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Der Israelit · 1935-12-19 · Heft 51 (19.12.1935) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 51 (19.12.1935)
Date
1935-12-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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19. Dezember 1935 Der Israelit Nr. 51 Seite 5 wiß kein energischer, aufs Ganze gehender Beschluß von 'beträchtlicher wirtschaftlicher Tragweite gefaßt werden wird. Wir stehen also auf der ganzen Linie wieder einmal vor einer jener großen Enttäuschungen, an die man sich fast schon gewöhnt hat. Was nützt es, wenn die Experten-Kommission die ^Notwendigkeit der endlichen Regelung und Liquidierung des Transfer-Problems" betont, sobald sie nicht verrät, wie diese Regelung aussehen und was der Völkerbund dazu beitragen soll, Die Regelung des ,,gesetzlichen Status",und der Naturalisation der in den Nachbarländern lebenden. Emigranten ist gewiß eine wichtige Frage, aber sie verschwindet an Bedeutung hinter derjenigen des Schicksals der Hunderttausende, die noch auswandern müssen, und in idiesGim Punkte weiß der Bericht anscheinend nichts Besseres zu sagen, als daß es „größerer Fonds" bedürfe! Eine Bemerkung des Berichtes sollten sich die jüdischen Organisationen allerdings gesagt sein lassen — den Hinweis auf eine wünschenswerte „bessere C o o rd i mi a t i o n der Anstrengungen der privaten Organisationen"! 'Die Zusammenarbeit der jüdischen Organisationen war auch hier wieder recht mangelhaft. Zunächst war es ein taktischer Fehler, daß grade die Jewish Agency zu einer Vorbesprechung eingeladen hatte, obgleich man im voraus wissen konnte, daß die I. C A. dadurch zu Extratouren veranlaßt werden würde. Was denn auch prompt geschah; Herr Louis Oungre trat gesondert auf,' plädierte auf Verpflanzung der Flüchtlinge nach Südamerika nach den I. C. A.-Besitzungen, während die Jewish Agency, die doch verfassungsgemäß nur mit Palästina-Angelegenheiten zu tun hat, ohne ausreichende vorherige Fühlungnahme mit den anderen großen Organisationen durch Dr. Ruppin einen Gesamtplan vorlegte, der an sich zweifellos — wenn er von der Gesamth e i t der jüdischen Instanzen — getragen gewesen wäre :— unter Umständen praktische Wirkungen hätte auslösen können. Die übrigen Organisationen (die Agudas Jisroel war durch Rabbiner Dr. Lewenstein aus Zürich vertreten) ließen dann durch Dr. Bernhard Kahn gewisse Forderungen vortragen, zu -denen auch V e r h a n d 1 u n g e n m i-1 der deutschen 'Reichsregierung 'betreffend den Transfer jüdischen Kapitals und zwecks Ermöglichung einer geordneten,- statt einer chaotischen Auswanderung gehören. Man sollte sich aber darüber klar sein, daß diese Verhandlungen, nur dann Aussicht auf Erfolg bieten, wenn man auch im Auslände mit dem Aberglauben bricht, man könne durch Boykottierung der deutschen Ausfuhr etwas zur Verbesserung des Loses der deutschen Judettheit beitragen; wenn man endlich merkt, daß die ganze Boykott-Parole auf maßloser Ueiberschatzung der materiellen jüdischen 'Kraft, auf ebensolcher Unter Schätzung des Selbstbewußtseins- und der wirtschaftlichen und moralischen Widerstandskräfte eines großen Volkes, wie überhaupt auf ganz unpolitischen, von bloßen Ressentiments 'bestimmten Erwägungen beruht. Konzerte in der Synagoge. Die „Jüdische Zeitung" in 'Breslau bringt unseren Aufsatz über dieses Thema fast wörtlich .und bemerkt dazu: „Man kann über diese Frage auch vom Standpunkt des Religionsgesetzes aus durchaus verschiedener Ansicht sein. In den Ländern des Ostens, in denen ein wirkliches jüdisches Volksleben herrscht, ist die Synagoge durchaus als Versammlungsstätte für alle jüdischen Angelegenheiten, auch für nichtreligiöse, betrachtet worden. In der gegenwärtigen Zeit, in der den Juden häufig größere Räume für Konzerte, Versammlungen und dergl. außerhalb der Synagoge gar nicht zur Verfügung stehen, würde es eine Einengung des geistigen jüdischen Lebens bedeuten, wenn man die Synagoge für andersartige, geistige Zwecke vorenthalten würde. Heutzutage wird das auch u, W, in Deutschland nirgends getan. Wir glauben auch annehmen zu dürfen, daß »beispielsweise die Breslauer Orthodoxie gegen Synagogenkonzerte kein grundsätzliches Bedenken erhebt." Wenn die Breslauer Zeitung unseren Ausführungen keine schlagenderen Argumente entgegenzusetzen weißy als diese, so ist es nicht erfindlich,: wie sie aus dieser Gegenüberstellung den Schluß zu ziehen vermag, daß die Breslauer Orthodoxie gegen Synagogenkonzerte kein grundsätzliches Bedenken erheben werde. Mit dem Hinweis auf den Osten könnte man höchstens jüdische. Konzerte schlechthin, auch außerhalb der Synagoge verbieten. Aber soweit wollen wir gewiß nicht gehen, schon im Interesse der brotlos gewordenen jüdischen Künstler, denen neuer Lebensraum und Existenzboden geschaffen werden müssen. . Was aber die S y n a g o g e als Heim für Musikaufführungen betrifft, so bleibt es doch bei unseren, von der Breslauer jüdischen Zeitung dankenswerterweise übernommenen Ausführungen, und wir zweifeln keinen Augenblick, daß nicht nur die ausgesprochene Orthodoxie, sondern alle gut jüdisch gesinnten Mitglieder der Breslauer Gemeinde sich gegen die Abhaltung von Konzerten in der Synagoge zur Wehr setzen. Dem Delegiertentag Landesorganisation In ernster Zeit versammeln sich die Vertreter der Ortsgruppen der Agudas Jisroel in Frankfurt a. M. am 3. und 4. Tebeth (29. und 30. Dez. ds. Js.). Düstere Wolken verhängen das Firmament über den deutschen Juden. Innerhalb des ihnen zugewiesenen Lebensraumes ist die Lage der deutschen Juden geklärt. Aber der deutsche Boden wird ihre Jugend und einen Teil der älteren Generation nicht mehr ernähren. Sie werden sich eine neue Heimat suchen müssen. Und in einer solchen Zeit der allseitigen Liquidierung versammeln wir uns, um Ideologien zu hören, um über Ortsgruppenarbeit zu debattieren? Ja, so wird die Antwort aller Verständigen lauten: Heute mehr denn je bedarf es der organisatorischen Sammlung, der ideologischen Festigung. In den Tagen geruhsamer Entwicklung wurde der jüdische Mensch in das Milieu ge'feoder deutschen der A. J. entgegen. ren, dem er zeitlebens angehörte, und die Bindung an seine Gemeinde und das in ihr pulsierende Leben genügte, um alle Garantien für ein späteres jüdisches Leben zu gewährleisten. Die Mitarbeit am großen 'iHEP V?3 war eine Aufgabe, deren Sinn und Notwendigkeit, deren Ableitung aus den halachischen Kompendien nur wenige, führende Geister verstanden. Die große jüdische Welt hat die Beziehungen nicht begriffen, die zwischen den vier Ellen der Halacha des Einzellebens und der großen Organisierung der jüdischen Gesamtheit bestehen. Heute ist es klar vor allen, die es sehen wollen. Wollt Ihr, jüdische Väter und jüdische Mütter, daß Eure Kinder yn den Weg der HT'DD gehen, daß sie den D^SID in die Hände fallen, die. leider gerade in „unserem Lande" Molochopfer erhalten, wie sie zur Zeit der Emanzipation verkommt: sie wird entweder zur leeren Form oder zum Schaugepränge. Der Friede des Hauses umgibt sie mit der schützenden Mauer: die Eltern leben sie vor — denn Vorbild all ©in ist Erziehung — und so "bleibt sie in den Kindern lebendig! Das Wirken in die Weite, öffentliche Tätigkeit ist nur dann erfolgreich und gesegnet, wenn dem IMenschen dazu aus seinem Hause immer neue Kraft strömt! Wer im eigenen Haus zm säubern hat, kann nicht vor der Tür des Nächsten fegen! „Sammelt erst euch und dann 'die andern" lehrt Zephanja; „erst schmücket euch und dann, die andern," so erläutert Hesch Lokisch dies Prophetenwort! Erst wenn man in sekier Stadt gesegnet ist, kann man auch auf dem F e 1 d gesegnet ©ein! So segnet der xra "bv den Weg nach oben und den Weg ins Weite! Und vielleicht ist dies der Sinn jenes Wortes, das uns im Namen das Rabbi Elosor (in Psochim 88a) aufbewahrt ist: „Und es werden gehen viele Völker und sprechen: „Kommt, wir wollenhiiniajuif zieh ein zum Berg G'ttefi, zum Hause des G'ttes Jakobs!" Ist eis nur Jakobs G'tt, nicht auch der G'tt Abrahams und IsaJcs? Die Antwort: Abraham suchte G'tt auf dem Berg, in der Höhe,— Isak'suchte G'tt auf dem Felde, in der Weite — Jakob suchte und1 fand G'tt im Hause!" Jakob, den das Leid im Hause angesprungen hatte, er hatte es erkannt und erlebt: die wahre Kraft zum gHtgewollten, frommen Bandeln sie strömt aus dem Haus, »aus dem Frieden des Hauses, sie -strömt aus n>a "&V! Wolf S. Jacobson. Sidra-Anleitung für die Esra-Pirche Agudas Jisroel. Wajeschew: Nachtrag zu Kap. 35, 29: Rechne die Lebensjahre Jizchohs nach. iBr starb erst bei der Verkündung vom Aufenthalt Josefs* in Aegypten. Siehe hierzu die Josofsorzählung von Dr. J. Horovitz im Jahrgang 1917 des Jeschurun S. 658—678. Josef kommt nur im Berufsleben als Hirte mit den „Brüdern" zusammen. Seime Freizeit widmet er dagegen den „Söhnen der Frauen seines! Vaters", (Hirsch.) Hinweis auf den wichtigen Einfluß der mütterlichen Erziehung des Kinde®. Ist *wi Rffli du Kap. 37, 2 eine Anklage oder Entschuldigung? Wie ist - das geschilderte Verhalten Josefsi psychologisch zu verstehen? Achte im Satz 3 auf den Ausdruck bmv* statt a?S>» (s. Hirsch). Achte darauf, daß V. 6 nicht die Ausführung des Traumes von V. 5 ist, sondern ein neuer Traum (WolfJ. Achte bei der Erzählung der Träume darauf, daß diese Familie J. nicht Ackerbauern, sondern Hirten waren (s. Hirsch u. Wolf z. St.). Der Vater macht zuerst auf eine persönliche Beziehung zu den Träumen aufmerksam. D. h. er ist erfreut über den Traum, der ihm sieinen Lieblingssohn als Herrscher zeigt, überlegt sich aber die Wirkung auf seine übrigen Söhne und beschimpft Josef angesichts seiner Brüder. Dadurch werden diese erst auf die persönliche Deutung aufmerksam (s. Hirsch). Jakob handelt in pädagogischer Absicht, als er Josef zu den .Brüdern schickt. 'Beachte: Vorher steht jwi- - bjb<» prea T>rra ml Die Trennung wird vielleicht auf das Verhältnis. Jakobs zu Josef und von diesem zu seinen Brüdern zurückzuführen sein. Denn Jakob nimmt sich seines jetzt offenbar zum Herrscher bestimmten Sohnes mehr an. Beachte die Wirkung auf das Verhältnis zwischen Josef und den Brüdern! Siehe die Erklärung Sipornos zu dem Verhalten der Brüder in der ganzen Erzählung. 'Es steht nicht, daß die Brüder selbst Josef aus der Grube holten und an die-Midjaniter verkauften. Warum müßte Reuben besonders befürchten, daß der Vater ihn des Mordes verdächtigt? Zusammenhang zu Kap. 35, 22 und dessen psychologische 'Begründung, die auf dem Verhalten Jakobs nach Raheis Tod zu den übrigen Frauen beruht (s. Hirsch). Zu der Erzählung Jehudo und Tomor (s. Jeschurun 1917: „Eine Exegese R. Jehuda Hachossids im Lichte des Codex Hamurabi". Von J. Neubauer)'. Zu den Träumen der beiden Mitgefangenen Josefs und deren Erklärung s. Wolf. Wochenkalender. Von. 21. — 28. Dezember 1935 /"Vom 25, Kislew — 2. Tebet 5696 w sp Samstag 21 25 'A3 833 nap nainn '« na» a«ri Sonntag ' 22 26 mp> B7inn panan Mauled: Mittwoch nachm. lUhf8,s/i8Min Montag 23 27 ö? Dienstag 24 28 KOp ► nrnan Mittwoch Dez. 25 frM 29 30? Donnerstag 26 30 aop vnn wm '« Freitag 27 nso 1 nop vm vnrni 'a Samstag 28 2 nop . naarn '3 nv fpa

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