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Der Israelit · 1935-11-28 · Heft 48 (28.11.1935) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 48 (28.11.1935)
Date
1935-11-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
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Seite 12 Nr, 48 Der Israelit 28. Novem,b«r 1935 Kinderecke. Zwei Geschichten. Leo Tolstoj nacherzählt. Vor genau 25 Jahren starb als Achtziger der große russische Dichter und Denker, Graf Leo Tolstoi. In den Erzählungen aus seinen letzten Jahren schöpft er, bewußt oder unbewußt so sehr aus jüdischen Quellen der Lehre und Moral, daß sich manche kleine Erzählungen einfach wie Midraschim lesen. Man saj*t, «r lernte in den letzten Jahrzehnten seines Lebens auch fleißig Hebräisch und. hatte Kenntnis von den herrlichen Perlen der Agada, die er zuweilen in seinen Schöpfungen auch verwendet. Einige seien hier zum Andenken an den großen russischen Moralphilosophen in eigener Formulierung wiedergegeben: - I. Die kleinen und großen Sünden. Eine alte arme Frau kam zum Dichter und fragte ihn, wie sie es am besten anpacke, daß sie ihrer Sünden und Schulden, die sich in einem langen Leben angehäuft haben, los werde. Der Dichter gab ihr einen großen Stein und befahl ihr, diesen den Berg hinunterzutragen. Dann sprach er zu ihr: ,,Bringe mir den Stein wieder herauf." In wenigen Minuten hatte die einfache Frau aus dem Volke den großen Stein wieder heraufgeholt und an seinen früheren Platz wieder gebracht. Nun gab er ihr einen Sack voll kleiner Steinchen und sprach zu ihr: „Trage den Sack den Berg hinunter und leere ihn unten im Tal aus". Sie tat, wie man sie geheißen. Nun wünschte der Dichter, daß sie hinunter - gehe und all die Steine und Steinchen wieder heraufhole. Nach einiger Zeit kam-die Frau wieder und hatte wohl einige Steine in der Hand. Die anderen waren nach allen Richtungen hin verstreut und versprengt worden. „Ich kann sie nicht mehr finden," sagte die Frau. „Genau so aber geht es," sprach nun der Dichter, „mit den Sünden und Schulden, die Du in einem langen Leben auf Deine Seele geladen hast. Die großen Sünden wirst Du genau wie die großen Steine finden und die Wiedergutmachung wird Dich nicht viel Mühe und Arbeit kosten. Schlimm aber steht es um die kleinen Sünden, Vergehen und Fehler des Lebens. Hier ist ein Ausgleich und eine Sühne deswegen so schwer, weil man sie sich schwer in Erinnerung rufen kann, wie man eben jene verstreuten und versprengten Steinchen nicht finden kann. Fürchte, liebe Frau, nicht die großen Sünden, die Dich zur Buße drängen, fürchte aber die kleinen und kleinsten, die Dir vielleicht ganz aus dem Gedächtnis geschwunden sind." * » Genau die gleichen Gedankengänge finden wir im Midrasch zu dem Schriftsatz: aj?37 Tll JltföttttV wobei ipv im Sinne von Ferse und Schritt gedeutet wird. Wir werden besonders auf die kleinsten Gebote verpflichtet, über die man im täglichen Leben oft hinwegsohreiteL II. Das Wettrennen der Habgier. „Nun Bauer," spricht der Edelmann, „sollst Du Land bekommen, soviel Du willst. Aber Du mußt Dir den Bodenbesitz erst erlaufen. So beginne nun, Dir im Laufschritt das Gelände zu erwerben." Soweit Du gerannt bist, gehört alles Dir." Das Bäuerlein läuft und läuft- .; Schon geht ihm der Atem aus, aber noch ein Stückchen und noch ein Fleckchen. Und dort winkt so •herrliches Wiesenland, also noch einen Sprung Er rennt und rennt und kann nicht mehr, aber er rafft1 den letzten Rest seiner' Kräfte zusammen, um noch ein Stücföchen zu erhaschen. Nun ist er am Ende. Sein Black schweift " über das große Gelände, das er sich erlaufen hatte. Aber nun fällt er erschöpft auf den eigenen von ihm im Laufschritt errungenen Boden und steht nicht mehr auf ... Dieses Koheleth-Motiv findet auch in der agadischen Literatur und in den jüdischen Mussarbüohern in allen Tonarten'seinen dichterischen Ausdruck. Auflösung des Zahlenrätsels aus Nr. 44. 1. Sprüche Salomos; 2. Pharao; 3. Rahel; 4. Ural; 5. Esau; 6. Cello; 7. Hosea; 8. Esra; 9. Saul; 1.0. Amram; 11. Lama; 12. Oper; 13. Mose; 14. Opal; 15, Sara. Richtige Lösungen sandten ein: Kinder Sohlberg, Basel; Gustel Rothstein, Berlin-Charlottenbg.; Müsch Wolf, Ffm., Baumweg 35; Sara und Anna Waldmann, Ffm; Benjamin Posen, Ffm., Sandweg 44; Ruth Scheroschewski, Ffm., Günth&rsburg.allee 16; Helene Leidner, Karlsruhe; J. Vorenberg, Reirihedm; Meta Breuer, Ffm., Theobald-Straße 2; Herbert Rosemann, Berlin; P:h. Pfeffer, Dresden; David Wilder, Dresden;. Rachel und Miriam Plaut, Haifa. Vermischtes. Dresden, 25. Nov. Von Herrin Rabbiner Zwi Hurw i t z r Rabbiner der orthodoxen Gemeinde zu Dresden, geht uns folgende Mitteilung zu: . „Der hiesige Geflügelhändler, Herr K 1 e i n m a n n, dessen Geschäft unter meiner Aufsicht steht, verkauft Geflügel auch nach auswärts!, so möchte ich mitteilen, daß ich die,volle Verantwortung für Kaschrus auch bezüglich des Koschermachens nur für die Ware übernehme, die hier, am Platze unter meiner Aufsicht verkauft wird, nicht aber für das Geflügel, das auswärts an die Händler weiterverkauft wird, da zumeist schon drei Tage verstrichen sind, ohne daß das Fleisch begossen wurde. Wer ganz sicher gehen will, kaufe nur in einer verschossenen Verpackung, die Siegel und Unterschrift von anir trägt, womit die Gewähr gegeben ist, daß auch das Begießen richtig vor sich gegangen ist und auch angeben ist, wann wieder. Jaegossen werden muß." ■ > . ■ -*<<9%t«g Personalien. Der erste Jahrzeitstag des Kissinger Raw ^"21* Bad Kissingen, 21. Nov. Am 15. Gheschwan jährte sich zum erstenmal der Tag, an welchem unser Raw, Dr. Seckel Bamberger ^"37/ von seiner irdischen Wirksamkeit abberufen wurde. Am Vorabend dieses Tages fand im Anschluß an das Maariw-Gebet im Kreise der Familienangehörigen und der hier wohnenden ehemaligen Schüler ein Sijum auf den größten Teil der nae>» mostatt. Im Verlauf des Festmahles erfreute Herr Rabb, Dr. Bamberger, Stuttgart die Anwesenden mit schönen eigenen Thoraworten und solchen seines Vaters f?"XT- Am Jahrzeitstage selbst fand in einer Vormittagsstunde die Aufrichtung der mxn auf dem hiesigen Friedhofe statt. Dazu hatten sich neben der Familie ferner der Herr Rabbiner, sowie Vorstände und zahlreiche Mitglieder der hiesigen Gemeinde eingefunden. Der Stein enthalt, nach dem letzten Willen des Raw V"XT' nur Namen, Geburts- und Sterbetag, Orte der Wirksamkeit und Dauer derselben an den einzelnen Orten, sowie die Namen der verfaßten Werke. Nach Aufrichtung der Mazewoh lauschten wir voll Andacht der gedankentiefen Gedenkrede des Herrn Rabb. Dr. Bamb erg er, Mainz, des jüngsten Sohnes. Die schlichte Feier hinterließ nachhaltigen Eindruck, Die Jüdische Winterhilfe braucht Dich! Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Chajim. Freitag abend »ach Schluß der Synagoge im Hörsaal: Mikro-Vortrag, Herr Leopold Schwab, lamstag morgens nach Schluß der - Synagoge: trän, Herr R.-A. Dr. E.' Posen- — nachmittags 3V2 Uhr im Vereinslokal, apjr pr, Herr Rabb. Meyer. — abends ,8.30 Uhr im Vereinslokal, Vortrag des Herrn Red. S- Schachnowitz über „Möses Montefibre und sein Kampf für jüdisches Recht und jüdische Ehre" (auch für. Damen). (Alles andere.wie üblich.) Liwjath Chen. 'ff.; .VSamstag 4x/4 Uhr nachMincho im^pörsaal, Friedberger Anläge, Vortrag des Herrn Schachnowitz über: „Brunnen der Väter". Jüdische Frauen-Vereinigung und Agudistische Frauen-Ortsgruppe. Am Montag, den 2. Dezember, abends 8.45 Uhr wird Frau Dr- Dora Edinger im Hörsaale, Friedberger Anlage 5 sprechen über: „Das jüdische Kind in seinen Eigenarten". (Nach Selbstdarstellungen). Gäste, Damen, willkommen. Jüdische Frauenvereinigung E. V* Gesellige Zusammenkunft im Hörsaal Friedberger Anlage. Dienstag, den 3. Dezember 4.30 Uhr nachm. Freie Aussprache, Profane Kultur und wir, Einleitendes kurzes Referat von Frau Johanna Wechsler. Agudas Jisroel-Mädchengruppe. Schabbos vorm. IOV2 Uhr im Agudaheim Schwanenstraße 12, Schiur des Herrn Julius Lewin, „Das -Buch Esra". Gäste willkommen. Agudas Jisroel-Ortsgruppe. Thora und Mussar. Herr Gemeinderabbiner Josef Horovitz. 1"y 'Oö »n»a . (für Baalebatim), Sonntag 9 Uhr, Dienstag und Donnerstag 19-20 Uhr, Fichtestr. 5. — Sabbat vorm. 11-12 Uhr (für Jugendliche) n»n ms, Fichtestr- 5. — Die Mussarlehre des Rambam (für Jugendliche), fta» 3.45 Uhr,. ebenda. Herr Rabbiner Mannes, Tön fil'J»», Sonntag nach Mincho bezw. nach dem agadischen Vorträg des Rabbiners, Hans Handwerkstr. 38. Herr Dozent J. Ehrentreu, snin mit n^ünsn, Sonntag 20.30 Uhr, Uhlandstr. 39. . * Herr M. Feuerwerker, vv 'Da m»a (für Jugendliche) Sonntag und Dienstag 20.30 Uhr, Fichtestr. 5 D'3'T für Jugendliche, Samstag 18 Uhr. — "\vi int'S. ™ (für Baalebatim), Montag und Mittwoch, 18.30-19.30 Uhr, ebenda. Herr R.-A. Dr. E. Posen n»n ms», Sonntag ll3/4 Uhr, Sandweg 44. Herr B- Rachelsohn, HIV« HJt?» Dienstag 20.30 Uhr, Sandweg 6-c. R.-A- Dr. M- Schlesinger, rav 'm. für Baalebatim, Mittwoch 20.30 Uhr, Schwanenstr. 12.. Herr J. Sofer, >nv tp, täglich 12-13 Uhr am Sonntag 11-12 Uhr, jetzt Hans Handwerkstr. 18. *;\ Herr Zuntz, D«n fni«,-Sonntag nach rinn», Sitzungszimmer der I. R. G. Schiur vor rennt? nbsn Der Schiur vor. fl'in» Uttter Leitung des Herrn. Feuerwerker (fliyiap '»j) findet um 6.15 Uhr, Montag, bis Donnerstag im Sitzungszimmer der I. R. G. statt, Tora im Derech Erez-Lehrgänge des Jugendausschusses der J. R. G. In der Folge der Vorlesungen tritt eine Änderung, ein, als am Dienstag,'den 3 Dezember abends V^/Uhr im Hörsaal Herr Dozent Dr. Biberfeld über „Probleme der jüeischen Geschichte" (Das Zeitalter, der Patriarchen) referieren wird. Nicht wie .im Vorlesungsverzeichnis angegeben Herr Red. S. Schachnowitz. — Die zweite Vorlesung des Herrn Schachnowitz wird Dienstag, den 10. Dezember stattfinden. — Wir verweisen auf den an den bekannten Stellen ausgehängten ge~ nauen Lehrplan. Intensivwoche der Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Ami Mauzoe Schabbos, den 30. 11. um 20.45 Uhr, findet im Hörsaal, Friedberzer Anlage der Vortrag des Herrn Studiendirektor Dr. M. Elias über das Thema*. „Die Bedeutung der Jugendgemeinschaft neben Elternhaus, Schule und Jeschiwa" statt. Gäste willkommen^ ♦ms? Äin 12 oüwihkw V^sa-p^nn rnnn "TrmKn ivun«•>"* •p^n onia *nn ir^mn nnn 20«30 nswn mn^n 's p'^nan :ü"pnn rwnn moarr •pTia •D^naBis *m nnnns nnn tninan >bxw pa pni rp-nnn nnrrn :mnfi Chug Iwri (Hebräischer Sprachklub). des Noar Agudati im Beth Chaluz-Ffm.. Schwanenstr. 12 unter Leitung des Herrn Pinchas Wollmann- Die nächste Arbeitsgemeinschaft findet Samstag, 30- 11. um 20 30 Uhr pünktlich statt. Referent: Herr Adolf D- Oppenheim- Thema: „Das orthodoxe Judentum und der Aufbau Palästinas". Gebetzeiten. rnVin t\iv Freitag abend 4.05 Samstag nMPfi 6.50 Samstag morg. 8.00 Samstag nachm. 1-00 u. 4 00 Samstag abend 5.20 Wochengottesdienst: Morgens 6.55 Tefillinlegen am Morgen 7.04. Nachmittags 4.00

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