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Der Israelit · 1935-11-07 · Heft 45 (7.11.1935) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 45 (7.11.1935)
Date
1935-11-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 45 Der Israelit 7. November 1935 dem entziehen. Atheisten sind bei uns nicht offiziell anerkannt, so daß Eltern, die ihren Kindern keinen Religionsunterricht geben wollen, beweisen müssen, daß sie keine Juden sind. Bis jetzt ist noch kein einziges jüdisches Kind in dieser Weise vom Unterricht befreit worden. Die Eltern haben etwas Neues herausgefunden, sie wollen ihre Kinder in profane Schulen schicken. Wir haben daraufhin im Ministerium einen neuen Beschluß durchgesetzt, daß jede Schule, die 10 jüdische Kinder zählt, Religionsunterricht geben muß, so daß niemand sich dem entziehen kann. Der Unterschied zwischen den religiösen Schulen wird immer geringer. Die religionslosen Schulen sind durch die Regierung vollkommen vernichtet. Die zionistischen Taborschulen müssen nun agudistische iLehrer für den Religionsunterricht anstellen. Es kommt wohl vor, daß die neologen Vorstandsmitglieder von einigen Schulen an diesen Lehrern Rache nehmen, indem sie ihnen die Aufgaben so schwer als möglch machen. Auch in den höheren Schulen. machen die Kinder, die schon früher beeinflußt waren, Schwierigkeiten im Religionsunterricht, aber es nutzt nichts, die Regierung will mit aller Gewalt ihren Plan zur Ausführung bringen. Mit G'ttes Hilfe werden wir ein neues, echt jüdisches Geschlecht erziehen, das der Thora und der Tradition treu bleibt. Gibt es auch jüdische Fachschulen in Lettland? Es sind verschiedene in Riga, Daugavpils und Liepaja. Auch in diesen Schulen ist Religionsunterricht verpflichtend. Ist in der jüdischen Jugend ein starker Drang zum Studieren? . Teilweise ja. Nach Beendigung der unteren Schulen kann man aber nicht Studieren, die Jugend sucht dann Arbeit, man findet sie oder nicht. Ein großer Teil geht in die Fabrik, arbeitet, um dann nach Erez Jisroel auswandern zu können. Doch kann die Anzahl, die studieren will, groß genannt werden. Für die Lettländer ist es heute ein Paradies in dieser Hinsicht, Die Minderheiten werden aber gehindert, der Zugang zu den Universitäten ist für sie beschränkt, an der medizinischen Fakultät geschehen noch merkwürdige Dinge. Jährlich legt nur ein jüdischer Student sein Examen ab, der Rest fällt durch. Nachher kann man doch nichts tun. Im Augenblick kann ich nicht alles so offen heraus erzählen, aber es sind zu viele jüdische Akademiker noch da, sie haben nichts zu tun und sie gehen gewöhnlich direkt aufs Palästina-Bureau. Sind Sie im allgemeinen mit dem Zustand zufrieden?, informierten wir uns schließlich. Jawohl, antwortete Herr Chadakpv, warum auch nicht? Es gibt noch vieles zu verbessern, doch leben wir in einem Lande, das eine historische Neuheit ist. Die Orthodoxie behrrscht das lettländische Judentum und die Regierung stützt sie mit allen möglichen Mitteln, auf daß sie ihre Position weiter verstärken und ihren Einfluß ausüben kann. Sehen Sie sich doch einmal das neue Prachtlokal des Volksheims (Agudas Jisroel) an. Die Regierung hat dieses Lokal der Agudo freiwillig zur Verfügung gestellt. Früher war es das Klubhaus des Perez-Vereins, einer linksge- Von Oberrabbiner Dr. Carlebach in Altona. Koheleth im wechselnden Urteil der Zeit. Koheleth ist ein Buch sui generis, ganz besonderer Art, ein Einzelgänger innerhalb der biblischen Literatur. Es (bildet mit dem Spruchbuch Mischle ein Werk der Chochmah, der Weisheit; aber selbst von diesem hebt es sich in Sprache und Methode völlig ab. Es klingt beim ersten Eindruck wie aus einer anderen Welt; als stamme es nicht aus den heiligen Hallen g'tterfüllter Weltbetrachtung; es läßt scheinbar einen kalten Windzug aus den Bereichen kühler, skeptischer, blasierter Vernünftelei in die Glaubenstflut der andren Bibelteile strömen. Darin liegt sein Reiz, sein eigenartiger Zauber, Wie es unter den religiösen Menschen verschiedene Typen gbt, Schwärmer und Kritiker, Männer religiöser Begeisterung und solche ruhigen Verstandes, Lehrer selbstgewisser apodiktischer Ueberzeugung und solche, die niemals . mit den Problemen <zu Ende kommen und in stiller Selbstbescheidung „wir wissen nicht" Sprechen, so sind auch die Einzelbücher der Bibel aus verschiedenartiger Glaubenshaltung, von G'ttesmännern höchst individueller Prägung geschrieben. Darum kann keins entbehrt werden, bilden erst die 24 Bücher der heiligen Schrift vereint die Bibel, die vollständige Offenbarung G'ttes. Aber ein Buch so originaler Besonderheit wie Koheleth gab und gibt leichter Anlaß, ihm das Bürgerrecht in der biblischen Welt, seine Beheimatung auf den heiligen Bergen Israels streitig zu machen, mit einem gewissen Behagen festzustellen, daß Koheletks Auffassung gar nicht die i jüdische sei, daß sie von fernher geholt und durch richteten Organisation, Die Kinder der Thora w'Derech Er'ez-Schulen werden bereits von den Schulen in Vereinen organisiert. Die Jungens in denPirche und die Mädchen in Bathja. Mitgliedschaft in einer anderen Organisation ist ihnen untersagt und in diesen Organisationen werden sie erzogen im jüdischen Geiste. Nach Beendigung der Schule gehen sie gewöhnlich automatisch in das Volksheim über. In den letzten Jahren haben wir dort prachtvolle Resultate erzielt und wenn es so weitergeht mit G'ttes Hilfe, dann werden wir mit der Zeit ein zielbewußtes," streng religiöses neues Geschlecht erzogen haben. launische Zufälle sich im Kanon eingenistet habe, Zunächst kann sich die Krtitik nicht genug: darin tun, das Buch möglichst spät anzusetzen. Die vollständig aramäisch durchsetzte Sprache, die Gräzismen (?) und die Vertrautheit mit Ideen griechischer Philosophie sollen zeigen, daß das Buch nicht vor 300 v. unserer Zeitrechnung geschrieben sein kann. Als Begründung heißt es: die Schrift setze eine Zeit völliger Anarchie im Lande voraus, z. B. 4, 13—16; 10, 16—20; in 3, 13—18 liege eine Anspielung auf die Belagerung von Syrakus durch die Römer im Jahre 212 und ihre Verteidigung durch Archimedes. Auf Koheleth habe epikuräische, stoische und heraklitische Weisheit in wirrem Durcheinander eingewirkt; man vergleiche dazu besonders „den ganz unjüdischen Gedanken vom ewigen, gleichmäßigen Wechsel alles Geschehenden und die Verherrlichung der Freude." Aber „ein Philosoph; sei er doch nicht. Die Konfusion stecke in des Verfassers Kopf, der im übrigen ein gründlicher Kenner und unbestechlicher Beurteiler des wirk-, liehen Lebens war," (Sellin; EinL ins alte Testament, S. 156—57.) Wir finden in den angezogenen Stellen keine Spur einer Anarchie im Lande. Koheleth spricht dort vom wechselnden Beifall der Menschen und von dem wilden Sinnengenuß unfreier Fürsten, und was sich angeblich auf Archimedes bezieht, redet von einer „kleinen Stadt mit wenig Menschen, in der nachher niemand .des weisen Retters gedacht" hatte. Alle Einzelheiten passen auf Archimedes ganz und gar nicht, der in höchster Achtung bei Freund und Feind stand und eine gewaltige Stadt gegen den Römer verteidigte, jedoch nicht zu retten vermochte. Aber gibt es nicht auch sonst Beispiele, daß Weise eine sind hier in populärster-' und doch tiefgründiger Art erörtert. Die Stellungnahme Is. Breuers zu aktuellsten Problemen Palastinas und der Welt zwingt in mehreren größangelegten Artikeln jeden Leser zur eingehenden Beschäftigung mit diesen Fragen. Einige durch die neue gesetzliche Lage in Deutschland gegebenen religionsgesetzlichen Schwierigkeiten werden durch hebräische Beiträge von Rabb. S. Münk und von Dr. J. Lewy beleuchtet; auch der fortgeschrittene Talmudbeflissene findet hier sein Genüge in einer Studie von Rabb. Dr. E. Elberfeld. Auch historische Einzelfragen der biblischen Zeit kommen zur Behandlung. Durch Bücherschau und Chronik werden die Leser über alles in der jüdischen Welt Vorgehende, über Neuerscheinungen und Neuorganisationen auf dem Laufenden gehalten. Die Redaktion hat den weitestmöglichen Kreis von Beitragenden herangezogen und stetig auf Gründlichkeit und gleichzeitig Allgemeinverständlichkeit jedes Beitrages geachtet. Zu alledem ist die Ausstattung schlicht und würdig, und der Bezugspreis den Zeitverhältnissen angepaßt, und es ist daher wohl zu hoffen, daß diese Monatsschrift, die einem wirklichen Bedürfnis abhilft und in der gesetzestreuen Well ohne Parallelutiternehmen dasteht, weiterhin in allen gesetzestreuen Häusern Eingang findet. Sie ist geeignet, auch in der schweren heutigen Zeit jene Atmosphäre von weltzugewandter Jüdischkeit und volksverbundener jüdischer Wissenschaft zu verbreiten, zu welcher der Geist des Meisters die westliche Judenheit erziehen wollte. Es ist Lehre und Weltleben in höchster Vereinigung. Und es ist ein Zeichen der unverwüstlichen Lebenskraft des „Geistes des Gesetzes", wie ihn der Meister lehrte, — daß diese Zeitschrift auch heutzutage erscheint und m. G. H. sich weiter ausbreitet. J Einfacher Apparat zum selbsttätigen Löschen der Schabboslichter. Man schreibt uns: Es dürfte manchen willkommen sein, einen Wink zu erhalten, wie man die Schabboslichter automatisch löschen kann. Man lasse sich von einem Klempner einen etwa 2—3 cm hohen Blechring anfertigen, in welchen die Schabboslichter grade hineinpassen. Am oberen Ende des Blechrings werden zwei Klappen mittels Scharnieren angebracht, die selbsttätig zuschlagen. Vor Beginn des Schabbos schiebt man den Ring so tief über die Kerzen, als man diese brennen lassen will. Ist dann die Kerze bis zur obersten Ringscheibe niedergebrannt, schlagen die Klappen zusammen und löschen das Licht. Zur Wa rmlaltung der Spieascn. Die Kochkiste kann jeder sich mit leichten Mitteln herstellen. Es muß eine aus kräftigem Holz gut schließende Kiste sein, wo vor allen Dingen auch •der Deckel fest anschließt. Sie wird mit Holzwolle oder Daunen gefüllt, die durch irgendein Klebemittel fest zusammengehalten werden, und nur in der Mitte wird ein oder mehrere Löcher vorbestimmter Größe freigelassen, in welche ein Topf fester Form genau einpaßt. Werden die Speisen kochendheiß in die Gefäße abgefüllt Und in der Kochkiste gut verschlossen, womöglich auch mit Wolldecken über der Kiste, aufbewahrt, so werden die Speisen gargekocht und sehr lange warmi erhalten. Es ist eine vielfache Hebung erforderlich, um genaufestzustellen, wieweit die Speisen vorgekocht »ein müssen, und um die gesamte Handhabung der Kiste genau zu kennen. E© empfiehlt sich auch, die Kiste mit heller Farbe von außen und innen zu streichen, um die Wärmestrahlung 2U vermindern. Wirksam ist sie nur, wenn die Dichtung so energisch ist, daß jeder Luftzug abgewehrt ist. Gestalten und Symbole der jüdischen Kunst« Im Verlage Siegfried Scholem, Berlin-Schöneberg, ist unter obigem Titel eine Sammlung von Rahel Wischnitzer - Bernstein mit sechs1 farbigen Tafeln und 81 Abbildungen erschienen. Das stattliche gutgebumdene Quartbuch gliedert sich in acht Hauptteile, die folgend« Themen in Wort und Bild behandeln: G'ttliche Offenbarung, Königtum, Lehre, Priestertum, Judentum, Fest und Brauch, Zukunftshoffnung, Zeit und Welt, Die Bilder zeigen, wie Moses die Gestzestafeln empfängt und dem Volke überreicht, zeigen auch Tierverzierungen an heiligen Leuchtern, Salomon auf dem Throne, Sederkissen und Wimpeln und dergl. mehr. Eine große Anzahl von alten Hagadabildern aus dem 16. bis zum 18. Jahrhundert erweckt großes Interesse. Man sieht, wie viel Liebe und Eifer, wie viel frommen Glauben, Treue und Freude diese zum Teil" sehr primitive und anspruchslose Volkskunst widerspiegelt. Manche Bilder,-so der Tierkreis als Rahmen für eine Eheurkunde aus Ancona 1776 und Gesetzestafeln nach einem ägyptischen Chumisch au® dem 10. Jahrhundert, ebenso einige Broncenschalen erheben sich zu einer Symphonie von Farben und Formen von bestrickender Schönheit. Bei all dem ist 'die Wiedergabe der Bilder ausgezeichnet, der Text kurz und präzis abgefaßt und sauber gedruckt. Alles in allem, ein Werk' voö hohem Kunstwerte und zudlem ein vortrefflicher Anschauungsunterricht über Gestalten und Symbole in der jüdischen Geschichte,

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