Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1935)
- Date
- 1935-11-28
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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28. November 1935 Der Israelit Nr. 48 Seite 15 Die Frankfurter Woche. Bildung jüdischer Grundschulklassen in Frankfurt. 'Die'städtische Presse- und WerbesteUe teilt mit: „Seit 1. November 1935 sind die Grundschulklassen der; Frankfurter Volksschulen, von denen def westlichen Vororte abgesehen, j'udenrein. Mit Genehmigung des Herrn Regierungspräsidenten wurden fünf jüdische G r u nds ch u1k1a s se n eingerichtet, . drei an 'der Holzhausen- und zwei an der Varrentrappschule. Den Unterricht geben die vier jüdischen Lehrkräfte, die . seither noch an den Frankfurter Volks- und Mittelschulen beschäftigt waren und nichtunter das Berufsbeamtengesetz fielen. Desgleichen wurden die die Kaufmännisch© Berufsschule für Knaben besuchenden jüdischen Schüler zusammengefaßt und werden nun von den arischen Schülern getrennt von einem jüdischen Lehrer unterrichtet. ' Damit hat die Stadt Frankfurt in der Judenfrage einen großen Schritt vorwärts getan und nicht nur jüdische und deutsche Kinder getrennt, sondern auch jeglichen Einfluß jüdischer Lehrer auf deutsche Kinder ausgeschaltet," Israelitische Volksschule,, Die Anmeldung für 'die Aufnahme der Kinder in die Grundschule' findet vom 2, bis 6. Dezember von 12—13 Uhr im Volksschulgebäude, Röderbrgweg 29, statt. Bei der Anmeldung sind Gaburts- und Impfschein vorzulegen. Hauptversammlung der Agudas Jisroel-Jugendgruppe Frankfurt. Vor wenigen Wochen hat die Jugendgruppe ihren Mitgliedern einen Rechenschaftsbericht über einige Monate des Jahres 1933, das Jahr 1934 und für 1935 bis zum Herbst zugehen lassen. Am letzten Sonntag hat die Leitung der Gruppe die notwendig gewordene Satzungsänderung auch dazu benutzt, durch ihren Vorsitzenden, Richard ,A h ir e n d t, einiges über die 26 Monate .Arbeitszeit, die seit der letzten Generalversammlung verflossen sind, aussagen zu lassen, Der Kassenbericht ergab ein verhältnismäßig erfreuliches Bild. Durch Wegzug ist eine nicht unbeträchtliche Anzahl Mitglieder verloren gegangen, während der Zugang den Verlust nicht ganz wettmachen konnte. Die Jugendgruppe hat 226 Mitglieder, von denen auch ein Teil gleichzeitig der Ortsgruppe angehört. Die Kindergruppen, 'die sich ständig weiter gut entwickeln, verfügen über rund .500 Mitglieder. Die Jugendgruppe hat vor etwa 2 Jahren in Darmstadt eine Jugendgruppe errichten können, die heute zu den aktivsten und größten im Reiche gehört. Außerdem wurden in. sechs anderen umliegenden Ortschaften Agudohgruppen neu ins Leben .gerufen. Die Frankfurter Gruppe hat in allen Fällen neben der ideellen Mithilfe es an der materiellen Unterstützung nicht »fehlen lassen. Im Herbst 1933 wurde eine erfolgreiche Schaihingswoohe veranstaltet, Arbeitsgemeinschaften wurden eingerichtet für verschiedene Gebiete und größere Vorträge abgehalten. Im Jahre 1934 wurde die Vortragstätigkeit auch deswegen eingeschränkt, weil 'die Lehrkurse «der Israelitischen Religionsgesellscihaft Dozenten und den gleichen Zuhörerkreis an sich zogen und sich deswegen eine Betätigung durch 'die Jugendgruppe als unproduktiv erwiesen hätte. Die Ghanukahfeier im letzten Jahre erfreute sich eines überaus starken Zuspruchs und darf als vorzüglich gelungen bezeichnet werden. — Das Verhältnis zum Esra erfuhr durch die Zusammenlegung mit der Pirche Agudas Jisroel eine erfreuliche Krönung und endgültige Regelung. Die nach den Festtagen veranstaltete Religiöse Intensivwoche hat insofern ihren Zweck erreicht, als sie dazu beigetragen haben dürfte, die Kenntnis über Sinn und Ziel der Agudoh verbreitet und die Verpflichtung weiter Kreise zu aktiver Mitarbeit geweckt und gestärkt zu haben. Die Schiurim wurden gut besucht. — Der Vorsitzende führte u. a. ausi,. daß es der Leitung nur gelingen könne, zu werben und mit Erfolg zu arbeiten, wenn jeder Einzelne mittue. Eine . ausgedehnte Aussprache, die durchweg auf einem bemerkenswert hohen Niveau stand, sparte zwar nicht an Kritik, ließ es aber auch nicht an praktischen Verbessierungsvorsohlägen fehlen. — Die Sätzirngsänderiuigen wurden genehmigt, eine viergliedrige Kommission, der angehören: Neuburger, Adolf Oppenheim, Schwarz, Rüben Stein und Hartogsohn wurde ernannt mit der Verpflichtung, für engste Zusammenarbeit der Frankfurter Agudogruppen zu sorgen und alle Maßnahmen .zur Steigerung des Einflusses der A. J. unverzüglich zu treffen. Dem Vorstand erteilte man Entlastung und .wählte ihn "in seiner derzeitigen Zusammensetzung wieder. Mit einem. .Dank an die Erschienenen schloß der Vorsitzen'de 'Hie Y^ß^amSmi. : ~ HatfNeue Wege zum Judentum". Die Frankfurter Ortsigmppe ider Agudas Jisroel eröffnete ihr bisheriges Wan^rp.rpgranim am letzten Sonntag. a;bend im Hörsaale Friedberge'r Anlijjji© .'*hit yöritr^g jdies Herpi '^dh^p^r Dr. Eue $Lua?lt , ÄWsbädh,' ufeer "3asf.' ofcejigenwte Tfoejna. \ Herr RxA; ^DrV M. Sc^hle^in^e r, als Vorsitswn- I der .der Ortsgruppe, «röffnefe' djen AK^d 'imf "dfe™ Hinweis auf die gebieterische Notwendigkeit intensiver Arbeit und teilte mit, daß das S c h ü 1 e f'h e i m für die Landkinder im Entstehen sei. Die von unserm Raw in« Leben gerufene Thora- und Mussarbewegung nehme eine gute Entwicklung. Der Redner des Abends; Herr Rabbiner Dr. Elie Münk, führte aus, daß noch niemals in den letzten Jahrzehnten die Stunde so günstig war, das Banner der Thora zu erheben, wie heute, da so viele, die haltlos geworden sind, 'die Thora suchen. Die Orthodoxie habe die Pflicht, den erwachenden Willen zum Judentum in ihr Strombett zu leiten und dazu sei es nötig, die Gründe zu 'erfahren, warum «o viele glauben, uns nicht folgen -zu können. Redner nannte die unter „Vortrupp" organisierte „Deutsch-jüdische Jugend", die unter Führung von Joachim Schoeps Liberalismus und Zionismus ablehne und dennoch die Orthodoxie in unserer Form nicht akzeptiere. Redner teilt einiges aus einer persönlichen Unterhaltung, die er mit Schoeps über diesen Punkt führte, mit. „Thora im Derech Erez" bedeute für ihn eine Synthese zwischen Judentum und Deutschtum, während uns das Wort die Verbindung von allgemeiner und jüdischer Bildung zeige. Trotzdem sei eine Annäherung unverkennbar, man gebe zu, daß wir allezeit vor der Assimilation gewarnt hätten. Von der anderen Seite nannte der Redner 'die zionistischen „Werkteute" Hinter Hermann G e r s o n , die den Anschluß an die "jüdische Geschichte suchen und zu finden hoffen, und zwar einzig in Erez Israel und im Chaluziuth. Dieser Kreis lehne die Orthodoxie ab, weil er nicht begreifen wolle, daß die Offenbarung am Sinai eine einmalige war. Während Bub er eine Abstinenz dem Gesetz gegenüber, aus Ehrfurcht vor dem „unerfüllbaren Gesetz" predige, halte Gerson es immerhin für möglich, sich zur Thora zu bekennen, was beweist, daß die Schüler Bubera weit über ihren Meister hinausgeschritten seien. Man könne nicht sagen, daß Postscheck - Konto; Firn, 66600 Jüdische Winterhilfe?? die Orthodoxie all diesen Strömungen gegenüber die Hand in den Schoß gelegt habe. Es sind wertvolle Bücher zur Aufklärung und Gewinnung der Fernstehenden erschienen. Aber es müßte eine neue Form für den alten Inhalt gefunden werden. Man denke nicht gering über die Devise „Thora im Derech Erez", sie habe Tausenden Akademikern im vorigen Jahrhundert Lebensinhalt gegeben. Sie müsse bestehen bleiben, aber wir müssen nach einer suggestiven Parole suchen, um 'die Masse für das Judentum in seiner Totalität zu gewinnen. Redner sieht den besten Weg dazu in der K a b b a 1 a th , die den Chassidismus geschaffen hätte und den Millionen Juden in Polen heute noch die Kraft des Lebens gebe. Man hebe den Schatz und präsentiere ihn so schön und so herrlich, daß sich ihm keiner zu verschließen imstande sei. Der Vortrag, der tiefe Gedanken in schöner Form brachte, fand den ungeteilten Beifall des vollbesetzten Hauses. Die Intensivwoche der A. J.-Jugendgruppe. Boten die ersten drei Abende wertvolles ideologisches und programmatisches Material, so lud Herr S. Schachnowitz am vierten Abend, Dienstag, den 12. November, zu einem Gange durch die Ge schichte -ein, um die jüdische Organisa t i o n in allen Zeiten und Formen kennen zu lernen. Die Organisation des Judentums ist g'ttgegeben: „Jeder bei seiner Fahne!" Die erste Organisation, ■die als solche angesprochen werden kann, ist die von Esra — die „Große Synode". Als vor 1865 Jahren die eiserne Faust von Titus Staat und Tempel zertrümmerte, da lebte das Sanhedrion noch weiter. Auch nach der Zerstörung des zweiten Tempels erlosch der Orgahisationsgedanke als solcher noch nicht, er erhielt sich immer und immer wieder. Um 700 kam Babylonien unter den Islam, und nun konsolidierte sich das Judentum erst recht, und es erhielt sich bis zum Aufgang der neuen Sonne um 900/1000 in Spanien. Auch im deutschen Mittelalter gab es 'eine jüdische Organisation. Wie hätte sonst ein Rabbi Gerisch-om, das Licht der Gauloh, Anord^ nungen von tausend]ährigier Gültigkeit erlassen, wie ein M a h a r i 1 in Mainz Minhogim und Nigguhim einführen können, die heute noch. Gültigkeit haben? Der Schulchan Aruch ist die größte Organisation, die, nach der Gesetzgebung am Sinai, entstand. Die V ierländersynode im Osten kann als Vorläuferin unsrer Agudoh bezeichnet werden. Dieser jüdische Kongreß oder; „Wa-ad arba Arozaus" wirkte über 200 Jahre mit autoritativer Kraft für Rußland, Litauen, Polen und Galizien, und Redner schilderte anschaulich sein Wesen, seine Zusammensetzung und seine -Kompetenzen, «bis zu seinem Verblassen im 18. Jahrhundert. Die Organisation übertrug sich auf den ^ich rapid at^breitehdeh C h a. s s adis inü. s. Der |Gbiass$^ äst die M^ueri ari der sich alle Ge- Jeac^röm^gen brachen. Um 1806/07 wurde dann von Napoleon -d&s „Sanhedryon'' gegründet, das der iRedjtfet^''^^em^'^imt all dj?»•^ttäwchui^nV die es. brachte, emg^encl .^^uld^rte. In ftgr tfe^erein Zeit machte neben dem -Zionismus das sogenannte liberale Judentum alle Versuche, den Organisationsgedanken zu fördern. Die Orthodoxie. kämpfte gegen diese liberale Zwangsorganisation und blieb selbst ohne Organisation und mußte zusehen, wie Unberufene ihre Sache vertraten. Bis vor genau fünfzig Jahren Rabbiner Hirsch s. A. die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" gründete. Denn erst mußte die Gemeinde jüdisch sein, dann galt es, die. Gemeinden zurückzuführen, um daraufhin den K1 a 11 auf den richtigen Weg zu bringen. Das zu erreichen, war dem genialen Organisator nicht mehr vergönnt. Aber seine Getreuen haben das große Werk mit der Gründung der Agudas Jisroel -Weltorganisation fortgesetzt. Wer Deutschlands Grenzen nicht verlassen hat, ist nicht befugt, über die Agudoh zu sprechen. In Polen beherrscht die Agudoh 'die Gemeinden, die jüdische Politik und die Massen, und dort sehen wir erst, was die Agudoh und ihre Organisation vermag. Was wäre aus all diesen jüdischen jungen Menschen geworden, wenn es keine Agudoh gegeben hätte? Sie alle — diese jungen Menschen — waren auf dem Wege nach links, und für sie war die Agudas Jisroel eine geistige Rettungsaktion. In Erez Jisroel fehlt es noch an manchem, dort zeigt uns die Agudoh, was die sein könnte und was sie einst sein wird unter G'ttes Beistand, wenn ihre ersten Keimzellen zu richtigen Machtfaktoren ausgebaut sind! Ha. Ueber die letzten Veranstaltungen und Vorträge der Intensivwoche wird noch berichtet. Errichtung eines jüdischen Schülerheimes, Die Landesorgamdsation der Agudas Jisroel hat, .wie schon berichtet, in konsequenter Weiterführung ihrer seit einiger Zeit eingeleitete Landkinderaktion die Errichtung eines j ü.d i s c h e n Schüler heims für jüdische Knaben vom Lande in Frankfurt a. M. beschlossen, das den Namen Beth - Neorim (Schülerheim) tragen soll. Der Pensionspreis soll dem Selbstkostenpreis entsprechen. Nur in Ausnahmefällen kann eine Ermäßigung erfolgen. Meldungen zum 1. evtl. 15. Dezember unter Angabe von Namen, Alter, Schulgattung und Klasse sind einzureichen bei; Herrn Fritz Stern, Frankfurt a. M.f Thüringerstr. 1. (Siehe auch Wochenrundschau.) Moses Montefiore-Vortrag im Mekor Chajim. Vom Vorstande des Mekor Chajim wird uns geschrieben: Auf vielfachen Wunsch wird der von Herrn Schachnowitz in der Frauenvereinigung und Agudiis tischen Frauenortsgruppe gehaltene Vortrag über Moses Montefiore im Mekor Chajim wiederholt werden. Der Vortrag findet in erweiterter Form diesen Samstag abend in den Verpirsräumen des Mekor Chajim, Hans Handwerkstr. 18, 8.45 Uhr für Herren und Damen statt. Da es im Kampfe Montefiore® für jüdisches Recht und jüdische Ehre zumeist um Fragen geht, die heute wiederum von höchster Aktualität sind, so wird allgemeines Interesse vorausgesetzt und zahlreiche Beteiligung erwartet. Vorträge im Beshamidrasch Ostendstraße. Im Beshamidrasch Ostendstraße 18 hält je am Sabbat eine halbe Stunde vor Nacht Herr B. Rachelsohn einen Vortrag. Gäste willkommen. Freitagabendveranstaltungen der Israelitischen Religionsgesellschaft. Am Freitag, den 29. November, 20.30 Uhr, spricht im Hörsaal, Friedbergeranlage 5, Herr David U11 - mann über „Going <und Geschichte". Veranstalterini' Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Stellentafel der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxein Judentums zu Frankfurt a. M. Gesucht wird für eine Lebensstellung ins Ausland orthodoxer Chemiker, der speziell mit Edelmetall- Legierungsarbeiten vertraut ist. Bewerbungen an die Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums> Frankfurt a. M., Rechtteigrabenstraße 10. Zwei Abende Dela Lipinskaja. Dela Lipinskaja, deren Gastspiel in England Sensation hervorrief, wird in Frankfurt zwei Abende spielen, und zwar Sanistag, den. 14, und Sonntag, den 15. Dezember, abends 8.15 Uhr im Vereinslokal Eschersheimerlandstr. 27. Dela Lipinskaja bringt ein für Frankfurt völlig neues Programm. Italienische Musik. Unter diesem Motto vereinigten sich drei hiesige bekannte Künstler. Der Bariton Hans Assenheim, die Sopranistin Kaethe E111 i n g e r und der Geiger Theo R a t m e r. Letzterer, dieser begabte und talentierte Geiger, spielte neben kleineren Stücken, das Violinkonzert von Paiganini. Er spielte es mit hinreißendem Elan und mit souveräner Technik. Auch bei dem Baritonisten ist es erfreulich, festzustellen, daß er allmählich 'einen hohen Grad künstlerischer Reife erlangt hat. Die Stimme klingt in der Mittellage voll und abgeglichen und bedürfte nur in der Höhenlage noch weiterer Vollendung. Ässenheim sang wirkungsvoll klassische Arien. Käthe Ettlinger entzückte mit italienischen Volksliedern und einer Arie der Lady 'Miifc&ß. aus Verdis j|leic^ainiger Oper." Am Flügel saß Dr. Willy Salomoh, der als Begleiter sein Bestes gab. A. K.