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Der Israelit · 1935-12-19 · Heft 51 (19.12.1935) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 51 (19.12.1935)
Date
1935-12-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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^^'^.^f^S^^^SäfSr^i^1 ^^■'S^^^^g'y^^^fgg^g^ ^Kpüi^^^^P^^p^^ « Seite 8 Nr. 51 Der Israelit 19. DmmW 1935 Lehrlinge dürften, nur noch der Hitlerjugend entnommen werden. Auch in der Versammlung der Zimmerer Innung wurden die Meister darauf hingewiesen, nur noch solche junge Leute als Lehrlinge anzunehmen, die aus der Hitlerjugend hervorgegangen seien. Die Betreuung der Juden im Winterhiliswerk. Berlin, 12. Dez Der Reichst eauftragte für das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes, H i 1 g e n f e 1 d t, betonte in einem Vortrag vor den ausländischen Diplomaten und der ausländischen Presse, daß das. Winterhilfs werk ohne Rücksicht auf die (Konfession oder politische Einstellung vorgenommen werde. Auch 'in der Betreuung der Ausländer und Juden werde keine Ausnahmen gemacht. Im Gegensatz zu gewissen Meldungen ausländischer Korrespondenten würden auch die Juden in Deutschland betreut. Er habe aber aus Gründen der Vernunft eine Aenderung der Organisa tion der Betreuung der Juden vorgenommen und da mit gewisse Reibereien ausgeschaltet. Die Betreuung der bedürftigen Juden sei nunmehr den jüdischen Wohlfahrtsvereinen und der Zentralwohlfahrtsstelle deutscher Juden zugewiesen. Sie werde aber unter der Ueberwachung der NSV. vorgenommen. Im WHW 1934/35 wurden ins.ges.amt 29.108 Juden betreut, davon in Groß-Beriin allein 13.818. Um den ausländischen Zuhörern weiterhin einen Begriff von der Neutralität des WHW zu geben, gab er bekannt, daß im Verlauf des letzten Winters 69.336 Ausländer und Staatenlose betreut wurden, davon in Berlin 8054 Personen. Die Rassengesetze bei der Arbeitsvermittlung. Berlin, 13. Dez. Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvern^tlunig und Arbeitslosenversicherung hat den Landesarbeitsämtern und Arbeitsämtern die Nürnberger Gesetze mit einem Erlaß zur Kenntnis gebracht, in dem darauf hingewiesen wird, daß die Gesetze nebst ihren Ausführurngsbestimmungen für die Durchführung der Arbeitsvermittlung von weittragender Bedeutung seien, namentlich für die Vermittlung von Frauen und Mädchen in der Hauswirtschaft. Die gesamte Arbeitsvermittlung habe sich künftig nach diesen Gesetzen und Verordnungen zu richten. Er mache daher die Beachtung dieser Gesetze und Anordnungen und der darin zum Ausdruck kommenden weltianschaulcben Grundsätze den Landesarbeitsämtern und Arbeitsämtern bei der Arbeitsvermittlung zur besonderen Pflicht. Polen. Licht- und Schattenbilder aus Polen. Warschau, 13. Dez. An den Universitäten gibt es immer noch keine Ruhe. Die Regierungsbehörden geben beruhigende Erklärungen, ab, die ganz gewiß ernst gemeint sind. Eine Abordnung des Rabbinerverbandes in Polen und Warschauer Rabbiner waren zusammen mit jüdischen Parlamentariern beim Minister des Innern vorstellig, dem sie die Lage im Ganzen und in allen Einzelheiten schilderten. Der Minister antwortete, die Regierung sei stark genug, um alle (Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung zu treffen und durchzuführen. Inzwischen geht in den Stadtvertretungen der Kampf gegen die Schechita weiter. Es ist von jüdischer Seite nichts versäumt worden, was zur Abwendung der Gefahr für die drei Millionen Juden in Polen nur getan werden kann. Auch in dieser Frage nehmen die Regierungsstellen, wie man hört, eine sehr tolerante Haltung ein. In der Sitzumg des Warschauer Stadtrates vom 11. Dezember traten Senator Trockenheim und Stadtrat Mieczeslaw Cohn dien Angriffen des Ratsmannes Krause auf die Schechita wirksam entgegen, so daß die antisemitischen Anträge abgelehnt wurden. Es wurde aber beschlossen, eine Statistik über die in Warschau zur Schichtung kommenden Tiere aufzunehmien. Auch soll ein Gesetz bewirkt werden, durch weichest den Metzgern, die ■Koscberfleisch verkaufen, verboten wird, auch nicbtgeschächtetes Fleisch feilzubieten. Letztere Verordnung kann nur im Interesse des Kaschruthwesens liegen. Im Polnischen Senat wurde der jüdische Senator Rabbiner Schorr mit großer Majorität in die Bildungskommisisdon hineingewählt. Ebensolche Stimmenmehrheit ergab sich für den aguddstdschen Senator Trocken he im, der in die finanzwörtschaftliche Kommission gewählt wurde. In der Budgetkommission satzen keine Juden« Senator Schorr, dessen Kandidatur Trockenheim unterstützte, blieb in der Minderheit. " Eine kleine Erleichterung "für die sabbathaltenden Kaufleute ergibt sich mit der jetzt An Kraft .getretenen Verordnung, wonach die Geschäfte am Samstag abend, wie am Vorabend bürgerlicher Feiertage bis 9 Uhr abends offen gehalten wenden dürfen. Damit ist es den jüdischen Kaufleuten gegeben, noch vier Stunden nach Sabbatausgan.g den Verlust vonzwei Ruhetagen in der Woche ein wenig wett zu machen. fn Galizien wird von den jüdischen Gemeinden verlangt, daß sie für ihre Mikwoth und Schächthäuser Gewerbesteuer zahlen, obwohl die Kultuseinrichtungen anderer Konfessionen steuerfrei sind. Das bedeutet eine ganz große Belastung für die ohnehin stark verarmten Kultusgemeinden in Galizien. Eine Abordnung unter Führung von Dr. Rafael Landau in Lemberg befindet sich zur Zeit in Warschau um eine Rücknahme der gesetzlichen Verordnung zu bewirken. Das Elend der Rückwanderer. Warschau, 16. Dez. Auf Grund der neuen Verordnungen in Frankreich und Belgien sind dort viele Emigranten gezwungen, das Land zu verlassen. In Brüssel und Antwerpen allein ernährten sich" ungefähr 2000 Juden als Hausierer, die ihre Waren auf den Märkten und in den Häusern verkauften. Ihnen allen wurde die Hausiererlizenz .genommen, und sie sind mit ihren Familien dem Hunger preisgegeben, wenn sie nicht weiter oder zurück wandern wollen. In Frankreich erhielten auch diejenigen Arbeiter, die bis jetzt noch Arbeitserlaubnis in Fabriken und Werkstätten hatten, die Erlaubnis nicht mehr erneuert. Den Arbeitgebern ist bei schwerer Strafe verboten, Ausländer zu beschäftigen.. Obwohl diese Gesetze nicht speziell gegen Juden igemünzt sind, wirken sie sich doch nur gegen Juden aus. Die polnischen Konsulate stehen den Gesetzen machtlos gegenüber und von den jüdischen Komitees können die Brotlosen auch keine Hilfe erwarten. Die nichtjüdischen polnischen Arbeiter kehren in Massen nach der polnischen Heimat zurück und finden sofort ihren Arbeitsplatz in der Fabrik oder im Bergwerk. Die heimkehrenden Juden aus den Westländern stehen noch ärmer und verzweifelter da, als die Aermsten der Armen in Polen, Hier erhebt sich innerhalb der Emigrantentragödie ein Problem dessen Lösung vielleicht noch am schwersten ist. Ein Rabbi iährt nach Palästina. W'arschau, 16. Dez. Dieser Tage fuhr der Soc ha schiner Rabbi mit einer großen Gruppe von aiguidistischen Olim nach Erez Israel ab. Der „Sochaschiner'', Rabbi Jehuda Gutentag, ist einer der bedeutendsten orthodoxen Führer in Polen und seit Bestehen der Agudas Jisroel einer ihrer eifrigsten Mitarbeiter. Sein Einfluß auf die religiöse Jugend ist sehr groß. Der Rabbi machte sich auch mit einigen Werken halachischer und jüdisch-politischer Natur einen Namen. Seine Zionsliebe ist unbegrenzt. So sehr man seine Auswanderung in Polen bedauert, darf man es freudig begrüßen, daß der Rabbi an der Spitze seiner Agudagruppe nun die jüdische Heimat findet und dort noch weiter jüdische Menschen führen wird. Feierliche Proklamation des Keren Hajischuw in, Wilna. Wilna,. 16. Dez. Am Sonntag, den 5. KAslew,. wurde hier eine K e - ren Hajischuw-Aktion mit einem feierlichen Akt eingeleitet, Als Gäste waren erschienen der Präsident der polnischen Aguidas Jasroel, Herr I. M. Lewin, der Luczer Raw und viele angesehene Rabbinen aus der Umgegend. Nach einem Empfange der Presse und einem Besuch bei Rabbi Chaim Oser Grodzenskii begann die EröffnungsiEeier im überfüllten großen Saale des Konservatoriums, Herr Abraham Stur mann übernahm den Vorsitz und erteilte das erste Wort dein L u c z e r E. a w, der als Teilnahmer an der Erez Jisiroel-Del.eigatiö'n der Agudas: Jisroel die erhebenden und gleichzeitig .erschütternden Eindrücke schilderte, die er in Erez Israel angesichts der Blüte des Landes und des Niederganges de® religiösen Lebens empfangen hat. Mit großem Interesse lauschte das Publikum seinen Berichten über die Audienz der Aguda-DeJegatdon beim Hiigh Cömmiissioner, der, unter Berufung auf die Bibel, sich auch seinerseits über den Niedergang des religiösen Lebens im Lande beklagte. Es wurde dann ein überaus herzliches Schreiben Rabbi" Chajim Oser Grodzenskis, der am Erscheinen verhindert war, verlesen worauf unter rauschenden "Ovationen Herr I. M. Lewin das Podium betrat. Redner wendet sich an das gesamte litauische Judentum, auch an diejenigen, die iin Saale nicht vertreten sind. Er unterstreicht dann .die Schilderung des Luczer Raw und betont, wie schmerzlich es sei, aus dem Munde der höchsten Beamten zu hören, daß dem Aufbau die jüdische Seele fehle; noch schmerzlicher, aus jüdischem Munde zu vernehmen, daß die Religion nur eine Institution des Galuth sei und in der Heimat keinen Platz hätte, Versprechungen der zionistischen Führer seien schon deswegen illusorisch, weil sie gar keinen Einfluß auf die Frucht Ihrer Erziehung hätten. Wenn es der Histadruth gelungen seitdem Leben im Lande ihren Stempel aufzudrücken so sehe man nur daraus, was eine Or- , ' ganisation auch im Guten machen könnte, wenn sie straff und mutig ans Werk geht. Ungezählte Tausende von Olim würden nichts ausrichten, wenn sie vereinzelt blieben, nur der Zusammenschluß könne es machen. Erez Israel könne nicht durch große Reden, nicht mit Protesten, sondern nur durch Arbeit aufgebaut werden. Die Malariasümpfe sejen ausgetrocknet, nun gehe man daran, die 'geistige Malaria zu beseitigen, eine Aufgabe, die der Aguda vorbehalten blieb. Das Instrument des Gesundungsprozesses sei der Keren Hajischuw der Agudas Jisroel, und die das Instrument bestens bedienen seien die Poale Agudas Jisroel. Selbst in den areligiösen Kibbuzim, davon hat sich der Redner überzeugt, sei noch nicht alles verloren. Es stecke im Unterbewußtsein noch mehr Jüdischkeit als man ahnt, sie müsse nur an den Tag geholt werden. In Erez Israel soll das Original des jüdischen Volkes geschaffen werden, wonach sich auch das Judentum überall in der Golah bilden kann. Redner schließt mit einem Appell zur Mitarbeit am Keren Hajischuw. Ein zu Herzen 'gehendes Schlußwort hält dann der Telechaner Raw, Rabbi Glück, Der Eindruck der Veranstaltung wird nachhaltig bleiben und Früchte bringen. Rumänien. Schwere antisemitische Studentenexzesse in Bukarest. Bukarest, 8. Dez. Nachdem vor einiger Zeit der antisemitische Teil der Bukarester Advokatenkammer durch einen Coup die Leitung der Kammer an sich gerissen hat, die Regierung aber .diesem Zustand der Gesetzlosigkeit ein Ende machte, sollte am Sonnabend, den 7. De- . zember die ordnungsmäßigen Wahlen in die Leitung der Advokatenkammer vor -sich gehen. Der Führer der antisemitischen Advokaten, Istrate Miceseu, aber mobilisierte mehrere Tausend seiner Anhänger, in der Hauptsache Studenten, die das Gerichtsgebäude, wo die Wahlen stattfanden, umstellten und den jüdischen Rechtsanwälten den Zutritt zur Urne verwehrten. ■ M ' Diese Aktion -artete noch im Laufe des Vormittags zu ausgedehnten antisemitischen Exzessen "'aus, die den Nachmittag hindurch und am Abend andauerten. Automobile, Autobusse und Straßenbahnen wurden von den Demonstranten angehalten, jüdische Fahrgäste wurden hinausgeworfen und verprügelt, ein Auto wurde vollständig demoliert., An jüdischen Läden und Wohnungen wurden .die Fensterscheiben zer-

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