Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1935)
- Date
- 1935-11-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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7. November 1935 Der Israelit Nr. 45 Seite 5 Länder, in denen di >f - 7 das jüdische Leben Ein Interview mit Herrn Chodakov, Referent iür Unterrichtswesen in Lettland, Von S. Rotenberg in Riga. Um uns genau zu informieren, wandten wir uns an den am ehesten für ein Interview in Betracht Kommenden, nämlich an Herrn C ihodakov, der als Referent des .Ministeriums für Unterrichts wesen und als Vorsitzender der Agudo- Jugend das jüdische Erziehungswerk leitet. Auf seinem Büro im Ministerium für inländische Angelegenheiten wurden wir von Herrn Chodakov aufs freundlichste empfangen, und bereitwilligst informierte er uns über das Wissenswerte, das wir nunmehr folgen lassen. Um mit technischen Fragen zu beginnen, so wandten wir uns an Herrn Chodakov mit der Frage, worin seine Arbeitals Referent bestehe. Der jüdische Referent, so antwortete Herr Chodakov, ist, um damit zu beginnen, der Inspektor über alle jüdischen Schulen und Erziehungsinstitute. Kein ministerieller Erlaß über jüdische Schulen und religiösen Unterricht kann ausgefertigt werden, bevor er dem Referent vorgelegt wird. Außerdem ist es seine Aufgabe, Revisionen abzuhalten und neue Projekte auszuarbeiten. Da alle Minderheiten in Lettland kulturelle Autonomie haben, ihre eigene Sprache als Unterrichtssprache benutzen dürfen und unter Aufsicht des Unterrichtsministeriums bleiben müssen, ist es begreiflich, daß die Regierung jemand einstellen mußte, der zu der betreffenden Minderheit gehört, ihre Sprache und ihre Religion kennt und im Auftrage des Ministeriums Aufsicht ausüben kann. Was die jüdische Minderheit betrifft, so war diese Notwendigkeit •begreiflicherweise noch dringender. Das ist in kurzem die Aufgabe des Referenten. Welche sind die jüdischen Schulen? Das Netz der jüdischen Schulen ist sehr ausgedehnt. Hauptsächlich sind im Augenblick alle städtischen .Schulen private Schulen. Früher war das nicht der Fall. Nun, da die diktatorische Regierung den Minderheiten verschiedene Gesetze auferlegt hat und Privatschulen nicht mehr unterstützt, wurde der größte Teil der Schulen durch die Städte übernommen. Es sind zahlreiche Kindergärten und Fröbelheime, ca. 70 Volksschulen und etwa 13 Gymnasien zu beaufsichtigen, Als Wichtigste unter diesen verdienen die ausgesprochen orthodoxen Thora w'Derech e Agudas Jisroel beherrscht. Erez-Schulen genannt zu werden. Alle sind sie durch die Stadt übernommen worden, auch das Thora w'Derech Erez-Gymnasium in Riga. Doch wird im Schulprogramm keine Veränderung vorgenommen. Wir haben, wie früher, absolute Freiheit in jeder Hinsicht. Wir mußten die Schulen nur in Stadtschulen umändern lassen, da wir sonst keine Unterstützungen bekommen hätten, was den Bestand der Schulen in Gefahr gebracht hätte. Welche ist die Unterrichtssprache in den verschiedenen jüdischen Schulen? Ganz frei nach Wahl Jiddisch oder Hebräisch. Es besteht nämlich in dieser Hinsicht Meinungsverschiedenheit. Die Jiddischisten behaupten, daß das Jiddisch im Augenblick unsere nationale Sprache ist, während der Rest das Hebräische als nationale Sprache ansieht. Es ist dies hier immer noch ein gewisses Problem und es ist nur der Loyalität der Regierung zu danken, daß sie hier von sich aus nicht eingegriffen hat und beide Sprachen als Unterrichtssprachen anerkannte. Die meisten der Schulen haben das Hebräische als Unterrichtssprache gewählt. Die Thora w'Derech Erez-Schulen unterrichten halb Jiddisch und »halb Hebräische Welche Schulen besuchen die jüdischen Kinder? Die meisten besuchen jüdische Schulen. Es sind die verschiedenartigsten jüdischen Schulen bei uns, so daß jeder seine Wahl finden kann. Warum sollten Eltern ihre Kinder in fremde Schulen geben? Wie ist das religiöse Niveau dieser Schulen? Die Schulen Lettlands werden in streng und weniger streng religiöse eingeteilt. Doch müssen auch die weniger religiösen Schulen Religionsunterricht geben. Die Regierung will mit aller Gewalt das religiöse Leben stärken. Wir Juden sind daher der Regierung auch in jeder Weise dankbar. Die Umwälzung, die dadurch im geistigen Leben entstanden ist, ist unbeschreiblich, es ist nur traurig, daß eben eine derartige Hilfe von außen kommen mußte. Durch ein speziell hierfür eingerichtetes Bureau im Ministerium werden die Religionslehrer gewählt. Die Regierung versteht sehr wohl, daß Religionsunterricht kein Fach ist, das der erste beste unterrichten kann, sie verlangt deswegen, daß die Einladung an: «'in »in aliW na/ vielleicht wird der König einen Anschlag gegen sein Leben vermuten und beide, Esther und Haanan, töten. Nach persischem Gesetz wären dann alle gefaßten Beschlüsse und damit auch die Verordnung gegen die Juden des persischen Reiches aufgehoben. Eine Andeutung für die Absicht Esthers1, in Achasc'hwerauseh Eifersucht zu wecken, ist in der Steigerung der Ausdnickswedse zu finden. Bei der ersten Einladung (5, 4) sagt Esther: iV *n>vv *wk» das zweite Mal (5, 8) nnV TOJK w Sie will den Eindruck hervorrufen, als ob sie Haman ihrem Mann gleichstelle. Fortsetzung der Sidra-Anleitungen der Esra- Pirche Agudas Jisroel Gruppen, Wajero: Der Anfang der SidVa ist «in Hinweis auf D'^in np>a Jiixna~n selbst erfüllt diese, den Menschen auferlegte, Mizwoh (Dr. Wolf^lihn^D'pin). Beachte da® Verhältnis Awrohoms zu seiner nicntjtidischen Umgebung! Er erfüllt trotz «einer Krankheit rtöMfl AIS» O'rniK' /indem .er, ungeachtet der glühenden Mittagssonne nach n i c h t j ü d i s c h e n Gästen Ausschau hält. Aus der Art, wie Awrohom nach Gästen ausschaut, läßt sich schMeßen, daß man auf eine Mizwo nicht wartet, sondern sie aufsucht. (Messilas Jeschorimi), Ueber die Person der ctrei Engelsfooten siehe B. Jacob Genesis. Hinweis auf das Stehen G'ttes bei Gericht (Raschi). Verhältnis zwischen Rede und Tat (18, 5) bei der Bitte Awrohoms. Seine Furcht vor Götzendienst zeigt sein Ersuchen um Reinigung der Fuße vom Staub, Satz 6 und 7 Hinweis auf das eilige Erfüllen der Mizwoh. (Siehe Mesisilas Jeschorim, Kapitel' ''über Serisus). G'tt "tut nichts, ohne es seinen Dienern mitzuteilen (Arnos Kap. 3, 7.1) Zu der Stelle, daß G'tt herabsteigt, um sich vom Risch'us Sodoms zu üb erzeugen, siehe J. Neubauer „Bibelwi««enisch>aftlicbe Irrungen", nachzulesen im Jeschurun, Jahrgang 1917, Seite 237. G'tt selbst will die Fürbitte Awrohom® für Sodom, denn er kündigt das Strafgericht in dem noch nicht festen Entschluß zeigenden Futur an. (Siehe B. Jacob,*) Seite 448,) Ueber die Art des Gebetes von Awrohom siehe in Wolf niinn wpm Seite 298. Das Gespräch zwischen Awrohom und G'tt zeigt erstens, daß das Vorhandeinsein von Gerechten einen Ort schützt, zweitens, daß kein gemeinsames Urteil über Frevler und Gerechte gefällt wird. G'tt macht die Rettung Sodoms abhängig von dem Familienleben der Zadikim im Gegensatz zu dem staatlichen Leben. (Isaak Breuer, „Elijahu"^).1 Awrohom wagt es, mit s'eiaem menschlichen Reehtsgefühl an G'tt heranzutreten, ein Zeichen für die G'ttlichkeit des menschlichen Rechtsgefü'hls. (Hirsch z. St.) Beachte den Gegensatz in der Aufnahme der Engel zwischen Awrohom und' Lot! Erzähle Midroschim über die Schlechtigkeit Sodoms (Awrohom bittet immer nur um die Rettung des Ortes, nicht der Frevler selber). Kapitel 19, Satz 29 weist darauf hin, daß Lot seine Errettung wehiger seinem Zidkus als dem Gebet Awrohoms zu verdanken hat. Beachte die Uebereinstimmung und Verschiedenheiten in den Zügen der Väter nach Aegypten. Im Kapitel 20, Satz 7 kommt das 'erste Mal das Wort ,*Nawa" im Tenach vor. Siehe dort die Ausführungen Hirschs über Newijus. Kap. 21, 22 bis Kap. 22 Ende, die Affäre mit Abimelech, zeigt Awrohom in seinem höchsten Glück. *) Bei der Benutzung von B, Jacob ist auf seine liberale Einstellung zu achten, die manchmal erst bei genauerer Ueberlegung erkannt wird. Kandidaten nicht nur durch profane, sondern auch von religiösen Kapazitäten ihren Befähigungsnachweis erhalten haben, so daß sie fähig sind, in echter Emuno zu unterrichten. Daß keine anderen Personen für Religionslehrer in Frage kommen, als streng religiöse (Agudisten) ist doch wohl verständlich. Diese Lehrkräfte werden in der Hauptsache in pädagogischen Kursen der Thora w'Derech Erez-Schulen vorbereitet. Um das Lehrerdiplom zu bekommen, müssen sie die mittlere Schule besucht und „gelernt" haben. Es fehlt sehr oft an derartigen Lehrern. Stellen Sie sich doch vor, in all den zahlreichen Schulen, die früher keinen religiösen Unterricht gaben, müssen nun in allen Klassen Lehrer angestellt werden. Woher sollen wir sie bekommen? Beinahe die ganze Jugendgruppe des Volksheim (Agudo) ist augenblicklich als Lehrer tätig. Natürlich ist es für uns sehr angenehm, unseren Mitgliedern dadurch Arbeit zu verschaffen. Das geht soweit, daß man behauptet, daß von der ganzen Bevölkerung nur die Agudo bei der Diktatur gewonnen habe. Die Hauptsache ist doch aber, daß alle Schulen nun religiös geworden sind. Wie ist der Stundenplan^ des Religionsunterrichts? Für alle Schulen ohne Ausnahme ist das Minimum drei Stunden täglich mit folgenden Fächern: Chumisch, Tnach, Hebräisch, Geschichte, Dinim und in den drei obersten Klassen Gemoro. Dieses Programm gilt auch fürs Gymnasium, so daß man beim Verlassen der Schule das Judentum in seinen Urquellen kennt. Es wird Sie auch gewiß interessieren, daß die Regierung darauf achtet, daß die jüdischen Kinder richtig beten. Vor einigen Monaten hat das /Ministerium ein offizielles Zirkular herumgeschickt, worin allen Schulen befohlen wurde, daß die Kinder unter Aufsicht udawnen", Jeden Morgen um 8 Uhr müssen alle in der Schule' sein, wo mit Minjan gebetet wird. Dann ist eine kurze Pause, damit die Kinder frühstücken können, darauf beginnt der Unterricht. So etwas ist sicherlich noch nirgendwo geschehen, daß eine nichtjüdische Regierung die jüdischen Kinder verpflichtet, jeden Morgen zu beten. Und ist das ohne Gegnerschaft geschehen? fragen wir weiter. Wohl einige Zeit, so antwortete unser Gewährsmann, erhob sich ein schwacher Protest von den freien und linken Eltern, der aber mit der Zeit in den Sand verlief. Die Masse ist zufrieden, daß ein streng jüdischer Geist eingeführt wurde. Das neue Schulgesetz ist für jeden verpflichtend, niemand kann sich Gleich .darauf folgt die Akedoh. Führe hier die Parallele zu Hiob aus: im Moment des höchsten Glücks kommt die Prüfung (s. -B. Jacob). An Jizchok wird zum ersten Male n^'» msn zur vorgeschriebenen Zeit ausgeführt. Beachte die Stellung Awrohoms zu Jischmoel! Warum mußte erst Sara ihren Gatten auf dessen verderblichen Einfluß gegenüber Jizchok aufmerksam machen? Ist es lediglich blinde Vaterliebe? Bei der Verstoßung Hagars ist darauf hinzuweisen, daß das Gebet de® kranken Knaben erhört wird und nicht das der Hagar. Was ist der Sinn der Aked'oh? Stellung .zum Menschen, besonders zum Kinderopfer! Parallelen aus der jüdischen Geschichte. Ueber die Personen dermya 'Kr ist Dr. Wolf (minn *?v ayvi) nachzulesen. Wie erkannte Awrohom den Ort der Opferung? Achte auf die Midroschim über das Verhalten des 1ö» in der gesamten Akedoh-Schilderung! Zur Fr&ge, daß ein Mal'oeh genügt, tun Awrohom an der Opferung zu hindern ißBibelkritik) s. Hirsch zur Stelle. Weise auf den Zusammenhang zwischen der Nachricht über Riwkohs Geburt und dem Inhalt von der nächsten Sidrah hin! (Bei den einzelnen erwähnten wixd ist Hirsch Ghoreb nachzulesen.) Kleines Feuilleton, Ein Halbjahrzelmt „Nachlath Zwi", Von B. C. Der jetzt abgeschlossene fünfte Jahrgang der Zeitschrift der Rabbiner-Hirsch-Gesellschart wird diesen Monatsheften gewiß viele neue Freunde werben. Religionsphilosophi&che Beiträge von P. K. und S. Gut