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Der Israelit · 1935-12-19 · Heft 51 (19.12.1935) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 51 (19.12.1935)
Date
1935-12-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 51 Der Israelit 19. Dezember; 1935 Gegen Kälte, Hunger, Obdachlosigkeit Jüdische Winierliilf e! das die Keimzelle der Gemeinde und der Gemeinschaft ist. Die Baalebatim waren es, die in guten Zeiten mit vollen Händen gaiben und geben, die Gemeinde und ihre Institutionen aufbauten und ausgestalteten, und in schwereren Zeiten noch die größten Opfer brachten und bringen, um diese Institutionen zu erhalten. Diese „Spießer" sind es, die auch der Jugend mit Gemeinde und. Schule die Voraussetzungen geschaffen und alle Wege geebnet haben in eine Zukunft, die ihr heute leider, gewiß nicht duich die Schuld der Aelteren, verbaut ist. Hüten wir uns, künstliche Scheidewände aufzurichten, in der Erwartung, daß Elijahu als Verkünder des Flügelschlages der messianischen Zeit sie abreißen wird, obwohl sie schon heute, und erstrecht heute, für uns nicht tragbar sind, Es darf, um konkret zu sprechen, nicht so weit kommen, wie es leider schön an vielen Plätzen gekommen ist, daß junge Menschen Lehrkurse und Veranstaltungen, sobald diese von der älteren Generation ausgehen, grundsätzlich meiden, und daß man wiederum bei Jugendveranstaltungen, wenn sie nur von Jugend ausgehen und nicht nur allein und ausschließlich für Jugend bestimmt sind, kein einziges älteres Mitglied sieht. Es gibt heute mehr denn je Punkte, in denen sich beide Teile viel zu sagen haben, sich geistig nähern' und stärken müssen. In der Zusammenarbeit mit der Jugend könnten bei den Alteren die im Leben schlaff gewordenen Schwingen neue Kraft gewinnen. Die Aelteren bieten aber der Jugend das Schwergewicht, dessen sie nötig bedarf, um-sich niciht plan- und ziellos in den Wolken zu verlieren. Eigene Wege? Ja. Aber die Parallelwege dürfen nicht so weit auseinandergehen, daß das gemeinsame Ziel außer Sicht kommt. Wo die Sicht verstellt ist, ist auch der Weg ein falscher Unsere Jugend bleibe jung, stürmisch, auch kämpferisch, aber sie bleibe Makkabäerj u g e n d. Wochenrundschau. „Zweitausend und einhundert Jahre Chanuka". Ein jüdischer Vereinzln Czernowitz, der es wissen muß, da er sich „Arbeitsgemeinschaft für jüdische Geschichte" nennt, hat herausgefunden, daß in diesem Jahre ,,zum z weitaus endeinhundertsten Male das Fest der Erneuerung des zweien Tempels und der Befreiung von der hellenistisch-syrischen Herrschaft" gefeiert werden wird. Ein Grund für die Arbeitsgemeinschaft in Czernowitz, die jüdische Welt aufzurufen, Chanuka dieses Mal als J u b i - iäumswoche besonders festlich zu begehen. Wir wollen hier nicht in einer geschichtlichen Exkursion die Frage klären:, ob das Datum wirklich so genau stimmt. In der Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Geschichte werden sie in Geschichte genug bewandert sein, um zu wissen, daß mit dem Sieg bei Modin am 25. Kislew wohl der Tempel gerettet und gereinigt, das heilige Licht in Sicherheit gebracht worden war, die endgültige Befreiung von hellenistischsyrischer Herrschaft aber noch ziemlich lange auf sich warten ließ und noch jahrzehntelange schwere Kämpfe mit wechselndem Glück erforderte. Und der endliche Sieg ertrank bald genug in den blutigen Bruderkämpfen der nachmakkabäischen * Zeit, da kleine Epigonen das heilige Erbe der großen Makkabäer zugrunde richteten. Freilich; das einmal erkämpfte Licht blieb Licht und leuchtete durch alle Wirren in der kritischen Folgezeit hindurch. Von endgültiger Befreiung aus Syrierjoch kann, geschichtlich gesprochen, im Zusammenhang mit dem Chanuka-Wunder nicht die Rede sein. Aber, wie gesagt, wir wollen hier keine Geschichtsstunde abhalten. Es soll bei dieser Gelegenheit überhaupt und grundsätzlich ein Wort gegen solche künstliche Jubiläen gesprochen werden, die leicht den Eindruck erwecken, als bedeute in einem Jahre ein jüdisches Fest etwas anderes und mehr als in anderen Jahren. Hat man je gehört, daß man das Fest des Auszugs oder den Tag der Sinai-Gesetzgebung in der Geschichte einmal anders gefeiert hatte, .weil sich gerade Jahrtausende* oder Jahrhunderte rundeten? Schon bei Gedenkfeiern für große Menschen, Eckpfeiler der jüdischen Geschichte — denken wir an die 800 Jahrfeier für Maimonides — wird man die Bedenken nicht los. Diejenigen, die diesen großen Lehrern am nächsten sind, warten nicht, bis Jahrhunderte und Jahrtausende abgerundet hinter ihnen liegen, sondern ehren diese Männer, lernen und leben ihre Lehren Tag für Tag. .. -".-:- ■./: V./' . Bei Iiistorischen Festen, die Marksteine der Geschichte bilden, muß man schon die Hervorhebung besonderer Jubiläumsjahre beinahe als Profanierung empfinden. Was uns damals das Makkabäerschwert erfochten hat und was die heiligen Priester, — die im Gebete „die Schwachen" und „die Wenigen", genannt werden, — uns mit dem Sieg des L ich t es üb er das Schwert, auch über das eigene Schwert, statuierten, war und ist überzeitlich,, kann für uns nicht weniger und nicht mehr bedeuten, ob runde oder eckige Zeitabschnitte hinter uns liegen. Ein Licht erstrahlte in der Finsternis und Hoffnungsstrahlen dringen auch ins Dunkel unserer Zeit. Damit müßte es für uns genug sein. Auf die geraden cdef ungeraden Jahreszahlen, die dazwischen liegen, kommt es nicht an. Genf. Die Expertenkommission des Völkerbundes hat am 8. Dezember, nachdem sie die Vertreter der jüdischen und auch einiger nichtjüdischer Organisationen angehört und nicht weniger a 1 s 5 0 verschiedene P r o> j e k t e entgegengenommen hatte, einen schriftlichen Bericht an den Rat ausgearbeitet, der diesem bei seiner Tagung am 20. Januar vorgelegt werden soll. Wie verlautet, hat die Kommission die Frage offen gelassen, ob ein eigenes Völkerbund-Amt für die Flüchtlinge errichtet oder es dem Nansen-Büro als Sondera'bteilung angegliedert werden soll. Aber selbst mit diesem Entweder- Oder war keine Einstimmigkeit zu erzielen — das italienische Mitglied will überhaupt keine Völkerbund-Aktion, sondern möchte das ganze Flüchtlingsproblem den privaten philantropischen Organisationen überlassen. Zu allem Unglück ist aber für die Errichtung des Amtes nicht der Völkerbund-Rat, sondern die Vollversamanlunig zuständig, die nicht vor dem September 1936 zusammentritt! Für Januar bis September soll also wieder ein Provisorium geschaffen werden, während dessen Dauer ge- IM "W — Friede im Hause! Zu tarn rntt? - nm-MTB»' Am ersten Tag Chanuka lesen wir dieses Jahr den Wochenabschnitt: wil Bekannt sind die Worte, die Raschi — den Midrasch Raba zur Stelle in auffallender Weise variierend — zu idiesem Wort bringt: Jakob wollte in Frieden weilen, da sprang ihn an — vbs pap — die Aufregung um Josef. Der Ausdruck vbv fop ist ungewöhnlich und 'die Erklärer beschäftigen sich mit ihm. Schewet Säufer sagt, daß Jakob äußeres Leid gewohnt war, das hätte ihn nicht aus «einer Ruhe, aus dem inneren Gleichgewicht gebracht, es mußte erst eine große Erschütterung, die in diesem Ausdruck angedeutet ist, über ihn kommen: die Aufregung um. Josef, die von innen, her kam, von dem für einen Jakob fast unerträglichen Gedanken, daß in seinem Haus 'die Fackel des Unfriedens entfacht wurde, daß unter seinen Kindern Uneinigkeit herrschte, daß sein n>a lto bedroht war. Das war für Jakob fürchterlich, riß ihn auf aus seiner inneren Ruhe, 'die weder ein Esau noch ein Laban hatten gefährden können. Dieser Gedanke, daß Unfriede im eigenen Haus das schlimmste Leid, 'die herbste Schickung ist, findet sich auch in einem Wort wieder, das Rabbi Jauchonon im Namen des Rabbi Schimaun beif Jauchoi tradierte: „Schlimmer ist Unfriede im Haus des Mienschen als der gigantischste Kampf, der von draußen kommt. Da David vor Absalom floh, ruft er wehklagend aus: „Ewiger, wie viele sind meine Feinde, viele erheben sich gegen mich", beim Kampf gegen , Gog und Megog spricht er wohl davon, daß die Völker toben, zu solch einem Schmerzenseuusruf „wie bei seines Sohnes Aufstand läßt er sich aber nicht hinreißen. (Brochaus 7b.)" Der „Friede im Hause" läßt uns alle Not von außen ertragen, er ist die Voraussetzung dafür, daß der Mensch überhaiupt etwas leisten, kann. Gleichsam vom Himmel gebannt ist, wer nicht sein Haus baut, sein Glück in seinen Kindern sucht und dies Glück in ihrer Erziehung zu frommen, wissenden Jehudim zu finden weiß. (Pesochim 113bJ Der „Friede im Hause" läßt uns glücklich sein unter engsten Lebens Verhältnissen, Unfriede im Hause kann durch Reichtum und Behagen nicht überwunden werden: „da unsere Liebe groß war, konnten wir ruhen auf ■des Schwerte® Scheide, da unsere Liebe schwach wurde, war uns das (breiteste Lager zu .eng" (Sanhedrin 7a). ' - ' Der „Friede im Hause" ist gesichert, wenn der Mann wirklich der r-MH V»a ist, der „Herr im Hause", wenn sein Wort gehört rund-befolgt Jwird{ wenn die Frau neben ihm steht als "ian ntPK- Der tan zeichnet sich au», daß er die Gesetze der Reinheit beachtet, bedacht ist beim Verzehnten seines Gutes. Wenn die Frau ihm zur Seite steht als Hüterin der Sittlichke i't, als Pflegerin echten, sozialen Sinnes, dann ist der Friede gesichert. : Wenn Sohn'und Tochter— p und r~i3 verkürzt von n«i also'weiblicher Sohn — ihrer Aufgabe treu sind, die das Wort fS andeutet; Wenn sie körperlich — ywa — und geistig — na'a — das Vätergut erhalten und mehren, wenn sie zwischen den Generationen stehen — 7'a — dann ist die Harmonie gesichert, und das Haus steht in der Zukunft wie es in der Vergangenheit stand. Als Symbol des n*a "iVt? grüßen uns Sabbat um Sabbat die Sabbatlichterf - Wenn die verschiedenen Glieder der Familie einander sehen in hellem Licht, einander nur Gutes .und Schönes suchen und finden, dann ist der Mensch geborgen, dann besitzt er das Glück, das ihm mit dem verlöschten Sabbatlicht entschwindet: rn» 13 rp^nn it — ">©bä "»!?»» nitro sagt hezeichniend die Gemoro (Sabbat 25b)! Die Bedeutung des SaJbbatlichte» als Symbol des häuslichen Friedens wird uns besonders klar, wenn wir uns die Worte Rowos au® unserer Ghänukagemoro vergegenwärtigen: „Dies ist mir klar; hat der Mensch nur Geld, entweder das Sabbatlicht oder das Chaniukalicht zu bezahlen, dantn hat das Sabbatlicht den Vorzug wegen des „Hausfriedens";.'nur Geld für Sabbatlicht oder K'idduschwein, hat wiederum ans gleichem Grund .das Sabbatlicht den Vorzug! . . ." (Der weitere Gang der Diskussion Sabbat 23b interessiert in diesem Zusammenhang nicht; siehe jedoch die schöne Erklärung, des Radbas in n'nmn nayvb Nr. 160 auf einen schwierigen Rambam mx unserer Stelle!,)i Unsere Belegstelle 'sagt uns, 'das Sabbatlicht hat. den Vorrang vor dem ChanuTkaHcht.. und vor-dem. Kidduschwean! Das Chanükälicht strahlt in die, Weite sca Kanons — im Kidäusch schwingen, wir uns zur Höhe; der Weg nach draußen^ der Flüg zur Höhe — beide müssen als Ausgangspunkt haben die Verwurzelung drannen im „Frieden des Hauses!" Frömmigkeit, die nicht ühre Pflege findet im Schott der Familie, in ihrem täglichen Leben, in dlireiri Handel und Wandel, die nicht aus 'dem Boden der häuslichen Gemeinschaft ihre Nahrung zieht, verdorrt und

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