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Der Israelit · 1935-11-14 · Heft 46 (14.11.1935) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 46 (14.11.1935)
Date
1935-11-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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14, November 1935 Der Israelit Nr. 46 Seite 11 lieh Treue und 'Hingabe gegenüber dem Staat und das harmonische Zusammenleben der Bürger ohne Rücksicht auf religiöse und ethnische Verschiedenheiten. Das Rassenprinzip widerspreche durchaus römischer und lateinischer Auffassung. Zum Schluß erwähnte der Minster, daß in Ländern wie Nordamerika, Argentinien usw., wo große jüdische und italienische Massen leben, die ein gleiches Schicksal zur Auswanderung tund zur Schaffung einer neuen Existenz im Ausland gezwTmgen hat, 'die besten Beziehungen zwischen, diesen beiden Bevölkerungsgruppen bestehen, die gemeriinsaime politische, moralische und soziale Interessen hätten. ' England« Jacob. Rosenheim in London. Größer Empfang bei der Ankunft am Hauptbahnhof. London, 10. Nov. Bei der Ankunft von Herrn Jacob Rosenheim, dem Präsidenten der Weltorganisation 'der Agudas Jisroel, am letzten Mittwochnachmittag, den 6. November, war eine große Anzahl von Verehrern an der Victoria Station erschienen, um den agudistaschen Führer zu begrüßen. Die orthodoxen Gemeinden in Golders Green, Nord- und East London waren sämtlich vertreten und es war «in besonders begrüßenswertes Zeichen, daß unter den Erschienenen trotz des Werktages sich viele Geschäftsleute befanden. Die Niederlassung von Jacob Rosenheim in London bedeutet für das englische Judentum redchen Gewinn. Man zweifelt nicht daran, daß es Rosenheim gelingen wird, Verständnis bei den zuständigen englisch-jüdischen Kreisen für die historischen Aufgaben der Agudas Jisroel zu finden und daß es ihm darüber hinaus möglich sein wird, in weiten Kreisen der englischen Judenheit 'die agudistische Ideologie, die im Augenblick noch hier als ein Buch mit sieben Siegeln 'betrachtet werden kann, zu verbreiten. Man ist in Agudakreisen optimistisch /genug, zu .glauben, daß jetzt /durch die Anwesenheit von Herrn Rosenheim in London manches eine Wendung zum Besseren nehmen kann und daß auch die englische Landesorganisation sich bald einen ehrbaren Platz in der Weltorganisation gesichert haben wird. iE, St, Die Parlamentswahlen in England. — Vierzig jüdische Kandidaten. London, 6. Nov. Unter den Kandidaten für die am 14. November stattfindende Neuwahl des englischen Parlaments befinden sich vierzig Juden von denen achtundzwanzig von der Labour Party, sechs von den Konservativen, vier von den Liberalen und zwei von den Nationalliberalen aufgestellt wurden. Die bisherigen /jüdischen Abgeordneten. James •de Rothschild (Nätionalliberalei') und Major Nathan, der sich in letzter Zeit der Labour Party angeschlossen hat, werden voraussichtlich ebenso wie der bekannte prozionisti&che Abgeordnete Colonel Joisaah Wedgewood ohne besondere Schwierigkeit wiedergewählt worden. Ferner rechnet man bestimmt mit 'der Wiederwahl der beiden jüdischen Mitglieder /der gegenwärtigen Regierung, des Ministers für Verkehrswesen, Höre Beide ha, und des Unterstaatssiekretärs für. Luftschiffahrt, Sir Philip S a s s o o n. Eine besondere Rolle in dem. Wahlkampf spielt der Führer d^r liberalen Opposition, Sir Herbert Samuel. Er wird um sein Mandat einen harten Kampf gegen einen Kandidaten der Labour Party und einen Kandidaten 'des Regierungsblocks zu fuhren haben. Auch das Mandat des bisherigen Abgeordneten BarAeU Jänner, dem ein Kandidat der Labour Party gegenübersteht, ist gefährdet. England wird seine Mandatspflichten in Palästina weiter erfüllen. London, 8. Nov. Schat'zkanzler Neville Chamber/laan, der als Kandidat der konsiervatiiven Partei im Birmingham er Wahlkreis Edgebaston 'aufgestellt ist, hat folgende Botschaft erlassen: „Sie können dessen sicher sein, daß es die Politik der Regierung ist, das Palästinamandat dem Buchstaben und Geiste nach durchzuführen. Sie wird ihre Mändatspflichten ohne Furcht oder Begünstigung erfüllen; unter Wahrung der bürgerlichen und religio- Die Woche. Berlin. Nach einer ministeriellen Verfügung sind die Bestimmungen der Prüfungsordnung für Apotheker sinngemäß auch /auf alle Kandidaten-der Pharmazie anzuwenden, die nach dem 1, April 1935 die pharmazeutische Prüfung ablegten. Danach müssen Urkunden über die arische Abstammung und Zeugnisse über den Arbeitsdienst usw. beigebracht werden. — Im Rahmen der Winterhilfe ist in Berlin eine Jüdische Nachbar hälfe vorgesehen, die Patenschaften für bedürftige jüdische Hausbewohner übernimmt und für Abgabe , einer warmen Mahlzeit am Tage sorgt. Alle, die sich der „Jüdischen iNachbarhilfe" zur Verfügung stellen wollen, werden gebeten, sich bei Frau Freier, Neue Friedrichstr. 4, (E 2, 4173) zu melden, Breslau, Seminarrabbiner Dr. Israel Ria b in hat mit Beginn des Wintersemesteirs seine Vortragstätigkeit am Jüdisch-theologischen Seminar eingestellt. Er beabsichtigt, die Leitung einer Misrachi- Schule in Haifa zu übernehmen. An seiner Stelle wirkt provisorisch Rabbiner Dr. Ochs, Gleiwitz. Amsterdam. Der Provinzialrat von Amsterdam hat für das kommende Jahr für /die jüdischen See- und Waldkolonien, die erholungsbedürftigen jüdischen 'Kindern Ferien verschaffen, eine Subvention von rund fl. 12.000.— bewilligt. Warschau. Wegen Verteilung antisemitischer Flugblätter, in /denen der Boykott jüdischer Geschäfte gepredigt wurde, sind zwei Polen vom Warschauer Schnellgericht zu je 50 Tagen Gefängnis verurteilt worden, Kowno. Die I.AT berichtet, daß die Kandidatur des Kownoer Oberrabbiner Schapiro für den Posten des Oberrabbiners in Palästina als Nachfolger von Rabbiner Kuk aufgestellt wurde. Von Jerusalem Hegt eine Bestätigung dieser 'Nachricht nicht vor. — Auf einer Konferenz von Sozialarbeitern des Kreises T e 1 s c h i wurde eine Resolution gefaßt, in der die litauische Intelligenz die antisemitischen Ausschreitungen in Telschi, wie in anderen Teilen des Landes, sowie jegliche Hetze, die zu solchen Ausschreitungen führt, aufs schärfste verurteilt. Die Resolution ist auch von einem hohen katholischen Psiester unter-zeiehnet. Lemberg. In den Ruinen der durch eine Bombe zerstörten Alten Synagoge in Lemberg ist wiederum eine Explosion erfolgt. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Die Attentäter werde& gesucht. Saloniki. Salonikier Zeitungen melden, daß an der Universität ,. Stambul, an der bereits 30 jüdische Professoren aus Deutschland tätig sind, weitere 50 aus Deutschland ausgewanderte jüdische Gelehrte berufen werden sollen. Der Beschluß wurde vom Ministerrat einstimmig gefaßt. Jerusalem. Die Jewish Agency gibt die Errichtung einer S c h i f f a h r t s a b - t e i l u n g zur Förderung der jüdischen Seeschiffahrt ibeikannt. — Der Senat der he- ' bräischen Universität hat Prof. Dr. Hugo Bergmann, der 'die Philosophische Fakultät leitet, zum Rektor für das Studienjahr 1935/36 gewählt. — Ueber die Zulassung -deutscher A e 1z t -e zur Ausübung der Praxis in Palästina hatte die ITA. berichtet, daß dm Dezember 31 Aerzte zugelassen werden. Diese Meldung beruhte auf einen irreführenden Irrtum. Es sollte heißen, daß am 31. Dezember die Einschränkung der Zulassung zur ärztlichen Praxis in Kraft tritt. — Der Verband der arabischen Jugend Palästinas propagiert einen Generalstreik am 13. November, dem Tage der Rückkehr des High Commissioner Sir Arthur Wauchope nach Palästina. Die Streikparole wurde jedoch von sämtlichen arabischen Parteien, auch von /dem extrem nationalistischen Flügel, a b ,g « lehnt. Tel Awiw, Der Stadtrat von Tel Awiw bat eine Verordnung erlassen, wonach sämtliche Restaurants und Cafehäuser der Stadt die Betriebe nach Sabbat-Ausgang die Nacht hindurch bis 3 Uhr morgens offen zu halten haben. Man hofft, mit dieser Verordnung der Sabbatruhe einigermaßen zu dienen. sen Rechte der nichtjüdischen Gemeinschaften wird sie fortfahren, die Errichtung eines Nationalheims für das jüdische Volk in Palästina zu erleichtern." Aehnliche Botschaften wurden von Sir Austen Cham b>e riain und mehreren anderen konservativen Kandidaten erlassen. Die große Gefallenen-Ehrung in London. London, 10. Nov. ' Die jüdische Gefallenen-Ehrung im Rahmen der Feier des Waffenstillstandstages in London nahm in diesem Jahre einen besonders eindrucksvollen Verlauf. Der Chef des Generalstabs der englischen Armee, Feldmarschall Sir Archibald A. Montgomery« Massingverd, nahm den Vorbeimarsch von 5000 jüdischen Kriegsteilnehmern bei der VI. Parade des jüdischen Kriegsteilnehmerverbandes ab. 30.000 Zuschauer waren bei den Zeremonien auf dem Horse Guards Paradefeld zugegen und weitere 10.000 säumten die zum Grabe des unbekannten Soldaten führenden Straßen. Am Grabe des unbekannten Soldaten wurde von den jüdischen Frontsoldaten ein Kranz aus Mohnblüten niedergelegt. (ITA.) Griechenland ■s Das neue Griechenland und die Juden. Saloniki, 11. Nov. Im Namen der jüdischen Bevölkerung Griechenlands hat der jüdische Abgeordnete Daniel A11 a - 1 o u f ein Huldigungstelegramm an König Georg II., der sich zur Zeit in London aufhält, gesandt, in dem die Freude und die Treue der gesamten jüdischen Bevölkerung in Griechenland zum Ausdruck gebracht wird. Fönig Georg beantwortete das Huldigungstelegramm, ebenso ein Huldigungstelegramm von Oberrabbiner Dr. Zwi Koretz, in verbindlicher Weise. Die Jüdische Preßzentrale in Zürich erinnert daran, daß König Konstantin nach /seiner Wiederwahl 1920 erklärte, er werde den Juden von Saloniki, die unter dem Regimes von Venizelos wegen ihrer Königstreue zu leiden hatten, bei dem Wiederaufbau des niedergebrannten jüdischen Viertels beistehen und auch /ihre kulturellen Bestrebungen unterstützen. Einige Zeit darauf veröffentlichte der Stadtpräsident von Saloniki eine Proklamation an /die Bevölkerung, in der es unter ausdrücklichem Hinweis auf die obenerwähnte Unterredung -König Konstantins in Luzern hieß, daß der Mornarch nach seiner Rückkehr nach Griechenland sich des Ausbaus der niedergebrannten Teile Salonikis annehmen und den jüdischen Gemeinden Subventionen aus staatlichen Mitteln für die Gründung besonderer Schulen unter Wiederbelebung der hebräischen Sprache gewähren wolle. König Konstantin spendete auch außerdem aus seiner Privatschatulle 50.000 Drachmen für den Wiederaufbau des niedergebrannten jüdischen Viertels von Saloniki. Palästina. Jerusalemer Brief. Jerusalem, 1. Nov. Hoher Besuch beim Gerer Rebben. — Weitere Veranstaltungen zur Einberufung der Kenessio Gedaulo. — Unterstützung für Kfar Saba. — Beschlüsse der orthodoxen Aschkenasimgemeinde. Zu dem Berichte über den Verlauf der Feiertage in Jerusalem ist noch nachzutragen, daß ein. hoher Vertreter der Regierung auch den Gerer Rebbe in seiner Wohnung besuchte, ihm die Festgrüße überbrachte und zugleich dais Bedauern über den Zwischenfall in Hebron zum Aus/druck brachte. Es sei schade, sagte der Vertreter des Gouverneurs, daß man vom Besuch des Rabbi in Hebron nichts wußte, man hätte anso/nst alles so vorbereitet, daß Störungen nicht vorgekommen wären. Die Poale Agudas Jisroel veranstaltete in den Halbfeiertagen* einen Ausflug in die Umgebung von Jerusalem. Eine Besprechung dieser Organisation mit dem Gaon Rabbi Iser Salman M e 1 z e r führte zu einigen bedeutsamen Entschlüssen. Auch die Frauen und Mädchen der B n o t h Agudas Israel nutzten /die Feiertage au», um in Gesellschaft der „Rebbezin von Ger" mit 'einigen Veranstaltungen, auf denen auch belehrende Referate gehalten wurden, die Idee der P. A. J. zu propagieren.

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