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Der Israelit · 1935-11-14 · Heft 46 (14.11.1935) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 46 (14.11.1935)
Date
1935-11-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 46 Der. I s r a e 1 i t 14. November 1935 entlehnten fundamentalen Forderungen zu bedienen? Hatten die liberalen Sabbatentweiher in Deutschland und in anderen Ländern nicht dasselbe Argument, nämlich ein Sechstel ihres Einkommens einzubüßen? Wie wurde darüber geurteilt, und nun kommen „Gesetziesteeue" und sehen in dervliberalen Forderung eine Wahrheit! Dies in einem Moment, wo der religiöse Liberalismus in Deutschland totgesproohen wird. Wenn nie der liberale Gedanke gesiegt hat, heute könnte er triumphieren, und das Tragischste: Niemand im Saale merkt die Grotesikei keinerlei Entrüstung! Im Gegenteil, der Redner hat noch den Mut, zu sagen, daß trotz aller Problematik in Palästina es so etwas, wie religiösen Liberalismus oder gar Reform dort nicht gäbe. Hat es bei einer solchen Kurzsichtigkeit noch einen Zweck, überhaupt zu Juden zu sprechen? Da sitzen intelligente, sogar akademisch gebildete Menschen und merken nichts, aber auch nichts! Wie soll man sich solche Taubheit erklären? Das hat der Liberalismus sich nicht träumen lassen! Herrscht nur noch die Phrase? Findet sich nicht wenigstens ein kleines Häuflein Juden, das bemerkt, daß die Thora eine lebendfijgie Gemeinschaftsverfassumg ist und keine — theolo gische? Daß G'tt Gesetze zu geben hat und^sie solcher Natur sind, daß die Bedingungen für die Verwirklichung geschaffen werden müssen! Und zwar zuerst! Wurde nicht mit Recht die Frage aufgeworfen, wovon man im Sabbatjahre und dem darauffolgenden zu leben habe, wenn im siebenten nicht gesäet und geerntet werden dürfe? (3 Mos. 25, 20.) Aber vorher! An diesem Beispiel, das nicht einen Wochentag, sondern zwei volle Jahre an Ernteausfall betrifft, haben sich zumindest diejenigen zu orientieren, die das Wort der Thora ernst nehmen. Wir müssen es für möglich halten, :dlaß G'tt im sechsten Jahre dreifache Ernte .gab (Moses III, 25, 21, 22), und wir müssen es für möglich halten, daß auch in unseren Tagen die Biundes- •beding>ung.en rückhaltlos eingehalten werden können, ohne Schaden für den Einzelnem oder für die Gemeinschiaft. Einen anderen Weg zur Thoratreue, gibt es nicht. J. Hepner. nv <«| SP ^Ki Korrespondenzen. Deutsches Reich. Die Liquidation Jüdischen Besitzes, Berlin, 11. Nov. Die „Rheinische Landeszeitung — Volksparole Düsseldorf" 'befaßt sich in einem Aufsatz mit dem Angebot jüdischer Geschäfte. In der Hauptsache bewegt sich der Artikel in den Gedankengängen der hier wiedergegebenen Ausführungen des „Völkischen Beobachters" und des „Westdeutschen Beobachters1'. Der Aufsatz wendet Aich der Finanzierung der Verkäufe zu und meint, die Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben wäre leichter durchführbar, wenn den in Aussicht genommenen Käufern, die sich als gut« Fachund1 lunsichtige Kaufleute erwiesen haben, die erforderlichen Mittel zum Erwerb nichtarischer Unternehmungen zur Verfügung ständen. Es heißt dann weiter wörtlich:. „Erste Voraussetzung für die Gewährung von Krediten an Kaufinteressenten durch die Banken wird immer sein müssen, daß die Käufer über ein entsprechendes Eigenkapital verfügen. Eine Kreditbeschaffung für den verbleibenden Restbetrag müßte unter Zuhilfenahme von Bürgschaften geschehen oder unter Hergäbe von dinglichen Sicherungen, was um so leichter wäre, wenn der Kaufinteress'ent in persönlicher und sonstiger Beziehung die Gewähr für eine erfolgreiche Fortführung des Unfcernehmeiü bietet. Auf jeden Fall muß verhindert werden, daß deutsche Kaufleute die Wetterführung bisher jüdischer Unternehmungen unternehmen, wenn sie nicht im Besitze einer genügenden Fachkenntnis und auch nun einmal notwendigen FinanBgrundstockes sind. Viel wird sich erreichen lassen, wenn sich die Fachverbände einschalten und mit dafür sorgen, daß Wirtschaftsgüter nicht verschleudert werden oder in schwache Hände geraten, die sie später zum Nachteil des gesamten Gewerbes wieder auf den Markt bringen müssen." Was ist „deutsch"? Berlin, 11. Nov. Ueber den Begriff „deutsch" in Firmennamen hat das Berliner Kammergericht in zwei in der „Juristischen Wochenschrift" veröffentlichten Entscheidungen weitere Grundsätze aufgestellt. Es wird zunächst festgestellt, daß das Firmenwort „deutsch" unzulässig sein kann, wenn in der Firma ein jüdisch klingender Name vertreten ist- Anlaß zu dieser Entscheidung gab eine Beschwerde der nichtarischen Kaufleute. Max und Bruno L., die seit dem Jahre 1900 unter der Firma „Max L., Deutsches Bücherversandhaus" ein Bücherveisandgesehäft betrieben; gegen da« R e g i s t e r g e r d c h t, das die Firmenführung in dieser Form für unzulässig erklärt hatte. Das Kammergericht gab der Entscheidung des. ,Registergerichts aus obigem Grunde recht. In der anderen Entscheidung vom 5. September wurde die Firma der Gesellschaft „Deutsche Kassenblock G. m. b. H." für unzulässig erachtet, weil der Zusatz „deutsche" zu der Meinung führen könne, die Gesellschaft befinde sich in arischen deutschen Händen, während die alleinigen Gesellschafter und Geschäftsführer nichtarischer Abstammung und nicht deutsche Reichsangehörige sind. Die Unabhängige Jüdische Orthodoxie für die Jüdische Winterhilfe. Berlin, 10. Nov. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland teilt mit: Zu dem von der gesamten " jüdischen Presse gebrachten Aufruf aller jüdischen Organisationen haben wir noch nachzutragen, daß idie Vertretung der Unabhängigen Jüdischen Orthodoxie Deutschlands sich dem Aufruf angeschlossen hat. Damit hat sich der Redchsbund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden in iHalberstadt, die Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums e. V. in Frankfurt a. M. und die Landesorganisation der Agudasi Jisroel in Deutschland in den Dienst der. Jüdischen Winterhilfe gestellt. Vermögensliquidationen und Palästinawanderung. Berlin, 7, Nov. Der ITA. wird .mitgeteilt: Die wirtschaftliche Situation des jüdischen Mittelstandes und die in der Oeffentlichkeit bereits mehrfach behandelte Häufung .der jüdischen Gc&chäft&verkäufe und sonstigen Vermögensliquidationen haben zu einem starken Andrang von Ratsuchenden bei den Beratungsstellen des Palästina-Amtes geführt. Die Auswanderung dieser Menschen und ihre wirtschaftliche Eingliederung in Palästina setzt eine planmäßige Lösung des Liquidationsproblems voraus. Zur Bewältigung dieser Aufgaben haben 'die Zionistische Vereinigung für Deutschland und das Palästina-Amt die Schaffung' eines Fachressorts beschlossen. Die Vorarbeiten zum Ausbau .dieser Einrichtung sind bereits im Gange. Für die nächste Woche ist die Einberufung einer Konferenz von asuf diesem Gebiet sachkundigen Persönlichkeiten vorgesehen. Studiengesellschaft für Ueberseesiedlung. B e r 1 i n , 6. Nov. Nach Fühlungnahme mit den zuständigen Stellen hat die Geschäftsstelle zum Studium und zur Förderung jüdischer Ueberseesiedlung» Berlin NW 87 (Cuxhavenerstraße 18, Grunwald)' die Aufgabe übernommen, Gebiete außerhalb Palästinas ausfindig zu machen, .die für die jüdische Kolonisation geeignet sind. Sie will die in Frage kommein den Gebiete in Bezug auf Bodenbeschaffenibeit, Klima und wirtschaftliche Verhältnisse studieren, .die unter Umständen nötig werdenden Expeditionen aussenden, sowie alle mit den Siedlungsmöglichkeiten zusammenhängenden Fragen klären. Die Geschäftsstelle bittet - Geographen, Aerzte, Kaufleute, ehemalige Kolonialbieamte, die über Erfahrungen in überseeischen Ländern verfügen, sich zur Mitarbeit zu melden mit der Angabe, für welche Gebiete sie zuständig sind. Alle Mitglieder der Geschäftsstelle arbeiten ehrenamtlich. Mitgliederbeiträge werden nicht erhoben. Zur Bestreitung der laufenden Kosten werden freiwillige Beiträge von Freunden der Studäengesellschaffc dankbar angenommen Die Geschäftsstelle arbeitet als reine Studiengesellschaft. Versprechungen macht die Geschäftsstelle nicht, da sie aus ihrer 'bisherigen Arbeit .die großen Schwierigkeiten ihrer Aufgabe kennt. Dennoch hofft sie, in .absehbarer Zeit zu positiven Ergebnissen zu gelangen. Tagung der Bundesleitung und der LandeSYei'- bandsyofsitzenden des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. B e r 1 i n , 6. Nov. Die Bundesleitung des R e i e h ® b u n d e s j ü d ischer Frontsoldaten hielt am Sonntag, den 3. November, in Berlin eine Taigung der Vorsitzenden seiner Landesverbände gemeinsam mit der ßundesleitung ab. Es wurden mehrere Referate gehalten, Durch die Erörterung der einzelnen Probleme hindurch aber zog sich, so wird berichtet, in grader Linie die große Idee des Bundes'. Daß diese über alle einschneddendem Ereignisse dler Zeit hinweg 'die grundsätzliche Haltung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten bestimmt, kam dabei klar zum Ausdruck. Der feste Zusammenhalt dies Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten im Geiste und Willen und dasi Bewußtsein seiner besonderen, heute noch gesteigerten Bedeutung und Aufgabe innerhalb der jüdischen Gesamtheit .Deutschlands fand seine Bestätigung durch diese wichtige Tagung in einem bedeutsamen " geschichtlichen Augenblick. Als Aeltester unter den Anwesenden faßte der Vonsitzende de® Landesverbandes Südwestdeutschland, Dr. Felix Kauffotnann, Frankfurt a. M., das Ergebnis der Tagung zusammen, indem <er dem Bundesvorsitzenden namens .aller Landesverbandsvorsitzenden für die von ihnen vertretenen Landesverbände des uneingeschränkten Vertrauens und der treuen Gefolgschaft versicherte und ihm wie der Bundesileitung .den Dank für die geleistete Arbeit aussprach. Umbildung des Gemeindevorstandes. ße rl in , 8. Nov. Vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin wird der ITA. mitgeteilt: . Geleitet von dem Wunsche, eine vom Vertrauen der gesamten Gemeinde getragene Führung der Ge-, sichäfte herzustellen, haben sämtliche Vorsteher der Gemeinde sowie die Vertreter alier Fraktionen der Repräsentantenvieiisamndung Beratungen gepflogent in welcher Weise und Form das erstrebte Ziel, erreicht werden kann. Hierbei ist von der Voraussetzung aus-- gegangen worden, daß keiner der in d e r Gemeinde bestehenden Richtungen ein für sie nicht tragbares Opfer zugemutet werden soll und daß alles zu geschehen hat, ein friedliches und freundlschaftiliches Zusammenarbeiten aller Richtungen unter Anerkennung ihrer völligen' Gleichberechtigung in 'der Gemeinide zu gewährleisten. In Ausführung .dieser Grundsätze ist eine Vereinbarung getroffen worden, deren wesentlicher Inhalt die Anerkennung des sogenannten Fifty. Fi f t y - Prinz i p.s bei der Besetzung des Gemeinde Vorstandes und eine entsprechende Verteilung der Dezernate des Gemeindevorstandes ausmacht.

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