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Der Israelit · 1936-01-03 · Heft 1 (3.1.1936) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 1 (3.1.1936)
Date
1936-01-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Januar 1936 Der Israelit Nr. 1 Seite 7 Wochenrundschau, ( .. ,1 i,- ' . . : ' : '•.;.':..■>• „Bedrohte Rechte in Palästina," , . Unter diesem Titel veröffentlicht die Wiener ,',Reichspost", die 4em. Ya^an, nahestehen soll einen alarmier enden Aufsatz, in dem, nach übertriebenen Angaben tuber die jüdische Einwanderung und die von Erfgland unterstützte ,.zionistische Expansionspolitik" in Palästina, über Benachteiligung und Gefährdungder katholischen Interessen im Lande durch die Mandatarmacht und die Juden Klage geführt und der Schutz des Völkerbundes angerufein wird. Zum Schlüsse des . Artikels heißt es wörtlich: „Angesichts des Zusammenschlusses, der . arabi sehen Bevölkerungsmehrhieit und der Aufstelking eines politischen Progranim.es für .diese, angesichts der Entschlossenheit de® Judentums, seine Absicht auf Palästina* mit rücksichtsloser Energie zu Ende zu fühnen, wenden-sich die Katholiken Raiastinas an ihre Glaubensgenossen in der Welt und richten sie in der Presse undin Kundgebungen durch das Brüsseler Co mite de Ij)§fense idie Aufforderung, sich für die Verteidigungder katholischen Rechte , in-. Palästina einzusetzen: Sie:-.verweiisen. darauf, daß die Benachteijligung der Katholiken seit 1922 in .allen Streitsachen mit anderen Konfessionen und sonstigen kirchlichen Situationen zutage tritt. Mit größter Entschiedenheit wird der Meinung'Ausdruck gegeben, daß die'palästinensischen Juden kerne Neigung . hätten, den Wünschen .und, Ansprüchen, der. Katholiken gerecht zu werden. Hierfür werden entsprechende Beispiele, insbesondere dies Tel Awawer E&kutWkomitees vom 22: Dezember 1934angeführt: Die. Bezeichnung, des christlichen Jahres als griechische,fSehmach"^. ,die Androhung, „jegliches Mittel" gegen .die christlichje Neujahrsfeder anzuwenden, kennzeichnen die in Palästina allgemein bekannte Intoleranz der dprtigeb. Juden. Aus dem Stadtrat•■'Von' Jerusalem ist;'Seit kurzem der katholische Vertrejber^^m§ßsc}&e4ß^ t.-Pas Vortrittsrecht des. lateinischen Patriarchen..vor dem schismatischen wird nicht mehr. anerkannt. Die' Katholiken Palästinas. gewinnen' den t Eindruck/ daß dfe Mandatsmacht zu wenig'!.Inteir'e&se an ihnen mmimt. "In den wiederholten PalfetinadebaUen iatn englischen Parlament wurden zwar die .Wünsche der: Juden gründlich und wohlwpllend erörtert,; für 'die Katholiken wurde noch kein Wort der Sympathie verloren. Es ist Zeit, daß sowohl in Genf als ita. London nachdrückliche Vorstellungen -gefrört, twerden{ ■. damit endlich wirksame Maßregeln .getroffen werden, dije Rechte der Katholiken und ihrer Religion im Lande zu sichern." '"' - A; Diese Aeuße'rungen der Wiener ^Rölchspost.1' könasa, C-bwffhi ,gie sich, auf ä&g&bii^he katholische Klagen fft Palästina "stutzeü, ^möglich als Stimme des K a t h O 1 i z't s m u s gewertet werden, der ja überall/wo Juden uip ihr menschliches und religiöses Recht zu "kämpfen hatten, das größte Verständnis für diejüdische Lage zeigte. Gerade in Wäien: sehen: wir den Kardinalbischof in e i n e r Front " mit dem. O b e r r a b <b i n e r bei der Aktion gegen die religiöse Not der Katholiken' üird der :Ju- .; . j-... .ft-9i . j <■ •-. f: . ■ , . r- ' i - . _ . * den m S p w j e t r ü ß 1 a ri d. Warum soll es denh - in Palästina anders'sein? Den maßgebenden katholischen Stellen wird es bekannt1 'sein,- daß während die christlichen Heiligenstätten-in Palästina un'gebindert der; gesamten vdhrtfstlicheh Welt, 'wie;,esauch seirir-'müJ3,- offen' stehen, die Juden nicht einmal an der Westmauer gäriz ungehindert ihre öffentlichen Gebete verrichten können, zu den Gräbern ihrer .Väter nicht einmal zugelassen werden. Daß man in der hundertprozentigfüdisfchen Sfadtr Tel:'Awiw nicht mit Silvester und am-ersten Januarr sondern am ersten T i s C h r i in traditionell -jüdisdher Weise das Jahr beginnen soll, ist ein; .Wunsch, ■ den die k'a't h o I i sehe iK i r c h e;'-aIs solche verstehen wird. Wehn ihn dier „Reibhspost" iip besagten1' Artikel nicht versteht, so erhellt: daraus, daß es sitifi '(hier -rfiur umf die' Privatansicht eiries-' nicht'' gut ' inf armiertet Schriftleiters handelt. die1 mit^äcn-'^s'CnatiiiiQg^iieS>KathaK#s- - mus vnichts zu tun hat. -;-1 ' .-/ » Die geistige Not in Rußland. % Vop Zeit zu, Zeit dringt aus der Nacht der Gewissensknechtung, unter deren Druck drüben in der sowjetrüssischen Hölle 'Millionen religio-! ser Menschen jedes Glaubens^ ihre Tage verbrin- ' gen müssen, ein Aufschrei 'Mns Tageslicht, 'der einen Augenblick;'aufHlorcheif. laßt, um dann wieder der voll endeten Abstumpfung zu weichen, mit der die Kdltünnensohheit jedem "Mißbrauch innerstaatlicher ' Souveränität zuzusehen pflegt, vielleicht zusehen muß. Im ^Tog'" erinnert ein Einsender daran, "wie 'er Vor' einigen Jähren, als er Rußland bereiste, von russischen Juden angefleht wurde, ihnen hebräische Bücher religiösen Inhalts zu senden; ,Er schickte eine Anzahl, aber sie wurden an der Grenze aufgehalten und zurückgewiesen. Jetzt gelangt an die' gleiche Persönlichkeit ein charakteristischer Brief aus Rußland, in dem um ein Luach gebeten wird. Es heißt da: „Wie kann ich wissen, wann ich Jahrzeit habe oder wann JorntoW ist, ohne Luach? Ich bemühe mich darum vseit Jahren, aber vergeblich. Hier in Rußland dürfen keine gedruckt werden,' und von auswärts einen zu: erlangen, ist unmöglich. Vielleicht können Sie einen kleij nen erhalten und zwischen die Seiten eines Briefes einlegen oder besser noch in drei oder vier Briefe verteilt, damit niemand Verdacht schöpft? Wenn Sie das könnten, würden Sie mir und vielen meiner Freunde G^wissensruhe'- verschaffen, indem Si^ "uns von der.Fürcfht befreien, die Jominv tauwim falsdh :;zu, begehen." In solchem Jammer, der,; ab das . j^ophetisohe, Jahrhunderte fürvöllig theoretisch \ gehaltene, Wort des Tai-. muds: erinnert'; iftipVpfc, lr)*0!, < Vim pöT leben drei ^Millionen Juden, aller Möglichkeit beraubt, d^n, Forderungen .pLhT.es Gewissens gemäß;'ihre religiösen Traditionen zu wahren, soweit sie nicht schon durch die Gewalt der ,,Erzieihung'* in Atheisten und Freidenker verwandelt worden sind. Das Land, das der Judenheit Jahrzehnte, Jahrhunderte lang ihre' führenden Geister auf allen Gebieten der Thorawissenschaft lieferte, hat es so weit gebracht, daß ein Teil seiner Juden nicht weiß, wann Peßach und wann Jomkippur ist. Das große Rußland setzt die kleinen Luchot'h auf den Index und freut sich dieses Sieges über den Geist und das Gewissen! Wo der- Endsieg liegen wird, kann nicht zweifelhaft sein. •. Oberrabbiner Dr. B. L. Ritter Vxt* ■ Ti auferkunde geht wieder:-durchdie jüdische Welt, Nach dem-Heimgange des Wilkomirer Raw ist nun auch eine „Säule der Thora" im Westen gestürzt. Hollands. Judenheit, aber nicht zuletzt das Thorajudentum in der Welt, trauern um ,x*-..->..i.<>;.^..j>(,.i < \- V - 5 " "einen ihrer größten Thöralehrer unserer Zeit, um Rabbf Dr. Löb Ri t t e i', den früheren O^errajbbmer/vbn -.Rbtterdam. r-y- * ' ri;' Oberräbbiner Dr. Ritter stammte aus Nordosldeutschland und wirkte in jüngeren Jahren, nach Absolvierung seiner Studien, damals schon mit immensem ThoraWissen ausgestattet, mehrere Jahi-e als -Rabbiner in^Prenzlau.^. Schon früh;ver" probte .er s;eine Kraft auf 4em Gebiete der Lehre, der::Vonf nun ,an diß;-ganze, Liebe sjeines langen :Lebens gehörte. . Er. promovierte .mitf:iein!em Wei?ke über ,,,Philo und :6ß0 Halaoha ', das kei- :'nesWegseine. - Doktorarib^t gebliieben ist, sondern zu einem-jQuellenbucjhjfür.i^OT^ :Halachisten - jjirus^^ 1885, ejy^v Dreißiger., ^rst:: ._,und .ifecbc>n iti^H Mf^::5. '^öflier : Jl^dei^ng^ .wjurde^^ er ,/?u^;)Ohiermbl?jner jjv^.^tte^p^ar^ jgew^jiljt«,,; in ti^ftlcfe^aAttntefier yp|le ,4ß Ja%re blieb. E^ei* tßtifigbe«>'hö'bfe.5jttiid -h&hgr, und sebi^Nfamen jf^chte | bald weit über, iHoUand hinaus. Wo man vou den zeitgenössischen Größen und berufenen Führern der Thora spradh, wurde auch der Name Ritters genannt. Seine Gutachten in halachischen Fragen waren entscheidend und maßgebend, denn sie zeichneten sich, durch tiefe Klarheit und souveräne Beherrschung der gesamten. einschlägigen Quellenliteratur,- von; den allerersten bis zu den letzten Dezisoren, aus. Wohlbekannt und in aller Erinnerung, auch als Wegweisung für die jüngere Rabbinergeneration gültig, sind seine Gutachten in der Frage des Frauenwatlrechtes, der U r nen Bestattung u. v, m. In Holland wurden ihm viele Ehrungen und Anerkennungen von . Juden und Nichtjuden zuteil. Er war Vorsitzender des altberühmten Rotterdamer Beshamidrasch. Die A11 i a n c e I s - raelite Universelle ernannte ihn zum Vorsitzenden ihrer Rotterdamer Ortsgruppe. Die Königin von Holland nahm wiederholt Anlaß, dem ehrwürdigen Oberräbbiner ihre Anerkennung zu zeigen, so wurde er u. a. zum Ritter des Ordens Oranien-Nassau ernannt. Er aber hielt es mit dem Worte des Hohenliedes ''jä ana«?3i n^sa TYin i^sn win Seine Freude und sein Glück fand er in den ft^ft was 'T iß seineim Lernzimmer, von dem Licht und Lehre für diß jüldische Welt ausstrahlte. Zu der genialen Begabung geseilten sich, bei Dr. Ritter ein Fleiß und eine Gründlichkeit, die ihresgleichen suchten. Zu der marin der alten östlichen Schule kam die Korrektheit und die Klarheit der westlichen Methode, und in dieser Synthese . lag. auch die Größe des JRabbi, die den Osten wie den Westen off' veranlaßte, seinen Rat einzuholen und auf sein entscheidendes Wort zu hören. ,; .;. Dabei, war Oberrabbiner Ritter von einer Festigkeit und einer Prinzipientreue, die kein Paktieren kannten, die, bei aller Bescheidenheit und persönlichen (Liebenswtfr^gkeil' 'iin Umgang mit den Menschen, den" Rabbi keine Opfer scheuen ließen, wenn ihm zugemutet wurde, mit seiner Person und mit seinem Namen Maßnahmen zu decken, die er von seinem religiösen Standpunkte aus nicht decken zu können glaubte. So verließ er kurz entschlossen; ein Sieb enziger bereits, seine Gemeinde und Holland, wo er so hoch in Ehren stand, als die G^memdeleihing einer seiner-halachischen Entscheidungen in Bezug auf . den Religionsunterricht für Kinder aus. Mischehen nippt folgen wollte, und zog sich ins Privatleben zurück, verließ dje Stadt und das Land, ,die ihm.r,zur zweiten Heamät jgewörden waren, .und sein 'hohes, Amt." um unter, "bescheidenen Ver-;. ....; :•<« -s:n:"- •v,i"!'-*i(-:i'; « - . haltnissen. emen^ zwar hchjtarme^n, aber von innerem Kräftbew'ußtsein erteilten und Beglückten

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