Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1935)
- Date
- 1935-11-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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28. November 1935 Der Israelit Nr. 48 Seite 9 Jahren wunden abgeführt. Die gesamte jüdische Presse beschäftigt sich mit dem Vorfall ausführlich lund fordert Genugtuung, wie auch Bestrafung der Schuldigen. Der Kampf um die Unifikation der neologen Kultustgemeinden Pest und Buda (Ofen) dauert noch immer uikU nimmt sogar schärfere Formen an. Die Hauptstadt hat der Budäer iKultusgemeinde ein Grundstück zum Aufbau eines Tempels geschenkt, dessen feierliche .Uebergabe vor kurzem stattfinden ' sollte. Im letzten Moment, als bereits der Vorstand und das Publikum versammelt waren, kam die Verständigung, (daß das Grundstück nicht, übergeben werdein könne, da einige Gemeindemitglieder sich dagegen verwahrt hätten. Nach Zeitungsmeldungen haben mehrere größere Gesellschaften ihre jüdischem Beamten abgebaut. „Egyenlöseg" bemerkt hierzu: „Können wir untätig diesem Untergange jüdischer Existenzen zuschauen? Es können unfreundliche Stimmungen wirksam sein, es mag ©ine Haßkonjunktur beistehen, aber das ungarische Judentum ist noch stark genug, um mit der Wahl seiner Bezugsquellen zu verhindern, daß sieine Mitglieder der seelischen und materiellen Verarmung preisgegeben werden." Im kommenden Februar finden die Wahlen in der Pester Israelitischen neologen Kultusigemeinde statt. Sie pflegten sonst kein größeres Aufsehen zu erregen, denn von den 60 000 Steuerzahlern .gehen höchstens 1500 zu den Urnen. Diesmal will aber die zionistische Agitation das Interesse für idie Gemeindeangelegenheiten erwecken. Ob mit Erfolg, ist sehr fraglich. Das Programm der zionistischen Volkspartei dürfte wenig Zugkraft ausüben. Es erstrebt, daß jedes Kind die wichtigsten Gebete zu lesen erlerne. Und dann weist man im Gegenlager auf Wien hin, wo die zionistische Gemeindeledtumg nicht alles zum Besten leitete. Das Grab des Feldnuarschalleutnaints Eduard v. Schweitzer erhielt aus der Munifizenz der Pester Israelitischen Kultusgemeinde einen kün&tierdsch ausgeführten Gedenkstein. Schweitzer hat wiederholt Kaiser Franz Joseph am Zarenhofe vertreten. irOrszagos Egyetertes" schreibt: „Am 2. November sind die toten Seelen des ungarischen Judentums, die getauften Juden, zu Ehren ihrer auf dem jüdischen Friedhof begrabenen Angehörigen aufmarschiert. Die lebend-toten Juden kamen zu ilhren Ahnen, die ihren G'tt nicht verleugnet haben und in den einfachen traditionellen Totengewändera nach einem redlichen Leben zu Grabe gebracht wurden. Wären sie auferstanden, sie hätten ihre abtrünnigen Nachkommen aus dem Friedhof gejagt, ihre Kränze in Stücke gerissen, ihre Blumen in den Kot getreten. Es war recht unpassend, die redlichen jüdischen Ahnen zu stören." Wie die Budapester jüdischen Blätter melden, herrscht innerhalb der ungarischen Orthodoxie eine recht agudafreundliche Stimmung, und immer stärker werden 'die Bestrebungen, welche 'die Schaffung einer ungarländischen Agud'aorganisation zum Ziele haben. Schweden. Neuwahl der jüdischen Gemeinderepräsentanz in Stockholm. Stockholm, 20. Nov. In Stockholm fand die Neuwahl der jüdischen Gemeinderepräsentanz statt. Zum ersten Male waren verschiedene Kandidatenlisten .aufgestellt und siir Wahikampf durchgeführt worden. Auf die von der bisherigen Leitung aufgestellte Liste „Bürgschaft für die Zukunft" entfielen sieben Mandate, auf die Liste „Lebendiges Judentum" (zionistische Liste) zwei Mandate, auf die Liste „Für das traditionelle Judentum" ebenfalls zwei Maadate und auf die unter dem Namen „Volkspartei" aufgetretene Arbeitergruppe ein Mandat. Die opposdtiomellien Parteien erhielten zusammen 500 Stimimen gegenüber der herrschenden Gruppe, die 543 Stimmen erzielte. Zur Teilnahme an der Wahl waren entsprechend dem Gemeindestatut nur diejenigen Gemeandemitglieder berechtigt, die die schwedische Staatsangehörigkeit besitzen, während idie zahlreichen neu eingewanderten Juden, 'die fast durchweg den oppositionellen Gruppen angehören, an der Wahl nicht teilnehmen konnten. Die Woche. Berlin. Das „Schwarze Corps" meldet, daß die Besitzverhältnisse bei Wert heim A. G. von den zuständigen Stellen geprüft wurden und die Firma dianach als rein jüdisch anzusehen sei. — Nach § 13 der Verordnung zur Ausführung des Gesetzes über Titel, Orden und Ehrenzeichen vom 14. November werden „Treudienstab zeichen für langjährige Treue in Arbeit" an nichtbeamtete Arbeitnehmer nur deutschen Reiehsangehörigen arischer Abstammung verliehen, Darmstadt. Die Große Strafkammer in Darmstadt verurteilte einen Angeklagten wegen versuchter Erpressung zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Er hatte an mehrere 'Juden anonyme Briefe geschrieben und sie unter Todesandrohung aufgefordert, zu einem bestimmten Zeitpunkt einen gewissen Betrag an einer bestimmten Stelle zu hinterlegen. Amsterdam. Die Königin Wilhelmine ernannte den jüdischen Finanzbeamten Dr. L. A. Ries zum General Schatzmeister der Niederlande. Ries hat in den letzten Jahren sämtliche internationale Handelsverträge und wirtschaftliche Abkommen zwischen Holland und den anderen Staaten fixiert. Zugleich wurde Dr. M. Po Hak, Rat am obersten Gericht, anläßlich seines 70. Geburtstags zum Kommandeur des Ordens Oranien-Nassau ernannt. London. Aus dem Park von Windsor wurde eine Cypresse nach Palästina für den neu angelegten Öeorigl-Wald überbracht. — Bei der Umbildung des englischen Kabinetts hat der bisherige Minister für die Dominions, Thomas, das Ministerium für die Kolonien übernommen, Der frühere Kolonialminister Malcolm Macdon a 1 d wurde nun Minister für die Dominions. Paris. „Matin" meldet, daß aus Deutschland eingewanderte Juden die Absicht hätten, in Paris eine jüdische Universität zu gründen. Lemberg. Der bei den antisemitischen Unruhen an der Lemberger Universität vor zwei Tagen verwundete jüdische ^tudent Samue R o si e n b e r g ist im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Der Rektor der Universität hatte den Verg wundeten nach seiner Einlieferung ins Kranhaus besucht und ihm sein Mitgefühl ausgesprochen. Jerusalem. Es ist geplant, eine Handelshochschule für Palästina in Jerusalem zu errichten, für die sich bereits 120 Schüler gemeldet haben. — Wie •die ITA. berichtet, ist von den dreieinhalb Millionen Pfund Einlagen, die zu Beginn der Kriegspanik abgehoben worden sind, rund ein Drittel bereit® wieder in die palästinensischen Banken zurückgeflossen. — Es ist beabsichtigt, einen Fonds für Kinder-Alija und die Ansied'lung von Jugendlichen in Palästina auf den Namen von Miß Szold zu schaffen. Die Mittel des Fonds sollen für die Ueberführung von Kindern und Jugendlichen aus allen Ländern der Gola' nach Erez Israel verwendet werden. — Am 18, November wurden die Sanktionen Palästinas gegen Italien in Kraft gesetzt. Die Sanktionen beziehen sich auf das Verbot der Ein- und Ausfuhr von Kriegsmaterial, der Gewährung von Krediten an Italien und der Einfuhr italienischer Waren. — Die polizeiliche Nachforschung nach dem Mörder des bei Ain Charod getöteten jüdischen Polizisten Mosche R o s e n f ,e 1 d haben bisher noch nicht zu einem Ergebnis geführt. Die Palästina-Regierung hat eine Prämie von 200 Pfund für die Ergreifung der Täter ausgesetzt. Tel Awiw. Am Strande, genau an derselben Stelle, wo vor zwei Jahren Dr. Arlosoroff ermordet wurde, ist der Araber Mohammed Adifri ermordet aufgefunden worden. Die Nachforschungen haben eingesetzt. Man bringt die Mordaffäre mit einer geheimen arabischen Waffenfäbrik in Jaffa in Verbindung. — Der High Commissdoner stattete gleich nach seiner Rückkehr dem Bürgermeister von Tel Awiw, Meier Dizengoff, einen Besuch ab. Es verlautet, daß. er bei dieser Gelegenheit den Bürgermeister zu veranlassen suchte, von «einer geplanten Demission abzusehen. Die Wahlen des Tel Awiwer Stadtrates sind auf den 14. Deiz«mb«r angesetzt. New York. Der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung von New York, Bernat S. Deutsch, ist im Alter von erst 51 Jahren plötzlich verstorben. Holland. Nachklänge zur Jubiläumsfeier der Amsterdamer aschkenasischen Gemeinde. Amsterdam, 21. Nov. Königin Wilhelmine von Holland sandte der Amsterdamer asichkenasischen („hochdeutschen") Gemeinde, die jetzt das Jubiläum ihres 300jährigen Bestehens begeht, ein in herzlichen Worten abgefaßtes Glü ckwuns cht elegramm. Die jüdischen Wochenblätter „Nieuw Israelietisch Weekblad", Amsterdam, „Centraal Blad voor Israelieten in Nederland", Amsterdam, und „Het Weekblad voor Israelietische Huisgezinnen", Rotterdam, erschienen anläßlich der 300 Jahr-Feier der Gemeinde 'in Festausstattung. „Nieuw Israelietisch Weekblad" bringt an der Spitze einen Aufsatz des holländischen Ministerpräsidenten Dr. H, Colijn, in dem dieser erklärt, das Jubiläum habe nicht nur für die Juden, sondern auch für ganz Holland Bedeutung, da die Juden Amsterdams für diese Stadt so viel getan und dem Namen Hollands in der Welt so viel Ehre gebracht hätten. Polen. Die Statuten des Jüdischen Gemeindeverbandes Polens fertiggestellt. Warschau, 20. Nov. Die von der Konferenz jüdischer Gemeindevertreter gewählte Kommission zur Ausarbeitung eines Statuts für einen Verband der jüdischen Gemeinden Polens hat unter dem Vorsitz des Warschauer Gemeindepräsidenten Mazur ihre Arbeiten beendet. Der Verband soll etwa 140 Gemeinden der Wojwodschafts- und Kreisstädte umfassen. Die konstituierende Delegiertentagung wurde für den 24. November nach Lemberg einberufen. Die Leitung des Verbandes wird aus einem 25gliedrigen Rat und einem dreigliedrigen Präsidium bestehen. Präsident des Verbandes ist statutengemäß der jeweilige Vorsitzende der Warsehauer jüdischen Gemeinde. Ferner muß dem Präsidium ein zweites Mitglied des Warschauer Gemeindevorstandes als Vizepräsident angehören. Das dritte Präsidiumsmitglied wird auf der Lemberger Tagung gewählt werden. Bericht des Hilfskomitees in Polen an den Völkerbund. Warschau, 20. Nov. Im Zusammenhang mit der durch die Auflösung des Macdonalds-Kommissariats bedingten Reorganisierung der Auswandererfürsorge hat das Völkerbundssekretariat vom Jüdischen Zentralhilfskomdtee in Polen einen Bericht über die Lage der Ausgewanderten und die bisherige Fürsorgearbeit eingefordert. Das Hilfskomitee hat eine umfangreiche Denkschrift für den Völkerbund fertiggestellt, in der sämtliche Zweige der Hilfsarbeit unter besonderer Berücksichtigung der Weiterleitunig von Ausgewanderten nach Palästina statistisch dargestellt und die Forderung erhoben wird, daß der Völkerbund Schritte zur Erleichterung der rechtlichen und materiellen Lage der Ausgewanderten in den verschiedenen Ländern unternehme. (ITA.) Rumänien. Der Cuzisteuskandal bei der Amtseinsetzung des Metropoliten der Bukowina. Bukarest, 18. Nov. Rabbiner Senator Dr. Niemiro wer, der, wie mitgeteilt, anläßlich der Einsetzung des Metropoliten in Czernowitz vom antisemitischen Abgeordneten Robu beschimpft und am Betreten des erzbischöflichen Palais verhindert wurde, erhielt vom Metropoliten Visarion das folgende Telegramm: „Aufrichtigsten Dank für Ihre Teilnahme an den Einsetzungsfeierlichkeiten in der Cemautier Metropolie. Ich bediaure zutiefst den Zwischenfall, der «ich gelegentlich der Feierlichkeiten in Cernauti ereignet hat, und verurteile das Benehmen desjenigen, der Sie überfallen hat. Metropolit Dr. Visarion Puiu." Im Auftragie des Metropoliten Visarion erschien Konsistorialrat Sandru beim Präsidenten der Czerno-