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Der Israelit · 1935-11-28 · Heft 48 (28.11.1935) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 48 (28.11.1935)
Date
1935-11-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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28,. November; 1935 Der I s r a: e 1 i t- Nr. 48 Seite 3 ist der Keren Hajischuw eine „sepai (Fortsetzung von Seite 1.) . führiuig des Herrn Dr. Hof mann .und des» Herrn Dr. Hahn auf ihre Richtigkeit hin'zu prüfen. Wenn Herr Dr. Hofmann feststellt, daß der Keren Hajischuw als agudistisches Aufbauinstrument eine Angelegenheit der „separatistischen" Orthodoxie sei, so kann er wohl damit nicht meinen, daß dieser Separatismus sich auf alle -Angelegenheiten des Erez Jisroel-Aufbaues erstrecke, da ja auch Ahm bekannt sein wird, daß in denjenigen Angelegenheiten, die außerhalb der religiösen Sphäre liegen, vielfach Agudas Jisroel .gemeinsam mit den palästinensischen Zentralinstanzen zusammengeht. Es ist noch nicht allzulange her, als Ussischkin anläßlich der Stadtratswahlen in Jerusalem dieses Beispiel der palästinensischen Aguda a 1 s m u st e r - gültig d em Mi sraohi empfohlen hat, der damals — nicht etwa aus religiösen Gründen — seine Sonderwege ging. Daß bis zur Stunde aber die Agudas Jisroel zur Zusammenarbeit bereit ist, wenn es gilt, die jüdische Front nach außen zu stärken, ergibt sich aus der oben wiedergegebenenITA.-Notiz, die vom 22. November datiert ist. Nun. wirft Herr Dr. Hoff mann der .Aguda ihren Separatismus auf religiösen Gebieten gerade in einem Augenblicke vor, in dem er sich gedrängt fühlt, mitzuteilen, daß die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel sich an die /liberalen Kreise gewandt habe, um sie für die Mitarbeit an dem Keren Hajischuw zu gewinnen. - Man wird die Initiative zu einer solchen [Zusammenarbeit eben so wenig separatistisch nennen können, wie etwa die Einstellung des Herrn Dr. Ho ff mann, der mit Herrn Dr. Hahn .gemeini&aim den Keren Hajessod propagiert. Wir behalten uns vor, im Laufe unserer Ausführungen noch eingehender auf 'die prinzipielle Bedeutung des Co mit es f ür den Aufbau Palästinas auf religiöser Grundlage und seines Ztisammenhaniges mit dem Keren Hajischuw zurück izu kommen. Zunächst aber möchten wir endlich mit der Legende aufräumen, welche Herr Dr. Hoffmann in die Worte kleidet, daß die „separatistisch orientierten orthodoxen Kreise das neue Palästina erst in der letzten Zeit entdeckten, während religiöser Aufbau schon seit 30 Jahren in Palästina geleistet wird." Wir wollen davon absehen, .daß die „Mutter der Kolonien", Petach Tikwah, im Jahre 1878 von orthodoxen Juden gegründet wurde, wir wollen auch davon absehen, daß der größte Teil des heutigen Jerusalems seine Entstehung dem sogenannten alten Jischuw verdankt, wir möchten uns darauf beschränken, jene religiöse Palästina-Aufbauarbeit zu skizzieren, welche von dem Kreis der deutschen Orthodoxie geleistet wurde, der seine Formung in erster Linie Rabbiner Samson Raphael Hirse h s. A. und Rabbiner Esriel Hai d e s h e i m e r s. A. verdankt^ und der seine organisatorische Gestaltung in der'„Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" fand. Weit über den Rahmien der durch die Angriffe des Herrn Dr. Hoffmann verursachten aktuellen Auseinandersetzung dürfte es von Interesse sein, die Beziehungen^ der Freien Vereinigung zu Erez' Jisroel und die inneren Zusammenhänge dieser Beziehungen zur Agudas Jisroel klarzustellen. Wir geben daher im Folgenden eine ausführliche Darstellung dieser Beziehungen und wenden dann auf dre weiteren Ausführurigen des Herrn Dr. Hoff mahn bezüglich des Keren Hajischuw eingehen. ■ ,! >■ II. -; Der Aufruf, mit dem Rabbiner S. R. Hirsch V'ST im Tischri 5646: die Freie Vereinigung ins Leben rief/' spricht es zwar nichtmit dürren Worten;aus!,(: daß bei der Neugründung an eine, Tätigkeit ausschließlichin den Grenzen Deutschlands gedacht sei, aber es geht aus dem ganzen atistisch-orthodoxe" Angelegenheit? Tenor der Darstellung und aus dem bis ins Einzelne umrissenen Aufgabenkreis, der der Vereinigung damals gestellt wurde, deutlich hervor, daß er sich an-die völlig in die Minderheit gedrängten orthodoxen Kreise Westeuropas wendet und bei der in Aussicht genommenen praktischen Wirksamkeit auch nur die spezifischen Verhältnisse Deutschlands und der angrenzenden Kulturstaaten im Auge hatte. In der Tat 'beschränkte sich in den ersten drei Jahrzehnten, die der Gründung folgten, die Gesamtarbeit der Vereinigung auf idie in dem Gründungs aufruf genannten Gebiete. Für die Mitarbeit an den Aufgaben des Klall Jisroel außerhalb der deutschen Grenzen, insbesondere für die Erez Jisroel-A r b e i t hatte sich die deutsche Orthodoxie im Anschluß an die Pekidim und Amarkalim der Gemeinden des heiligen Landes in Amsterdam, später in dem Hilfskomitee für die ausländischen Juden und dann durch die Gründung des von Frankfurt aus verwalteten Schaare Zedek-Hospitals andere Instrumente und Organe geschaffen. Erst als im Jahre 5668 (1907) die Erweiterung und Reorganisation der Freien Vereinigung. an Haupt und Gliedern erfolgte/ und der Verband aus seiner süddeutschen Ecke herausgerissen wurde, um zur Plattform gemeinsamer Arbeit für die gesamte deutsche Orthodoxie zu werden, mußte sich mit einer gewissen Naturnotwendigkeit angesichts des inzwischen auch stark intensivierten Verantwortungsbewußtseins für die Gestaltung der Dinge auf dem Boden Erez Jisroels das Bedürfnis geltend machen, die Grenzen der Wirksamkeit der Freien Vereinigung nicht nur innerhalb Deutschlands zu erweitern, sondern sie auch qualitativ auszudehnen durch die "Einbeziehung einer bewußten organisierten Erez Jisroel-Arbeit der deutschen Orthodoxie. Schon während des ersten öffentlichen Vereinstages, den die Freie Vereinigung am 26. Dezember 1907 in Berlin abhielt und den der damalige Vorsitzende Rabbiner Dr. . Salomon Breuer h"1i in seiner denkwürdigen Eröffnungsansprache als einen „Wendepunkt in de* Geschichte der orthodoxen Judenheit Deutschlands" bezeichnete, trat neben den verschiedenen anderen heugebildeten Arbeitskommissionen auch bereits eine Palästina - Kommission der Freien Vereinigung zu einer ersten Beratung zusammen. Es wird nicht uninteressant sein, das kurze Protokoll, das~der Jahresbericht der Freien Vereinigung damals veröffentlichte, im folgenden wiederzugeben. Es lautet: „Anwesend die Herren: Jacob Rosenheim, Frankfurt a. M., Vorsitzender; Rabbiner Isaac Halevy, Hamburg; Rabbiner Dr. Auerbach, Halberstadt; Distriktsrabbiner Dr, Kohn, Ansbach; Oberrabbiner Horovicz, Alsokubin; Hermann Cramer, Frankfurt a. M.; Sailly Guggenheim, Berlin; Dr. med. Biberfeld, Berlin; Gottfried Goldschmidt, Halberstadt; Provinzialrabbiner Dr, Bamberger, Hanau; Louis Feist, Frankfurt a. M.; Wilhelm Hackenbroch, Frankfurt a. M.; Jonas Bing, Hamburg; Rabbiner Dr. Bohdt, Mainz. Die Kommission beschäftigt sich mit dem beklagenswerten Notstande, der in der heiligen Stadt durch das Fehlen ausreichender, auch in hygienischer Hinsicht einwandfreier Mikwaoth vorhanden ist. Nach längerer Beratung wurde ein Subcomite niedergesetzt, das nach Einholung genauer Auskünfte, Sammlungen einleitet und die Erbauung von Mikwaoth in die Wege leitet. Ein weiteres Suibcomite > iwurde zii dem I ■ ' >' \ * ■ , Zwecke eingesetzt, die Thorapflege in den palästinensischen - Kolonien in; zweckmäßiger Weise , zu fördern, > M; ii-, : Yorsitzender des Condtes- I ist Herr Louis Feist, Frankfurt a. M , des Qomites II Herr Rabbiner Isaac Halevy, Hamburg." Es ist charakteristisch für die gänzlich untheoretische, ganz auf die praktischen Tagesaufgaben gerichtete Art und Weise, in der die Freie Vereinigung in ihre Erez Jisroel-Arbeit hineinwuchs, daß hier im Mittelpunkt der Arbeit zunächst die Herstellung von Mikwaoth in der heiligen Stadt steht und an zweiter Stelle dann durch ein Unterkomitee unter der Leitung des berühmten Historikers Jizchok Ejsik Halevy in Hamburg der „Thorapflege in den palästinensischen Kolonien" gewidmet sein sollte. In der Tat war es der genannte geniale Historiker des jüdischen Volkes, der die erste Anregung zur Bildung der Palästina-Kommission gab und der dabei ursprünglich keineswegs von der Absicht geleitet war, Talmud-Thora-Schulen, oder Schulen überhaupt in Erez Jisroel ins Leben zu rufen, sondern von der reinen Sorge um die Blüte des Limud Hathora im heiligen Lande. Gemeinsam mit dem Mainzer Rabbiner Dr. Jonas Bondi hatte er ungefähr um die Zeit der Durchführung der Organisationsarbeifc dem damaligen gesohäfsführenden Vorsitzenden der Freien Vereinigung seine Sorge um die Weiterentwicklung der Thora im heiligen Lande anvertraut. Er ging von der Beobachtung aus, daß, wie er meinte, aus den damals noch sehr stark frequentierten Jeschiwos Erez Jisroels eine viel geringere Zahl wirklicher Gedaulim hervorginge, als etwa aus den Jeschiwos des russischen Ostens und führte diese Erscheinung darauf zurück, daß dem palästinensischen Bachur sozusagen der „Marschallstab im Tornister" fehle. Während im Osten jeder hervorragende Talmudjünger gleichsam die Anwartschaft in sich trägt auf ein großes Rabbinat in einer der führenden Kehillos der Diaspora, fehlt es im heiligen Land gänzlich an einem praktischen Strebeziel für den Thorabeflissenen, der, da ihm die Auswanderung aus Erez Jisroel ai-pi-din verboten ist und Rabbinate im ganzen Lande nur zwei oder drei' existierten, für sein Leben lang auf ein ausschließliches Lernen D'ÖIP tiVth angewiesen ist. Es fehle das kleine Körnchen von naiP^ sVlP' das bei dem Wesen der menschlichen Natur nun einmal notwendig ist, um den wirksamen Ansporn zum Weiterstreben zu gewähren. Auf der anderen Seite, so führte Rabbi Jizchok Halevy aus, fehle es in den Kolonien an rabbinischen Führern, und sein Plan war nun durch die Einrichtung von Rabbinaten in den Kolonien beiden Uebelständen zugleich abzuhelfen, Bei der praktischen Ausführung der hiernach in der Palästina-Kommission gemäß den Anregungen Rabbi Jizchok Halevys behandelten Pläne bediente man sich der Mithilfe des ein Jahr zuvor im Gefolge der Reorganisation der Chaluka, der sogenannten Deutsch-Holländischen Palästinaverwaltung, nach dem heiligen Land entsandten ehemaligen Oberrabbiners von Alsokubin, Rabbiner Jonathan Horovicz, der inzwischen die Verhältnisse .im Lande kennengelernt hatte und bei der weitgehenden Personalunion zwischen Freier Vereinigung und Deutsch- Holländischer Palästinaverwaltung sich gerne in den Dienst der gemeinsamen Sache stellte. Bei den durch ihn geführten Verhandlungen mit den damals maßgebenden rabbinischen Autoritäten Jerusalems, in erster Reihe Rabbi Chajim Berlin Rabbi Chajim Sonnenfeld "?"ST' Rabbi Ber Epstein VS"T und im weiteren Verfolg auch Vl3"> Ü^n1? Rabbi Sorech Bravermann "'3 stellte sich bald heraus, daß noch nötiger als die Berufung rabbinisoher Führer für die Kolonien die Errichtung, . die Festigung und der Ausbau von Talmud T h o r a - S c :h u 1 e n waren und daß es jedenfalls die erste Aufgabe der gegebenenfalls in die Kolonien zu berufenden rabbinischen Führer sein müsse, das Chinnuchwesen dort entsprechend zu fundieren. Rabbi Sorech Bravermahn; einer der von glühender Begeisterung und außergewöhnlicher Tatkraft erfüllten unbeamtefen Rabbinen Erez Jisroels, hatte einige Jahre vorher schon einen Verein unter dem Namen „Schömre Thora" ins Leben gerufen, der es sich zur Aufgäbe machte, Talmud Thora-Schulen in

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