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Der Israelit · 1935-11-14 · Heft 46 (14.11.1935) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 46 (14.11.1935)
Date
1935-11-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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14. November 1935 Der Israelit Nr. 46 Seite 7 Koheleth nur eilte UnWchfeibung ist, liegt schon in dem Namen selbst. Ein Femininum seiner Form nach bedeutet es offeriba*r die Versammlung, inder die Weisheit verkündet wurde. Im Buch tritt Koheleth entweder als Femininum (oder besser als Neutrum) auf oder sonst als Mäsculihüm, wo ein Baal zu ergänzen ist, „der ' Lehrer der Volksversammlung". Mit" -Bestimmtheit nennt er sich einen Nachkommen Davids. einen1 König von Jerusalem. Es ist ganz äusg e s c h l o s s e n , daß i r g e nd ein W ei s e r e s g e w a g t h ä 11 e , sie h a 1 s Köfii g: v o n -Je rus'älem uns v o rzusielUn, we n'o e's n i c h!t d e r Wi r k 1 i ch k e i t entsprochen hätte. Solch plumpe Anmaßung ist unausdenkbar. Da bleibt keine Wahl als die iJeberlieferung, die als den Verfasser Salomo, den weisen König; hinstellt. 'Die-Meinung, als könne ein-*Verfass,»;:''atis;c-der hellenistischen Zeit überhaupt in Frage koitime'ß, ist schon deshalb abwegig, Weil kein Bücft';aüs' qener Epoche mehr in" die Reihe der" lieiÜgen -Schriften aufgenommen werden kfohrite. Weäin wir wohl auch aüs späterer Zeit eine1 Diskussion .darüber hören, "ob bestimmte Bücher im Kanon-v e r b 1 e i b e n sollen oder nicht, wenn es aücfi denkbar gewesen wäre, daß ein späteres Sanhedrin einem Buch den Verbleib in der Reihe der 24 'heiligen Schriften verwehrt hätte, weil es; zii Irrtümern und Mißdeutungen Anlaß gegeben, aber niemals ist in so später Epoche eine"'auftauchende Schrift für wert befunden; in die Bibel aufgenommen] zu werden. Und wir 'haben gnade an dem späten Spruchbuch des Sirach den vollsten Beweis, daß der Kanon * abgeschlossen beim Beginn der hellenistischen Zeit vorlag, so daß alle anderen Meinüngen^äls Lutthypothesen anzusehen sind. Das Sahhedriri in Jerusalem hat vom Beginn der hellenistischen Epoche an mit Leidenschaft gegen das Eindringen des griechischen Derikens und der griechischen Lebensauffassung in dem; jüdischen Däseinsbezirk gekämpft. Es 'ist1 :einfach undenkbar, daß ein Buch, in der damaligen3; Zeit geschrieben, das auch nur im Leisesten ■ah stoische oder epikuräische Philosophie-anklingt, je würdig befunden wäre, in die Bibel aufgenommen zü werden. Die Mitglieder des Sanhedrin, die wegen ihrer Feindschaft gegen jede griechische Assimilation fast alle mit ihrem Blute haben büßen müssen, hätten vielleicht ein Buch, das wie -Köbeleth mit der befehdeten-fremden Auffassung Verwandtschaft zeigt, verbieten können*, nie..Und nimmer aber würden sie es in den Kanon neu aufgenommen haben. Köstlich klingt , es, wenn Volz schreibt: die.. Weite des Horizonts und die Stimmung des ganzen Büchleins lassen vermuten, daß der Verfasser..in. einer Gioßstadt Jebie.,; aber, schwerlich ,,in der engen und bürgerliehnüchternen Luft Jerusalems''; er entschiede^sich daher für Alexandrien. Wir wissen demgegenüber, daß" in der Zeit Salomos „ganz Israel .aß und trank und fröhlich war" (Kön. 4, 20), daß „man von allen Völkern kam, von allen Königen der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören." (das. 5, .14), daß Jesajas (22, 2) Jerusalem die frohe, riebenerfüllte Feste, nennt, daß. Nebukadhezar. jüdische- Knaben, klug in jeder Weisheit, voll Erkenntnis und Wissen (Dan. 1, 4)'!"an seinen Hof fesseln wollte. Können Wir da noch; an eine enge und bürgerlich nüchterne Luft Jerusalems glauben? Für uns, für die der jüdische Weise nicht ^b^i"!"döh-•Epik^cräern' Scheinweisheit "zu borgen braucht, denen es selbstverständlich ist, daß. die Quelle des Geistes in Israel reich .genug sprudelte, um nicht von Fremden etwas entlehnen zu •müssen;« 'Wird?tKo>heleth ^grade ^dadurch ,rso.th.edeutsam, weil es die Lebenssumme und das .erschütternde ..LebenäBekenntnis eines der^, Größten unsres Volkes 'ist, dem aber seine Ma^hf:. und seine Weisheit in den" Tagen des Alters zum Verhängnis geworden. . Wir hören aus ajesem S Buche den Widerhall' aller derj »Schwierigkeiten, die sich wie. düstere Wölken über dem Ende der j Regieruagszeit Salomos zusammenzogen. Die Un-] Zufriedenheit im "Volk,; die nuf. mühsam tunter- I drückte Auf Ahnung der Nordstämme, der Hoch- \ In unserem Ve rlage erschein!: FLUCHT IN DIE HEIMAT , Ein Dokuroeiii der 2:eii , von S. SCHACHNOWITZ Preis brosen. Jt 2__, geb. Jl 3— Das Budii 265 Seiten ftark, ift ein Dokument der.Ieit upn ergreifender Realität. Ein junger jüdifdier Menfth aus einet* areligtöfen, am Judentum jJöliig desintereffiertert Familie ioird uom Sturm der Zeit erfaßt und aufjüdifdieri HVfmktboden gefegt. Wit der Wach) der Jugend und dfcr Überzeugung reifet er am Cnde aucti die eitern und feine ganze.Umgebung mit zürjüdifmen Höhe. Jn ungemein, anfihau- ' liehen Bildern entrollt ßdi.uor dm! Rüge das leben der Hadifcharah, das , neue Werden in £rez Israel die Entwicklung der erften orthodoxen Kibbuzim. Jüdifches Ceben örtlicher uud toeftltdte*' Obferüanzj konamen, ^on M^en geflogen, fich näher und finden, üjh vollends auf dem heiligen üaterbodeh; der iur Heimat der Jungen geworden ift..; ',- Zu beziehen durch alle befferen Buchhandlungen, (. foioie direkt durch den üerlag unter Uachnahme Verlag des Israelit u. Hermon GmbH., Frankfurt-M., Recbneigrabenstr. 7 Postscheck - Konto Nr. 19 8 O 2. mut im Herzen seines Sohnes rund Erbnachfolgers, die viele Gewalt, die die Beamten Salomos in seinem eignen Niamen übten und der zu steuern er schon nicht mehr fähig war, seine Verstrickung in die Gewalt fremder Weiber, gegen die er, der mächtige König, zu schwach sich fühlte, die Sinnlosigkeit all des Prunkes Und der äußeren Größe, für die er in seiner Regierung gestrebt hatte/ alles das klingt aus diesem Buche zwischen den Zeilen hervor. Man kann die ■ Anspielungen gradezu mit Händen greifen, wie auch der T^rgüm des Buches immer wieder auf diej'Ereignisse'-/aus Salomos eignem Leben als s Illustration der Worte verweist. Die Angst, daß alle Uebersteigerung von Prunk und Macht sich einist bitter rächen werde, daß das Gericht nicht aüsbleihe'h''könne, durchzittert dieS'es Büch; Män macht sich' künstlich blind, wenn man es' dem Salomo abspricht und in andere Zeiten vertagen will. Nein, die großartigste Illustration des Buches ist der Hintergrund der ausgehenden salomonischen Zeit mit ihrem satten Reichtum, mit ihrer Veräußerlichung, mit ihren Enttäuschungen, mit ihrem drohenden Zusammenbruch. Koheleth ist gewissermaßen ein Testament der Warnung,' an die Adresse dessen gerichtet, der nachher sprach: hat mein Vater euch mit Ruten gezüchtigt, werde ich . euch mit Skorpionen züchtigen.'1 Allerdings ist dieses Buch so gehalten, daß jede Epoche des Zusammenbruchs einer Kultur in ihm ihren Spiegel findet. Es vermeidet mit Absicht jede eindeutige Anspielung auf irgendwelche speziellen Verhältnisse. Es paßt in jedes Leben "der Unruhe :ünd in jede Zeit der Krisen, es'ist rein menschlich! es spricht nicht nur zu Juden, es spricht zu jedem, dem G'tt und Sein Gebot als der Sinn alles Lebens über den Trümmern'der Erdenherrlichkeit aufgeht. Es ist'ein Büch zeitloser Geltung, wenn auch bestimmte Epochen-besonders ies zu ergründen und zu verstehen fähig sein werden. Ich glaube, daß auch unsere Zeit einen geschärften Blick für die Kraft und die Wahrheit dieses Buches gewonnen hat. Assimilatorische Parolen eines Konservativen. Ein Berliner Rabbiner behauptete kürzlich in einer Predigt, wir Juden seien das Volk mit dem besten {Gedächtnis. Es mag sein, daß das in dem Zusammenhange, in' dem diese Kennzeichnung! ausgesprochen wurde — es handelte sich um die Ehrung jener nichtjüdischen Zaddikim, die in die jüdische Geschichte eingegangen sind, wie Cyru_s, Zola, Balfour u. A,, — stimmt. Dafür, daß wir Juden ein sehr schlechtes Gedächtnis -haben, w,a£ ein Vortrag feeweis, deh ein misrachistischer ' .Jugendführer . -■ im Jüdischen, Lehr,haus!,. Berlin . hielt. Das Thebia war die religiöse^ Situation an Palästina. Während, noch vor; Jahren der Wahl- ' kämpf innerhalb der, jiddischen Xjemeinden Deutschlands unter der. .liberalen, Parpile „Die Lehre habe sich' dem .Leben anzupassen" er-., folgte, de;m die ziönistfechfec'Volkspart.ei leiden-i sqhaftliclist.•entgegensetzte, g|^ß „das Leben sich nach der Lehre gestalten müsse," vernahm man aus dem Munde desv<konservativen Redners .das .Eintreten für jene bekannte' P^a^ol.e./des liberalen Judentums. Weshalb dies? Nun einfach, weil es sich in Palästina herausgestellt habe, daß es mit der Sabbatruhe seine wirtschaftlichen Schwierigkeiten habe. Ein Siebentel des Milchertrages der Woche würde verloren'geheri; wenn am Sabbat nicht gemolken werden würde und wahrscheinlich—man kennt die Argumente aus' der Diskussion in der pälästin,ensischen :Presse — werden die arabischen ,Autobusse am Sabbat große Geschäfte mächen. Es sei natürlich nicht verhehlt, daß neben , der wirtschaftlichen Seite .auch eine Anzahl gesundheitlicher Momente und Verkehrs- und yerwaltungstechnische Schwierigkeiten auftauchen. Gibt es aber keinen ^anderen 'Weg, als' den, sich der liberalen'Weltanschauung

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