolgte durch Druck der Regierung nach der Anzahl der aguidistischen Hach schärfsten, bis jetzt ca. 10 iProz. Im vergangenen Jahre " erhielt die Aguda in Deutschland ca. 160 Zertifikate, gewiß zu wenig, aber erfreulich als -Zeichen, daß ge nügend junge Menschen ausgebildet wenden. Vorbe dingungen sei Jeschiwabesuch oder sonstige religiöse Ausbildung, Dasi Gerücht, .daß liberale Kreise durch Kereh Hajischuw Zertifikate kaufen könnten, sei falsch, wohl aber sei eine Vereinbarung getroffen, daß eigene religiöse Lehrgänge für diese Kreise ein gerichtet werden. Als Mitglied des Noar Agudati ist jeder gleichberechtigt. Die Notwendigkeit solcher religiösen Lehrkurse, um deutsch-jüdischer Jugend Wissen zu vermitteln, sei auch, abgesehen von Palästina, nötig und eigentliche Aufgabe der Landes Organisation. In Sachen der Jugendalijah erinnerte der Redner an die Abmachungen mit Miß S z o 1 d, daß eine agudistische Jugendalijah auf eigenem Boden des Keren Hajischuw, nach eigenem Programm und von eigenen Lehrern durchgeführt werden soll. Hier in Deutschland stehen ähnliche Abmachungen mit der allgemeinen Jugendalijah bevor. Gelder von Agudisten und Gaben für-die Jugendalijah seien-mit dem Vermerk „für agudistische Jugendalijah" zu versehen, damit sie nicht für unreligiöse Jugendalijah verwendet werden, Gelder für Bodenkauf für Jugendalijah nur an „Palästina-Zentrale" resp. „Keren Hajischuw" zu senden. In- Gedera seien in. diesem Jahre 60 Dunam Boden gekauft worden, weitere 90 Dunam werden demnächst gekauft. In Kf ar Salba gab es wohl Streitigkeiten zwischen den alten und 'den neuen Poalim, so daß 12 der Poalim nach Ranana gingen und sich dort eine eigene agudAsitiische Arbeitergruppe schufen, inzwischen ist aber wieder Friede geschlossen worden. Ferner wurde Boden von „Olam und Mada" mit 2500 Dunam in endgültigen Besitz der Aguda, dank der Arbeit von Rechtsanwalt Dr. Buxbaum, gebracht. Auf die Kulturarbeit der Agiuda in Erez Jisroel übergehend, nannte Redner die Choreb-Schule mit ca. 130 Kindern, sodann das gesamte Schulnetz. Die Mädchenschule Tiberias steht unter jüdisch-deutscher Leitung. Kindergärten befinden sich in Tel Awiw, Jeinusalem, Rechowoth, Betach Tikwah, Tiberias und Haifa. Der Redner fordert alle auf, für jüdische Politik, für jüdische Wirtschalt, für jüdische Kultur in Erez Jisroel im Thorasinne zu arbeiten. Er stattet Dank an den Noar Agudati ab, der in seinen Kachscharastellen Außerordentliches leistet und -worüber noch in einem eigenen Referat berichtet werden soll. Dem aufschlußreichen Referate folgte eine ausgiebige Diskussion über Erez Jisroel, wöbei auch das Verhältnis der Palästina-Zentrale zum R$F. im einer gründlichen Aussprache geklärt wurde. Es setzte dann eine Kultur de hatte ein, deren hohes Niveau, trotz des stellenweise scharfen Aufeinanderpralls der Meinungen, alle im Banne 'hielt. Am Montag yorinittag begannen die Verhandlungen mit einem ausgiebigen und übersichtlichen Referat über die Arbeitendes Keren Hathora vom Vorsitzenden des K. H., Herrn Henry iP e 1 s in Hamburg. Es schloß sich ein Bericht des Herrn Dozenten J. Ehrentr eu über die Arbeiten u n d Pläne 'der Landesorganisation der Agudas Jisroel an. In einem Korreferate behandelte Herr Rabb. Abraham Wolf das Verhältnis der Lan- "desorganisation und der Ortsgruppen zu den Jugendgruppen, In der Naqhmittagssitzung vom Montag refeirerte Herr Herbert Sonn über die Aufgaben und Arbeiten des Noar Agudati. Die weiteren Verhandlungen brachten Aussprachen über die wichtigsten Organisationsfragen, Anträge und Beschlüsse. Die Wahlen ergaben folgendes Resultat: Sitz des Vorortes der 'Landesorganisation bleibt Frankfurt a. M. Alle bisherigen Mitglieder des Vorstandes der Landesorganisation werden wiedergewählt. Hinzugewählt werden die Herren Felix Beifuß und Fritz Stern. Außerdem werden im Vorstand der Land es Organisation von nun ab Sitz und Stimme haben: als Vertreter des Keren Ha thora Herr Henry Pels, Herr Kaiman K a h a n aus Fulda als Vertreter der Jugend, ein noch zu ernennender Vertreter der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel. Es werden außerdem Vertreter der sieben größten Ortsgruppen der Agudas Jisroel in Deutschland dem Vorstand der Landesorganisation angehören. Ausführlicher Bericht über die Montagsverhandlungen folgt in der nächsten Nummer. Korrespondenzen, Deutsches Reich. Ausbau des Hilfsvereins der Juden in Deutschland, Berlin 27. Dez. Vor kurzem fand unter Vorsitz von Herrn Max M. W a r b u r g eine gut besuchte Sitzung des Kuratoriums (des früheren geschäftsführenden Ausschusses) des Hilfsvereins der Juden in Deutschland statt. Nachdem der Vorsitzende des verstorbenen Beamten des Hilfsvereins, Herrn Arthur Goldschmidt, gedacht hatte, erstattete Dr. Wischnitzer einen Bericht über die Tätigkeit des Hilfsvereins, die besonders seit Erlaß der Nürnberger Gesetze an Umfang und Intensität stark zugenommen hat. Die Zahl der Beratungen ist jetzt wieder so hoch, wie sie in den Sommermonaten des Jahres 1933 war, d. h. sie beträgt monatlich 4000 oder mehr. Die finanziellen Aufwendungen für die Auswanderer, die zurzeit ganz übemviegend in überseeische Länder geleitet werden, sind von 25.000 Mark im September aui 46.000 Mark im Oktober und 66.000 Mark im November angewachsen (abgesehen von den Zuschüssen der Gemeinden im Reiche), desgleichen die Zahl 'der beförderten Auswanderer von 204 im September auf 300 im Oktober und über 400 im November. Außerdem wanderten viele in diesen Monaten aus, die nur die Beratung des Hilfsvereins, jedoch keine finanzielle Unterstützung beanspruchten. Zurzeit bemüht sich der Hilfsverein durch Schaffung eines Garantie-Fonds den Auswanderungswilligen, die ohne Hilfe ihr Auswanderungsvorhaben nicht ausführen können, weil sie nicht die als Landungsdepot benötigte Summe besitzen, die Durchführung der Auswanderung zu ermöglichen. Die Vorbereitungen für die Auswanderung der Familien, die in den landwirtschaftlichen Kolonien der Jewish Colonisation Association (Ica) angesiedelt werden sollen, ma-> chen Fortschritte; 20 Familien treten die Ueb erfahrt an (inzwischen sind die meisten von ihnen abgereist). Ferner werden zusammen mit .der Reichs Vertretung 65 junge Leute ausgesucht, die vorerst als Landarbeiter nach Argentinien gehen und später ihre Eltern und Geschwister nachkommen lassen sollen. Wenn diese jungen Leute sich bewährt haben, sollen also weitere 65 Familien sich in den Kolonien der Ica niederlassen können. Dr. Wischnitzer berichtete ferner 'über verschiedene andere überseeische Auswanderungamöglichkeiten, denen freilich noch gewisse Schwierigkeiten entgegenstehen. Den gewaltig .gestiegenen Anforderungen der letzten Zeit begegnet der Hilfsverein durch einen starken Ausbau seines' Apparates und die Hinzuziehung neuer Kräfte. Im Reiche werden 13 Beratungsstellen zu den schon bestehenden beiden in Hamburg und Bremen hinzukommen, und zwar in Breslau, Königsberg, Stettin, Leipzig, Köln, Hannover, Kassel, Essen, Frankfurt, Mannheim, Karlsruhe, Stuttgart und München. In das Kuratorium (den früheren geschäftsführenden Ausschuß) wurden neu gewählt die Herren: Justizrat Dr. Julius Brodnitz, Ministerialrat a. D. Dr. Otto Hirsch, Dr. Leo Löwenstein, Rechtsanwalt Dr. Julius L. Seligsohn, Dr. Herbert Schönfeldt. Zweite Verordnung zum Reichsbürgergesetz. Berlin, 23. Dez. Das Deutsche Nachrichtenbüro teilt mit: Der Reichsminister des Innern hat eine zweite Verordnung zum Reichsbürgergesetz erlassen. Sie stellt klar, welche jüdischen Personen als Beamte und Träger eines öffentlichen Amtes im Sinne des § 4 der ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz anzusehen sind. Die Verordnung bringt ferner für jüdische Beamte, die ohne Versorgung ausscheiden, und für gewisse Gruppen von jüdischen Trägern eines öffentlichen Amtes, wie z. B. die Notare, denen die Gebühren selbst zufließen, die Möglichkeit, bei Würdigkeit und Bedürftigkeit Unterhaltszuschüsse zu erhalten. Ebenso wird jüdischen Beamten ohne Versorgung und den genannten Notaren die Möglichkeit der Kündigung ihrer Wohnungen eröffnet, wie dies seinerzeit bei Durchführung des Berufsbeamtengesetzes geschehen ist. Die Verordnung bestimmt schließlich, daß Juden leitende Aerzte an öffentlichen Krankenanstalten sowie freien gemeinnützigen Krankenanstalten und Vertrauensärzte nicht sein können und mit dem 31. März 1936 aus ihren Stellungen ausscheiden. Regelung des jüdischen Sportbetriebes in Deutschland. Berlin, 24. Dez. Der Reichsaussc'huß der jüdischen Sportverbände teilt mit: In dem Bestreben, die jüdischen Sportvereine in Deutschland einheitlich zu organisieren, ist es den beiden im. Reichsausschuß jüdischer Sportverbände zusammengefaßten Organisationen — Deutscher Makkabi-Kreis e. V. und Sportbund des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten — nach einjähriger Arbeit gelungen, bis auf geringe Ausnahmen sämtliche jüdischen Turn- und Sportvereine in einem der beiden Verbände zu vereinigen. Um der Verantwortung, die der Reichsausschuß jüdischer Sportverbände gegenüber der Deutschen Sportbehörde und dem jüdischen Sport in Deutschland übernommen hat, nachkommen zu können, und um die allgemein im Sport 'geltenden Regeln auch auf den jüdischen Sport anzuwenden, hat der Reichsausschuß jüdischer Sportverbände folgenden Beschluß gefaßt: 1. An Wetfkämpfen der Verbands ver eine oder der von den Verbänden gebildeten Spielgemeinschaften, die ihrem Charakter nach ausgesprochene Verbandsveranstaltungen sind, d. h. an Meisterschaften und Rundenspielen, können nur diesen Verbänden angeschlossene Vereine oder deren Mitglieder teilnehmen. Das Gleiche gilt für die Inanspruchnahme von solchen Errichtungen, die^diese beiden Verbände für ihre eigenen Mitglieder getroffen haben (z. B. Sport- und Leistungsabzeicheh). 2. Um jedoch denjenigen Vereinen, die weder dem Deutschen Makkabi-Kreis noch dem Sportbund des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten angeschlossen sind, auch weiterhin Gelegenheit zu Wettkampfmög-

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