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Der Israelit · 1935-12-19 · Heft 51 (19.12.1935) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 51 (19.12.1935)
Date
1935-12-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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19. Dezember 1935 Der Israelit trümmert. Nationalistische Studenten zogen durch -die Straßen und mißhandelten die judisch ausseihenden Passanten von denen zahlreiche mehr oder we- ., . ■ niger erheblich verletzt wurden. .Die Rettungsstation mußte in zehn schweren Fällen intervenieren, doch ist die -Zahl der Schwerverletzten weit größer. Die Polizei griff im Verlauf des Tages wiederholt ein, doch immer wieder sammelten «ich die zerstreuten Demonstranten zu neuen Anigriffstrupps. Es wurden insgesamt 50 Personen verhaftet. 'Es siegte die Liste -MAcoscu. * - Brief aus Rumänien. Bukarest, 10. Dez.' Die autonome orthodoxe Israelitische Kultusgemeinde in GmBwiardein (Oradea) hat einen Preßprozeß wegen Verleumdung gegen den Redakteur des angeblich misrachiisttaschen Wochenblattes „ N e - p' ü in Je " „ A.. ~W a s s e r s t r o m , angestrengt, der jahrelang einen wahren Vernichtungsfeldzug. gegen die Leiter der Gemeinde führte und sogar ihr« verstorbenen Eltern auf das (brutalste angegriffen hat. Nun schlug — wie sich eine, in Großwardein erscheinende nicht jüdische Tageszeitung ausdrückt — das Gericht „dem Revolverhelden aus Texas" die Waffe aus der Hand. Wasserstrom hat e'ine Ehrenerklärung den Klä-_ gern abgegeben in dem Sinne, daß er auf Grund falscher Informationen übelwollender Männer tendenziös« Unwahrheiten veröffentlicht hätte. Er bittet um Entschuldigung und übernimmt sämtliche Prozeßkosten. Wie das orthodoxe „Hoemesz" ergänzend , mitteilt, hat sich Herr W. auch verpflichtet, bis zum Jahre 1938 keine Angriffe gegen die Gemeindeleitung zu veröffentlichen, des weiteren Oberrabbiner Joel T e i t e 1 b a u m in Satmar fernerhin mit seinen grundlosen und haßerfüllten Angriffen zu verschönern. Zur Sicherstellung hat er zu treuen Händen eine Kaution von 50.000 Lei erlegt. Der Minister für nationale Arbeit, Dr, Valerius Roman, hat einen Entwurf zur Regelung der Handels- und Gewerbekonzessionen ausgearbeitet, Er plant, die Erteilung von einer Sprach- und Qualifikataonsprüfung abhängig zu machen. 'Die Interessenten-Vertretungen nehmen scharf gegen den Plan Stellung und die rumänischen Juden wittern ein neues Verhängnis. "Wie bekannt hat der cuzistiische Abgeordnete!R oh u bei der Installation des Gzernowitzer Metropoliten den Bukareste* Oberraibibiner Dr. Niemer o w e r insultiert. Der Metropolit hat wegen des Vorfalls sein Bedauern zum Ausdruck gebracht und dem Robu die Teilnahme am den Sitzungen des Konsistoriums, dessen Mitglied er ist, solange untersagt, . bis er dem Oberrabbiner Genugtuung verschafft hat. Robu aber trotzte (diesem Verbote und ist ohne Einlädung bei der Sitzung erschienen. Der Metropolit hat hierauf persönlich die Staatsanwaltschaft angerufen und.'die Entfernung Robus verfügt. Die. beßarabischen Juden haben beschlossen, sich unmittelbar an den König zu wenden und ihn um Bändigung der antisemitischen Bewegung zu bitten. Großes Aufsehen erregt es, daß Außenminister Titulescu dem bekannten antisemitischen Führer und lärmenden Völkerbundgegner, Prof. C u-z a, zum Mittagsmahl geladen und mit ihm, dessen Partei vor nicht langer Zeit den Minister als „Judensöldling" brandmarkte eingehende Verhandlungen pflegte. Prof. Cuza und ein Mitglied der nationalzaranistischen Partei haben den Landwirtscbaftsmdnjis.ter Wege» angeblicher Landkäufe der ICA. in Beßarabie« interpelliert, bei welchen die Agrargesetze umgangen worden seien. Der Minister versprach ausführliche Auskunft zu erteilen. Auf der Landstraße zwischen Klauseniburg und der Ortschaft Iklod wurde ein jüdischer Fuhrmann, Max Lasar, der für eine Familie von 11 Personen zu sorgen hatte, wie sein Sohn bestialisch ermordet und ausgeraubt; Für die armen Hinterbliebenen hat die jüdische Tageszeitung „Uj Kelet" eine Sammlung eingeleitet, die die Aufmerksamkeit der weiteren jüdischen Oeffentlichkeit verdient. Der wachsende Antisemitismus im Lande hat die verschiedenen jü&ch-po'h'tisehjen Parteien "zur engeren Zusammenarbeit veranlaßt. Als erstes Ergebnis ist eine gemeinsame Votsprache beim Ministerpräsidenten Tatarescu izu verzeicilkieni. Sowohl der Die Woche. •j Berlin. Das D. N. B. teilt mit, daß im Einvernehmen mit dem geheimen Staatspolizeiamt Direktor Georg K a r e s k i, Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde in Berlin, zum verantwortlichen Leiter des Reichsverbandes jüdischer Kultusbünde bestimmt worden ist. .Die Verantwortung für die künstlerischen Veranstaltungen liegt nach wie vor in den Händen des> Intendanten Dr, Kurt Singer. Gießen. Zwei Angeklagte, die in Langsdorf in betrunkenem Zustande in die Wohnung einer jüdischen Familie eindrangen und sie mißhandelten, wurden, nach der „Frkftr. Ztg.", vom Schöffengericht in Gießen zu 6 Wochen bezw. 6 Wochen und drei Tagen Gefängnis verur- - teilt. Schon vorher wurden sie auf Anordnung des Gauleiters für einen Monat1in Schutzhaft genommen. Nürnberg. Auf einer Kundgebung in Nürnberg sagte, nach einem Beirichte der fränkischen Tageszeitung", Gauleiter B ü r c k e 1, der Reichskommissar . für die Rückgliederung des Saargebietes, daß in wenigen Monaten, am 1. März 1936, das Saargebiet das judenreiaste L a n d Deutschlands sein werde. Köln. Der Jugendverein „Gabriel Rießer", der älteste jüdische Jugendbund Kölns, hat mit Rücksicht auf die Zeitunistände seinen Namen geändert. Er heißt jetzt „Jüdischer Jugend verein". Amsterdam. Dem Inspek- -teur. des Sanitätsdienstes, Generalmajor S. W. P r a a g , wurde in Anerkennung seiner Verdienste für die Ausstattung des niederländischen Roten Kreuzes nach Abessinien das Verdienstkreuz durch die Kronprinzessin von Holland überreicht. Neben Praag, der bewußter Jude ist, nehmen auch noch andere Juden als Aerzte und Helfer an der Expedition teil .— Am 1. Jahrzeitstag für Oberrabbiiner Onderwyzer wurde auf dem jüdischen Friedhof das G r a b d e n km a 1 feierlich enthüllt, wobei eine Reihe von Gedenkreden gehalten wurden. Kattowitz. Nach Mitteilungen der ITA. sind im Zusammenhang mit den Sprengstoffanschlägen gegen Synagogen und jüdische Häuser in der Gagend von Kattowitz 30 Verhaftungen vorgenommen worden. In W i 1 n a richtete ein Sprengkörper in einem jüdischen Glasgeschäft erhebliche Sachschäden an. Warschau. Diese Woche sind 750 Olim aus Polen nach Palästina abgereist. Die Schwächung in der Frequenz des Warschauer Palästina-Amtes kommt daher, weil die Einwanderungsquote für da® Halbjahr Oktober-März noch nicht festgesetzt wurde. — Nach einer veröffentlichten Statistik, sind in den letzten zehn Jahren insgesamt 155 Personen aus der Gemeinde ausgetreten, von denen aber nur 37 sich taufen ließen. Der große Rest erklärte - sich als Freidenker, Im Jahre 1935 sind 12 Personen aus der Gemeinde ausgetreten, von denen nur einer die Taufe nahm. — Die hier abgehaltene Landeskonferenz der polnischen Bauernpartei nahm eine Resolution an, die sich gegen den Antisemitismus und für die Gleichberechtigung der J u d e n ausspricht. Die Bauernpartei sehe die Lösung der Juidenfrage in , der jüdischen Auswanderung nach Palästina. Budapest. Aus Anlaß des 40jährigen Jubiläums der Jud e n e m a n z i p a t i o n finden in den Synagogen Ungarns Fesig'ttesdaenste statt, London. Entgegen vielfachen Gerüchten, wird der ITA. von zuständiger Seite mitgeteilt, daß Sir Herbert Samuel für die Uebemahme des Oberkommissariats für Auswamderungsfürsorge nie in Frage kam noch kommen wird. Jerusalem. Es ist der Polizei gelungen, das letzte Mitglied der arabischen Terroristembande, die vor kurzem den Aufstand gegen 'die Polizei unternommen hatte, den Scheich Araf, zu verhaften. — Der seit langer Zeit geführte Streit um den Boden von Chefziba ist letztinstanzlich zu Gunsten der Juden entschieden worden. — Die arabische Presse konstatiert »inen Rückgang des Touristen- und P i 1 g e r v e r k e h r s vor den Feiertagen im Vergleich zum vorigen Jahr. Dieser Rückgang hänge mit der Unsicherheit der internationalen Lage 'zusammen. Tel Awiw. Das BiaÜkhauis geht in die Verwaltung ■, der Stadt Tel Awiw über. Es soll darin 'ein B ia 1 ik-Mus eum einge- " rächtet werden. Die Witwe Bialiks bekommt eine Abfindung in der Form eines monatlichen Ruhegehalts von Lst. 40.—. Nr. 51 Seite 9 Ministerpräsident, wie der Minister des Innern haben der Deputation zugesagt, daß sie mit allen Mitteln die Ruhe des Landes und die Rechte der Bürger wahren wollten. Ungarn. Brief aus Ungarn. 'Budapest, 10. Dez. In der ungarischen Hauptstadt sind bedenkliche Symptome eines wirtschaftlichen Antisemitismus aufgetaucht. Die Turul-Organisation der Hochschüler hat eine Broschüre veröffentlicht welche den Titel / trägt „Schlage nicht den Juden!", gegen die Hochschulkravalle, aber für den wirtschaftlichen Boykott der Juden eintritt. Sie verlangt, daß 'die Juden auch in den privatwirtschaftlichen Unternehmungen bloß nach ihrem Prozentsatz vertreten sein sollen. Der Antisemit Karl W o 1 f f durfte unbehelligt Plakate anbringen, welche unter den Symbolen des Weihnachtsfestes die Bevölkerung ermahnen, nimmer bei jüdischen Kaufleuten zu kaufen. „Szombat" veröffentlicht „aus absolut wohlinformierter Quelle" die unglaubhafte Nachricht, daß es der Budapest er orthodoxen Israelitischen Kultusgemeinde gelungen sei, für den seit Jahren vakanten Oberrabbinerposten den Preßburger Oberrabbiiner Akiba Schreiber zu gewinnen. Oberrabbiner Schreiber würde auch Landesrabbiner der ungarischen orthodoxen Juden sein (einen derartigen Posten gibt es im heutign Ungarn überhaupt nicht) und selbstverständlich auch Herrenhausmitglied. England. Palästinairaden im Englischen Unterhaus. London, 15. Dez. Auf eine Anfrage, warum die Einwanderung sschedule. für Oktober immer noch nicht bekanntgegeben ist, antwortete Kolonienminister Thomas, daß die Vorschläge der Jewish Agency für die Halbjahresschedule erst am 5, Dezember dem High Commissioner unterbreitet werden konnte, der zur Zeit die Angelegenheit prüfe. Mit dem Vorschuß von 1000 Zertifikaten sei der ersten Not abgeholfen worden. In Sachen der Aerztesperre sagte der Minister/ daß die neue Verordnung keine Beschränkung für die Ausübung der Praxis solcher Personen vorsehe, die palästinensische Bürger sind oder bereits vor dem 1. Dezember 1935 Erlaubnis zum dauernden Aufenthalt erhalten halben. Die Verordnung sei in der Ueberfüllung des ärztlichen Berufes in Palästina begründet, und von bereits in Palästina niedergelassenen Aerzten selbst gewünscht worden. Der Minister beantwortete noch weitere Fragen, die sich auf die Levantemesse und auf die Besserung der Verkehrsverhältnisse in Palästina bezogen. Des Ferneren kündigte der Minister an, daß der Englischunterricht in allen Schulen Palästinas, die von der Regierung unterhalten oder unterstützt werden, noch wesentlich ausgebaut werden soll. Die Frage des Legislative Council. London, 15. Dez. Die halboffizielle Zeitschrift „Great Bitian and the East" setzt sich mit den jüdischen Bedenken gegen die Einberufung des Legislative Council auseinander und wünscht von den Juden eine Verständigungsbereitschaft gegenüber England wie den Arabern, bevor es zu spät sein. Der Aufsatz beruft sich auch auf eine Aeußerung des bekannten Landwirtes und Schriftstellers Mosche SmiLanski der zur / absoluten Verständigung mit den Arabern mahnt. Freilich wird dabei übersehen, daß ein freundnachbarliches Verhältnis zu den Arabern, das wir ja alle sehnlich herbeiwünschen, noch lange nicht die Einberufung der iSelbstvertretung in Palästina zu einer Zeit rechtfertigt, da eine gerechte Zusammensetzung nach der Kopfzahl und den Interessen der Bevölkerung leider nicht zu erwarten, ist. Im Aufsatz wird aber weiterhin die Einberufuing des Legislative Council als die Erfüllung eines gegebenen Versprechens geschildert und für absehbare Zeit in Aussicht gestellt.

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