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Der Israelit · 1935-12-19 · Heft 51 (19.12.1935) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 51 (19.12.1935)
Date
1935-12-19
Page
– (sequence 14)
Language
German
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T"? ^3»?*?ii^!f»^^^^P^^^^^^^^^^P^^pp|5^^p5^pS3^^P Seite 14 Nr. 51 Der Israelit 19. Dezember 1935 Kein Jude darf notleiden Die Jüdische Winterhilfe muß helfen! Personalien. Julius Rosemann V'^f Hamburg. Hamburg, 16. Dez. In einer Zeit der Not und Zerrissenheit läßt uns der Anblick großer und guter Mensehen, der Aufblick au ihnen, den Druck und die Last der Verhältnisse überwinden. Das meint vielleicht der große Spruchidichter, wenn er sagt: »n onvM "vn „Der Bote der Treue bringt Heilung — d'jibk der vielfachen Treue, der Bewährung in Allem, im Großem wie im Kleinen! Die Nachricht von dem ganz plötzlichen Hinscheiden von Julius Rosetnaon in Hamburg, der am letzten Freitagabend in die Ruhe und den Friede« des „Tages, der ganz Sabbat" ist, einging, weckt diesen Gedanken. Und dieser Gedanke mag von seinem Trost und seiner Kraft etwas legen auf den Schmerz, der nun uns alle so tief und aufrüttelnd gepackt hat. Uns alle: denn Judus Rosemann stand durch sein Amt — er war mehrere Jahrzehnte Öberküster der Hamburger Hauptsynagogen am Kohlhöfen und 6päter am Bornplatz — mit unzähligen Menschen in Verbindung — und sie alle brachten ihm Achtung entgegen, die seiner Berufstreue galt, Verehrung, die seinem untadligen, durch nichts und niemanden beeinflußbaren Charakter huldigte und Liebe, die seine ungewöhnliche Güte und Hilfsberedtsichaft auslösen mußten. „Denn der Stein weint von der Mauer": das herrliche G'tteshaus am BornpLatz weint um den Mann, das er betreute, daß es immer erstrahlte in Schönheit und Anmut, der sein treuester Besucher war, nicht aus kühler Amtspflicht, sondern aus heißem Judesein heraus. Und dennoch „die G'ttesmajestät ruht ja nicht auf Hölzern und Steinen" — die nraw ruht auf den Menschen: n-vw nrac y-ih« yttl» }»T3- Und an Menschen zu bauen, daß sie zu Gefäßen der nmv werden, Menschen zu dienen, die Gefäße der m*3tP waren, das war seine höhere Aufgabe. Und erbaute gut und'er diente treu. Er baute gut: alle se'in'e r£iii;Et"ör~"a>fkx,<t' ~iiHlrtv' "in"äes Wort«».jjjefstem und schönstem Sinne: in allen lebt die ganze feste und ungebrochene Persönlichkeit des Vaters weiter, seine Treue lebt in ihnen weiter, in Kindern und Schwiegerkindern, und wind auch die Enkel, die ihm schon verhältnismäßig jung heranblühten, vom Geist und der Art des Großvaters zeugen lassen. Er diente treu: Hamburgs letzter Raw b"ti> — der selber das Vorbild der vollendetsten Charakterstärke war, wußte, daß er diesem seinem ]»K3 trauen konnte in Allem und Jedem, er wußte von ihm: MD' vb d'Itor itf'daß Julius Rosemann nie mit der Konjunktur, nie mit der Majorität ging — wie so viele um ihn herum — daß et immer nur ging, gerade und fest, den Weg der Wahrheit — und darum war zwischen Raw und „Schamosch" eine Freundschaft j-na-'^y „über den Tod hinaus"! Er diente treu: „G'ttes Majestät ist bei den Armen und Bedrückten". Julius Rosemann — unterstützt von der völlig gleichstreb enden Gattin — war ein Wohltäter großen Stiles — der „Schamosch" war ein rechter Gabai — er gehörte zu Hamburgs erlesensten flpTX *KM — war unermüdlich im Einsammeln von Zedokoh — für verschämte Arme des Ortes, für Bräute, deren manche es allein seiner Tatkraft dankte, daß sie zum ersehnten Ziel gelangte, für würdige trasn 'Ta^n aus der Fremde, denen er groß2ü{?ig half täit Rat und Tat, denen «eine von vielen freudig honorierte Empfehlung auch den Weg zu anderen Kreisen öffnete, selbst in andre Länder ebnete. Mit Julius Rosamann verliert das orthodoxe Hamburg eine seiner besten und stärksten Persönlichkeiten. Mit der Trauer der greisen Mutter, mit dem Schmerz der frommen Gattin, mit dem Weh der guten Kinder verbinden wir alle unsre Klage: cpjtor vk\ ksö' >a „wo finden wir wieder solchen Treuen" —! Aber in das Klagen und Weinen mischt sich eine Stimme, die tröstend und aufrichtend all den Gebeugten zuruft: „Die Treue deiner Zeiten wird zum starken Quell-des Glückes". — Julius Rosemann geht nun einem himmlischen Glück entgegen, das ein irdisches Wirken ihm gesichert. rrnsin Pforzheim, 18. Dez. Ganz seinem Wesen entsprechend feierte Herr Morite Hamburiger am 16. ds. im engsten Familienkreise .seinen 7 0, Geburtstag. Möge es ihm vergönnt sein, im Kreise seiner Kinder und Enkel einen ruhigen Lebensabend n3B7 rm» zu verbringen. Rhina, 15. Dez. Am ersten Tag Chanuka wird Frau Jettchen Bacharach 101 Jahre alt. Der Gesundheitszustand der Greisin hat in ihrem vergangenen Lebensjahre sehr oft bedenklich geschwankt. In geistiger Beziehung ist sie dagegen jugendlich und elastisch geblieben. wmv Familien-Nachrichten. Barmizwoh: Schimon Zwi, Sohn des Herrn Salomon Knopf, Rückertstr. 48, Synagoge Friedberger Anlage, zwi Km. — Abraham, Sohn des Herrn Moses Rosenblüth, Berlin NW 87, Siegmundshof 11, wi mw, Synagoge SiegmundshoL V e r m ä h 11 e: Lea Risch, Ascher, Reens, Den- Haag, Weteringkade 83, 29- Dezember 1935. Vermischtes. Berlin, 16. Dez. Die Aguda-Jugenid veranstaltet vom 25. bis zum 29. Dezember in Blankenese bei Hamburg ein Gesamttreffen. Neben einigen Erziehuttgsdiskussionen stehen 'Fragen, die uns das jüdisch-öffentliche Leben •hier und in Erez Jisroel heute aufgäbt, im Mittelpunkte des Treffens. Evtl. Anfragen sind an Salo Neuberger, Berlin N 24, Artilleriesfcr, 31 zu richten, Hamburg, 13. Dez. Für einen neu eingerichteten Lerakunsus benötigen wir ca. 15 Exemplare von Mischnajoth Schabbos, sowie Chaje Odom. Es genügen selbstverständlich gebrauchte, aber gut erhaltene Exemplare und bitten wir, entbehrliche Bücher uns für diesen Zweck freundlichst zu überlassen und 'dieselben unfrei zu senden an: Landesdirektorium des Keren Hatorah in Deutschland, Hamburg, Heinrich Barthstr. 21, 2. b. Pels. London, 9. Dez. Ein für" die Gesamtheit der westeuropäischen Orthodoxie bedeutsamer Festtag war die hier gestern von den Schönfeld'schen „ Jewish Secondary Sehools" (für Knaben und Mädchen) vor einem großen Publikum abgehaltene Schlußfeier mit Preisverteilung; denn sie legte öffentliches Zeugnis ab für die Entwicklung der von dem heimgegangenen Raw der „Adaß Jißroel", Dr. Schönfeld b"i\. gegründeten und von seinem jugendlichen Sohne und Nachfolger tatkräftig weitergeführten Schul-Unternehmungen. Beide Schulen, die nach dem Muster der S. R. Hirsch-Schule aufgebaut sind und in deren Geist geführt werden, geben jetzt mehr als 150 jüdischen Kindern eine harmonische jüdisch-weltliche Erziehung. Die Knabenschule wird von Dr. E. Blum, die Mädchenschule von Frau Dr. Judith Grünfei d-Rosenbäum unter der gemeinsamen Direktion von Rabbi Dr. Schönfeld geleitet. Die Feier, die nicht zu Unrechthier den Namen „Speech- DayJ' .führt...brachte der Schule warme Worte der Anerkennung-aus dem Munde des Doputy Mayor von Stoke Newington, Capt. Franks, des Parlamentsabgeordneten Sir Geo W, H, Jones, der scharf niit Herrn Oswald Mosley und seinen Trabanten abrechnete, und des Vorsitzenden der Veranstaltung und Gönners der Schule, Mr. Sampson Freedman. Nach den Reden und Berichten der Schulleiter folgte die feierliche Preisverteilung an die Kleinen und Großen durch Mrs. Gabriel, worauf prächtige Schulaufführungen, die der schauspielerischen und deklamatorischen Gewandtheit der Schüler und Schülerinnen alle Ehre machten, den Abend abschlössen. Außer einem allerliebsten Blumenspiel der Kleinsten, wurden drei Szenen aus Shakespeares Sommernachtstraum zur Darstellung gebracht und ein ernstes, an die Person der Königin Esther anknüpfendes symbolisch-dramatisches Spiel des Schulleiters, das den Willen zum Judentum betont. Ghorgesänge umrahmten die Feier. — Nächste Woche soll ein großes Bankett der Schule die dringend erforderlichen größeren finanziellen Mittel zuführen. Die Frankfurter Woche. Aus der Ortsgruppenarbeit der Agudas Jisroel. Die Generalversammlung der Ortsgruppe, die letzten T\zv-Abend im Hörsaal stattfand, sollte weniger statutarischen Verpflichtungen genügen, als vielmehr Auftakt zu neuer reger Arbeit darstellen. Diese Aufgabe wurde in vollem Maße erfüllt, es zeigte sich ein Arbeitswille und eine Ueberseugtheit von der Notwendigkeit der Ortegruppenarbeit, wie dies wohl seit Jahren nicht mehr der Fall war. Die Diskussion brachte außerordentlich wertvolle Anregungen. Es. fanden die Delegiertenwahlen zum Delegiertentag sowie Vorstandswaihlen statt. In den Vorstand wurden, gewählt: R.-A. Dr. Schlesinger als Vorsitzender, Direktor Dr. Elias, Ernst Adler, Dozent Ehrentreu, Dr. Herrn. Hirsen, Leo pold Löwenthal, Moses Oel/baum, Herr Tider. Den ausscheidenden langjährigen Vorstamdsmitgliedern, Herren Leopold Schwab und Leopold Oppenheimer wurden vonseiten des Herrn Vorsitzenden warme Worte des Dankes für ihre langjährige- und unter schwierigen Verhältnissen, bewährte Tätigkeit ausgesprochen. Es war ein historisches Ereignis, als, vä&Meacbjt : -zumersten; Male, samtliche: Frankfurter agu/djjstiK'che "Gruppen, Ortsgruppe, Frauenortsgruppe, Noar Agudati, Jugendgruppe und Esra-Pirche Agudas Jisroel mit einer Beteiligung, die den Hörsaal bis zum letzten Stehplatz füllten, erschienen waren, um den formvollendeten und von der Liebe zum Lande durchglühten, sdchabar noch unter dem aufwühlenden. Eindruck des Geschehenen stehenden Ausführungen des Mitglieds der Palästinazentrale, Dr. Siegfr. Oppenheimer, m lauschen, Da« iLand erstand vor den Augen des Hörers in seiner merkwürdigen Zwiejspältigkeit, seinem Gegensatz zwischen paradiesischer . Schöne und grausiger Oede, in der schier unüberbrückbaren Versohiedenartigkeit seiner Bewohner. Und das agudistische Schul- Und Siedlungswerk wurde geschildert, in sachlicher Einfachheit, in seinem Sosein, ohne propagandistische Uebertreibung, und gerade das wirkte überzeugend und ermutigend. Der. Abend hat uns viel gegeben. Freitagabendveranstaltungen der Israelitischen Religionsgesellschaft. Freitag, den 20. Dezember, 20.15 Uhr, spricht Herr Dr. Isaac Breuer, Hörsaal Friedbergeranlage 5. Veranstalter: Jugendausschuß der I. R. G. Aus der Aguda-Jugendgruppe. Die in der Hauptversammlung vom 24. November gewählte Werbekommission hat, wie wir erfahren, ihre Arbeiten bereits aufgenommen. Ueber die Ergebnisse dieser Bemühungen wird von Fall zu Fall ein kurzer Bericht erstattet werden. Henriette Besthoff-Hort für jüdische Mädchen. Auf vielfach geäußerten Wunsch hat die Leitung des Henriette Besthoff-Horts für jüdische Mädchen sich entschlossen, Kinder invermehrter Zahl aufzunehmen. Sie glaubt damit den Schwierigkeiten, von denen in heutiger Zeit besonders unsere Hausfrauen betroffen werden, Rechnung tragen zu sollen. . Schon seit längerer Zeit machen eine Anzahl Familien unserer Gemeinde von dieser segensreichen Einrichtung Gebrauch und sind mit ihren Erfahrungen außerordentlich zufrieden. Wir gestatten uns darum, jetzt, da die Frage besonders dringlich ist, nochmals auf diese Möglichkeit hinzuweisen, gegen geringes! Entgelt von. Montag . bis Donnerstag täglich drei bis vier Stunden nachmittags daia Kind unter bewährter Leitung seine Schulaufgaben erledigen und spielen zu lassen; auch Naehmlttagskakao wird geboten. Den veränderten Zeitverhältnissen .entsprechend haben wir den Preis auf Mk. 3.— monatlich ermäßigt. Bei mehreren Gsechwistern kann nötigenfalls eine weitere Ermäßigung eintreten. Anmeldungen im Hort oder bei den Klassenlehrern, Chanukafeier im Hort für jüdische Mädchen, Zu der am Montag, den 23. Dezember, nachmittags 4.15 Uhr in der Israelitischen Volksschule stattfindenden Chanuka-Feier des Henriettte Besthoff-Horts für jüdische Mädchen sind alle Freunde des Hortes herzlichst eingeladen. Eine Gedenk- und Feierstunde zu Ehren des Wiikomirer Raw Zu einer Gedenkstunde für den dieser Tage heimgegangenen Gaon von Wilkomir fand sich am Sonntag nach Minchoh eine zahlreiche Gemeinde im Hörsaal der Synagoge Friedberger Anlage zusammen* Unser GenaeinderabbinGr, iHerr Jos. Horowitz, leitete die Gedenkfeier mit ehrenden Worten über ■die sühnende Wirkung des Heimganges von geistigen Führern unter Anknüpfung an die talmudische Er- ' Zählung von Rabba Sohn Nachmenis, dessen Seele nn»3 in Reinheit und Heiligkeit zu den Höhen ausstieg, ein. Die Gedenkrede hielt Herr B. R a - chelsoihn, ein Schüler des großen Rabbi, der, stellenweise mit tränenerstickter Stimme, ein umfassende® Bild des Gaon, seines Lebens und seines Lehrens entwarf, Die Leistung dleseis1 Mannes war, um ein Wort von Rabbi Meiir Simcho zu gebrauchen, . nicht ein nbiv, es waren a^rbv Friedensopfer, die dieser große Lehrer mit dem der Welt zugewandten Blick/ mit seinem wannen Interesse für Gemeinde und Gemeinschaft sein Lebenlang gebracht hat. Herr Oberkanfor Peis-sacho.witsch schloß 'die erhebende Feier mit einem stimmungsvollen ~i"nx -Gebet. Sitzung der Gemeindevertretung der Israelitischen Gemeinde. In der am Mittwoch Abend stattgefundenen Sitzung der Gemeindevertretung der Israelitischen Gemeinde wurden Herr Carl Weil als neues Vorstands- - mitglied und Herr Direktor Ernst C a h n als neues G. V.-Mitglied begrüßt. Dem Jüdischen Kulturbund wurde für das laufende Spieljahr ein« Subvention von Mik. 6000;— bewüligt; insbesondere von der Volkspartei wurde gewünscht/ daß . der Kulturbund der Pflege des vorhandenen; jüdischen Kulturgutes^, mehr Raum gewähre und auch Veranstaltiunigen zu volkstümlichen Preisen abhalte. Zum Ausbau der Arnold Lazarus -Halle und für die Arbeiten der Jugendkommissdon wurden Beträge bewilligt,, ebenso ein Überbrückungskredit für die R«iigipnssctol'e Unterlinidan, ' Der .Vorsitzenide ä widmete dem kürzlich verstorbenen Getoeindevertretery Herrn* Stem-Bing, warme Gedenfcwosrte. T

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