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Der Israelit · 1936-01-03 · Heft 1 (3.1.1936) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 1 (3.1.1936)
Date
1936-01-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 1 Der Israelit 3; Januar 1936 Die Funktionsfähigkeit des gesamten agudistischen Organismus muß am Tage vor der Kenessio Gedaulo gesichert sein, soll diese nach außen und innen ihrer aus dem. Einmaligen das Dauernde zeugenden Aufgabe sich gewachsen zeigen. Ganze große Gruppen der Judenheit, in denen der Thoragedanke durchaus noch nicht erstorben ist, wie z. B. die sefardische Welt, hat „Agudas Jisroel" noch gar nicht versucht, zu erfassen, und in anderen Ländern harren bloße Keime der organisatorischen Erfassung der verantwortungsbewußten und tatkräftigen jüdischen Menschen, die sie zu kräftigem Wachstum um G'ttes und seiner Thora willen entwickeln. Sollten sich nicht in jedem Lande ein paar begeisterte jugendliche Kräfte finden, die sich vornehmen, während dieser 9 Monate der Vorbereitung zur Kenessio Gedaulo sich ganz und gar in den Dienst des heiligen Werkes z» stellen und auf der anderen Seite Männer und Frauen, die genügendes Verständnis für die Heiligkeit dieses Werkes der organisatorischen Sammlung -besitzen, um seiner erfolgreichen Durchführung die unentbehrlichen materiellen Mittel freudig zu weihen? Ohne die Aufbringung eines mäßigen Kenessio Gedaulo-Fonds wird sich — da ja ,,Agudas Jisroel", darin ähnlich der rDS^fJ flönfl -Kasse zur Zeit des Tempelheiligtums, noch nie über Reserven verfügt hat — die von den Massen überall so stürmisch begrüßte Kenessio Gedaulo im heiligen Lande angesichts der zu überwindenden technischen Schwierigkeiten gewiß nicht durchführen lassen. Eine besondere organisatorische Aufgabe, deren Lösung ebenfalls von Tag zu Tag dringlicher wird, hat die zweite Kenessio Gedaulo der dritten hinterlassen: die Aktivierung des G r o ß e n. R a h h i n.i sehen R a t e S. Noch haftet das Gedächtnis der Feierstunde, in der Rabbi Meir Schapiro ^j"XT dem atemlos horchenden tausendköpfigen Auditorium seinen Arbeitsplan der „Mauezes Chächme Hathauro" entwikkelte, im Herzen aller derer, die damals Teilnehmet sem durften. Der große, weitschauende Organisator war — übrigens in voller Uebereinstimmung mit der von jeher vertretenen Anschauung der Agudoleitung — von der Ueberzeugung durchdrungen, daß sowohl die Zusammenarbeit der rabbinischen Landesräte im Plenum des Großen Rabbinischen Rates,, als insbesondere die stetige, gegenwartsnahe Arbejt seiner Exekutive eine Sache der Gewöhnung und Erziehung sei, daß nur, durch relativ häufige Zusammenkünfte (bei der Exekutive mindestens einmal vierteljährlich) ein Doppeltes erreicht werden könne: einmal das gegenseitige Verstehen über die hemmenden Schranken der geschichtlich und geographisch gewordenen psychologischen Verschiedenheiten hinweg .und zweitens die nur im n5f?n bw jn»1 KW» erreichbare volle Klärung der aktuellen Lebensbedürfnisse der verschiedenen Länder, nicht zum wenigsten Erez Jisroels, dessen rabbinischen Vertretern heute ein kaum zu ermessendes Gewicht der Verantwortung obliegt für die Beherrschung eines überreichen neuen Lebens durch das ewige G'ttesgesetz. Die Leitung der „Agudas Jisroel" hatte keinen größeren Wunsch als den einer unverkürzten Verwirklichung der Leitsätze Rabbi Meir Schapiros. Aber die beträchtlichen Geldopfer, die mit der Veranstaltung der unbedingt notwendigen regelmäßigen Zusammenkünfte verknüpft gewesen wären, ließen auch dieses Hoheziel agudistischer Organisationsanbeit vorerst unerreicht bleiben. Weit, weit über die Kreise der „Agudas Jisroel" hinaus findet der Gedanke der allmählichen Schaffung einer Arbeitstribüne der wahrhaften w ^HJ' ihrer Einschaltung in das öffentliche Gesamtheftsleben des jüdischen Volkes in allen Fragen der Diaspora und Erez Jisroels, Verständnis und sympathische Würdigung. So sollten sich auch Männer finden, die im Rahmen des Kenessio Gedaulo-Fonds diesem Sonderziel, an dessen Erreichung wahrlich Wohl und Wehe des VkIEP hängt, ihr tatkräftiges Interesse widmen. Inzwischen sind leider eine ganze Reihe aus dem Kreise der Männer, die die Exekutive^ des Großen iRabbinischen Rates bildeten, in die Welt der Ewigkeit eingegangen. 'Bevor auch nur die JWSö "OlS zusammentritt, muß die Ergänzungswahl vollzogen sein, die der Exekutive des Rates wiederum die Mitarbeit elf führender rabbinischer Persönlichkeiten sichert- Die Vorbereitungen dazu sind getroffen. III. Es ist selbstverständlich, daß sich Zweck und Wirksamkeit der dritten Kenessio Gedaulo weder in ihrer Bedeutung als Proklamation des thoratreuen jüdischen Volkes an die jüdische und nichtjüdische Welt, noch in ihrer organisatorischen Triebkraft erschöpfen darf, sondern daß es gilt, durch eine gewaltige Konzentration aller Willensenergien vor und i n der Kenessio Mechino, vor und i n der Kenessio Gedaulo einen Teil der praktischen Zeitaufgaben zu lösen, die der thoratreuen Gesamtheit in dieser schicksalsschweren Zeit auferlegt sind. Wenn wir an die Spitze dieser praktischen. Aufgaben Erez Jisroel, mit anderen Worten cren Keren Hajischu w stellen, so bedeutet das keineswegs, daß „Agudas Jisroel" auch nur einen Augenblick der Tatsache vergessen dürfe, an der ihre ganze Existenz hängt: des unvergleichlichen Vorrangs der Thora vor allen nationalen Gütern des jüdischen Volkes.. Vielmehr ist es die Notwendigkeit, in diesem Augenblick unsrer Geschichte die Kräfte, der Gesamtheit auf Erez Jisroel zu konzentrieren, sobald es sich um praktische Schöpfungen im Bereiche des materiellen Daseins, jhandelt, die das der Erez Jisroel-Arbeit dienende Wirtschaftsinstrument, den Keren Hajischuw, von selbst in den Vordergrund drängt. Die Institutionen der Thora und des Chinnuch überhaupt müssen mehr oder minder in jedem Lande gesondert verwaltet und erhalten werden und ihr täglicher Bedarf und Anruf drängt sich auch unüberhörbar jedem Vater und jeder Mutter, jedem Gemeinde- und Landesführer auf. Dem Keren Hathora kommt dabei zentral nur eine regulierende und das einzelne Land unterstützende Tätigkeit zu. Anders steht es mit Erez Jisroel und dem Keren Hajischuw. Hier kann zunächst wirklich nur die gesammelte Kraft aller Länder der Diaspora, in denen thoratreue Juden wohnen, einheitlich vertreten und einheitlich wirkend auf dem heiligen Boden, den Kampf aufnehmen um die Rettung dieses Bodens für seine hei^ lige Bestimmung. Und es ist keine Zeit z,u verlieren. Die Zeit, die seit der letzten Kenessio Gedaulo verstrichen ist, hat der Entwicklung des jüdischen Lebens in _ Erez Jisroel ein so atemberaubendes Tempo verliehen, daß vor dem menschlichen, auf schaffende Tat und Selbstverantwortlichkeit eingestellten Auge — e i n T a g so schwer wie tausend Jahre wiegt, mögen wir auch tief im Herzen die Zuversicht hegen, daß letzten Endes das Schicksal all dieses neuen Lebens an dem unendlichen Zeitmaße des Weltenschöpfers gemessen werden wird. Was der Keren Hajischuw in Erez Jisroel bisher vollbracht hat, mag es auch winzig sein, gemessen an der Absolutheit der Aufgabe nicht nur, sondern auch an der Leistung der Anderen, es hat uns die Grundlagen eines fruchtbaren Weiterbaus und vor allem wertvolle Erf ah- Sidra-Anleitung für die Esra-Pirche Agudas Jisroel. Wajigasch. Man lese, nach guter Vorbereitung, von V. 18 bis zum Ende des Kapitels in gutem flüssigem Deutsch vor, um die dramatische Lebendigkeit der Thoraschilderungen zu demonstrieren. . Zum ersten Wort: vgl. II. Sam. 10, 12; Jos. 14, 6; II. Reg. 18, 36. Der Midrasch entnimmt dem, daß Juda zu allem entschlossen war, je nachdem wie Josef sich verhalten würde. (Midr. R.), Man beachte den Wechsel im Gebrauch von; Jeled, Naar, Ochimi Hakotaun, wenn von Benjamin die Rede ist; dieser Wechsel deutet vielleicht Jheudos verhaltene Liebe an. So wird auch verständlich, weshalb Josef „an sich halten kann" (vgl. Midr. r.$. Die ganze Verstellung Josefs ist Vergeltung nach dem biblischen Prinzip „Gleiches mit Gleichem" (Midoh k'neged midoh), da die Brüder den Vater getäuscht haben (andere Beispiele dafür?) Kap. 45, 2 „Wajischma" muß übersetzt werden: hörte e s. (Vgl. noch I. 35, 22 und II, 18, 1 iRaschi das.). Kap. 46, 1. Warum dem G'tte seines Vaters Isaak? (Siehe I. 26, 2)'. In dem Worte „Serach" vgl. Hirsch z. St. Man vergleiche noch die Züge der drei Väter nach Aegytpen miteinander. V. 34. Es wird versucht, das Wort „Toewa" mit dem bekannten „Tabu" in Verbndung zu bringen. Beide Wörter geben eine Sphäre des Unnahbaren an, entweder aus Gründen einer gedachten Heiligkeit oder dem Gegenteil. Kleines Feuilleton, Ein schönes Jugendbuch. Im umfangreichen Kranze der jüdischen Jugendbücher, die in letzterer Zeit erschienen sind, ragt durch besondere Schönheit der Ausstattung und farbenreiche Ausführung der Bilder das Buch des R, L ö w i t - Verlages Wien-Jerusalem hervor. Es betitelt sich „Benni fliegt ins gelobte Land", ist von Mirjam Singer in Deganjah verfaßt und von Franz R e i & z illustriert. Es umfaßt in Großformat 205 Seiten und ■spielt selbstverständlich in Palästina, ohne eine bestimmte politische Tendenz hervorzukehren und den Kindern aufzuzwingen. -Benni ist ein braver Junge, dem ein Glückslos ein zusammenlegbares Flugzeug in den Schoß wirft, das er natürlich sofort' ausprobiert, um in wenigen Stunden, nicht ganz freiwillig, in einer fremden Gegend zu landen, wo hebräische Laute sein Ohr umkosen. Also ist er gar nicht in der Fremde, sondern in der Urheimat, in Israels Land, am Strande von Tel Awiw. Was er da weiter auf seinen „Ausflügen" in wörtlichem Sinne' von der Vogelperspektive aus erlebt, ist einfach fabelhaft. Kind-, liehe Phantasie schwingt sich höher und höher ins' Reich der Träume. Benni weilt in Kirjath Anawim und Moza, landet auf Gilboah, erfährt die Geschichte der zerrissenen Oelbäume und die Geschicke einer Zeder, hört auch, wie der Kinereth-See entstand, wie: er zu «.einem Namen icam, und warum die Schakale in Beth-Alfa weinen. Er hat seine Erlebnisse am Karmel und dm Tale Jisrael und an vielen anderen Stätten. Das Jugendbuch verstehtin geschickter Weise durch Wort und Bild den _ Sinn des jungen Lesers auf das Märchenland unserer eigenen Kindheit, auf das Land der Bibel, zu lenken. Einige Bilder, wie das „bösartige Ungeheuer", „der Alte auf dem Felsen", auch „der kleine Retter" kommen dem kindlichen Sinn für starke, dick aufgetragene Farben weit entgegen. Kunst und Kind ist die Synthese, die die Hersteller dieses Jugendbuches geleitet hat. Zwei letzte Aeußerungen von Rabbi Abraham Jizchok Kuck VäT» Die in den letzten Tagen ihm Krankenbesuche abstatteten, belehrte Rabbi Kuk über das Wesen des Gebotes des D^in mw- Solche Liebesdienste, sagte er, müssen heiteren Gesichtes erfüllt werden, damit sie aufheiternd wirken. Erstens lehrt .Maimonides in seinen Vorschriften, daß man den Schwerpunkt der Krankenbesuche 'in der Aufrichtung und Hebung des Mutes des Kranken sehe. Dann aber ist es ein Gebot, das man wie alle 613 Gebote nnntfn m it Freude erfüllen muß, und diese Freude überträgt sich dann auch automatisch auf den Kranken und seine Umgebung, aufheiternd und aufrichtend. Am 1. Elul sprach er zu seinem intimen Freunde, Rabbi Oharlap: „Der Rüstemonat beginnt, an dem

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