Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1935)
- Date
- 1935-11-28
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sedte H Nr, 48 Der Israelit 28. November 1935 ausgeschlossen sein, wenn es gilt, „den Feuern", dem Bwnpps,54) dem Himmelsfeuer, das G'ttes Willen und Wohlgefallen bekundet, und dem irdischen Feuer, das Israels flammende Begeisterung für das G'ttes gesetz bezeugt, Nahrung zu bieten.35) (22 —1)10 10X7X3, Von N. Berlinger in Buttenhausen. (Lehrprobe aus dem Mussarunterricht.) Versteht Ihr die Gleichung? " Warum mußte Vater Jakob 22 Jahre in Trauer um Joseph verbringen? Kurzweg sagt die Gemoroh:1) weil Jakob 22 Jahre lang während seines Aufenthalts in Haran und auf dem Heimwege die Pflicht der Elteraverehrung ndcht ausgeübt hat. Aber Jakob ging doch auf Geheiß der Eltern2) und in einer niSö-Sache, also in Erfüllung und nicht aus Mißachtung seiner Kindespflicht? Verhieß ihm doch G'tt selbst seinen besonderen Schutz für die Reise!3) Aber: n-\9vn mm vpns av ptpm n"apn G'tt geht haarscharf seinen Frommen nach und führt sie in Liebe, selbst .durch Leiden, mm bv omo' zu höchster Heiligkeit und Seelenhoheit.4) Jakob5) war nach dem durch menschlich berech nende Klugheit5a) und nicht durch G'ttes reine Fü gung erfolgten unddaher^unreehtmäßigen5b) Empfang des Segens") 14 Jahre7)' im Lehrhause von Eber,8) dessen abgeklärte 462jährige Lebensierfahirunjg er in sich aufnahm. Nun sollte er nach Verlauf von zwei nieat?"Jahrwochen für □'in« D'»' für „einige" Tage nach Haran, um sich eine Frau zu holen. Er selbst war 77 Jahre alt, der Vater 137, die Mutter 111. Hätte nicht das Heimweh in Jakob wünschen müssen, sobald es möglich, wieder nach Hause zu kommen? Konnte ihn nicht jeden Tag die Freudenbotschaft der Mutter erreichen; Kehre heim! Was aber tut Jakob? Er verdingt sich als Sklave für 7 Jahre,9) für eine volle noav10) Hätte er statt dessen dem geldgierigen Laban11) nicht Mitgift und Morgengabe aus dem Hanse seines Vaters versprechen können? Ihm selbst mochten wohl die 7 Dienstjahre tnns o'ö'a wie die Tage vorkommen, von denen die Mutter sprach im Vergleich zu dem Seelenwert einer Rachel. Waren sie aber für die große Sehnsucht der kinderlosen Eltern (Esau war mindestens in Seir) nicht wie eine Ewigkeit? War es ncht ein Vergehen gegen kindliche Gesinnung, als Jakob in eine zweite Jahrwoche Sklaverei einwilligte, die ihn als> einen ausgesprochenen ibrischen Sklaven Tag und Nacht beschäftigte.12.)) Hatte nicht FrauenJiebe idie Elternverehrung überschattet? Jakob ließ sich ferner durch Laban überreden, seinem geäußerten Wunsche13) entgegen und trotz des durch Deborah 'erfolgten Rückrufs14) an Erfüllung vermeintlicher Vater- und Gattenpflichten, auch sehr begreiflicher wirtschaftlicher Gründe wegen nochmals* 6 Jahre zu bleiben. Wollte 54) tra nnv ">v. 55) i-n D-mat ">y xpm. nvb 1) Megilah 17a. (Alles womöglich nachschlagen und nachschlagen lassen, je nach Stand der Schüler.) 2) I 28, 2. 3) Das. Vers 15. 4) Die Antwort des R"J Paris im Meharschoh ^ur Stelle, daß Rifkah sofort Deborah nachgeschickt und Jakob von der Sinnesänderung seines Bruders benachrichtigt, ihn zurückzurufen, aber Jakob nicht gehorcht habe, will uns rrana nicht befriedigen. Ein jüdisches Kind tut ein solches Unrecht nicht. Auch hätte «ich die „bienenfleißige" Tochter des Uz (I 22, 21.) schwerlich 22 Jahre nach Haran gesetzt, während sich in Hebron ihre Gebieterin und Kusine (in deren Diensten sie schon 111 Jahre stand),, allein mit der Leitung der großen Hofhaltung und der Pflege des blinden Gemahls abplagen muß. Zudem dürfte die „Strafe" dann nur 21 Jahre gedauert haben; denn zum mindesten 1 Jahr muß man Jakob doch zugestehen. 5) Geboren 2108. 5a) S. Raschi naana ,na-i'aa- 5b) Der sich auch bis jetzt nicht erfüllt. Der eigentliche Segen s. I 28, 3 u. 4. I 27, 33 widerspricht nicht. °) Im Jahre 2171. 7) Von 2171—2185. s) Geboren 1723, starb 2187, 29 Jahre nach seinem Urgroßvater Schern. 9) Ist das später in der Thora verankerte Gesetz des nar na? (II 21, 2)i ein in der Natur begründetes, schon den Vätern von Adam her bekanntes und allgemein gültiges? (I 26, 5.) * In 7 Jahren wird der Körper des Menschen völlig umgebaut. Sollte bei siebenjähriger Dauer des fvna» das Sklavenbewußtseiin dermaßen in die Seele übertreten, daß der MW-Gedanke darunter litte? 10.) Das Jahr 2185 ist das erste Jahr der 315. nun*. ") Vergl. I 24, 30ff. la) Vergl. I 31, 40. 13) I 30, 25. 14) Nach "iff'n "iöd war 13 durch 14 veranlaßt. er doch nicht leer ins Vaterhaus zurückkehren, und für Esau brauchte er zudem ein Mitbring von etwa 50.000 RM. Erst das böse Gesicht der Labansbuben15; und die durch Laban drohende Gefahr, der die Kinder seines Sklaven „von Rechts wegen"16) für sich beanspruchte und sie dem Götzendienst zuführen wollte,17} verbunden mit der Mahnung G. aipr kehre heim! drängten ihn zu der allerdings beschwerlichen und gefährlichen Reise. Wollten wir unserem Vater Jakob bisher trotz allem eine Zwangslage zugestehen, so ist schwer zu begreifen, warum er noch weitere 2 Jahre zögerte, zu den sehnsüchtig wartenden Eltern zurückzukeh ren.'18) Wäre nicht die Untat an Dina und die Bluttat von Schechem durch Befolgung der über alles erhabenen ori a« TW msa vermieden worden? Rächte sich deren Vernachlässigung nicht gleich durch 'die infolge mangelnden Vorbildes begünstigte folgenschwere Unbotmäßigkeit des in den Flegeljahren stehenden20) Erstgeborenen,21.)! der aus eifernder Liebe, zu sieiner Mutter sein Lager im Zelte Bilha's aufschlug, um dem Vater den Eintritt zu wehren.22) Von Labans Söhnen hatte Reuben. ort a« rnaa schwerlich lernen können, treten sie doch von Anfang an nicht als Söhne, sondern als ihrem Vater gleich berechtigte Brüder auf.23) Gab es kein rasches Kamel, das Jakob in weni gen Stunden vom Haine Moreh24) zum Haine Mam reh25) getragen hätte? Mußte die Trauer um die treue Dienerin erst vertieft werden durch 'die um die 132jährige Mutter28) und um .'die 36jährige 26a) blühende Gattin Mutter-Rachel? Mußte ihn erst '"»P nochmals antreiben, der doch sonst dem Menschen den freien Willen läßt? Ist aus dem Zögern in den letzten zwei Jahren nicht zu ersehen, daß Jakob in der sehr verständlichen Sorge um seine Familie in feindlicher Umgebung es doch an der um das Vaterhaus! fehlen ließ? Als Jakob schließlich bei seinem blinden, 158 Jahre alten Vater anlangte und die Mutter nicht mehr antraf, die Mutter, die noch vor einem Jahre sich mit ihrem verjüngten Ebenbilde, mit Rachel, und mit ihren Enkeln so innig gefreut hätte, da mag die Erkenntnis dessen, was er versäumt, mit einer solchen Macht über Jakob hereingebrochen sein, daß ihm sein Benehmen auf einmal unverständlich schien.27) yikb *rtf nbrn ntsin ap»' t^mi und sieine Selbstvorwürfe wegen seiner, wie es ihm nun vorkam, unverzeihlichen Nachlässigkeit nahmen kein Ende. Sein Leben wähnte er mit einem unauslöschlichen Makel belastet. Wohl durfte er den Vater noch 22 Jahre28) pflegen und ihm ausgesuchteste Verehrung erweisen. Dieses bewußte Wiedergutmachen29) sah aber Jakob nicht als entfernt genügende Buße, sondern als unverdient beglückende Pflicht des> Alltags an. Durch diese Liebesdienste fühlte er sich nicht entlastet, sondern eher belastet, wenn er daran dachte, was er 22 Jahre lang unterlassen habe. Da mußte ihm die Gnade G'ttes erst durch außerordentliche Mittel eine derart fühlbare Buße bereiten, daß sich selbst das empfindliche Gewissen eines Jakob zufriedengab. Diese bittre Arznei war das sehnsüchtige, nicht vergessen könnende, trauernde Heimweh nach Joseph für die Dauer von 22 Jahren30) mit der im i5) Mit dem 13jährigen Beor, dem Vater Bileams, an der Spitze, der zu Esau hielt und ihm die Flucht Jakobs sofort meldete, (Sefer Hajoschor) (Nach ^?a Bhutan war es pbnv). 10) 'Wi isaa m (II 21, 3$ 17j m tpsb ffpä pSvon*)/?* Götzendienst. 18j Hierdurch snsa^ Jttrt»» nnaia- Esi ist möglich, daß Deborah erst nach na» entgegengeschickt wurde. 20) Reuben war damals 13 Jahre alt. Er wurde das Muster eines naiwi S>sra- 21) I 35, 22. 22j Soll die pioan ysasa spos/ die „Unterbrechung" mitten im Satze mit dem unvermittelten 'la vm 151 3p9* andeuten, daß der Kindessegen Jakobsi durch dieses Vorgehen „unterbrochen" und hierdurch die Zahl der Söhn« Jakobs auf 12 beschränkt blieb? Es hätte dann die Stelle I 49, 4 rbbn Ts den Nebensinn: „damas ihast du den getötet, der meinem Lager entsprossen sollte." ibbn in der Doppeid eutung entweihen und durchbohren, erschlagen). Vergl. i''am zu I 35, 22 und I 49, 4. 25) mn '»'13*1 ^'n: und nur mit Gewalt konnte sie der Vater bändigen; iheißt es doch i»twt ns vpn, wörtlich: ohrfeigte seine Brüder (!!) I 31, 25. Also, während Jakob sein Zelt aufschlug, iVnR riR 5»plv schlug Laban auf sieine sauberen .„Brüder" (!) 24) Schechem. Hebron. . 26) I 35, 8 s. >-sh. 20a) Seder OlairL 27) Trotzdem 'die Eltern sicher auf ihre naa verzichtet hatten und für jeden Durahschnittsmenschen ein Vergehen "nft iniw» nicht vorlag. 28) Von 2207 bis. 2228 .einschließlich. ..?•) Genau so lanjge, wie er sich verfehlte. Herzen schlummernden Hoffnung auf ein Wieder. sehen.31) Wohl standen die aus erbarmender' Liebe gesandten Erziehungsmittel, fälschlich „Strafen" genannt, in keinem genauen Verhältnis >zu der vertieften Einsamkeit der Eltern Jizchok und Rifkah. Denn was schmerzt mehr: Heimweh um ein totes Kind oder um ein siölches, das nach 34jähriger Abwesenheit in der Nähe weilt und sich nicht nach dkm blinden Vater, nicht nach der greisen Mutter umschaut? Die Eltern waren meist völlig kinderlos,32) Jakob hafte noch 12 Kinder um sich. Selbst zur Zeit, als sich Jakob kinderlos nannte für weniger Tage als die Eltern Jahre allein waren, sorgten immer noch seine Tochter Dina und 49 Enkel und 4 Urenkel für ihn. Trotzdem erfaßte Jakob am Schlüsse der Sühne die jähe Erkenntnis: 22 Jahre habe ich gefehlt, 22 Jahre habe ich igepfleigt, 22 Jahre habe ich gelitten,!'msa m /-»mian m />r>atf>n m Meine schwere Schuld ist schon auf Erden gebüßt, rrapn selbst hat, sie nach 31 Jahren ausgelöscht. »nni da lebte befreit auf ffYipfi nn der heilige Geist ap»' Jakobs auf, orra« .der eine Zeitlang allzusehr aus Liebe zu den Kindern nur ihr Vater und nicht genug Sohn gewesen war. Wendest du aber «in, Jakob mußte doch nach Harnn gehen, er konnte sich also gar nicht 22 Jahre lang verfehlen. E i n Jahr wenigstens muß man ihm doch für alle Fälle zugestehen, so antworten wir: das ist richtig; für die objektive Beurteilung des Falles kommen hur 21 Jahre in Berechnung, aber subjektiv hat Vater Jakob 22 Jahre lang 'gegen seine Kimdespflicht verstoßen. Sein Entr Schluß, in Haran zu bleiben ohne Rücksicht auf das Vaterhaus, war schon nach einem Monat erfolgt.33) fSchluß folgt.) Tagung gesetzestreuer Lehrer, Zur Aussprache über pädagogische, psychologische und sohulorganisatorische Fragen der jüdischen Schule veranstaltet die Samson Raphael Hirsch- Schule, Frankfurt a. M., Am Tiergarten 8 vom 29. bis 31. Dezember 1935 eine Tagung, zu der die gesetzestreuen Lehrer Deutschlands herzlichst eingeladen sind. Wir bitten Kollegen und Kolleginnen von auswärts, sich baldmöglichst anzumelden, (damit rechtzeitig für Unterkunft Sorge getragen werden kann. Die /genauere Tagesordnunig wird im Hauptblatt noch bekannt gegeben. Vorschläge für bestimmte Themen werdengerne entgegengenommen. Direktor Elias. Den geplanten Förderkurs für die hessischen Kollegen müssen wir mit Rücksicht auf diese Tagung aus technischen Gründen verschieben. Der Vofstand. M an k. Bücherbesprechungen. Im Sinne des auch' an dieser Stelle von unse'rm bekannten Eugeniker Dr. med.. Jacob Levy, Berlin erörterten Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses erhalten die folgenden Schriftchen besondere Bedeutung: Karl Stählin, Univ.-Prof., D. theol., Münster: Alte und neue Formen studentischer Geselligkeit. Verlag „Auf der Wacht", Berlin-Dahlem. Preis 25 Pfg. Der bekannte Theologe hat in diesem Vortrag vor Studenten und Alten Herren seine Ansichten über naturgemäße, gesunde Lebensweise in seiner bekannt klugen, vornehmen Weise dargelegt. Allen unsern Studenten, gleich welchen Faches, besonders unsern angehenden Rabbinern, dringend zu empfehlen. Ein wertvoller Beitrag zur Ethik des Studententums! G. Georg, Rektor: Gesunde Jugend — gesundes Volk. Ebenda. 40 Pfg. Das gut Illustrierte 'Heftchen, das unsern Knaben und Mädchen vorzugsweise bei der Schulentlassung mit auf den Weg gegeben werden sollte, enthält wert v-o 11 s t e s Material 'zur Aufklärunig, zur Vorbeugung, Besonders unsere religiös erzogene Jugend wird dieses Büchlein mit dem rechten, Verständnis, in ernstester Würdigung aller Konsequenzen durcharbeiten! Ernst Lewy. 30) Die 14 Jahre bei nas; kamen des höheren Zweckes wegen nicht in Berechnung. TSsa min,,Ti!3{>n abn. 31.) D'isaa ia» Wies ist „Hoffnung" in Aegypten. 32) Esau war in Seir. .j p j; 3S) Aehnlich; Das Oel des ersten Chanukahldch^es hatte eigentlich nur eine um sieben Tage wunderbar verlängerte Brennzeit, aber die „Sparmaßnahmen" mußten schon am ersten Tag .eingreifen. Daher feiern wir acht' Tage nicht, nur sieben, i Verantwortliche Schriftleitnng: L. Kaufmann, Sprendlingen (Kreis Ottenbach) . . /