Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1935)
- Date
- 1935-12-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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24. Dezember 1935 Der Israelit Nr. 52 Seite 7 ernd anzustellen. Dieses Vorgehen sei nach der Ansicht der jüdischen Bevölkerung verfassungswidrig. Dr. Ehrlich wies darauf hin, daß der Bürgermeister vor einem Jahr versprochen habe, die Frage der Entlassungen zu überprüfen. Er übte scharfe Kritik an der judenfeindlichen ' Einstellung des Vizebürgermeisters, der bei der Vergebung von städtischen Aufträgen die jüdischen Firmen grundsätzlich boykottiere.;: Der Bürgermeister erklärte in seiner Antwort, es gebe eine große Zahl von Anwärtern auf städtische Stellen, und die Zahl der zurzeit in den städtischen Krankenhäusern beschäftigten jüdischen Aerzte rechtfertige nicht die Beschwerde Dr. EhrMchs. Demgegenüber wies der jüdische Vertreter darauf hin, daß in vielen Krankenhäusern Stellen unbesetzt bleiben, weil nichtjüdische Bewerber nicht vorhanden sind und die jüdischen nicht berücksichtigt werden. Holland. Holländische Auszeichnung für den bisherigen Auswandererkommissar MacDonald. Amsterdam, 17. Dez. Köniign Wilhelmine von Holland hat den zurücktretenden Völkerbundsoberkommissar für Auswandererfürsorge, James G. MacDonald, zum Kommandeur des Ordens Oranien-Nassau ernannt, was eine sehr hohe Auszeichnung darstellt. Die Schaffung eines Oberkommissariats für Auswandererfürsorge ist 1933 von der holländischen Delegation beim Völkerbund beantragt worden. Durch die MacDonald von der Königin verliehene und ihm vom niederländischen Gesandten in London persönlich überreichte Auszeichnung soll die Anerkennung für seine in der Auswandererfürsorge erworbenen Verdienste zum Ausdruck gebracht werden. Polen. Absonderung der jüdischen Studenten an der Lemberger Technischen Hochschule aufgehoben. Warschau, 18. Dez. Pressemeldungen zufolge hat der Rektor der Lemberger Technischen Hochschule nach einer Unterredung mit dem Ministerpräsidenten beschlossen, die Verordnungen einzelner Dekane seiner Hochschule, wonach den jüdischen Studenten abgesonderte Plätze und besondere Hörsäle zugewiesen wurden, für u n gültig zu erklären. Ein offizielles Comr munique über das Ergebnis der Unterredung des Ministerpräsidenten mit dem Rektor wurde bisher nicht ausgegeben. In Lemberg hat eine Beratung von Vertretern sämtlicher jüdischen Parteien über die Ghettoverordnungen an der dortigen Technischen Hochschule stattgefunden. Die polnischen Sozialisten haben der jüdischen Studentenschaft mitgeteilt, daß die polnische Arbeiterschaft sie bei der Abwehr huliganischer Ueberfälle unterstützen würden. Die nationaldemokratischen Studenten der Warschauer Technischen Hochschule haben sich an den Rektor Prof. Marchlewski mit der Forderung gewandt, den jüdischen Studenten nach dem Vorbild der Lemberger Technischen Hochschule abgesonderte Plätze zuzuweisen. Eine endgültige Entscheidung wurde den Studenten bisher. nicht erteilt. Der Rektor will offenbar die Stellungnahme des Unterrichtsministeriums zu dieser Frage abwarten. Rumänien. Der rumänische Innenminister erklärt: es kommt zu keiner antisemitischen Rechtsregierung in Rumänien. Bukarest, 16. Dez. In der letzten Sitzung der rumänischen Deputiertenkammer befaßte sich der Führer der radikalen Bauernpartei und frühere Jusiizminister Grigore Iunian in einer Anfrage an den Innenminister mit den judenfeindlichen Ausschreitungen in Bukarest anläßlich der Wahl des neuen Vorstandes der Advokatenkammer. Der Abgeordnete schilderte eingehend den Verlauf der Vorfälle, durch die zahlreiche Mitglieder der Kammer verhindert wurden, ihr Wahlrecht auszuüben. Die Jugend des Landes dürfe nicht in einem dem rumänischen Volke fremden Geist des Rassen- Die Woche. Berlin. Der jüdische Arzt Dr. Richard Mayer, früher Assistenzarzt im Städtischen Hospital in Berlin-Buch, wurde zum Professor an der medizinischen Fakultät Nanking in China berufen. Köln. Von der Jüdischen Winterhilfe in Köln werden insgesamt 2500 Personen betreut. Sie wurden mit Kartoffeln, Kohlen und warmen Kleidern versorgt. Die Zahl ergibt 18 Prozent der Kölner jüdischen Bevölkerung. Leipzig. Hier findet in der Zeit vom 22. bis 25. Dezember, gefördert von der Reichsvertretung, dem Sächsischen Israelitischen Gemeindeverband und der Israelitischen Religionsgemeinde Leipzig ein hebräischer Lehrgang für Rabbiner und Lehrer statt. Oldenburg. Als Nachfolger des vor einem Jahre so früh heimgegangenen Landrabbiners Dr. de Haas wurde Rabb. Dr. Herbst aus Düsseldorf zum Landrabbiner von Oldenburg berufen. Amsterdam. Im Alter von 81 Jahren starb in Rotterdam der Vorsitzende der dortigen Gemeinde, A. Sanders. Annähernd 30 Jahre stand Sanders an der Spitze der Rotterdamer Aschkenasimgemeinde und erwarb sich auch große Verdienste im öffentlichen Leben der Stadt und des Landes. Die Königin hatte Sanders wiederholt mit hohen Orden ausgezeichnet. Warschau. In R a d o m wurden im Zusammenhang mit den schweren Ausschreitungen 24 Personen, alle Mitglieder der Nationaldemokratischen Partei, verhaftet. Im Dorfe A z e c h o w bei Warschau wurde in den Laden einse Juden eine Bombe geworfen, bei deren Explosion die Tochter der Familie ein Bein brach und die Frau einen Nervenchok erlitt. Haus- und Warenlager sind vollkommen verwüstet. Vier Personen wurden verhaftet. — Bei den soeben durchgeführten Wahlen zum Zentralrat der Advokaten Polens sind auch zwei Juden, der Rechtsanwalt Alexander Margolis und der Sejmabgeordnete Dr. Emil Sommerstein, in den Rat gewählt worden. — Der Führer der Nationaldemokraten in Radom, Stephan Podczaski, wurde verhaftet und in ein Konzentrationslager gebracht. In Radom und Umgebung ist es bekanntlich vor kurzem zu schweren judenfeindlichen Ausschreitungen gekommen, die gleichzeitig umstürzlerischen Charakter trugen. Bukarest. Der Antisemitenführer C u z a richtete in der Rumänischen Deputiertenkammer heftige Angriffe gegen die ICA wegen ihrer angeblichen Ansiedlungspläne in Beßarabien. Vom Ministerium wurde die beruhigende Erklärung abgegeben, daß die Regierung die der ICA erteilte Erlaubnis längst widerrufen hätte. Jerusalem. Die Palästinaregierung hat einer Kommission die Wahl des hebräischen Ansagers für den palästinensischen Rundfunk übertragen. Der Kommission gehört auch die weltberühmte Künstlerin der Habimah, Hannah R o w i n a, an. — In Gegenwart und unter Beteiligung des High Commissioners wurde heute mit der Anpflanzung des König Georg-Jubiläumswaldes auf einem Hügel bei Nahalal begonnen. Ansprachen hielten u. a. der High Commissioner, Ussischkin und Prof. Weizmann. — Ein erneutes Gesuch J a b ot i n s k y s um ein Visum für Palästina wurde wiederum von der Regierung abgelehnt. — Laut den offiziellen Angaben wurden seit Beginn der diesjährigen Ernte bis zum 3. Dezember rund 1.120.000 Kisten Citrusfrüchte aus Palästina exportiert. — Die hebräische Tageszeitung „Hajarden", die in . Jerusalem als offizielles revisionistisches . Organ herausgegeben wurde, hat ihr Erscheinen aus Mangel an Mitteln eingestellt. — Arabische Arbeiter, die beim Bau einer Straße beschäftigt sind, haben in der Nähe von Jerusalem zwei altjüdische Grabgewölbe, sowie eine Anzahl von Münzen entdeckt, die aus der Zeit des Statthalters Pontius Pilatus stammen sollen. — Die arabische Tageszeitung „El Liwa", berichtet, daß eine Ladung von Palästina-Orangen von den italienischen Behörden als Gegenmaßnahme gegen die anti-itaKenischen Sanktionen Palästinas zurückgewiesen worden sei. Saloniki. Der Generalgouverneur erklärte dem Oberrabbiner, daß es eine unterschiedliche Behandlung von Griechen und Juden in Saloniki und überhaupt in Griechenland nicht geben wird noch geben kann. hasses erzogen werden. Nicht Haß, sondern Liebe und Zusammenarbeit müsse das eingende Band der Bevölkerung sein. Nachdem auch der Vizepräsident der Kammer, Mircea Djuvara, die Haltung der Behörden verurteilt hatte, die diese Unruhen nicht verhinderten, erklärte Innenminister Ion Inculet, es sei ganz und gar nicht zu erwarten, daß eine neue Regierung aus Mitgliedern der antisemitischen extrem rechten Parteien gebildet werde. Der Minister versprach, eine Wiederholung judenfeindlicher Ausschreitungen mit allen Mitteln zu verhindern. (ITA.) England. Weitere Palästina-Anfragen im Unterhaus. London, 18. Dez. Wiederum gaben einige Abgeordnete dem Colonienminister Thomas Gelegenheit, auf grundlegende Palästinafragen einzugehen. Zunächst wurde der Minister interpelliert über die Berücksichtigung von Juden bei öffentlichen Arbeiten in Palästina. Er sagte, daß er eine betreffende Resolution des Zionistenkongresses zur Kenntnis genommen und auch an den High Commissioner weitergeleitet hätte. Juden seien zu den öffentlichen Arbeiten in Palästina unter den gleichen Bedingungen herangezogen worden, wie die andere Bevölkerung und bei der Festsetzung der Einwanderer-Schedule habe man stets die Beteiligung der Juden in den öffentlichen Arbeiten mit in Rechnung gezogen. Ueber die Beteiligung der englischen Industrie an der Levantemesse in Tel Awiw, sei er nicht in der Lage, jetzt schon etwas Bestimmtes zu sagen. Bezüglich der Erweiterung der jüdischen Einwanderung könne er nur nochmals wiederholen, daß dem High Commissioner alle Vorschläge zur Prüfung vorgelegt sind, der auch über die Festsetzung der Oktober- Schedule zu bestimmen hat. Eine Interpellation des Abgeordneten Wedgew ood über die Araber-Aufstände und die antienglische Propaganda unter den Arabern Palästinas ist für die nächsten Tage angekündigt. Kolonienminister Thomas über die arabische Pressehetze und die antienglische Propaganda Italiens. London, 20. Dez. Auf eine Anfrage des Abgeordneten Colonel Wedgewood über die in Palästina getroffenen Gegenmaßnahmen gegen die zu Gewalttaten aufreizende arabische Pressehetze und die von Italien betriebene antienglische Propaganda, erklärte der Minister für die Kolonien, J. H. Thomas, im Unterhaus: „Ich kann dem geehrten Mitglied des Hauses versichern, daß die Landespresse unter strenger Ueberwachung steht. Eine arabische Tageszeitung ist vor kurzem wegen eines zu Gewalttat aufreizenden Artikels zeitweilig verboten worden. Was den zweiten Teil der Anfrage betrifft, so hat die Regierung bei mehreren Gelegenheiten Vorstellungen bei der italienischen Regierung über die von dem Sender in Bari in arabischer Sprache verbreitete antienglische Propaganda veranlaßt. In letzter Zeit war eine Besserung im Tone dieser Sendungen festzustellen. In Beantwortung einer Anfrage des Abgeordneten Ralph Beaumont erklärte Minister Thomas weiter, et sei noch nicht in der Lage, über den kürzlichen Waffenschmuggel nach Tel Awiw eine Mitteilung zu machen. Die gesamte Angelegenheit sei noch Gegenstand einer Untersuchung." Konstituierung des Neuen pro-Palästina-Komitees im englischen Parlament. London, 18. Dez. In Anwesenheit von über 40 Parlamentariern aller Parteien fand am 17. Dezember im Unterhaus unter dem Vorsitz des Abgeordneten Colonel Josiah Wedgewood die Konstituierung des Pro-Palästina-Komitees im englischen Parlament statt. Der politische Dezernent der Exekutive der Jewish Agency, Prof. Selig B r o d e t z k i, legte der Versammlung die aktuellen Probleme Palästinas dar. Eine weitere Ansprache hielt der palästinensische Arbeiterführer Dov Hos. Im Anschluß daran beant-