Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1935)
- Date
- 1935-11-28
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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IföTöTöH o—o lofolof M I I rziehung1 und Lehre Pädagogische Beilage zum „Israelit" Organ des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands H ]!M)[ o|[o)jojr°—o l|o)[öifö Schaffet jüdische Lesebücher. Von L. Wahrhaftig üi Darmstadt. Das deutsche Unterrichtsfach ist unter sämtlichen profanen Disziplinen einer Volksschule das bedeut- . samste. Wenn nicht Wissensmehrumg, sondern Entfaltung der seelischen Kräfte, Erziehung zur Persönlichkeit als Hochziele der pädagogischen Arbeit gelten, so Jcana der «deutsche Unterricht am ausgiebigsten in den Dienst dieses Ideals gestellt werden. Ist doch in 'diesem Unterrichtsfach »die beste Möglichkeit zur nachhaltigen Beeinflussung der jugendlichen Seele gegeben durch Lesen, Erzählen und Besprechen von lehrreichen Geschichten sowie durch freie Aussprache über Tages- und Weltanschauungsfragen. Für unsere jüdischen Volksschulen ist diese Aufgabe noch erweitert. Es tritt hinzu die Formung der jüdischen Menschen. Diese Aufgabe darf nicht dem Religionsunterricht allein überlassen bleiben, wenn man vermeiden will, daß die Schüler einen Trennungsstrich zwischen Lehre und Leben ziehen. Zu leicht besteht die Gefahr, daß dann die jüdische Denk- und Handlungsweise im praktischen, pulsierenden Leben nicht betätigt wird. Und darauf kommt es uns ja an, die Schüler nicht für .die Schule und Synagoge vorzubereiten, sondern sie für das min und msa-erfüllte Leben zu rüsten. Ein wirkungsvolles Hilfsmittel hierfür wäre „Das jüdische Lesebuch" oder wenigstens „Die jüdischen Lesehefte". . * Der Lehrer, der mit Achtsamkeit, bemerkt, wie tief der Eindruck eines ideenvollen ^und interessanten Lesestückes bei den Kindern geht, der wird oft bedauert haben, daß wir die unserer jüdischen Anschauung gemäß wichtigen und heiligen Ideengüter nicht ebenfalls an -Hand eines derajctigen Lesebuches, vermitteln und vertiefen können. Wohl hat idie jüdische Schul- und Jugendliteratur manches sehr Schöne und für uns Geeignete. (Einstädter, Ochsenmann, Gut, Schwab, Frieda ' Weiß,' frühere Esrahefte usw.). Doch fehlt uns die Zusammenfassung in einem Lesebuch oder in kleinen Laseiheften.• Diese müßten für entsprechende-Altersstufen eingeteilt isein, so daß es möglich wäre, sie zum' Gebrauch in den Klassen anschaffen zu lassen. - All' die Ziele und Arbeiten des allgemeinen Deutschunterrichts könnten ebenfalls an Lesestoffen jüdischen Inhalts gepflegt und gefördert werden. Für die Erzielung der Lesegeläufigkeit im deutschen Test ist gewiß kein Unterschied, ob Leseübungen in einem deutschen Buche mit deutschen Geschichten oder in einem deutschen Buch mit jüdischem Inhalt vorgenommen werden.- Das Aehnliche gilt für stilistische Uebungen und für die;Rechtschreibung in der deutschen Sprache. Was nun die Aufsätze anbelangt, soweit sie nicht aus dem Gebiete der Klassenbesprechung über jüdisch-weltanschauliche oder Tages-Fragen, sondern aus Stoffen des Lesebuches genommen werden, so wird sich auch hierbei das jüdische Lesebuch (bezw. Lesebogen) als sehr vorteilhaft erweisen. Erfahrungsgemäß äußert sich jedes. Kind — wie auch, der Erwachsene — am Besten über das in ihm Schlummernde, über das, was ihm liegt. Es werden also auch auf diesem Gebiete die Leistungen wachsen, wenn der jüdische Schüler über jüdische Themen oder dem jüdischen Leben nahestehende allgemein-menschliche Themen sich zu äußern die Gelegenheit hat. Das nur die formalen Vorteile. Und nun die seelischen und religiösen Vorzüge eines jüdischen Lesebuches. Wieviel herrlich Jüdisches könnte dieses Lesebuch enthalten und bieten! Wieviel nnirrEmpfinden könnte man auf diese Weise ganz unbemerkt, aber desto wirksamer, den Kindern in die Seele legen. Das erwünschte Buch muß all die wertvollen Inhaltsstoffe enthalten, die Geist und Gemüt des jüdischen Schülers befruchten können. Die Lesestücke -werden den Schüler wohl vertraut machen mit seiner näheren Umgebung und mit der Natur, aber aus der Betrachtung und Bewunderung der Natur heraus wird sein Blick auf den ban K113 gelenkt, der alles nach seinem Wunsche verwendet wissen will. Alles .im .^nne ': '.»n»»«^ psi d'ö» riipn nW>i oav wia kV ör -Der Schüler soll Jisroels Bedeutung ersehen, vom heutigen JAsroel hören und lernen, seinen eigenen Platz zu finden. G'ttesfurcht und Vertrauen auf G'tt, diese Blüten des jüdischen Herzens, sollen in ihm gepflegt werden.- Die Schüler sollen G'tt als Vater erblicken und alle Menschen als Kinder G'ttes achten und lieben lernen. :. Auf der Unterstufe werden kindliche Erzählungen, Lesestücke aus Agada, Midrasch und dem täglichen und feiertäglichen Leben den Inhalt bilden. Auch könnten die Schönheiten des jüdischen PfHchtenlebens in einfacher, schlichter Form — ohne aufdringlichen Charakter — hier schon .gezeigt werden. Die .süßlich-traumhaften Gesehichtchen dürfen nicht zu stark im Vordergrund stehen, sie haben nicht oft einen starken Nachklang (Man siehe bei Isaac: Breuer „Elijahu" die herrlichen, schlichten und kindertümlichen Einleitungen "seiner einzelnen Kapitel). Es läßt sich in der von Breuer gewählten Form sogar auch einiges aus dem jüdischen Rechtsempfinden kindlich illustrieren. Später in der Oberstufe wird auch der Begriff des brntp bbs betont, die Dankbarkeit für Fürst und Land, die Heiligkeit des eigenen Körpers (bei heranwachsenden Schülern)1. An Hand von Lebensbeschreibungen unserer Gedaulim finden die Schüler erhabene Vorbilder für ihr Streben nach min-treuem Leben. Die bsr\V* pK'Liebe tritt in diesem Buche immer wieder hervor. Leichte und schöne Stücke in nBP Ji'iasr zieren „unser Lesebuch". i>m»' erscheint als tpfip naiK; unter dem- Motto: n»wa »ta e|wa m aiVrt'^a bsw p» Noch vieles ließe sich anführen, was das jüdische Lesebuch enthalten sollte. 'Nur Stichworte sollten gegeben werden. Das jüdische Kalenderjahr könnte das Rückgrat dieses Schulbuches sein. Von ihm ausgehend, könnten alle Stoffe' des jüdischen. Lebens Verwendung finden. Die Notwendigkeit der jüdischen Lesebücher bzw. der Lesebogen, gerade in unserer Zeit, ist allseits anerkannt, Von Seiten der Behörden wäre wohl; nur mit -einer* Forderung dieser -Idee zu rechnen. Durch Kö^zenträtlöri-der -Kräfte, sowie Sammlung und Sichtung von Material dürfte eine Verwirklichung möglich sein. . . Eine uralte, jüdische Erziehungisformel, halbvergessen, ist wieder zum Leben erwacht. Sie lautet; ^a-n 'b' bv ~mb -yyyn „Erziehe das Kind nach Maßgabe seinies einstigen Lebensweges". Heute bedeutet diese Forderung: „Wenn das Kind in der jüdischen Volksschule weltlichem Wissen nachstrebt, dann gebt ihm sein Wissen und seine Bildung "dyt 'S bv im Hinblick auf seinen späteren Lebensweg, na nb"> iew "pTn 'D bv- Nachwort der Schriftleitung: Zu der unbedingt berechtigten Forderung der Schaffung von jüdischen Lesebüchern sei noch bemerkt, daß die Frankfurter Ortsgruppe unseres Bundes schon* seit einem Jahr in reger Arbeit damit beschäftigt ist, Material aus der jüdischen Literatur zusammenzutragen und damit die Herausgabe von LeseJieften für die jüdische Schule vorzubereiten. * Die Mischnah als Lehrstoff im Religionsunterricht Von Rabbiner Dr. Michalski in Karlsruhe, (Fortsetzung.) ♦"7 nwn hpk ms Beim n«tm steht eine Sünde, eine Uebertertung eines Verbotes, trennend zwischen G'tt und Mensch. Die Annäherung erfolgt aus der Ferne, bis zu den Höfaenwinikeln des Altars muß sie führenf um auf dem Gipfel der Hingebung zu verweilen. Beim nbtv beim Gänzopfer igähnt keine-Kluft, keine Trennung unterbricht die Nähe, doch ist die Nähe nicht nah' genug, sie will noch inniger werden. Die Unterlassung eines Gebotes, eine sündhafte Regung, im Keime erstickt, mahnt zu verstärktem Aufstieg, zu erneutem Aufschwung. Noch hat sich die Lücke nicht gezeigt; um ihr vorzubeugen, soll zu befürchtende Gleichgültigkeit durch tiVltf „Aufstieg", emporsteigendes Aufwärtsstreben überwunden werden. D'tznp enp nVwn.JJas Emporppfer ist Heiligung der Heiligungen". Wenngleich die min nicht ausdrücklich ihm diese Bezeichnung gibt, so ergibt sich doch dieser Wert und diese Bedeuung aus den hierfür gebotenen Vorschriften.47) Im Gegensatz zu den vorangehenden Abschnitten des pna wird dies in dieser jupd besonders betont. Nicht aus Sündentiefe zur Höhe springend, sondern in stetem Ringen um die G'ttesnähe sich mühend, ohne sich von ihr zu entfernen, soll Israels Lebensweihe sein. Nicht nur gelegentlich, aus besonderer Entfremdung heraus als Rückkehr empfunden, sondern stetig nach aufsteigender Vervollkommnung strebend, sei, so lehrt des Ganzopfers Lehre, Heiligung der Heiligungen. Eröffnung und Abschluß aller Opfer im Heiligtum, Grundlage und Ziel täglicher Hinfabe des Volkes,, knüpfte es'än den Treueschwur am Sinai an,48) läßt das nww J?öB?3l tägliches Erlebnis werden. Heiligung der Tat will es erzielen, um durch sie Besitz und Genuß zur Heiligung zu führen. Tissa nnoTia? „Sein Geschächtetwerden ist im Norden", im Hinbick auf die Ueberwindung der Genußsucht; lissa AIP »J>M nttf 5>Wp1 „und die Aufnahme seines Blutes in einem Dienstgefäß im Norden", der Träger der Sinnlichkeit fügt sich der Gesamtheit selbstloser G'ttesdiener ein, psro nnil „sein Blut wird angefordert"yaiKWnunavw,,zu zwei Hingebungen, die sich als vier erweisen." Nicht wird das Blut mit dem Finger auf jeden der vier Höhenwinkel gestrichen, es wird mit dem Sprenggefäß auf den unteren Teil des Altars gesprengt. Das Bewußtsein ists, noch fernab von der Höhe des Altars in der Tiefe zu weilen und nach Nähe und Höhe „emporsteigend und emporstrebend", sich zu sehnen, sich empor zu ringen zur Höhe der Lebensbestimmung. Aufstiegsbedürftigkeiit und Aufstiegsfähigkeit in rastlosem Aufwärtsstreben lassen das alltägliche Leben des Einzelnen und der Gesamtheit zur Höhe der Vollendung streben, gestalten das Tbl* zum D">Bnp> wip An der Ost-Nordseite und an der West-Südseite des Altars sucht das Blut die Nähe und die Höhe. Es wird so gegen den Winkel gesprengt, daß es die beiden Seiten, die den Winkel bilden, entlang, also um den Altar herumfließt, ano np"iT,49) .daß die zwei Hingebungen sch zu vier gestalten. Die Lebensaufgabe wird nach zwei Richtungen hin erfaßt und zusammengefaßt. Gemeinnutz igeht vor Eigennutz, lehrt die Sprengung an der Ostnordseite. Der Genuß des Tisches .soll nur im Hinblick auf die im Osten versammelte Nation Wort und Bedeutung erlangen, nur im Anschluß an das Volk und zu dessen Vorteil sei er, frei von Selbstsucht, erstrebt. Auch die Nahrung des Geistes, auf die der Leuchter im Süden hinweist, hat nur aus dem Gesetz, auf das die Lade im Westen hindeutet, das des Volkes Urborn und Seele ist, Lebensgrund und Daseinskraft zu gewinnen. Eigennutz und Eigensinn scheucht und sühnt das Aufwärtsstreben. Die Ost-Südseite des Altars, die nicht im Gebiet des kleinsten und schwächsten Stammes Benjamin,'"'0) sondern in dem des größten und stärksten Herrscherstammes Juda liegt, bleibt bei dieser Sprengung unberührt. Sie lehnt den Qedanken der Selbstbescheidung ab, die im demütigen Geschenk Ehrfurcht bezeugt,31,} die allen anderen Opfern gleichwertig» besonders betont, das Emporopfer zur Seite stellt.52) WDn nawtsi „Es wird angefordert zur Enthäutung." Die Haut, die dem Körper Schutz geboten hat, fällt dem Priester zu, der die Opferhandlung vollzieht, der in der Anschauung, die sie andeutet, Schutz und Dauer erblickt, mwi „Und zur Zerlegung". In vorbildlich33) geordneter Weise in seine organischen Teile zerlegt, ohne daß diese in Unterteile geteilt werden dürfen, ist das Opfertier nur des verbindenden Zusammenhangs beraubt. Der Organismus mit seiner sinnenden und tätigen, Nahrung suchenden und nehmenden Tätigkeit bietet sich dem Gesetzesfeuer des Altares dar. a^t/sb b^bot „Aus gänzlich den Feuern dargeboten". Wie das Blut, der Träger der Seele, an den Altar herangesprengt, mit Willenskraft aus der Ferne ihm nahe gebracht wird, so wird auch der Gesamtkörper mit Willensstärke über einen trennenden Spalt hinweg, ins Altarfeuer hineingetragen, Mit dem Körper verbunden, bleiben auch die Knochen, Sehnen und Horner nicht zurück. Nichts darf 47) 'ä 'bn 'n "13 nuaipn ntz?»a tvabn a"Mib rup» tpa ">v- *8,)->yo ina ">»vn -r>an rtolV. b. 28, 6 vgl. V.B. 12, 14. 40) III. B. M. 1, 11. ■ r,°) vi D'nar« 51) nVw m '-s?n •R,"> n^y» vgl. auch III. B. M. 22, 18 und 'fi x>bm- 52) V. B. M. 12, 14. M) n'D ns'a-i