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Der Israelit · 1935-12-19 · Heft 51 (19.12.1935) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 51 (19.12.1935)
Date
1935-12-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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19. Dezember 1935 D Israelit iNr. 51 Seite 3 Für '.clenl;jtiefer Schürfenden wird damit das Problem jjg^jviß noch niöht restlos gelöst sein. . Aber einfe ^randwaihrheit enthältdas Gleichnis: tn^. Lichtk^gej. des• Sinai, erstrecht in Zeiten, da sich diejJl^te müssen, wir uns lalle f mden, Jung und Alt. Am Ausgangspunki,vda ups das große Licht auf den Weg i;; in ,die W elt, in das Leid, in den Kampf und in die Hoffnunig-wies, gingen sie „beide zusammen"?— , Vater; jjtffld 'Sohn. Abrahams Wappen zeigte auf der; 4in,e$; Seite Greis und Greisin, auf der ^anderen jSöj$e Jüngling und Jungfrau. Am Aus gangspunk^ 'unserer Volksbildung ward es uns geheißen, daß „wir den Vater fragen, auf daß er es uns künde, die Alten, daß sie es uns sagen .,." Jugend geht ihre eigenen Wege. Das ist so waihr und natürlich, wie es wahr ist, daß ein Frühlingsbild anders"Nauss eben muß als eine nicht minder in herrlichen satten Farben prangende Herbstlandschaft, als 'die weiße Winterpracht auf den Höhen. Irrtum anzunehmen, daß es je eine Zeit gab, in der die Jugend nicht ihre eige nen Wege und Lebensformen hatte. Das hatte nie etwas zu sagen, so lange sie nicht zu eige nen, d. ih. f r e m d e n Zielen führten, solange nicht der Weg selbst zum Ziele wurde. „Weg und Ziel! " Darauf spitzt sich das ..ganze Problem zu. Seit den Jugendstürmern, die zur Zeit , des Propheten Samuel einen König haben wollten „gleich allenanderen Völkern" (siehe Talmud Sanhedrin), seitdem diegleichen Stürmer in ihren Enkeln einige Jahrhunderte später, nach dem Tode Salomos, durch ihren Jugendstoß zur Teilung und Trennung des Reiches geführt har ben*, von dieser Zeit bis zur Jugendbewegung des; Hellenismus und von diesem bis zu den Jünglingen der östlichen Häskalah im vorigen Jahrhundert und der als Vortrupp der Assi- , milation treibenden akademischen Jugend im Westen, immer das gleiche Bild: Es beginnt mit dem Wege nur-, aber wie bald ist das Ziel aus dem A#ge verloren, wie bald wird der Weg .zur R i c ix t ung. »Und dann führt :sie ins Nichts . . . Auch die iM akk a b ä e r waren nichts anderes als eine J u g e n d b e W e g u ng. Aber liier drängt sich uns der gewaltige Unterschied mit aller Deutlichkeit eines geschichtlichen Anschauungsunterrichtes auf. Der Sturm der Makkabäerjugend wählt auch neue Wege, die von den Alten vielleicht nicht allgemein verstanden wurden. Aber die Wege, bleiben .Wege nur. Jugend leiht ihr Feuer, ihre Kraft, ihren Elan der Sache der Alten, um diese selbst im Stürm und Drang aus den tausend Hemmungen und Aengstlichkeiten, aus den Waldverstecken, aus der Resignation und Mutlosigkeit zu reißen. Im Strahlenglanz des Leuchters finden sie sich alle, die Alten und die Jungen. Wenn wir der heutigen Jugend diese Präzedenzfälle der Geschichte vor Augen halten,- so nicht etwa weil wir glaubten, es gäbe historische Präzedenzfälle für unsere Zeit und ihre, je^genen^: Umstände, sondern weil wir das ^All^jmein-; 'ijund' Ewiggültige aufzeigen wollen, . das wir stets''im Auge behalten müssen, um beim Einschlagen/'neuer- Wege die letzten '"und allen gem©msäme^!^!Zieie nicht zu. verlieren. 1 ., Wenn; j,iheut^i Mißverständnisse zuweilen ..Seh^dewa Alt undr Jung aufrichten-, :so liegtiidie Schuld ganz gewiß auf beiden Seiten. Eine ältere Generation darf nicht ein Maß von. Autorität für «ich in. Anspruch, nehmen, das in früheren Jahrhunderten und Jahrzehnten, die keine großen Wandlungen kannten, wohl seine , Berechtigung /hatte, iheute aber in einer Zeit, in der wir Geschichte erleben, in der unsere Kinder /die Objekte, um nicht zu'sagen die Opfer der Geschichte sind, ganzT ü^erhol^-ist^ Die veränderte Zeit trifft die ältere Generation in dem Altersstadium, in dem man normalerweise . sich keine i 'Muhe mehr gafo\ hoch etwas hinzuöder umzulernen, in dem man. die Dingej etwas resigniert: an sich vorüher^tromen ließ. -Die Jugend..-^uß' anders darauf reagieren, sie ist es dem Lesben, das vor ihr liegt; schuldig; Sie muß sich auf eine Zukunft einstellen, für die ' wir sie nicht vorbereitet haben. Wir haben ihr heute leider i auch nicht mehr so vi'el zu bieten, als daß wir ' auf unsere Autorität pochen könnten.! Wenn unsere Jugend die Kraft aufbringt, aus akademischem Hörsal und Kontor den Sprung in die Werkstatt und aufs Ackerfeld zu wagen und sich dabei mit dem Minimum von frohem Mute, das das Recht der Jugend in allen Lagen bleibt, einen Weg in dieJ Zukunft' zu bahnen, so müssen die Alten Verständnis für diese innere und äußere Umwandlung haben, auch wenn sie sie nicht ganz verstehen. Wir können ihnen nicht die Zwangsjacke alter Gesellschaftsformen vorhalten., die ihren Inhalt vollkommen verloren haben. Wir dürfen uns nicht anmaßen, ihr in allem unsere Meinung aufzuzwingen. Wir haben die Erfahrung, a)ber sie reagieren auf die Zeit mutiger und daher wohl auch richtiger. Wir müssen sie anhören, ihre Versammlungen besuchen und ihre Zeitschriften lesen und nicht über ihre Wünsche und Klagen einfach mit Lamentationen über „die neue Welt", über „eine rebellische Jugend" zur Tagesordnung übergehen. Ungemein viel könnten wir in , der älteren Generation dabei profitieren, ließen wir uns gelegentlich von dem frischen Mut der (Jungen, die mit leichterem Gepäck als wir den Weg durch das neue Leben gehen, ein wenig hinauftragen. Auf der anderen Seite darf aber die Jugend nicht überjdie- Alten hinwegstürmen, als gelte es, im wilden Wettrennen Hindernisse über den Haufen zu werfen. Die Väter und Großväter haben immer noch etwas zu sagen, wenn auch die milde.Rühe und abgeklärte Weisheit, in der sie es sagen, nicht ganz in das Jugendbild der Zeit hineinpaßt. Altverbläßte Weisheiten kann es nicht geben, wenn es um die letzten Ziele,, um die große gegebene Linie, um die ewigen Bestandteile 4er jüdischen Seele und des jüdischen Seins geht. Wo Morijahs Höhen,', zu denen „Vater und Sohn zusammen" hinaufstiegen, orientierend im Gelände winken, kann es ein Auseinandergehen in großen, entscheidenden Dingen nicht geben. Die Spießer furcht muß bei unserer Jugend aufhören.. „Spießer!" Wieder einmal so ein Wort, das aus fremdem Vokabularium ins jüdische Leben importiert wurde. Es gibt junge Menschen, denen nichts so widerlich und nichts so viel Angst' einjagt, als die Berührung mit dem „Spießertum"; die sich von allem a priori' mit Ekel abwenden, was sie, weil in gesellschaftlichen Traditionen einer früheren Zeit begründet, als spießerisch ansehen, „baalebatisch", Wir haben aber im jüdiscjhen und hebräischen Sprachgebrauch gar kein Wort für den Spießer. Der Träger des „Baalebatischen", der h'ÜfJ ^S?3, ist kein Schildbürger, sondern Träger, und Hüter des jüdischen Hauses, Zur Chanuka-Aktion des Keren Hatorah. Ein Aufruf des Landesdirektoriums des Keren Hatorah in Deutschland, Ist uns zu allen Zeiten C h antik k a ein Fest der Freude und der Erhebung, das den Strahl der Lichter in das Dunkel des Winters bringt,; so ist in schweren Zeiten, in Zeiten, da das Leid in mannigfacher Form an unsere Fenster; pocht, das gegen das Fenster gestellte Licht für Uns von doppelter Bedeutung. Es gibt uns bej^fuhigende Antwort auf - die vielen ungestillten Fragen, die wir an die Zukunft, an unsere eigene Zukunft stellen. Am Mittag leuchtet uns das Licht nicht so hell wie in den Abendstunden, je dunkler die Nacht ist, desto trostreicher ist sein Glanz, Und so ist uns in den letzten Jahren das Chanukkalicht mehr und mehr zu einer leuchtenden Botschaft geworden; es gibt uns Helligkeit und Heiligkeit. „Diese Lichter sind heilig" — und weil sie heilig sind, umgibt sie die Vorschrift unserer Weisen mit schützenden. Maßnahmen, damit sie nicht durch das Alltägliche hinabgezerrt werden und ihres Charakters als Boten G'ttes und Seiner Wundermacht an uns verlustig gehen! Durch diesen Heiligkeits-Charakter wird auch die Vorschrift bestimmt: „Es ist verboten, Geld ZU: zählen beim Schein des Chanukkalichtes:; (a»3 flauO mm *u täm aw» münnV 'ii&k- Ist denn das 'Licht als solches heilig? wird gefragt! Nein, das 'nicht, aber die Mizwo könnte auf 'diese.'Weise profaniert werden! |i;; Wir sind im Allgemeinen geneigt,. einen Ge-. gepsatz zu empfinden zwischen der Mizwo, die zu. G[tt hinweist und dem Geld, das uns dient zuf Befriedigung unserer menschlichen, allzumenschlichen Bedürfnisse. Und darum soll das, Wünderlicht nicht im Dienste dieses Alltags stehen! Wie aber wäre es, wenn das Geld sich selbst in den Dienst des Heiligen, des Wunders, stellt, wenn es zum Diener wird an der MenÖrah? Wenn es uns':über den Alltag hinausheben und;, uns hineinstellen will in das Heilige und Wunderbare, wenn das Geld selber das Mittel zum höchsten Zweck, zümftpttp w?m2?n,fzum heili^esn Gegenstand" wird? Gewiß kann dann von einem n&Ö plta. „Einer Herabwürdigung eines G'ttesgebotes* nicht die Rede sein!: Und in die-- sem Sinne ergeht nun angesichts des Chanukkalichtes der weithinhallende Ruf: npun *n» niy» msrirb Chanukka zu;, einem freudig erlebten Anlaß zu nehmen, Geld bereit zu halten für jene heiligen . und vom Ewigkeitswunder erfüllten Zwecke, die der Begriff nTinn T\nb umschließt: „Die fiHH vergessen zu machen" — das wollte der Feind, den Sieg der min und ihrer Träger — das 'kündet das Licht; die Stätten der niUl und ihre Menschen — das wollen wir, das will dernnnn pp mit seiner HDlin-Aktion! Und so rufen wir alle auf, die die Botschaft des Lichtes verstanden haben und die sich nicht darauf beschränken wollen, von Chanukka und über Chanukka zu sprechen, sondern bereit sind, im Geiste Chanukkas zu handeln — alle, auch die Frauen, die nach dem Wort der Gemoro ja auch dieses Wunder miterlebten —: Das Chanukkalicht zum Zeugnis ihres eigenen geschichtlichen Bewußtseins werden zu las-, sen. Und dazu beizutragen, daß der, Geist, aus dem das Wunder des Cnanukkafestes' (erblühte, der Geist der Bereitschaft und Aufgeschlossenheit für die geistigen Werte; des Judentums lebendig Bleibt in unserer Gemeinschaft .und, insbesondere unter unserer Jugend! Dieser Geist saugt seihe Nahrung einzig iiihd allein aus der nun« der min, wie sie unverfälscht, unverkürzt und unverwässert allein in den Jeschiwaus, Talmud Torah und C h,a dorim gelehrt wird, die auf die Fürsorge des Keren Hatorah mitangewiesen sind und die heute, mehr derin je, von ihm Hilfe und Förderung erwarten. Und darum bittet der deutsche Keren Hatorah innigst und inständigst jeden, der die nDla über das Chanukkalicht spricht, der von der fDia dieses Lichtes gesegnet sein will« „Haltet Geld für die niin bereit im Schein des Chanukkalichtes". Dann leuchtet es, Dir — und anderen zum Segen!

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