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Der Israelit · 1935-11-28 · Heft 48 (28.11.1935) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 48 (28.11.1935)
Date
1935-11-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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28. November 1935 Der Israelit Nr. 48 Seite 5 sechs verschiedenen Privatehadorim unterrichtet wunden. Ein neugebildeter Elternrat übergab das Gebäude und die einzelnen Klassen Dr. Auerbach und es gelang ihm, in 'Petach Tikwah . in kurzer Zeit diese einzelnen Klassen zu einer einheitlichen Talmud Thora-Anstalt auszugeslab ten und unter gleichzeitiger mühevoller pädagogischer Einschulung der vorhandenen Lehrkräfte den Unterricht auf Grund eines durchdachten Lehrplanes einheitlich aufzubauen. Als das Lehrziel wird in dem Jahresbericht der Freien Vereinigung von 1910 die Heranbildung von bewußten Juden bezeichnet, die gründliches jüdisches Wissen mit den für ihr künftiges Leben notwendigen Kenntnissen der modernen Wirtschaft und Geisteskultur zu vereinigen verstehen. Nicht um die bloße Erhaltung praktischer Frömmigkeit ohne tiefere rmnn JIJPTkonnte es sich dabei handeln, sondern es müsse unsere höchste Kultur, die p"mn sowohl quantitativ, als dem Bildungswerte nach Hauptsache und Mittelpunkt des Unterrichts bleiben. In der Tat waren etwa zwei Drittel der Gesamtstundenzahl dem gründlichen Unterricht in Tnach, Mischnajoth und Gemoro gewidmet, daneben bildete Rechnen, Arabisch, Weltgeschichte, paläatinensisdhe Landkunde, Geographie und Naturkunde die Gegenstände des Unterrichts. Die an der Schule wirkenden einheimischen Lehrkräfte wurden in Abendkursen methodisch, und didaktisch weitergebildet. Dank der Hilfe der Freien Vereinigung konnten die Le-hrergehälter in entsprechender Höhe normiert und 7 Jahre hindurch, bis der Krieg hereinbrach, regelmäßig pünktlich ausbezahlt werden. Fast das gesamte Budget wurde alljährlich während der Selichoth- und Tsohuwo-Tage durch persönliche Besuche bei einem verhältnismäßig engen Kreis von hochherzigen Persönlichkeiten, die an dem Werke interessiert waren, .aufgebracht. Insbesondere die Opferwilligkeit einer dieser Persönlichkeiten, des unvergeßlichen Kommerzienrats Louis Feist ^"ST in Frankfurt a. M. ermöglichte es dann kurz nach Beginn der Tätigkeit Dr. Auerbachs, weitere Talmud Thora-Schulen mit ungefähr dem gleichen Programm in R i s c h o n l'Z i o n, Ekron, Rechoboth umd schließlich in Haifa zu errichten. Inzwischen war die Schülerzahl in Petach Tikwah von 80 auf 300 gewachsen. Zur Mitarbeit dort und an den anderen Orten wurden wertvolle europäische Kräfte, wie Dr. M. Elias (später Direktor der S. R. Hirsch- Schule in Frankfurt) und Dr. Benjamin Lewin (der bekannte Herausgeber des Ozar Hageondm) gewonnen. Wie sehr man sich schon damals in den führenden Kreisen der Freien Vereinigung der hohen Bedeutung Erez Jisroels für die jüdische Gesamtentwicklung und der Verpflichtung der Orthodoxie dort, die Grundlage für ein neues jüdiafches L&ken zu lagen, bewußt war, mögen die Sätze beweisen, mit denen der Jahresbericht der Freien Vereinigung von 1910 sein Referat über die Berufung Dr. Auerbachs und die erste Entwicklung des Schulwerks schließt. Es heißt da: ,,Es ist ein verhältnismäßig kleiner Kreis von hochherzigen Männern und Frauen, die uns die Mittel für die Grundlegung unseres palästinensischen Schulwerks bisher gewährten. Ihnen allen gebührt der wärmste, aufrichtigste Dank der gesetzestreuen jüdischen Gesamtheit, für die wahrlich auf dem Boden des heiligen Landes i m nächsten Jahrzehnt eine Welt idealer Güter gewonnen oder verloren werden kann. Nirgends sind die Aussichten für das Gelingen eines wahrhaft jüdischen Ei ziehungswerkes, 'für die Erhaltung von Thora und Jira günstiger als auf dem geschichtlichen Boden unserer Vergangenheit; um so furchtbarer wäre die Verantwortung, die die gesetzestreue Judenheit auf sich lüde, wenn gerade sie nicht nach dem ganzen Ausmaße ihres finanziellen und moralischen Könnens diesem Rettungswerk von Generationen ihre Kräfte widmete. So hoffen wir denn, daß die aligemeine Teilnahme unserer Gesinnungsgenossen uns den Ausbau unseres Schulwerks und die Ausdehnung unserer Tätigkeit auf die städtischen Zentren mit G'ttes Hilfe so rasch ermöglichen werden, wie die Not der Zeit es gebieterisch fordert." Es ist immerhin schon 25 Jahre her, daß dieser Mahnruf erging. In den Berichten Dr. Auerbachs war schon nach den ersten Monaten seiner Wirksamkeit mit steigendem Nachdruck immer wieder darauf hingewiesen worden, daß die Bildung und Erziehung der weiblichen Jugend in Palästina schwere Mängel sowohl nach der religiösen, wie nach der wirtschaftlichen Seite aufweist und daß eine Gesundung der Verhältnisse im heiligen Lande mit Notwendigkeit von einem bessernden Eingreifen auf diesem Gebiete bedingt sei. Diese Mängel bestanden hauptsächlich darin, daß die Mädchen, soweit sie überhaupt Schulen besuchten, in den bestehenden Kolonieschulen nicht nur dem gesetzestreuen Judentum entfremdet wunden, sondern auch durch eine gänzlich nach französischem Muster zugeschnittene Erziehung ohne die für eine künftige Kolonistenfrau notwendige Ausbildung in den wirtschaftlichen Fähigkeiten, Kenntnissen und Gewohnheiten blieben. Auf Grund dieser Wahrnehmung gelang es der Palästina-Kommission der Freien Vereinigung, einen Kreis einsichtiger Frankfurter und auswärtiger Damen anfangs 1911 zur Gründung eines „Komitees zur Errichtung von Volks- und Wirtschaftsschulen für Mädchen in Palästina" zu veranlassen, das zunächst die inzwischen von Dr. Auerbach ins Leben gerufene Mädchenschule in Petach Tikwah übernahm und ihren Ausbau sowie die Gründung weiterer ähnlicher Schulen zu seinem Programm machte. Es waren insbesondere die Damen und Herren Dr. Albert S o n d h e i m e r , Frankfurt, Sally Guggenheim, Berlin und Hermann C r a m e r , Frankfurt, die nicht nur an der Spitze dieses Komitees für die Propaganda sorgten, sondern auch selber aus eigenen Mitteln die Gelder bereitstellten, die es bald ermöglichten, in Petach Tikwah auf eigenem Grund -ein Schulgebäude für die Mädchenschule zu errichten. Das Unternehmen war auch nach der Richtung von Glück begünstigt, daß es gelang, zur Leitung der Mädchenschule eine besonders qualifizierte Persönlichkeit, Frl. Marta Lipstadt aus Hamburg jetzt Frau Farntrog, Nürnberg) zu gewinnen. In gemeinsamer Arbeit mit Dr. Au vbach gelang es ihr, die Mädchenschule bald auf ein hohes Niveau zu heben, so daß sie sich im ganzen Lande eines vorzüglichen Rufes erfreute. Der Mädchenschule wurde ein Kindergarten angeschlossen und beide zusammen zählten bald 300 Zöglinge. In den Lehrplan der Mädchenschule wurde auf die wirtschaftliche Bildung und zwar sowohl auf die Ausbildung in der Hauswirtschaft, als auch in Gartenbau und Landwirtschaft das größte Gewicht gelegt. Mit der Weiterentwicklung des Werkes wurde in Petach Tikwah die Einrichtung eines Internats für Kinder aus den Städten ins Auge gefaßt und schließlich im Anschluß an /die Kochküche der Mädchenschule eine Arbeiterküche in Petach Tikwah in die Planungen einbezogen. Die Unterrichtssprache an allen Anstalten war Hebräisch. In der Talmud Thora-Schule und auch zum Teil in der Mädchenschule bediente man sich dabei der aschkenasischen Aussprache. Der damalige Oberrabbiner von Jaffa und der judäischen Kolonien, Rabbiner Kuk V'XT' wollte für den Unterricht die Einführung der sfardischen Aussprache gestatten unter der Bedingung, daß beim Gebet die asohkenasiscfye Aussprache beibehalten würde. Dies lehnte Dr. Auerbach aus pädagogischen Gründen als auf die Dauer unmöglich ab, da Kinder, wenn sie von Jugend „Mokaum-Kodausoh" ist. — Mögen die Kommentare über den Sinn der Worte vi~rp Dipnai geteilter Meinung sein — siehe hierüber Targum Jonätan, Raschi, Ibn Esra, Akeda z. St., wie auch Sohar, Abschnitt Waje.sehew — keinesfalls läßt m. E. der Text eine Deutung im Sinne des Herrn Dr. W. zu, da der Schlußsatz „umimkaum koda<usch' j'haleichu" sich auf die Begrabenen und nicht auf die vom Friedhof Heimkommenden bezieht. Der jüdische Volksmund hat für Friedhof auch die Benennung ,,der gute Ort", ohne irgend eine analoge Stelle, etwa wie „Mokaum-tauw" in der Schrift zu finden. Jacob Teßler, Nürnberg. Bücherbesprechungen. 181SS1 JlttSfl« Belehrung und Mahnung aus nachgelassenen Schriften., Von Rabbiner Dr. Salomon Breuer. Frankfurt a. M. 1935. Verlag der Rabbiner H irsch- Gesellschaft. Vierter Teil, Numeri. Nach Ausstattung und Inhalt reiht sich dieser Teil würdig seinen drei Vorgängern an. Wenn man sich, wie wir das vorige Mal schon erwähnt haben, entschließt und anschickt, Reden dem Publikum zu unterbreiten, die einet aus der Brust 'eines Menschen zu Ohr und Seele der Zuhörer einen Weg suchten, so muß die Möglichkeit gegeben sein, daß 'die Leser sich in die Rolle des Zuhörers hineinträumen, d. h. es muß den Reden eine volle Aktualität innewohnen. Dies ist aber -in vollem .Umfange .der Fall. Es ist kein Geheimnis, daß sich heute im Inneren unserer Zeitgenossen Wandlungen anbahnen, die weit wegführen von den Idealen und den Zielen, die sich der verklärte Rabbiner Dr. Salomon Breuer ^>"st für sein Leben und für seine Reden gesteckt hatte. Dem Erbe von Samson Raphael Hirsch 'drohen Gefahren, welche in der Seelenverfassung der jetzigen jüdischen Generation ihre Wurzeln haben, Für all diejenigen, welche entschlossen sind, für dieses Erbe mannhaft einzutreten, bietet diese Sammlung, ■ namentlich aber die letzte Predigt für das Wochenfest eine ganz vortreffliche unentbehrliche Stütze. Wir glauben sogar, daß viele, die wankend und schwankend geworden sind, sich in diese Reden vertiefen sollten und wir sind überzeugt, daß ehrliche Menschen dabei ihren alten Standpunkt wieder finden würden. Es wäre vermessen, über die Tiefe der sonnenklaren Gedanken, über die Kunst der Deutung, über die Durchsichtigkeit der Sprache ein Wort zu verlieren. Wenn spätere Generationen sich einmal ein Bild des Redners vergegenwärtigen wollen, so finden sie in dieser Sammlung nicht nur den Redner, sondern den /ganzen Menschen. P. K. 'ir»** Von Dr. Jechiel L i c h t e n s t e d n. Paris, rue St. Georges 17. fondation Sefer. Ein wirklich auch dem modernsten Geschmack entsprechendes Aleph Beth-Buch! Die Tatsache, daß es so viele Systeme gibt, den Kindern das hebräische Lesen beizubringen, beweist zur. Genüge, daß bei jedem System noch etwas zu wünschen übrig bleibt und daß eben Schwierigkeiten vorhanden sind. Die Hauptschwierigkeit bei jedem System mag wohl darin bestehen, daß den Kindern 'die Unterschiede und Aehniichkeiten der verschiedenen Buchstaben so einfach und .gefälEg wie möglich erklärt werden müssen. In meisterhafter Weise ist dies nach wohlbedachtem Plan Dr. Lichtenstein gelungen. Schöne Bilder des Malers Lion Sack illustrieren zugleich die Geschichte der Hauptgestalten der Bibel, so daß an Hand der leicht faßlichen Worte den Kindern auch das Wesentlichste der biblischen Geschichte miterzählt werden kann. Durch geschickte Auswahl der zu lesenden Wörter sollen die Kinder einen Schatz von Worten erwerben, die das Erlernen der hebräischen Sprache wesentlich erleichtern. Der Text der Worte und einzelnen Sätze erweckt die Liebe zur jüdischen Religion, jüdischen Sprache und zu Palästina. Es ist ein Buch, das angesichts des zu erreichenden Zwecks an Vollkommenheit kaum übertroffen werden kann. M. A. Die Winterhilfe berät Spender und Bedachte! Jüdische Winterhilfe, Fahrgasse 146. | Wochenkalender. Von. 30. November — 7. Dezember 1935 / Vom 4. — 11. Kislew 5696 Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Nov. 30 1 2 3 4 5 6 7 Dez. iVoa •>nv 5p 'na saa rVp nVj? übp ap R»p> aap 373p n»p fliVin rbxvn KITI

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