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Der Israelit · 1935-11-14 · Heft 46 (14.11.1935) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 46 (14.11.1935)
Date
1935-11-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 46 Der Israelit 14. November 1935: unter der Sonne, in der Verstrickung des bloß Irdischen. Dieses Wort: :„üntef. der Sonne" zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch, und es weist auf eine höhere Welt hin, eine Ueherweit über der Sonne, eine Welt des Geistigen und Ethischen, in der es nichts Eitles und Vergängliches gibt. Der Tod aber wird'' zur großen;>Genchts>tunde, zum Augenblick der /Rechrinn^slegu^^ 'vor G'tt. Daher kann nur e in e v er antwortungsbes W u ß t e Freude gelten, eine solche, vor der man sich dereinst nicht vor G'tt. zu schämen hat, Daher ist auch für Koheleth jeder Genuß nur ein Mittel, um freudiger Stimmung sich seiner Aufgabe zu widmen. „Geh und iß in Freude dein Brot und trink frohen Hzrzens deinen Wein, denn G'tt. hat Wohlgefallen an , deinem Tun." Mit Re c ht is t der E bikur.ä i sm;UrS die v e r a c:h t e t s t e : F o; hm] ei n e r Phil osophieim .Jude n ttum g e w o r de n. Koheleths Worte können, zwar, wenn man einzelne aus dem Zusammenhange herausgreift, mißverstanden werden, aber hui1 die Oberflächlichkeit, ■ die nicht den Silin des Gänzenerfassen will'find:; kann, wird das Buch mißdeuten. Diese Gefahr besteht allerdings. Sek^onirnMidrasch-.lesen wir:.- es wollten die Weisenj^d^s Buch Kohelejh aus der Bibel entfernen, wei'i sich darin Worte finden, die sich wie Leugnung und heidnische Lebensge^ sinnung 'anhören, (nautim lezad Minus), als wäre jede Bindung aufgehoben und ikeiri Richter undkein Gericht vorhanden, (hutro horezuo wies din wies dajin.)1) Schon der Talmud klagt: „Salomo, dein Buch scheint voll innerer Widersprüche zu sein!" Die Weisen, (Stellten, es ausdrücklich" fest, daß bei tieferem Nachdenken sich die Anklänge ans Heidnische als Schein erweisen und alle Widersprüche bei gründlicher Einsicht verschwinden.2) Das Buch des Predigers hatte keinanderes Schicksal als in unser en: Tagen wo hl alle Werke der heiligen Literatur. Man reißt Einzelnes aus ° ■■■■*• (. ' : dem Zusammenhang und knüpft an dessen falsche Deutungf die unmöglichsten Folgerungen. Um wieviel mehr, daß Koheleth Mißdeutungen aus-: gesetzt werden konnte. Wir können uns vorstellen, daß in leichtsinnigen Zeiten, ewa im Beginn des Hellenismus, als Ausgelassenheit und roher Sinnesgenuß ins heilige Land eindrangen, ■ mancher Jüngling mit Worten des Koheleth auf , den Lippen sich seines flatterhaften Tuns rühmte. In solchen Zeiten mag das Sanhedrin darüber be- . raten haben, ob es nicht. besser wäre, ein; spl- *) Wajikra rabba 28. 2) Sabbat 30b. ches Buch zu apakrypbieren, ehe es der laxen :Möral :Vorsohubdüenste leistet. Sie haben es nicht getan, denn es ist ja klar, daß nicht, weil das Buch epikuräisphe Gesinnung einflößte, der Einzelne von der Bahn :der Sittenstrenge abging, sondern umgekehrt: weil seine. Lüsternheit aa Leichtjebigkeit Gefallen fand, versuchte er zynisch iind frivbl seinen Abfall mit dem Feigenblatt herausgegriffener Kobeleth-Verse 2<u verdecken. Koheleth ist eben ein Buch für Denker, es ist ein Büch der Weisheit, es führt b i s a n d ie G r e n z e. Es will den Menschen in' seiner irdischen Selbstsicherheit irre machen, es folgt ihm auf dem Pfad seiner menschlichen Schwäche, aller Entartungen seiner Selbstsucht, der Hybris seiner Gewalttaten, der Unersättlichkeit seines Besitzstrebens, um ihn am Ende sehen zu lassen, daß er Phantomen ■ sich verschrieben, daß Calles dies, eitel ist. Aber es will auclji eben; so sehr jener Skepsis entgegentreten, der das Schicksal ein sinnloses Glücksspiel ist und die deshalb den Mut zum großen Glauben nicht finden kann. Beiden will das Büch ' den - rechten Weg weisen: den Erdensicher.eb iind den Zweiflern, den Stolzen und den Kleinmütigen, c Zurheiden spricht Koheleth offen, ernst,, ungeschminkt und unverblümt; und übt sejne Wirkung grade als ein Buch der Wa; h r h a f 11 g k e i t, de nkerischer Ehrlichkeit. So, .richtet .sich von selbst auch jene einseitige Beurteilung, die in dem Buche Glaubenshaltungen vermissen will, die erst den vollen religiösen Menschen ausmachen. „An Glaube, Hoffnung, Liebe ist Koheleth arm gewesen, in der . W a h r h e i t war er groß", urteilt Volz. ..Koheleth hat Glauben gehabt, aber ihm fehlte die Liebe und Hoffnung," sagt Sellin. Beide Urteile sind gleich falsch, aus Voreingenommenheit erwachsen, Wer zum Denker als Denker spricht, wer aus der Kraft der Lebenserfahrung Beweise erbringen-, den Widerstrebenden , durch . die Ueberlegenhejt seiner Erkenntnis überzeugen •will, der.kann und darf nichtian Gefühle appellieren, die dem Partner nur als eine Schwäche, als Mangel an Fähigkeit, seinen Gedankengang mit geistigen Waffen zu Ende-zu führen, erscheinen müssen. Esist eine U n g er e c h t i g - k e i t, ein e m Schriftsteller iQ-i-.c h tauf seinen. Standort zu f;o.l g e n von dem aus er sein Thema behandeln will. (Koheleth ist kein. Buch der Prophetie und kein Psalter, kein Buch glaubensseligen Schwärmens, sondern nüchternen Ernstes. Wer aber tiefer zu sehen, .zwischen : den Zeilen zu lesen versteht, dem klingt grade1 aus diesem Buche das wärmste Mitgefühl mit dem Leid der Welt, eäri Herz, das blutet ob all der Entartungen und Mißbrauche, ob der falschen Lebensauffassung und törichten Verzweiflung entgegen. Dieses Buch ist voll der Liebe, weil es d e n L iefe e»$ a f m e n zur Liebe hinführen w i 11 i; di es.es Buch ist voll der Hoffnung, weil es das To r des iH o f f e n s d e m öffnet, £ ü r den e s b i s h e r verschl oss e n :, w a r. Grade dieses Buch hat, wie vielfache Erfahrung bestätigt, Unzähligen in Zeiten innerer Verarmung: und der Untröstlichkeit zum Herzen gesprochen; die bittere Wahrheit hat Unglücklicher aufgerichtet, weil es ihr eigenstes letztes Sorgen und Empfinden aussprach, weil sie. sich selbst erst an der Offenheit diesesBuches verstehen, gelernt haben. Durch dieses Buch haben diejenigen die Welt wieder werten gelernt, denen sie in der Tat als völlig eitel vorgekommen .ist. , Das gilt vor; allem auchi f ür einen; Punkt,, in dem die voreilige Kritik an^JECoheleth, zu nörgeln nicht unterlassen .kaan; in-(|Bezug;: auf .seinen G l a u be n\ a n d i e Ujn s ^%tcJ> Ii-c h fc e i t, an das Jenseits. Grade die Zurückhaltung, mit welcher Koheleth dieses hei^ge Geheimnis des gläubigen Menschen behandelt, ist bewundernswert und vom höchsten rEindruck. Er -hatte es billig gehabt, mit der Waffe, des Unsterblichkeitsglaubens dem Diesseits auf den Leib zu rücken. Dann, aber, hätte das ganze Buch seine Wirkung verfehlt. Erst dadurch,; daß es scheinbar sich ganz einstellt auf die Etdenwelt und durch diese Blickstarre die Einseitigkeit des Irdischen ad absurdum führt, grade dadurch gewinnt der Satz von der „Eitelkeit der Eitelkeiten',' solche Eindringlichkeit, wird der Mensch mit all seinen irdischen Schätzen so arm,-..wird der Tod . solch: ernster Mahner, wird die Verantwortlichkeit des Lebenszum höchsten Gedanken und zum wichtigsten Impuls für die Erfüllung der Stunde. Und ■der. Unsterblichkeitsgedänken wird nicht, zum Quietiv, zu; einem;;Gedanken der Beseligung und Beglückung,j.sondern zur (Vollendung des V e r- . a n t w o iX: t u n ,g s b e w u ß t s e i n szum Gedanken des Gerichts. „Dort drüben ist nichts mehr , gutzumachen. " Alles noch so Verborgene bringt G'tt ins Gericht, wenn, der Geist zu Ihm zurückkehrt, der ihn gegeben." ■ •' Koheleth ist ein männliches Buch; es ist ein Arzt der Seele, dem wir uns um so lieber anvertrauen1,'dessen bittere Medizin wir desto williger •nehmen, als-wir in ihm' den iaufrichtigen und aufrechten; aller Grenzen seiner Kunst und unserer Natur bewußten Weisen verehren. Wer war nun dieser Weise, der große Lebenskenner, der irr diesem Buche spricht? Daß Henriette S z o 1 d , die Mutter der Jugendaliiah, dann Matrosen auf dem jüdischen Schiff „Tel Awiw". Orientalische Juden, auch in Polen und in Karpathorußland, arbeiten in ihren Werkstätten und auf der Straße. In Berlin und anderen Städten Deutschlands bereiten sich jüdische Jungen und Mädchen für ein neues Leben in Palästina vor. Alles in allem: Bilder jüdischer Not und neu e r jüdis e h er Ho f {nun g. . : ■;. : . (Zwei Kataloge.) Die 'Kataloge :Hebraica und. Jüt daica der; bekannten' Bücherei -B a m b e r g e r u.' Wahrmann in Jerusalem (King George Avenue) sind als. Nummer 7, und 8 erschienen. Wir haben, wiederum ein Verzeichnis von zum Teile äußerst wertvollen Werken jüdischen Wissens in hebräischer, deutscher, englischer' und französischer Sprache. Jüdische Forseher und Bücherfreunde finden Auch in diesen Katalogen sichere Wegweiser. Verlorene Posten, Eine Erwiderung von .ryabb, C. Peritz in Schönlanke. | In Nummer . 41/42 des „Israelit", berichtet Herr J. t Schiller unter der Ueberschrift „Verlorene Posten" : über seine Reiseeindrücke anläßlich seimes''Aufenthaltes in der Grenzmark {Posen-Westpreußen, wobeie er die Zustände daselbst, und nicht nur . die materiellen. ' in trübstem Licht erscheinen, läßt. Auch die Gemeinde Schönlanke unterwirft er dabei einer" Kritik, indem er in Parenthese von ihr sagt: „Vielleicht bildet Schönlanke eiae: Aufiiiahme,' ^ber es'ist so verschwin- . dend wenig,: was dort gelernt wird,, und das. Interesse 4er,.dortigen jüdischen Jugend ist. so . minjpal, daß es kaum in die Wagschale fällt." Dieses .Urteil, das ich, als den Tatsachen in keiner Weise entsprechend, entschieden Zurückweisen muß, Wirkt um befremdliehei", als sich Herr Schiller meines Wissens überhaupt nicht in Sch. aufhielt, und keine Geelgenheit gesucht hat, die tatsächlichen Vernältnisse hier kennen zu lernen. Er, hätte sonst eine derartig ungerechte Kritik unterlassen. ' * Als verantwortliches Oberhaupt der Gemeinde Schönlanke sehe ich mich daher veranlaßt, seine Behauptungen im Folgenden richtig zu stellen. Zunächst möchte ich, um eine Mißdeutung des genannten Artikels auszuschließen, darauf hinweisen, daß die; Ge- , meinde Sch, selbstverständlich eine Mikwoh besitzt, die auf Wunsch auch Mitgliedern anderer Gemeinden der Grenzmark zur Verfügung steht, im Unvermögensfalle sogar, unentgeltlich. Ferner wird eine große Anzahl von Schiurim jede Woche gelernt, und sowohl die Gemeindemitglreder als auch die- Jugend haben jeden Tag Gelegenheit, ihre Kenntnisse in unserem überlieferten Schrifttum zu vertiefen. Ich kann Herrn Schiller weiterhin mitteilen, daß diese Schiurim nicht nur täglich von mir gelernt werden, sondern daß sie sich, auch eines guten Zuspruchs erfreuen., An den täglichen Schiurim nehmen.„in der Regel 1$:—20 JHfe.r-; reji teil. Die Dmim-Schiurim für Knaben erfassen das gesamte verfügbare Material. Die reiferen'Knaben von '"12 Jähren an lernen auch wöchentlich mehrere Gemoroh-Schiurim. Ebenso sind für -Damen und Mädchen entsprechende Kurse vorhanden, die ebenfalls, sehr gut", besucht sind. Es trifft also keineswegs.''zu, ' daß hier hur Verschwindend wenig gelernt wird; Im Gegensatz dazu steh?t-das-jüdische Lernen im wahr-; sten Mittelpunkt desuhiesigen Gemeindelebens. J#der j .Kenner der, ..augertbidekhshen . SchönJanker. Verhalt- I .nisse, wird bezeugen,r mit welchem Interesse die '"her-? anwachsende1 jüdiscliie Jdgend: -ain 1 'allen religio!sfe"n - -Forderungen'aTbeitet. Es: hieße, meine eigene Person ri;u;>sehr: in den Vordergrund stellen, wollte ich im Einzelnen darauf hiniweisen, in welchem Maße religiöse und jüdisch geistige Arbeit von. der mir anvertrauten 'Jugend geleistet wird, und welcher Geist diese Jugend erfüllt, der auch in den Elternhäusern seine Einwirkung nicht verfehlt. Im Hinblick auf die ungerechten Angriffe möchte ich doch so viel feststellen, daß, wenn die traurigen materiellen Verhältnisse, bedingt durch die. allgemeine Lagie, nicht eine ständige Abwanderung zur Folge hätten, die Gemeinde Schönlanke "einer Zukunft r entgegensehen dürfte, die sie nicht als' verlorenen P o s t e n erscheinen ließe, sondern als eine Pflanzstätte der 'Traditionen des glaubens'treuen Judentums. - r >• - Wochenkalender. Von. 16, — 23. November 1935 / Vom 20. — 27. Marcheschwan 5696 '■'i :.. ■ ■ :' ■ '»lV.sp Skm'siag 16 : - (. 20 'na saa ' ' SÖhntäg . 17 i 21; p; Montag 18 22 nop D'iehstäg'"1 19 23 :"l3pi Mittwoch Nov. 20 ,]wh"M 24 T3i? Donnerstag ::->:':■■ 21 25 ra> "Freitag 22 '£.,.:.. 26 ■■■■1 vty ■■■ ' Samstag .;.).-- 23 ' 27 - ..! ., . - I :;a"na p*iaaJ:»Tin" n'ayrt v wi)sh m»n ' Vim T'3."73ö .TVW "/I Mauled; Nacht auf Dienstag 12 TJhr^ 24% Minuten.

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