Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1935)
- Date
- 1935-11-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450858-2450903--81708-2539634- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 8 Nr. 47 Der Israelit 21. November 1935 Gebärden. Dr, Nieqnirower und der ihn begleitende Präsident der Czemowitzer Jüdischen Gemeinde, Dr, Marcus Menczer, entfernten sich, ihnen folgte bis zum Portal ein junger Mann, der sie fortwährend beschimpfte. Der Öberrabbiner von Czernöwitz, Dr, Mark, der sich bereits im erzbischöflichen Palais befand, verließ den Festsaal, als er von dem Vorfall Kenntnis erlangte. Der Vizepräsident der Jüdischen Reichspartei und frühere Vorsitzende des Jüdischen Parlamentskktbs Dr. Mayer Ebner, verständigte sofort das Präsi dhim der Reichspartei in Bukarest. Das Parteipräsi dium intervenierte beim Minister des Innern und forderte die strafgerichtliche Verfolgung Robus, da die Kriterien des Verbrechens der Erpressung gegeben seien. Wie mitgeteilt wird, hat der neue Metropolit, als er von dem Vorfall erfuhr, Robu gegenüber seine Entrüstung über dessen Benehmen Ausdruck gegeben; man erwartet, daß der Metropolit seinem Ehren gast Dr. Niemirower auch in anderer Form Genug tuung verschaffen wird. England. Das neue englische Parlament. London, 15. Nov. Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen sind -'on den 40 jüdischen Kandidaten, die sich um Mandate für ,das Unterhaus bewarben, fünfzehn ge wählt w^dß^ Wiedergewählt wurden mit großer Mehrheit auc!» die beiden jüdischen Mitglieder der bisherigen Regier«^, der Unterstaatssekretär für Luftschiffahrt, Sir Krilip Sassoon und der Minister für Verkehrswesen LßsJie Hore-Belisha, der eine Stimmenmehrheit von 11.000 erzielte. Unter den Gewählten befinden s:ch ferner der liberale Sir Percy Harris, E. A. Strauß und A.. M. Lyons. Dagegen wurde der Führer der Liberalen Partei und erste High Commissioner Palästinas, Sir Herbert Samuel von dem erst 24jährigen konservativen S. H, Minto-Russell mit 1157 Stimmen geschlagen. Von den bisherigen jüdischen Abgeordneten unterlag ferner Barnett Janner im Wahlkreis Whitechapel seinem Gegner von der Arbeiterpartei mit einer Stimmendifferenz von 228L Eine schwere Niederlage erlitt der antisemitische Konservative Edward Do ran, der die Juden wiederholt im Unterhaus angegriffen hatte. Auch der bisherige Minister für die Kolonien, Malcolm Macdonald, der Sohn des bisherigen stellvertretenden Premiers Ramsey Macdonald, dessen eigene Wahlchancen sehr schlecht stehen, kehrt nicht mehr in das Unterhaus zurück. Weiter wird berichtet: Von den fünfzehn jüdischen Abgeordneten gehören a cht der Reigerungspartei an, drei sind Liberale und vier Arbeiterparteiler. Wiedergewählt wurde <u. a. der Präsident der PICA, Jamesi de Rothschild. Unter den auf das Labour-Programm gewählten jüdischen Kandidaten befindet sich auch der ehemalige Bergbauminister Emamuel SJiinwell, der den stellvertretenden Ministerpräsidenten und Vorsitzenden des Geheimen Staatsrats, Ramsay Macdonald mit einer Stimmenmehrheit von 20,498 schlug. Außer den bereits gemeldetem Ergebnissen ist noch zu. erwähnen, daß auch der bisherige Abgeordnete Major Nathan nicht wiedergewählt worden ist. Palästina. Jerusalemer Brief. Rabbi Chasmann. — Von den P. A. J, — Bier aus Erez Jisroel. — Industrie in Akka. — Baustatistik. — Die Aerztesperre. Jerusalem, 15. Nov. Der bereits mitgeteilte Heimgang von Rabbi Leb Chasmann, Mitglied des Rabbinischen Rates in Erez Jisroel und führender Mitarbeiter im Vorstand der Landesorganisation der A. J., löste eine tiefe Trauer aus, die in vielen Kundgebungen nach Ausdruck rang. Vor neun Jahren kam et hierher als geistiger "Leiter der Slabodkoer Jeschiwa in Hebron, nachdem er sich vorher in Telschi und anderen Städten auf diesem Gebiete bestens bewährt hatte. Seine „Mussarschmuesen" zeichneten sich durch Gedankentiefe und begeisternde Form aus. Seine Verdienste für die unabhängige Orthodoxie und für die Befestigung der Charedimgemeinde in Jerusalem sind unverwischlich. Er wirkte auch als -Dajan der orthodoxen Gemeinde in zwei Stadtvierteln von Jerusalem. Ohne Rücksicht auf Alter und Schwäche versäumte er selten eine Sitzung und traf mit seinem flammenden Worte stets das Richtige. Der Verlust wird nicht leicht zu ersetzen sein. Das kam auch in den vielen ergreifenden Hespedim zum Ausdruck. Er ruht an der Seite seines großen Freundes, Rabbiner Mosche Mordechai Epstein V'ST* Die Gruppe der Poale Agudas Jisroel in Haifa, die bald auf eine einjährige Wirksamkeit zurückblickt, ist mit ihren über 200 Mitgliedern, die der Sache mit Herz und Seele ergeben sind, bereits ein angesehener Faktor innerhalb der Organisation und gewinnt als solcher auch merklichen Einfluß auf das öffentliche jüdische Leben der Stadt. Gerade in Haifa, wo die areligiösen Elemente ein Zentrum gefunden haben, bilden die P. A. J. das mahnende Ge wissen, und sie konnten bereits manches schwere Unheil verhüten. So ergab es sich am Jomkippur, daß in der Bialikstraße in Haifa, in der sich fünf Bethäuser befinden, ein kleines Restaurant offen stand und nach dem Kol Nidre-Gebet an religions lose Elemente Speise und Trank verabreichte. Di< P. A. J. schritten ein und hielten dem Gegensturm einiger tätlich werdenden linksstehenden Arbeiter so lange stand, bis das Restaurant geschlossen wurde. An der Spitze der dortigen Gruppe steht Herr Jacob K a t z, der, ohne aggressiv zu werden, stets das Richtige trifft und das Ziel erreicht. Auch die Ein wanderungsVerhältnisse und Arbeitsverteilung in der Haifaer Gruppe sind dank der eifrigen Tätigkeit ihres Vorsitzenden mustergültig. Die Gruppe der Poale Agudas Jsiroel in Tel A w i w umfaßt 400 Mitglieder. Bei der Wahl der neuen Leitung gab es einige Wahlkämpfe, die vom starken Leben in der orthodoxen Jugend Zeugnis ablegten. Zum Vorsitzenden der Leitung wurde David Zwi Silberstein gewählt. An seiner Seite wirken . Jechiel Kassierer, Menachem W a r g o n und Jakob Braun. Es sind bedeutsame wirtschaf liehe Fortschritte zu verzeichnen. Eine Gruppe von jüdischen. Kapitalisten eröffnete mit Unterstützung der Pica in Rischon l'Zion eine Bierbrauerei im großen Stil, die ihre ersten Produkte schon in den nächsten Wochen auf den Markt bringen wird. An der Spitze des Unternehmens stehen bewährte Fachmänner aus Deutschland, Die Produktion kann mit der Zeit auf 40 000 Liter im Jahre hinaufgeschraubt werden. Der Preis wird sich um 40 Proz. niedriger stellen als der in Europa. Man fürchtet allerdings die Konkurrenz von Syrien, wo die Bierproduktion zoll- und steuerfrei ist, so werden noch Verhandlungen mit der Re gierung geführt, auch die Zölle für das Palästina-Bier zu reduzieren. Weiter ist über die Gründung einer Fabrik in Akka für Verarbeitung von Metallen zu berichten, unter dem Namen ,, T u b a 1 ". Eine besondere Bedeutung kommt dieser Gründung zu, da sie gerade Akka, wo der jüdische Jischuw noch in den Anfängen ist, sich zum Schauplatz gewählt hat. Zunächst sind dort 100 jüdische Arbeiter beschäftigt, man spricht aber davon, daß schon im nächsten Monat noch 30 Arbeiter neu eingestellt werden. Aus der jetzt veröffentlichten Baustatistik für das Jahr 1934 ist zu ersehen, daß im Ganzen;n diesem Jahre 7 Millionen Lst. in Bauunternehmen investiert wurden. 8174 Baulizenzen wurden erteilt. Den ersten Platz nimmt selbstverständlich T e 1 Awiw mit Bauten in der Gesamtsumme von Lst. 2.578.000 ein. An zweiter Stelle steht Haifa und an dritter Jerusalem. Im Jahre 1933 stand Jerusalem bezüglich der Bauen an erster Stelle. Nach Jerusalem kommen der Reihe nach Jaffa, Ramat Gan, Petach Tikwah, Rechoboth und Rischon. Es ist bezeichnend, daß in Ramat Gan die Bautätigkeit die in Petach Tikwah bei weitem übertraf. Man darf hoffen, daß die Statistik für 1935 doppelte Zahlen aufweist. Die Untersuchungen in Sachen des Waffen- Schmuggels gehen weiter und führen dazu, daß jeden Tag von neuem verdächtigte Juden befreit werden. Es stellt sich mählich heraus, daß Juden mit der ganzen Affäre nichts zu tun haben. Trotzdem kann man nicht sagen, daß die arabische Hetze ganz eingestellt ist. In letzterer Zeit wählen die arabischen Zeitungen den Modus, das arabische Volk „zur Befreiung von der 'englischen und jüdischen Knechtschaft" aufzurufen. Die Aerztesperre hat begreifliche Aufregung erweckt. Die Sperre betrifft die Aerzte, 'die am 1. Dezember .d. J. noch kein Bürgerrecht und auch kein dauerndes. Aufenthaltsrecht im Lande besitzen. Die Konzessionen für die neuen Aerzte werden durch den Leiter des Gesundheitsamtes nach Anordnung des High Commissioner, der auch die Zahl der Zulassungen bestimmt, erteilt. Wissenschaftliche Anstalten, auch Krankenhäuser" können über die Quote hinaus Aerzte beschäftigen, unter der Bedingung, daß sie außerhalb des Hauses keine Praxis ausüben. Manche Härten der neuen Verordnung sind um so weniger begreiflich, als gerade die aus Deutschland eingewanderten jüdischen Aerzte das Heilwesen im Lande auf ein hohes Niveau gebracht und viel zur Besserung des Gesundheitsstandes der Bevölkerung beigetragen haben. Der „Feiestin" berichtet mit Genugtuung, daß die Aerztesperre für fünf Jahre gedacht sei, was keineswegs stimmen kann, da es ausdrücklich in der Verordnung heißt, daß es dem High Commissioner zustehe, jedes Jahr die Zahl der neu zugelassenen Aerzte zu bestimmen. M. G. P. Vorbereitungen für die Neuwahl des Oberrabbiners von Palästina, Jerusalem, 12. Nov. Die Wahlkommission für die Wahl eines neuen Oberrabbiners von Palästina als Nachfolger des verewigten Rabbiner Abraham Jizchak Kuk wurde kon-" stituiert. Die Wahl dürfte in nächster Zeit vorgenommen werden. Die Kommission besteht aus 70 Mitgliedern, und zwar 42 Vertretern des Rabbinats und 28 Vertretern der weltlichen jüdischen Institutionen, des Waad Leumi, der Gemeinden usw. Die Wahl wird geheim durchgeführt. Ihr Ergebnis bedarf der Bestätigung durch die Palästinaregierung. Die Liste der Kandidaten für das Amt des Oberrabbiners ist noch nicht veröffentlicht worden. High Commissioner Sir Arthur Wauchope in Jerusalem eingetroffen und, mit halbtägigem arabischem Teilstreik empfangen, J e r usi a 1 e m , 12. Nov. High Commissioner Sir Artur Grenfell Wauchope ist am 13. November im Flugzeug in Palästina eingetroffen, Am Abend besuchte der High Commissioner bereits ein Konzert des berühmten jüdischen Geigers Mischa Elmann. Von dem halbtägigen Proteststreik, den der arabische Jugendverband Palästinas entgegen den Beschlüssen der arabischen Parteiführer für den Tag der Ankunft des High Commissioner proklamiert hatte, war in Jerusalem sehr wenig zu merken. Zum Teil erfolgreich war der Streik in Jaffa und Nablus. Die hebräischen Tageszeitungen widmen dem High Commissioner anläßlich seiner Rückkehr Begrüßungsartikel und geben der Hoffnung Ausdruck, daß es nicht zu der geplanten Einsetzung des Legislative Council kommen werde. Die in englischer Sprache erscheinende „Palestine Post" kennzeichnet den arabischen Proteststreik als einen persönlichen Affront gegen den High Commissioner. Wochenkalender. Von. 23. — 30. Nov. 1935 / Vom 27. Marcheschwan — 4. Kislew 5696 SJT Samstag 23 27 K33 Vinn i'Dia» ni» "n Sonntag 24 28 N^p Mauled: Nacht auf Dienstag 12 Uhr 242/a Minuten. Montag 25 Twmn 29 abp »J» tV>i»h Dienstag 26 30 *P vrm B?s*n '« Mittwoch Nov. 27 iVos 1 i*P enrr ir«n '3 Donnerstag 28 2 nb? Freitag 29 3 *P Samstag 30 4 rVP irnVi/i