Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1935)
- Date
- 1935-11-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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14. November 1935 Der Israelit Nr. 46 Seite 9 . Rheinisch-Westfälischer RabbinerVerband. Dortmund, 8. Nov. Der Rh ei nii s ch- W<e«'t f äliisi che Rabbin e r v e r h and hielt seine diesjährige Herbsttagung in. Dortmund ab. Nach Begrüßungsiwoirten des Vorsitzenden hielt Rabbiner Dr/Esch elbacher (Düsseldorf) ■einen sehr warm gehaltenen Nachruf auf Oberrabbiner Kuk s. A., dessen Lebensbild er besonders aus 'dessen Werk ^Chawausch P'er" zeichnete! Hernach berichtete" {Rabbiner Dr. Neu (mark (Duisburg) über die gemachten Erfahrungen in der 'neugegründeten Arbeitsgemeimchaft aller Lehrenden, die zum ersten Male Rabbiner und Lehrer in sich vereinigt. Bezirksrabbiner Dr. Auerbach (Recklingihausen) sprach über Aufgaben, und Tätigkeit des BezirksrabbAners, wobei er. die besonderen und vielseitigen religiösen und gemeindlichen Probleme der kleinen Gemeinden hervorhob, für 'die nach Ansicht 'des Referenten besonders zu sorgen sei. Zum Schluß sprach Rabbiner Dr. Ap p ei {Dortmund)! an Hand der Richtlinien der Reichsvertretung über 'die dem Rabbiner erwachsenden Aufgaben. An fast alle Referate schloß sich eine Aussprache, deren Ergebnisse z. T. Gegenstand der nächsten Arbeitsgemeinschaft s^ein wenden Oesterreich. Das Beth Jakob-Lehrerinxi^nseminar.' Wien, 6. Nov. Das sechste Schuljahr der Beth-Jakob-Lehrerinnen-BildungiSianstalt, Wien, wurde in feierlicher Weise am Dienstag, den 5. ds., 6 Uhr abends in Anwesenheit zahlreicher Freunde der Arbeit eröffnet. Der Vorsitzende des Kuratoriums, Herr Dr. Samuel L e mb e r g e r , begrüßte die Erschienenen und rief den neu'esntretenden Schülerinnen ein herzliches Scholaum Alechem zu, wobei er -den hohen Sinn von Beth-Jakob für die Gesamtheit und jeden einzelnen, in dieser ischwer.en Zeit doppelt den Anwesenden ans Herz zu legen wußte. Nach jhm hielt 'die HauptdozentJn, Frl.- Eva Lands b er g, ein Referat über den Sinn der Beth- Jakob-Eraiehumg, die die jüdische Lehre vermittelt und die jüdische Tat fordert. An Hand des.Stunden; plans verstand die Dozentin-ein ergreifendes und begeisterndes Bild des inneren Betriebes zu entwerfen. Ihre kurzen Ausführungen packten ale Anwesenden aufs Tiefste. Nach ihr beigrüßte eine Schülerin des Oberkurses, Lily Klein, 'die neu hinzugekommenen Schülerinnen und sprach ihnen herzlich Mut zu: Nach der ersten schweren Zeit des Einleben« kommt dann die große Zeit der Beglückung und der inneren Freude. Rabbiner Dr. Joel Po Hack, der Direktor der . Anstalt-, begründete, warum dieses Semester mit einer besonderen Feier eröffnet wird. Es soll nochmals denen, die das Glück hatten, seine Schülerinnen zu sein und denen, .die nun in sieinem Geiste neu erzogen werden, die Lichtgesialt Leo Deutschländers V"sr nahegebracht werden. Des Mannes, der so früh gestorben, aber in Beth-Jakob ewig weiterleben wird. Das Wiener Seminar setzt ihm ein Denkmal, indem es allen Semiaarschülerinnen den Stempel der großen Persönlichkeit Deutschlander« aufzuprägen versuchen wird. Rabbiner Dr. Kaminka, der als Vertreter der Allianc erschienen war, [gab mit herzlichsten Worten seiner Freude über »die Weihe dieser Feder Attisidrtick, Das Referat von Frl. Landsbeng hat 'gezeigt, um welch hohe Ziele Beth-Jakob ringt und daß diesesi Ringen nicht vergebens sein wind, dafür bürge neben allem anderen (die Referentini selber, deren 'großes, dm Referat zum Ausdruck gebrachtes Wissen zu bewundern ©ei. Höher aber noch stehe die Begeisterung, mit der sie dem Werke sich hingibt. Das sei eine Bürgschaft für ge&eigneten Erfolg. Für 'die Beth-Jakob-Zentralie sprach iRaibbiner W. S. Jacobson,, der Nachfolger Dr. Deuts chländers im Amte, Worte der Erinnerung an den Freund, des Dankes an >dde gegenwärtige Leitung lurad der Aufmunterung an 'die Schülerinnen, Mit herzlichen Schlußworten des Vorsitzenden endete diese Stunde der Feier, die ein würdiger Auftakt' für ein Jahr der Arbeit sein möge. Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. (Nach Palnews.) Tel Awiw, Das Commercial Bulletin veröffentlicht eine Aufstellung der Bauinvestitionen in den großen und 'einer Reihe kleinerer Städte, .die insgesamt für das Jahr 1934 'die Summe von LP 7 Millionen ergibt, zu denen noch LP 312.422 für städtische öffentliche Arbeiten hinzukommeiL Die frühere Schätzung, 'die auf nur LP 6 Millionen lautete, ist also um LP 1 Million erhöht worden. In Palnews (Vol. III, Nr. 33) wurde vor einiger Zeit darauf hingewiesen, daß sich 'die BaumateriaKeneinifuhr von LP 0,91 Millionen im Jahre 1933 auf LP 1,90 Millionen gesteigert hat und sich demgemäß die Bauinvestitionen gegenüber 1933 stärker erhöht haben müssen, als es in der früheren Schätzung zum Ausdruck kam. Auch die jetzige Schätzung von LP 7 Millionen erscheint lim Vergleich zum Vorjahre eher zu niedrig als zu hoch. Beirut. Der Direktor der Industrieausstellung von Damaskus hat sich nach Palästina und Aegypten belieben, um die Propaganda für. eine starke Beteiligung der beiden Länder an der Industrieausstellung zu organisieren. Die Regierungen Aegyptens, des Irak und Hedschas haben beschlossen., sich an der Ausstellung zu beteiligen. Kairo. Kürzlich sind in Kairo Vertreter der Imperial Chemical Industries, Ltd. eingetroffen, um mit der ägyptischen Regierung über die Konzession für das elektrische Kraftwerk bei A s s u a n zu verhandeln, das zum Betrieb einer großen Fabrik für chemische Düngemittel errichtet werden soll. Haifa. Nachdem «die Außenhandelsziffern für Juni im Commercial Bulletin veröffentlicht sind, läßt sich ein Ueberblick über die Entwicklung des palästinensischen Außenhandels im ersten Halbjahr 1935 gewinnen. Die Gesamtziffer de9 Importes hat sich gegenüber dem ersten Halbjahr des Vorjahres um 23 Proz. von LP 7,165,009 auf LP 8.826.273 erhöht. Bringt man davon den Import von Münzgold, gebrauchtem Einwanderergut, das keine Belastung der Zahlungsbilanz darstellt, und den Import für den Bedarf der Regierung und privilegierten Institutionen in Abzug, so verbleibt für den palästinensischen Wirtschaftsbedarf ein Import in Höhe von LP 7.827.100 gegenüber LP 6.046.533 im Vorjahr. Auch der Export hat sich sehr beträchtlich von LP 3.036.919 im ersten Halbjahr 1934 auf LP 3.68L642 gesteigert, nach Abzug des Goldexportes verbleibt eine Ausfuhr palästinensischer Produkte in Höhe von LP 3.357.055 gegenüber LP 2.580.433 in der entsprechenden Zeit des Vorjahres, Bemerkenswert ist, daß der gesteigerte Export palästinensischer Produkte sich fast ausschließlich aus dem Citrusexport ergibt, der sich von LP 2.210.947 auf LP 2.945.653 erhöht hat. Immerhin ist auch der Export anderer Waren vom LP auf 369.486 auf LP 411.402 gestiegen. Kairo. Die japanische Delegation, .die vor etwa zwei Wochen unter Führung Dr. Kassamas, der von fünf Experten begleitet ist, in Kairo eintraf, hat inzwischen mehrere Sitzungen mit den Vertretern der ägyptischen Regierung abgehalten. Man hofft, ■die Verhandlungen über den neuen Handelsvertrag im Laufe des Novembei zum Abschluß bringen zu können. Die ägyptische Regierung verfolgt dabei das Ziel, seine passive Handelsbilanz mit Japan auszugleichen und die ägyptische (Baumwoll-) Industrie zu schützen. Der ägyptisch-japanische Handel hat sich in den ersten 8 Mo- . naten 1935 weiter stark zuungunsten Aegyp-, tens verschlechtert. Der japanische Export nach Aegypten stieg in dieser Zeit von LE 2,12 Millionen im Vorjahre auf LE 2,61 Millionen, während der ägyptische Export nach Japan yon LE 1,16 Millionen im Vorjahre auf LE 0,95 Million gesunken ist. Die bisherigen Sitzungen der beiderseitigen Delegationen beschäftigten sich mit der Klärung statistischer Fragen. Es wird auch gemeldet, daß Japan zu Beginn des neuen Jahres eine 'Gesandtschaft in Kairo eröffnen will, und daß der Delegationsführer Dr. Kassama japanischer Gesandter in Aegypten werden soll Zu Ehren der 12.000 jüdischen Kriegsgefallenen Deutschlands. Wien, 6. Nov. Der Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs hat beschlossen, in Palästina eine Siedlung zum Andenken an die 12.000 im Weltkriege gefallenen jüdischen Solldaten des deutschen Heeres zu errichten. Der Bund wird sich an die jüdischen Kriegsteilnehmerverbände aller übrigen Länder mit der Aufforderunig wenden, sich dieser Aktion zur Schaffung eines dauernden lebenden Denkmals für die auf deutscher Seite gefallenen jüdischen Kämpfer anzuschließen. Ung« tarn, Brief aus Ungarn. Budapest, 7. Nov. In Budapest ist der Privatgelehrte Benjamin Donath, ein Bibelforscher, 'gestorben, der fast zwei Jahrzehnte seines Lebens der Bekämpfung der falschen Auffassung von biblischen Dingen widmete. Sein riesiges Material hat er der in Rom tagenden B i - b e 1 k o ra m i s s i o n unterbreitet, weiche mit der Läuterung der strittigen Bibelstellen betraut war und auf Grund seiner Argumentation anerkannte, daß die Vulgata manche Stellen unrichtig übersetzte. „Egyenlösag" veröffentlicht eine photographische Aufnahme, welche Mussolini im Kreise der ungarischjüdischen Studenten zeigt, die er in der Sala della Vittoria empfangen hat. Laut einer offiziellen statistischen Feststellung hatten in Budapest die jüdischen Feiertage einen riesigen Einfluß auf den Straßenverkehr. An den wichtigsten Knotenpunkten verkehrten um .50—52 Proz. weniger Wagen, als an anderen Tagen. In einer Aussprache mit Rabbiner Fried erklärte der kalninistische Bischof, Dr. D. Balthasar, die Grundlage jeder positiven Religion sind drei hebräische Worte.' „Weohavotö lereacho komauueho .." Er werde stets gegen die ungerechten Angriffe gegen Juden kämpfen. Das orthodoxe Wochenblatt „Zsido Ujsäg" feiert das zehnte Jahr seines Bestehens. Es wurde bei diesem Anlaß von allen prominenten Persönlichkeiten .der ungarischen Orthodoxie mit Adolf Frankl an der Spitze wärmstems begrüßt, „Egyenlöseg" veröffentlicht eine Enquete über den Antisemitismus. Bis jetzt haben sich geäußert: Albert von Berzeviczy, Kultusminister a. D., Präsident der ungarischen Akademie der Wissenschaften und Alex, von Szurmay, Kmegsmmiister a. D. Beide nehmen scharf gegen den Antisemitismus Stellung. Letzterer erzählt interessante Einzelheiten aus seinen Fronterfahrungen von den Heldentaten jüdischer Soldaten. Alex, Büchler erinnert an eine Unterredung Feßlers, des ungarischen Historikers, mit Kaiser Josef II. Der Kaiser las einige Worte aus der hebräischen Bibel, debattierte mit ihm über richtige Uebersetzungen und ernannte dann Feßler zum Zensor der jüdischen Bücher. Feßler hat bei 'dieser Gelegenheit dem Kaiser den Vorschlag unterbreitet, Rasehi aus den Bibel- Ausgaben zu streichen und an seiner-Stelle die Uebersetzung Mendelssohns zu drucken. Worauf der Kaiser sagte: „Das geht nicht. Die Mendelssohnschuie war naturalistisch und nicht religiös, und ich möchte nicht,! daß meine Juden Freidenker werden." Mit der Einweihung des Kriegerdenkmals in Tolcsva hat Herrenhausmitglied Baron Waldbott den orthodoxen Rabbiner Akiba Kornitzer betraut, der glänzend seiner Aufgabe nachkam. Baron Waldbott und seine Gemahlin, Erzherzogin Marie Alice, wie auch die anwesenden bürgerlichen und militärischen Würdenträger gratulierten dem Rabbiner herzlichst. Aus den Kreisen der Budapester Orthodoxie sind — wie „Zsido Ujsäg" meldet — 150 Bachurim nach verschiedenen Jeschiwoth gleich nach den Feiertagen abgereist. Zu ihren Ehren veranstaltete der Verein „Hizoharu Chokimode" ein. Festessen. Rabbiner Hermann Klein, Berlin weilte an den Feiertagen bei Verwandten in Budapest und hat am Schemini Azereth in der Orczy-Synagoge — dem ältesten Tempel Budapests — eine eindrucksvolle -Droscho gehalten.