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Der Israelit · 1936-01-03 · Heft 1 (3.1.1936) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 1 (3.1.1936)
Date
1936-01-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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3. Januar 1936 Der Israelit Nr. 1 Seite 3 Die dritte Kenessio Gedaulo. (Fortsetzung von Seite 1«) Die geschichtliche Identität* der heute lebenden Juden mit ihren Ahnen aus der biblischen und talmudischen~ Zeit, mit all den Geschlechtern leidender und aktiver jüdischer Gemeinschaften, die seitdem über die Bühne der Geschichte ige wandert sind, und daher auch die n a t i onal e j i;!Z üs am m e n g eh ö r igk e i t der in der Diaspora räumlich zersplitterten' z e i t g e n ö s s i s c h e in Judenheit — -diese beiden Tatsachen, deren sich in den letzten 150 Jahren n u r n o c h d de Orthodoxie in dem geistigen Ghetto' ihrer Jeschiwos und Lehrhäuser, ihres abgeschlossenen kulturellen und gesellschaftlichen Lebens bewußt geblieben war, sie sind der Kulturwelt wie der jüdischen Gesamtheit während des letzten Jahrzehnts täglich mehr zur Selbstverständlichkeit geworden. Eines der Werkzeuge, dessen sich die Vorsehung bedient zu haben scheint, um diese psychologische Revolution in dem Bewußtsein der nicht jüdischen Kulturwelt wie der assimilierten jüdischen „Intelligenz" hervorzurufen, war offensichtlich die moderne nationaljüdisch-zio-, nistische 'Bewegung. Aeußerlich in streng naturgesetzlichen Bahnen verlaufend, ist diese Bewegung Hand in Hand mit dem Emporwachsen eines hochgesteigerten Nationalismus der Völker überhaupt großgeworden, hat sie die sohier unüberwindlich saheinende Tendenz der individuellen Assimilation in der Westjudenheit erfolgreich überrannt und zugleich mit jugendlichem Ungestüm die Visitenkarte der — vorübergehend landlosen — jüdischen Nation, als sei sie deren legitimer Vertreter, in den Kabinetten der Staatslenker wie vor der Liga der Nationen, feierlich überreicht. ' Der Zionismus als zweckbestimmtes W e r kr zeug mußte aber mit innerer Notwendigkeit, sollte , er für seine geschichtliche Mission an die nichtjüdische und unjüdisahe Welt taugen, an die Stelle des geschichtlich w a h r e n Begriffes der jüdisch-nationalen Einheit, dessen Siegelbewahrer die Orthodoxie geblieben war, zunächst einmal einen modernen, den Völkern abgelauschten, aber durch und durch u n j ü d i - sehen Nationalbegriff setzen — er wäre sonst völlig unverstanden, also ein untaugliches Werkzeug geblieben. Müssen ja überall in Natur und Technik Werkzeuge und Maschinen dem Material und der Form, auf die es zu wirken gilt, aufs genaueste angepaßt sein. Aber Werkzeuge und Maschinen sind niemals Selbstzweck. Sie sind Produkte des Geistes, dienen dem Geiste und werden entbehrlich, wenn sie ihr-Werk getan und organischem Wachstum den Boden bereitet haben. Es war, vom ersten Tage, an die providentielle Aufgabe der Agudas J i s r o e 1, der Gegenspieler des Zionismus zu sein, d. h. dem objektiv unwahren, zweckhaft konstruierten zionistischen Einheitsbegriff' .die alte, aus ihrem Grabe auferstehende g e s ch i c h 11 i c h e jüdische N a- . '' ■ . ■. ■ * i i): * t i o n in ihrer i einsamen Größe — uni*v T?3 71 — gegenüberzustellen und von der Tribüne ihrer Kenessio Gedaulo herab die Welt das wahr e Wesen der seit viertausend Jahren ganz und gar G'tt gehörigen, an G'ttes Atem und G'ttes Willens verkündung' hängenden jüdischen Nation zu verkünden. D i e N o tw e nd i g k e i t dieser Verkündung aber ist seit sieben Jahren nach zwei 'Richtungen enorm g e s t i e g e n. '.; Je offensichtlicher sich der Zionismus — trotz aller inneren Spannungen, mit denen sich die 'beleidigte Wahrheit an der zweckbestimm-" ten Apparatur rächt — als eine der Zeitkonstellation glänzend angepaßte Maschinerie erweist, desto größer wird natürlich die Gefahr, daß die Welt für d i e D au e r und nicht bloß während dieservorübergehenden Zeitkonstellation die Ideenwelt des modernen Nationalismus für j üdi s c h ihält und daß sie den Kündigungsbrief, den dieser Nationalismus der ganzen geschichtlichen Aufgabe des jüdischen Volkes geschrieben hat, als ein authentisches Dokument jüdischen Geistes betrachtet, statt ihn einfach als ein nach Palästina eingeschmuggeltes Falsifikat aus der Hexenküche der modernen Aufklärung zu erkennen. Mit jedem Tausend verfolgter und unglücklicher Golus-Juden, die, dank dem Zionismus, nach dem vom Zionismus beherrschten Erez Jisroel den Weg in die Freiheit finden, mit jeden hunderttausend Pfund Mehr- Investition in palästinensischen Banken, mit je^ den hundert' Dunam entsumpften öder neu bebauten Bodens, wächst die entsetzliche, dem jüdischen Volke ans Leben gehende Gefahr der Verwechslung der Maschine mit dem Geiste, der Apparatur mit der Idee, wächst die Gefahr, daß — Wna'öl m»n NPptö^— die , jüdische Jugend selbst, geblendet von einer auf Pfunden und Dunamis aufgebauten Argumentation, um nicht mehr und nicht weniger als ihre jüdische Seele kommt, und daß die falschen zionistischen Visitenkarten in den Staatskanzleien und Diplomatenzirkeln die Familie der Nationen selber ihres köstlichsten, zukunftbauenden geistigen Besitzes, der jesajanischen G'ttesnation gänzlich berauben. Und doch ist auf der anderen Seite in diesen sieben Jahren die S e h n s u c h t nach religiöser Verkündung und das objektive Bedürfnis nach solcher;: Verkündung wie nie zuvor gewachsen; Weder ^Bolschewismus und Marxismus, noch Chauvinismus und Faschismus (haben - in dieser letzten Periode schweren geistigen Ringens im Schöße der 'Kulturwelt wahrhaft schöpferisch gewirkt, so daß sie imstande gewesen wären, der Sehnsucht nach geistiger Lebens wirklich k e i t; wie sie die Besten beseelt, zu genügen. [ (Bolschewismus und Marxismus ihaften ja gänzlich an der Materie und müssen daher naturnotwendig den Weg .alles Fleisches geh an. Chauvinismus und Faschismus aber sind nichts anderes als Rausohmittel zur Betäubung jener metaphysischen Sehnsucht, die instinktiv empfindet, daß die Problematik des modernen Staaten-Konzerts nur scheinbar wirtschaftlicher, machtpolitischer Natur ist, in Wirklichkeit aber letzten Endes nur auf dem Wege einer sittlichreligiösen Erneuerung gelöst werden kann. Der zionistische Apparat müßte naturgemäß — als getreue Kopie der Völker-Umwelt — in der „Histadruth hoowdim" seinen marxistischbolschewistischen und in der „Neuen Zionistischenschen Organisation" seinen chauvinistischfaschistischen Flügel erzeugen; jener leugnet die sittlich-religiöse Wahrheit; dieser degradiert sie zur Dienerin, der nationalen Selbstanbetung, soweit er sich nicht gänzlich von ihr emanzipiert. " „Misrachi" aber, in seiner Mehrheit durchaus beherrscht vom Zweckgedanken, durch die goldene Kette der Schulsubventionen und die geistige Kette des verfassungsmäßigen Primats des Nationalen über das Religiöse, als Fraktion an den Triumphwagen des zionistischen Apparats gefesselt, ist unfähig, sich vor den Augen der ganzen Welt von diesem Apparat zu emanzipieren und sein "j^a Mb J'N iWN 8^8, die A u s s c H1 i e ß 1 i c h k e i t des tPWD tVübü bißt T\blp, in die Welt zu rufen. So bleibt für diese Aufgabe — an deren Erfüllung mitten: in einer Phase kulturgeschichtlicher und weltpolitischer Entwicklung von höchster Krisenhaftigkeit, vielleicht das Schicksal der Welt Wie des jüdischen V o 1 k e s hängt — Agudas Jisroel auserkoren, in dem Augenblicke^ ida sie mit der Einberufung ihrer dritten K e n e-sjs i o Ge da u 1 o der V e r k ündung des jiü d i s c 'hie n G ' t te s g e d a n - ke'ns und der Verkündung des MID^Ö by& Tsbzp Q">qU? für das jüdische Volk wiederum e iii e W e 111 r i b ü n e schaffen will. .In höherem Maße noch als sonst gilt es uns diesmal,, nicht etwa die Generalversammlung einer Weltorganisation abzuhalten, Budgets anzunehmen und allerlei Verwialtungsgremien zu wählen — alles durchaus notwendige Dinge —, sondern alle Juden z u sammeln, die von der ewigen Aktualität des Thorageistes und Thoragesetzes im jüdischen Volke, im jüdischen Lande, im jüdischen Einzel- und Gesamtheitslebens duchdrungen sind und die der Thora überall, vor allem aber auf ihrem ureigensten Boden, in Erez Jisroel, die volle Souveränität im friedlichen Ringen mit allen Widerständen erkämpfen wollen. Wer sich zu diesem Gedanken der Thorageltung bekennt und ihm durch das Symbol einer minimalen Geldleistung (1 sh.) Ausdruck verleiht, erwirbt das W a h 1 r e c h t z u r Kenessio Gedaulo. „Agudas Jisroel" ruft alle Juden der Welt auf zu einem großen „Schma Jisroel"- Bekenntnis mit seiner Konsequenz der b*M f1^3j? CPölP ni3^», ruft alle Juden der Welt auf, sich zur Rettung der Einzigkeit und Heiligkeit des jüdischen Volkes, des jüdischen Landes, des jüdischen Geistes, wie er sich in Sprache und Kultur äußert, zusammenzuschließen und so der Welt zu zeigen, daß bei aller vernichtenden äußeren Not, die über das jüdische Volk hereingebrochen ist, bei aller politischen und wirtschaftlichen Heimsuchung, die uns bedroht, dennoch die Sorge um den Geist auch heute das oberste Anliegen des jüdischen Volkes bleibt, daß dieses Volk darum nicht unwürdig ist seiner geschichtlichen Bestimmung, für die seine Ahnen tausendfach in den Tod gegangen, sind. Dieses Bekenntnis und dieser Sammelrui der Kenessio Gedaulo soll diesmal, falls die auf den 1. Januar nach London einberufene Plenarsitzung des Waad hapoel so beschließt, von der. Höhe des Zionsberges hinaus gehen in die Welt O^WITa 71 1311 mW KXn ]VX8 Im Cheschwan 5 6 9 7 wird — so es G'ttes Wille ist — in Jeruscholajim die dritte Kenessio Gedaulo zusammentreten und das große Werk dieses Heroldsrufes von Zion soll. durch eine für den Monat Aw nach Marienbad einberufene Kenessio Mechino („Vorbereitende Versammlung") technisch, finanziell und geistig vorbereitet und gesichert werden. II. Ist in diesem Sinne die „Kenessio Gedaulo" als ein Einmaliges gedacht, das in seinen geistigen Wirkungen die jüdische und auch die nichtjüdische Welt befruchten und dauerndes Wachstum in den Seelen auslösen soll, so gilt es doch die Monate der Vorbereit un g auf jenes Einmalige für den Aufbau, die Ausbreitung und die Festigung der lebendigen Organisation des thoratreuen jüdischen Volkes zu nützen. Dehn Organisation allein vermag ja dieses Volk zu einem nicht bloß leidenden, sondern handelnd auftretenden, in seiner kollektiven Tat den G ' 11 e s w i 11 e n widerspiegelnden Organismus zu gestalten.; Es gibt keine Landesorgänisation der „Agudas Jisroel", die nicht des mächtigen Impulses dieser großen Heerschau der OTöKB "»22 IWöH» dringend bedürfte, die nicht ein reiches, weites organisatorisches Arbeitsfeld vor sich hätte, alle noch Fernstehenden heranzuziehen, die Ortsgruppen aus Lethargie und Gleichgültigkeit aufzuwecken, aus Beitrag zahlenden oder nicht zahlenden Namen-Agudisten denkende, bewußte Träger des agudistischen Einheitsgedankens zu machen, innere Differenzierungen zwischen Alter und Jugend, Klassen und Ständen zu überwinden und jedes kleine und große örtliche Organ bis zu den Landesvorständen hinauf in ein funktionsfähiges Organ zu wandeln.

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