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Der Israelit · 1935-11-28 · Heft 48 (28.11.1935) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 48 (28.11.1935)
Date
1935-11-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 48 Der Israelit 28., November 1935 auf an die sfardische Aussprache einmal gewöhnt seien, zwangsläufig im Laufe der Jahre diese Aussprache auch im Gebet benutzen müßten Nachdem Oberrabhdner Kuk £"2T zu einer Aen derung der Aussprache im Gebet keinesfalls die Zustimmung geben wollte, blieb die Aussprache des Hebräischen in den Schulen der Freden Ver einigung bis nach dem Krieg 'die aschkenasrische Eine weitere Mädchenschule wurde nach dem Muster von Petach Tikwah in Ekron ge gründet. Vorübergehend existierte auch eine einklassige Talmud Thora-Anstalt in Gedera Die Talmud Thora-Schule in H a i f a wurde dank der Unterstützung des dortigen Oberrabbi ners B. Marcus und der eifrigen Tätigkeit des Herrn Burak zum Kristallisationspunkt der Thoratreuen in Haifa. Dem gesamten palästinensischen Schulwerk der Freien Vereinigung gab sein Initiator, Rabbi Jizchok Eisik Halevy, den Namen N e z a c h Jisroel, der bis auf den heutigen Tag erhalten 'geblieben ist. In engster Verbindung mit dem Schulwerk der Freien Vereinigung standen die Jerusalemer Erziehungsanstalten der Am sterdamer Pekidim und Amarkalim, die sfardische Bürgerschule Doresch Zion, heute unter der Leitung von Baruch- R abinowitz, die aschkena sisohe Talmud Thora-Anstalt Jeschiwas Zion, so wie eine jemenitische Talmud Thora. Alle drei Anstalten unterstellten sich dem Leiter des Schulwerks der Freien Vereinigung, Dr. Moses Auerbach. Neben diesen SchulanstaHen wurde auch gro ßes Gewicht auf die Ausbildung neuer Lehrkräfte gelegt. Durch Stipendien ermöglichte die Paiästina-Kommission der Freien Vereinigung dem Leiter des Schulwerks, junge Leute von den Jerusalemer Jescihiwoth nach Petach Tikwaih zu nehmen, um sie hier in zweijährigem Kursus theoretisch und praktisch für den Lehr erber uf auszubilden. Die letzte Tat der Freien Vereinigung zu Beginn des Krieges, bevor dieser mit elementarer Gewalt den Untergang des so hoffnungsvoll aufblühenden Werkes herbeiführte, war die Errichtung eines Lehrerseminars in Petach Tikwah im Anschluß an die Talmud Thora-Anstalt, für das ein fünfjähriger Lehrgang vorgesehen war. Das Gesamtwerk wurde auch nach Beginn des Krieges solange weitergeführt, als die Möglichkeit bestand, dem Leiter und den Lehrern der Anstalt von Deutschland aus die Mittel zur regelmäßigen Bestreitung der Ausgaben zuzuführen. Als die kriegerischen Ereignisse dies unmöglich machten, blieb auch Dr. Auerbach und den übrigen europäischen Lehrkräften nichts anderes übrig, als in die Heimat zurückzukehren und alles so mühsam Geschaffene seinem Schicksal zu überlassen. Es mag ein Tr<?st sein, daß die Arbeit der Freien Vereinigung dm heiligen Land trotz der dazwischen liegenden Weltkatastrophe, die ihr äußerlich ein Ende machte, für die Zukunft unverloren blieb, denn aus ihr heraus entwickelte sich das Schulwerk der Agudas Jisroel, sowie denn die historische Kontinuität, die von der reorganisierten Freien Vereinigung zur Agudas Jisroel führte, auch in dem letzten Worte zum Ausdruck kommt, mit dem die Freie Vereinigung in ihrem Bericht über die Gesöhäftsperiode 1910/11 ihren Anteil an der Gründung der agudistischen Weltorganisation umschreibt. Es heißt da: „Vorstand und Ausschuß unserer Vereinigung hatten sich in der Berichtsperiode wiederholt mit dem von uns angeregten und in der Presse inzwischen besprochenen Plane der Schaffung einer Weltorganisation der gesetzestreuen Judenheit zu beschäftigen. Nachdem eine vom Vorstand unserer Vereinigung nach Homburg; v. d, H. einberufene vertrauliche Besprechung; mit hervorragenden Vertretern derrussischen und ungarischen Judenheit eine Verständigung über die prinzipiellen Grundlagen des Projektes ergeben hatte, wurde der Plan in einer Sitzung des großen Ausschusses am 6. Februar 1910 ausführlich durchgesprochen, gebilligt und demgemäß dem..Vorstände die - ..Ermächtigung erteilt, alle zur Ausführung des großen Planes notwendigen finanziellen Mittel vorschußweise zur Verfügung zu stellen. Grundsätzlich wurde festgestellt, daß sich unsre Tätigkeit dabei auf alle Fälle auf; die vorbereitenden Schritte zu beschränken habe und daß. die künftige Organisation selbst durchaus .abhängig von der „Freien Vereinigung" ins Leben gerufen werden müßte. Inzwischen hat sich zur Weiterförderung des Planes aus freier Initiative, jedoch unter hervorragender Mitwirkung von Vertretern unserer Vereinigung, ein ^Provisorisches Komitee" gebildet, dem 'es hoff entlieh gelingen, wird, den Plan, der eine folgerichtige Weiterbildung der unserer Organisation zugrunde liegenden Idee bildet, zum Heile der jüdischen Gesamtheit zu verwirklichen." ■■ -i-MVS Im. Schöße der Pa 1 ä s f rn<:a -Kommission der Freien Vereinigung ist der Gedanke der Agudas Jisroel geboren worden. Ihm kam die unabhängig davon bereits eingeleitete Initiative der östlichen Gedaule Jisroel entgegen. Wochenrundschau. Kinder vom Laude, Die derzeitige Situation der deutschen Juden macht Sammlung, Zusammenfassung und Zusammenarbeit zum Gebot der Stunde. Nur in der ^Gegenseitigkeit kann der Einzelne noch den Lebensraum finden, der ihm draußen enger und enger wird. Daraus ergibt sich aber die Tragik der Landgemeinden, die, vielfach lehrer- und führerlos, vom jüdischen Zentrum' abgeschnitten und auf sich allein angewiesen, unter der unsäglichen religiösen und seelischen Not fast erliegen. Es gibt kein Gemeinschäftsieben mehr in den Gemeinden, die nicht mehr die nötigen „zehn Leute" zählen, keinen Lehrer besolden und keinen gemeinsamen G'ttesdienst aufrechterhalten können, Ohne gesellschaftlichen Anschluß, ohne Ablenkung von der täglichen Not leben diese isolierten Menschen dahin, tagsüber unter erschwerten Umständen ihrem Erwerb nachgehend und abends in ihren vier Wän-: den verweilend. Noch schlimmer steht es um die Kinder, die ohne Religionsunterricht, ohne Kameraden, ohne Spiel, ohne Lust und Liebe heranwachsen; in der Erkenntnis, , daß sie zur Gemeinschaft der fDorfjugend nicht - gehören, aber ohne Wissen um eine jüdische' Gemeinschaft, in der sich eine seelische Heimat finden ließe. Was soll aus diesen jungen Seelen, die in der sonnenlosen Isoliertheit verdorrein, werden? Man hatte in guten Jahren sich Sorgen gemacht um die versprengten Stämme und Hilfsexpeditionen nach exotischen Ländern ausgeschickt, man interessierte sich für die jüdischen Menschen in Abessinien und die jüdischen Kinder im Jemen und mühte sich, sie in Schulen und Waisenhäusern in Erez Jisroel unterzubringen. Man braucht heute nicht Expeditionen über Länder und Meere zu schicken, um Not jüdischer Kinder zu entdecken. Ein paar Autostunden von der Stadt kann man die jüdischen Buben und Mädels sehen, die ohne Freude und Hoffnung und ohne jüdische Zielweisung einer harten Zukunft entgegensehen, für die sie weder in beruflicher, noch in jüdischer Beziehung gefeit .und gefestigt sind. Dürfen wir'in der Stadt und in der Großgemeinde, wo wir es doch ungleich besser haben, dieser Tragödie des jüdischen Kindes schweigend'zusehen, ohne gegen das bv Tlöyn üb 0*7 zu verstoßen? Wir haben in Frankfurt in Jeschiwa, Beth Chinnuch und Beth Chaluz einige Positionen, die auch Landkindern, sofern sie dafür prädestiniert sind, eine erste Heimstätte für die Uebergangsjahre bieten können. Das Problem en seiner ganzen tragischen Kompliziertheit kann damit schon aus dem Grunde nicht gelöst werden, weil die große-Zahl der noch schulpflichtigen Kinder für diese "Hehne;' nicht in Betracht kommt. Darum scheint' uns ein Plan bedeutsam und zukunftversprechend, der, dm Schöße der Lahdesorganisation der Agudas Jisroel ühd: der Ortsgruppe rankfurt geboren, nun der' Ausführung entgegensieht.!- '*"' " Es soll in Frankfurt ein Internat für Landkinder errichtet werden, vornehmlich für solche Kinder, die in ihrem Heimatdorfe keinen Religionsunterricht mehr genießen und einer religiösen Gemeinschaft nicht mehr teilhaftig werden, aber auch für Kinder, die aus anderen Gründen «die Stadtschule besuchen möchten,. um ihnen Anteil an der jüdischen Zukunft zu sichern, ohne daß daraus den Eltern allzu große Opf er entstehen. Die Kinder sollen hier die Israelitische Volksschule bezw. die S'. (R. Harsch- Schule besuchen und in dem von der Ortsgruppe mit Hilfe der Land es Organisation der Agudas Jisroel gegründeten und erhaltenen Institut ihr Heim mit allem, was ein Kind von einem Elternheim erwarten muß, haben. Neben "der körperlichen Pflege unter Berücksichtigung aller hygienischen Gesetzt» und der guten kräftigen Verpflegung sollen die Kinder in diesem Hause jedwede geistige Förderung erhalten, Beaufsichtigung der Schularbeiten, Vertiefung ihrer religiösen und profanen Kenntnisse, mit einem. Worte, Hebung ihrer natürlichen Anlagen, und Festigung ihres Geistes, geistige und charakterliche Ausbdidung und Vervollkommnung, wofür die für diesen Plan verpflichteten Leiter und Jugendhildner die beste Gewähr bieten. Da wir heute . der (jüdischen Jugend kaum, einen anderen Weg als den nach Palästina oder überseeischen Ländern weisen können, sowird darauf gesehen werden müssen, die Kinder mit all dem Rüstzeug auszustatten, das sie für ihr späteres Leben in Erez Jisroel oder fremden Ländern, wie Sprachkenntnisse, Fachausbildung; usw. brauchen. Daß sie dabei im Jüdischen und Religiösen so gefestigt werden müssen, daß sie die heilige jüdische Substanz mit hinaustragen, wohin sie später auch der Wanderstab führen sollte, versteht sich von selbst. . Wir sprechen die Ueberzeugung aus, daß solche Heime für Landkinder den Landgemeinde^ wie den Großgemeinden in der Stadt "selbst im gleichen Maße zum Segen gereichen müssen.. Letztere bekommen damit ein wertvolles Reservoir, um in den kommenden kinderarmen Jahren ihre Schulbänke wieder mit einem Elemente aufzufüllen, aus dem sich vielleicht späterhin auch manch wertvoller Zuwachs für die Kehilla ergeben kann. Die jüdischen Familien auf dem Lande müßten aber die Gelegenheit mit Freuden ergreifen, ihren Sorgenkindern schon für ihre Kmdeszeit einen Anschluß an eine jüdische Gemeinschaft zu verschaffen und; ihnen darüber hinaus neue Wege in die Zukunft zu erschließen, wie sie sich aus dem Dorfe für sie nie in dieser Art ergeben können. Möglicherweise werden die selbst noch so minimal berechneten Kosten, bei der Verarmung auf dem Lande, (den Eltern zu hoch sein. Da müßte aber die jüdische Gemeinschaft helfend eingreifen; weil sie sich einer (jüdischen Aufgabe, wenn sie sich ihr so gebieterisch aufdrängt einfach nicht ent2iehen darf. Die Ortsgruppe der Agudas J i s r o e'l hüV Hilfe (der tL a n - d e S' o r g a n i s ä t i o n ist jedenfalls bereit, die Opfer und die Arbeit auf sich zu nehmen, in der Hoffnung/ allgemein Verständnis und Unterstützung zu finden. Es ist hier ein großes Werk im Entstehen, das in allen Städten, die ein größeres jüdisches Zentrum hdben, und überall da, wo^jder Klallgedanke so tief verankert ist, daß er .die Grenzen

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