Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1935)
- Date
- 1935-11-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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D I s r.a e 1 i t 21. November 1935 takt mit den „Freien" zu ibekommen und weisen auf den Mangel an Schulbüchern und Literatur hin, die auf gut 'jüdischem Standpunkte stehen. Gerade aus diesem Grunde ist es erst recht nötig, gründlich Hebräisch zu lernen, Wir haben den Kontakt mit den anderen Gruppen nötig, um sie zu beeinflussen und wenn mehr Hebräisch bei den Traddtionelldenkenden gelernt wird, dann wird auch entsprechend gute Literatur entstehen, Die Probleme beschränken sich nicht nur auf die Schuljugend, sondern in viel höherem Maße auf die reifere Jugend. Wenn die jüdischen jungen Leute ins Land kommen, finden sie .ganz andere Probleme, als sie es sich vorgestellt ha' ben. Vielleicht daß die Hachscharoth daran schuld sind, die in dieser Hinsicht die jungen Leute nicht genügend vorbereiten. Es ist nötig, daß die Hachscharoth noch mehr Kontakt mit Erez Jisroel halten, indem sie Menschen aus Erez Jisroel zum Unterricht in die Hachscharoth bringen. Dadurch könnte mancke Enttäuschung erspart werden. Im Lande selbst muß ein größerer Kontakt zwischen Rabbiner und Volk zustande kommen, speziell mit der Jugend. Dadurch könnten viele Fragen, die beute so schwer zu lösen sind, leichter zur Klärung kommen. In Palästina ist alles im Werden. Es liegt viel daran, wie das Zusammenleben durch die geistigen Führer beeinflußt wird, Die Jugend sucht Ideale, sie hat eine aufopfernde Gesinnung und viel Gemeinschaftsgefühl, geben wir ihr nicht > die richtigen Ideale, dann geht sie fremden Idolen nach. Bereits jetzt herrscht das Parteiwesen, das zum Selbstrweck geworden ist, in der Jugend. Dringend nötig ist es, daß die jüdischen Vorstellungen auf die Jugend einwirken, so daß die Jugend in ihrer Gesamtheit organisiert werden kann für den Chisuk Hadaß. um die „Protokolle" in Bern, die Auswanid^rertbilfe,. das Aufbauwerk,- die Verbindungen mit diem Palästina-Werk, die Tagungen de® Zionistenkongresses. und der Jewish Agency in Luzern usw. Der seit dem Jahr« 1908 dm C. C. angehörende: Präsident des . Gemeindebundes, J. Drey fuß - Brodsky, der sich aus familiären und gesundheitlichen Rücksichten einer Wiederwahl zum Präsidenten nicht unterziehen wollte, wurde zum Ersten Ehrenpräsidenten des Gemedndebundes ernannt. Bei der Wahl des neuen Präsidenten und des- C. C. wurde beschlossen, die Sitzung abzubrechciL und bis zur nächsten Delegiertenversammlung die- Statutenrevision derart zu fördern, daß zu diesem. Zeitpunkt die Wahlen vorgenommen werden können. Holland. Die 300 Jahr-Feier der Amsterdamer aschkenasischen Gemeinde. Amsterdam, 14. Nov. In dem historischen Wag-Haus in Amsterdam, fand anläßlich der 300 Jahr-Feier der Amsterdamer aschkenasischen („hochdeutschen") Gemeinde die Eröffnung einer historischen Ausstellung des holländischen Judentums durch den Bürgermeister von Amsterdam, Dr. W. de Vlugt, statt. Nach einleitenden Worten des Präsidenten des Jüdischen Historischen Museums, Dr. D, E. C o h e n,- wies Bürgermeister Vlugt auf die große Rolle hin,, die die Juden im wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen, wissenschaftlichen und künstlerischen Leben der Hauptstadt spielen, wobei er einzelne hervorragende- Persönlichkeiten besonders hervorhob. Der Bürgermeister schloß seine Ansprache mit dlem eindringlichen Appell an die Amsterdamer Bevölkerung, dieseaußerordentlich 'interessante und lehrreiche Ausstellung zu besuchen. Seite 6 Nr. 47_ noch mehr die Verantwortung eines evtl. Aufhebens des Cherem. Hier kann allein der Große Rabbinische Rat ein bestimmendes Wort sprechen und zwar nach tiefgehender Untersuchung der gesamten Materie. Es ist zu-hoffen, daß der Mauezes Gedaule Hathauro sich dieser Sache annehmen möge, damit, in welcher Hinsicht auch immer, eine klare Entscheidung kommt. Aber der Cherem Ist nicht die einzige Schwierigkeit im Schulwesen. Sehr schwierig ist auch anzugeben, welchen Systemen in den Schulen gefolgt werden soll, Man kann nicht einfach Lehrsysteme von anderswoher importieren, selbst wenn sie dort große Resultate erzielt haben sollten. Die Schule muß den Kindern, und das gilt insbesondere für die neue Immigration, den Kontakt mit dem Lande selbst geben und mit den Gesetzen, die dort gelten. In der Pekidim-Schule lernen die Kinder z. B. wie man Truma und Maaser abhebt, und am Chamischooser-B'schwat hat jedes Kind eine Prüfung auf diesem Gebiete abzulegen. Was geben unsere Mizwos nicht für wundervollen Stoff, so z. B. die Berechnung von .allerlei Maßen. Die Kinder werden dabei innerlich positiv jüdisch gefestigt. Viel Gutes von dem. alten Cheder kann mit übernommen werden,^ Das Jüdische muß auch in den profanen Fächern in den Vordergrund treten, So kommt man zwar in starken Konflikt mit anderen Schulen, wo das Gegenteil gelernt wird, z. B. Newiim ohne Keduscho als nationale Literatur. Wenn man sieht, wofür das Hebräische alles gebraucht wird, d^nn verssht ittAft aü6h diejenigen, die selbst in Palästina Jiddisch über Hebräisch stellen wollen und den Unterricht im Hebräischen verbieten möchten. Diese Leute fürchten, durch das -Hebräische ziu starken Kon- Korrespondenzen. Deutsches Reich. . *> Jüdische Betriebsführer dürfen in ihrer Ehre nicht beleidigt werden, Frankfurt a. M., 15. Nov. In einem Urteil des. Arbeitsgerichts. Berlin vom 26. März 1935 (11/12, Ca 202/35) ist festgestellt, daß ein jüdischer Betriebsführer von seinen Gefolgschaftsmitgliedern verlangen kann, daß er von diesen in seiner Ehre nicht gekränkt wird, wenn er keinen, Anlaß dazu gegeben hat. In dem entschiedenen Fall hat der entlassene Angestellte über den Betriebsführer geäußert: „Der Jude sitzt immer noch da", er habe es in der Hand, den Betrieb schließen zu lassen. Hierauf ist .er wegen Störung des Arbeitsfriedens fristlos entlassen worden. Das Arbeitsgericht Berlin hat die Klage auf Feststellung der Unbegründetheit der fristlosen Entlassung und auf evtl. Widerruf der Kündigung abgewiesen. In den Gründen heißt es; »Die Aeußerung des Klägers stellt eine grobe Verletzung der ihm als Gefolgschaftsmitglied obliegenden Pflichten dar. Auch der jüdische Betriebsführer kann verlangen, daß er in seiner Ehre als Betriebsführer nicht gekränkt wird, wenn er dazu keinen Anlaß gegeben hat. Wenn das Gefolgschaftsmitglied glaubt, dem Betriebsführer irgendwelche Vorwürfe machen zu können, so hat er sich an den Vertrauensrat oder an den Betriebszelleiiobmann zu wenden. Die Androhung, den Betrieb schließen zu lassen, stellt eine grobe Verletzung der Treuepflicht gegenüber dem Betriebsführer dar. Betriebsführer und Gefolgschaft haben an der Erhaltung des Betriebs im gegenseitigen Vertrauen mitzuwirken. Die Aeußerung des Klägerswar ernstgemeint. Denn er hat verschieden« Schritte unter1 nommen, um die Schließung des Betriebs herbeizu1 führen. Er ist deshalb mit Recht -fristlos entlassen worden." ' - Denunzianten werden schwer bestraft. Karlsruh«, 13, Nov. Die Große Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe hat einen „Angeklagtenwegen falscher Anschuldigung zw a-ah t...M Q_n a t e n~ G e - f ännis verurteilt, wobei ein Monat Untersuchungshaft angerechnet wurde. Der Angeklagte, ein verheirateter Mann, hatte aus Eifersucht, und. um sich an seiner Nichte zu rächen, diese verdächtigt, sie unterhalte mit ihrem Dienstherrn und dessen Söhnen ein rassese hau d e r i :s c h e s V e r h ä 11 n i s.1 Da infolge dieser Beschuldigung in der Bevökecrung von Bruchsal, wo der Dienstherr wohnte, Unruhe entstand, griff die Geheime Staatspolizei ein. Auch ihr gegenüber beharrte H. auf der Richtigkeit seiner Angaben, idde Untersuchung ergab jedoch, daß sie vollkommen haltlos waren. Darauf wurde PI. wegen falscher Anschuldigung angeklagt und nunmehr zu der erwähnten Strafe verurteilt; die verleumdeten Personen erhielten vom Gericht die Befugnis, das Urteil zu veröffentlichen. Das Gericht ging bei seinem Urteil davon aus, daß es dem Willen von Partei und Staat entspricht, das Denunziantentumaufs schärfste zu bekämpfen, und verhängte deshalb eine empfindliche Freiheitsstrafe. H„ der bei der Deutschen Reichsbahn angestellt war, ist wegen seines Vergehens auch dort aus seinem Dienste entlassen worden. Schweiz, Delegierten Versammlung des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes, Bern, 13. Nov. Im Bürgersaal der Stadt Bern hielt der Schweizerische Israelitische G e m e i nd e b.un d , in Anwesenheit von 69 Delegierten atis allen Teilen der Schweiz seine Delegiertenversammlung ab. Anstelle des am Ersieh einen verhinderten Präsidenten des Gemeindebunde's, J. Drey fuß-Brodsky, begrüßte der Vizepräsident Charles Picard die Delegierten. Der Tätigkeitsbericht orientierte über den Prozeß -ti: ..llJ'i' l. ■ Die in dem prächtigen, aus dem 16. Jahrhundert stammenden Wag-Haus untergebrachte Ausstellung ist mit großer Sorgfalt zusammengestellt und bietet einen erschöpfenden Ueberblick über die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des Amsterdamer Judentums und siein religiöses Leben im Laufe vor* drei Jahrhunderten. Sehr bemerkenswert sind die statistischen Aufstellungen über die Bevölkerungsbewegung unter den Juden Amsterdams. Die Gemeinde ist von 10 Seelen im Jahre 1635 auf jetzt über 63^000 angewachsen. Bisher unveröffentlichte Zahlen illustrieren das rapide Anwachsen der Zahl der Mischehen: auf je 100 rein jüdische Ehen entfielen in den Jahren 1900—1904 13, 1920—1924 25 und 1930—1934 40 Mischehen. Kinderreichtum, aber auch Kindersterblichkeit sind bei der jüdischen Bevölkerung von, Amsterdam zurzeit geringer als bei der nichtjüdischen. Üeber den Festakt im Gemeindehause ist noch zu berichten, daß fast alle Vertreter der holländischen Regierung, die Minister aller Ressorts wie hochangestellte Persönlichkeiten der Zivil- und Militärverwaltung und Mitglieder des 'diplomatischen Corps1 an der Feier teilnahmen. Die Eröffnungsansprache hielt der Präsident der Aschkenasimgemeinde, A. Ascher, in der er einen kurzen Ueberblick über Entstehung und Entwicklung der Gemeinde gab und mit einer Huldigung für das königliche Haus schloß. Darauf nahm der Kultnisminisiter Slotemaker de Brudne das Wort, um die Grüße der holländischen Regierung zu überbringen. Es sprach ferner der B ü.r germeist er von Amsterdam, der besonders die wissenschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen und künstlerischen Leistungen der Juden in und für Holland hervorhob. Dem Festakte .-schloß sich ein Dankg'ttesdienst in der 250 Jahre alten Großen Synag o g e an. Die offiziellen Ehrengäste waren wieder alle vertreten. Die Gedenkrede hielt Rabb. L. H. Sarlouis, der provisorisch das Amt des Oberrabbiners versieht. Oberkantor Marokko, mit seinem geschulten Chor gaben der Festlichkeit den würdigen Rahmen. Auch , in anderen Syngogen Amsterdams fanden Festg'ttesdienste statt. K ö nigin Wi lh e Inline hat bei diesem . Anlaß die Vorsitzenden der A^chkenasimgenieinde. mit